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von Peter Kubaschk » Dienstag 8. Februar 2011, 11:40
salisbury hat geschrieben:Peter Kubaschk hat geschrieben:OPETH nicht völlig zu vergöttern, ist auch alles andere als schräg. Das ist einfach nur wahr.
Zumindest ist es mal total unreligiös. Ich meinte aber auch nicht, Du sollst Opeth vergöttern. Du sollst den Frosch vergöttern. Das würde auch Schrägheitpunkte geben  .
Frösche vergöttere ich schon gar nicht. Aber den ein oder anderen lichten Moment hat er.
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Peter Kubaschk
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von Martin van der Laan » Dienstag 8. Februar 2011, 13:08
DEATHSPELL OMEGA finde ich nur sehr schwer erträglich. Was will mir diese Musik sagen? Eine realistische Vertonung von Tod, Zerstörung und Wahnsinn, soso. Könnt ihr behalten, das. Bands wie diese sind verantwortlich für mein gespaltenes Verhältnis zu Black Metal. Derart fieses, nihilistisches Geröchel passt wohl schwer in meine Welt. Dann lieber meinen freundlich-doofen Power Metal. Davon kriege ich wenigstens kein Sodbrennen und muss zum Lachen nicht in den Keller gehen. Dabei sind die sakralen Gesänge im Mittelteil von 'Carnal Malefactor' wirklich schön... 
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von Teichfrosch » Dienstag 8. Februar 2011, 15:49
Chavo89 hat geschrieben:Das ist ganz ok. Mich berührt extremer Metal immer noch nicht, aber inzwischen kann ich es mir anhören, ohne gleich zu kotzen.
Wenn du dir das immerhin schon anhören kannst, dann bist du auf der sicheren Seite, weil sehr viel schlimmer kanns dann eigentlich nichtmehr kommen. Das ein oder andere ist noch schneller oder so, aber beim Chaosfaktor ist das Album schon recht weit vorne... Peter K. hat geschrieben:Davon abgesehen, ist bei mir ein Platz in den Top400 ungefähr so wie bei den meisten ein Platz in den Top100.
Also ist ein Platz in deinen Top100 soviel Wert wie bei anderen ein Eintrag in den Top25? Vielleicht sollte Holger das mal berücksichtigen. Wer einen Listenfetisch hat, der hat sicher auch einen Fetisch für Formeln und Modifikatoren. Jhonny hat geschrieben:Deathspell Omega klingen interessant, aber nicht so spannend, wie manche sie gerne darstellen. Ordentlicher Black Metal halt.
Hmm, also wenn man sich relativ intensiv mit dem Genre beschäftigt fallen die Alleinstellungsmerkmale doch schon relativ deutlich auf. DSO sind so normal wie sie nunmal sein müssen, um eindeutig als BM durchzugehen, insbesondere auch auf diesem Album, auf dem neusten Werk ist das schon in vielerlei Hinsicht avangardistischer. Aber auch auf "Circumspice" hört man sehr schnell die Merkmale raus, welche DSO von der breiten Masse unterscheiden - das ist einfach etwas sehr eigenständiges. Ordentlicher Blackmetal ist es deshalb natürlich dennoch, aber es ist eben auch etwas sehr besonderes. Peter Kubaschk hat geschrieben:salisbury hat geschrieben:Du sollst den Frosch vergöttern. Das würde auch Schrägheitpunkte geben
Frösche vergöttere ich schon gar nicht. Aber den ein oder anderen lichten Moment hat er.
Ey! Die nächsten DEADLETTER CIRCUS teile ich nicht mit dir!  Nein, mal ernsthaft, angebetet werden ist nur was für Märchengestalten wie Götter o.ä., ich dagegen bin sehr real und bevorzuge statt Gebeten ernstgemeinte Kommentare zu den Sachen die ich hier reinstelle. Alternativ werden auch monetäre Spenden entgegengenommen, aber da hat sich schon bei meinem letzten Aufruf keiner drauf gemeldet...
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von Teichfrosch » Dienstag 8. Februar 2011, 16:05
Ach, der Maddin hat ja auch was geschrieben  Martin van der Laan hat geschrieben:DEATHSPELL OMEGA finde ich nur sehr schwer erträglich. Was will mir diese Musik sagen? Eine realistische Vertonung von Tod, Zerstörung und Wahnsinn, soso. Könnt ihr behalten, das.
Heißt es nicht immer, dass man das wirklich schöne im Leben teilen sollte?  Wie dem auch sei, man muss es ja nicht mögen. Bands wie diese sind verantwortlich für mein gespaltenes Verhältnis zu Black Metal. Derart fieses, nihilistisches Geröchel passt wohl schwer in meine Welt. Dann lieber meinen freundlich-doofen Power Metal. Davon kriege ich wenigstens kein Sodbrennen und muss zum Lachen nicht in den Keller gehen. Dabei sind die sakralen Gesänge im Mittelteil von 'Carnal Malefactor' wirklich schön...
Das ist halt Blackmetal. Das hat weniger was mit "solchen" Bands zu tun, sondern mit dem Genre an sich. Frühe MAYHEM oder DARKTHRONE klingen auch nicht viel netter, wahrlich nicht... Man muss sich aber mit dem spinnerten Kram, den die Jungs von sich geben, nicht identifizieren um die Musik zu mögen, zumindest ist das meine (relativ liberale) Einstellung. Bands wie DSO vertonen Aspekte der menschlichen Existenz welche (leider) viel zu oft bewusst ignoriert werden. Auch wenn das jetzt ein wenig nach Selbstkasteiung klingt, so sollte man es nicht verstehen: ich höre die Musik, weil sie mir gefällt. Aber sie gefällt mir eben auch weil ich einen bestimmten Blick auf die Welt habe.
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von Martin van der Laan » Dienstag 8. Februar 2011, 16:55
Kermit hat geschrieben:Aspekte der menschlichen Existenz welche (leider) viel zu oft bewusst ignoriert werden
Bewusst ignorieren wird ein kluger Mensch diese Aspekte ganz sicher nicht. Diese aber zu feiern, sich daran zu weiden und zu ergötzen, das ist für mich zu viel des Guten... bzw des Schlechten. Ich verurteile das keineswegs, mache es nur nicht mit (was ich ja auch nicht muss, ich weiß). Letztlich besteht die Ars Vivendi doch darin, aus jeder Scheiße noch etwas Konstruktives oder Hoffnungsvolles für sich und/oder die Mitmenschen heraus zu holen, immer die Lösung eines Problems bzw. die Beseitigung oder zumindest Eindämmung eines gefühlten Missstandes anzustreben. Musik, die dieses Spannungsverhältnis darstellt, egal wie strahlend oder wie dunkel sie eingefärbt ist, verdient meinen größten Respekt. Die absolute Verneinung hingegen ist lebensfeindlich und zerstörend. Kermit hat geschrieben:Aber sie gefällt mir eben auch weil ich einen bestimmten Blick auf die Welt habe.
Sorry, ich will dir ganz bestimmt nicht zu nahe treten und betone, dass ich dich soweit ich das hier aus dem Forum beurteilen kann für einen sehr interessierten, sehr interessanten und zur Empathie durchaus fähigen, engagierten Menschen halt, aber wenn diese Musik deinen bestimmten Blick auf die Welt wiedergibt, dann ruft das bei mir Gefühle wie Mitleid und Entsetzen hervor. Mit diesem Blick auf die Welt hätte ich mir wahrscheinlich schon längst die Pulsadern aufgeschnitten... 
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von Teichfrosch » Dienstag 8. Februar 2011, 17:34
Nein, das hast du falsch verstanden, ich sage nur, dass ich eben einen Blick auf die Welt habe die nicht alles schlechte, welches um uns herum passiert, verleugnet. Solche Musik ist eben auch ein Ausdruck der eigenen Dämonen, denen man sich stellen muss. Ich bin ein sehr lebensfroher Mensch der eigentlich ständig gut gelaunt ist und mir geht es nur sehr selten schlecht, aber nur weil das so ist heißt das ja nicht, dass ich das Dunkle in mir selbst nicht sehen will oder es verleugne. Aber genau das tuen viele Leute, und dann gehen sie zum Psychologen weil nach dem Verlust des Lebens wie sie es bisher kannten ihre vermeintlich heile Welt zusammenbricht. Mein Vater ist Psychologe, das Motiv ist mir daher aus Erzählungen bekannt, und aus meiner aktiven Zeit beim ehrenamtlichen Rettungsdienst kenne ich solche Geschichten auch aus erster Hand. Dass dann hinter Blackmetal oft wirklich kaputte Menschen stehen die wirklich ernste Probleme hatten / haben und die Musik dann Ausdruck ihrer eigenen Störung ist steht auf einem anderen Blatt, für mich als Hörer trifft das aber nicht zu, ich schätze die Musik einfach als geiles Geboller  Ich habe einfach eine Leidenschaft für kranke Kaputtklopf-Musik. Das ich die habe begründet sich aber eben auch auf meinen sozialen Background.
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von Martin van der Laan » Dienstag 8. Februar 2011, 17:53
Ja, jetzt verstehe ich das schon deutlich besser, die Erläuterungen waren hilfreich. Und beruhigt bin ich auch irgendwie... [code="Kermit"]Aber genau das tuen viele Leute, und dann gehen sie zum Psychologen weil nach dem Verlust des Lebens wie sie es bisher kannten ihre vermeintlich heile Welt zusammenbricht.[/code] In dem Satz steckt viel Wahrheit drin. Mehr als man sich wünschen würde. Darüber hatte ich gerade eine Diskussion mit Jhonny-Boy. Kannst dir ja denken, dass er eine andere Antwort darauf hatte als du. Gibt es eigentlich Studien darüber, wie viel von den so genannten dunklen Seiten eigentlich Autosuggestion ist? Meine Freunde aus der Neurophysiologie und Pharmakologie behaupten immer, diese Tendenz des Menschen sich selbst zugrunde zu richten, sei ein Nebenprodukt der Evolution unseres Gehirns. Wir haben den Instinkt geopfert, um denken zu können, müssen aber daher zwangsläufig auch immer unser eigenes Verderben mit denken. Vielleicht das beliebteste Motiv der Literatur überhaupt. Klassisch faustisch. Mein Eindruck ist, dass der Grat zwischen "sich der Abgründe der Seele bewusst" sein und einer "downward spiral with feed forward loop" fließend ist. Aber ich schweife ab, das hier ist ein TOP100-Thread. Und spannend ist es allemal zu sehen, was man so alles toll finden kann. 
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von Teichfrosch » Dienstag 8. Februar 2011, 18:17
Martin van der Laan hat geschrieben:Meine Freunde aus der Neurophysiologie und Pharmakologie behaupten immer, diese Tendenz des Menschen sich selbst zugrunde zu richten, sei ein Nebenprodukt der Evolution unseres Gehirns.
Sicher in großen Teilen richtig, lösen kann man es mMn aber nicht mit Pharmazeutika, so wie es Neurowissenschaftler oder die Pharamindustrie versucht. Anti-Depressionspillen helfen, die Symptome zu lindern, aber die zugrundeliegende Ursache lässt sich so nicht bekämpfen. Es ist erschreckend zu sehen, wie viele Menschen Pillen schlucken um die Symptome zu bekämpfen, die eine psychische Erkrankung bei ihnen auslöst. Schlaflosigkeit, übermäßige Nervosität, Angstzustände, Depressionen etc., ich glaube ja nicht dass man das alles "heilen" kann indem man einfach die tatsächlich oder theoretisch fehlenden Chemikalien zuführt. Ärgert mich immer wieder aufs Neue. Aber da kann man sich sicher auch phantastisch drüber streiten  Als ergänzende Maßnahme um Symptome zu lindern ja, aber das Bestreben der Pharmaindustrie beispielsweise depressive Erkrankungen einfach auf ein Nichtvorhandensein bestimmter chemischer Verbindungen im Hirn zu reduzieren halte ich für grundfalsch und sogar gefährlich. So wird niemand dazu ermuntert sich wirklich mit den eigenen Problemen zu beschäftigen, sondern es wird Heilung durch Pillen versprochen - was ich für unrealistisch halte. Übergewicht? Abnehmpillen. Depressionen? Antidepressiva. Schlaflosigkeit? Schlafpillen. Das dahinter meistens ein tiefergehendes Problem steckt wird dann heruntergespielt oder schlicht geleugnet, denn die Pharmaindustrie sagt ja es fehlen mir chemische Botenstoffe oder was auch immer. Naja, ich interpretier da in deinen kleinen Nebensatz viel zu viel rein und schweife unglaublich weit ab, aber das ist so eines meiner Lieblings-Streitthemen. Genauso wie "Gene bestimmen zu 100% wer wir sind" oder "Kinder mit starkem Bewegungsdrang sind automatisch an ADS erkrankt"... *schauder*
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von Jhonny » Dienstag 8. Februar 2011, 18:37
Spannend, endlich mal wieder was, was ich gebannt mitlese Medikamente zur Einschränkung der Symptome der Depressionen halte ich schon für sinnvoll, solange sie kein Ersatz für eine Lösung der dahinter stehenden Probleme sind. Ich kenne ne ganze Menge Menschen mit Depressionen, auch z.T. mit länger schon überwundenen Depressionen, und da bin ich von der Position her nahe am Froschkönig. (ich habe übrigens auch ohne starken Bewegungsdrang ADS  ) Ansonsten ... ist die Welt ja nie heil, dass kann sie auch gar nicht sein, was für mich allerdings theologisch zu begründen wäre, denn das leitet sich vom Gottesbild ab. Ohne eines absoluten Maßstabes (der wohl in erster Linie ein Gottesbild mit einbezieht, das so logisch gedacht nur im Monotheismus denkbar ist) gibt es auch kein absolutes Gut oder Böse, damit ist die Welt erst durch den absoluten Maßstab (mehr oder minder) unheil, zumindest aber nie absolut. Wie Martin schon erwähnte, war das neulich Thema Und das "Jhonny-Boy" lese ich immer noch gerne, da fühle ich mich gleich wieder so jung 
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von Eike » Dienstag 8. Februar 2011, 20:13
Chemie ist super, um Symptome wegzuknipsen. Eine hübsche Zeile für einen Abschiedsbrief: "Antidepressiva gaben mir nach langer Zeit des Durchhängens die Kraft, wieder handlungsfähig zu werden und meine wiederkehrenden Selbstmordgedanken endlich in die Tat umzusetzen. Vielen Dank dafür!"
Music is the only religion that delivers the goods. (Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
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