salisbury's top100

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Re: salisbury's top100

Beitragvon salisbury » Samstag 27. August 2011, 17:07

Falkner hat geschrieben:Hab ich früher, wie alles andere der Band bis zum Schwarzen, rauf und runter gehört. Mittlerweile langweilt mich das enorm, weil ich mich satt gehört hab.


So ein Effekt gibt es bei mir selten. Es gibt Alben, die ich schätze, die aber seit Jahren nicht mehr in den Schacht kamen, ja, aber wenn dann wieder Zeit für und Lust auf sie da ist, mag ich's eigentlich immer noch sehr gerne. Grad die Metallicats kommen nur noch sehr selten zum Zug, aber vorhin beim Hören der "Justice" wurden doch fast die Äuglein etwas feucht. Ich glaube ich werde die großen drei METALLICA-Alben auch in 30 Jahren noch ehren..."One" wird mich im Leben niemals langweilen...
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Re: salisbury's top100

Beitragvon salisbury » Samstag 27. August 2011, 21:57

Manche Musik verbindet man einfach mit bestimmten Menschen, mit denen man diese Musik geteilt hat oder von denen man den Tip bekommen hat. Ich hatte einen ziemlich abgefreakten Studienkollegen, zu dem ich (leider) keinen Kontakt mehr habe, der aber dennoch immer lustige Erinnerungen bietet. Er war ein in allen Belagen ziemlich durchgeknallter Typ. Beispielsweise hat er sein Studium in Bayreuth abgebrochen, weil dort angeblich "zu gute Luft" ist, die ihm als Stuttgarter Großstatt-Zomie nicht bekommt und er sich deshalb (!) nicht auf sein Studium konzentrieren kann. Besagter Kollege war ein ziemlicher Musikfreak und Plattensammler, der horrende Summen für alte Krautrockscheiben ausgegeben hat, am besten im mint-Zustand, also ungespielt. Weil das ganze sehr teuer ist, hatte er für sich einen sehr ungewöhnlichen Kompromiß arrangiert: Entweder Platten oder Anlage. Die ollen Scheiben auf einer schlechten Anlage anghören, das ging gar nicht. Ich bin froh, mal ein Zeitfenster in seinem Leben erwischt zu haben, als er BEIDES besaß. Er hat dann auch zu einer Party eingeladen, auf der er endlich mal seine heißgeliebten Scheiben in angemessenem Soundrahmen vorführen wollte. Wochenlang wurde diese Party verschoben. Der Kerl hat wochenlang minutiös seine Boxen Zentimeter um Zentimeter verschoben, bis ENDLICH der Sound so passte, daß er auch für seine Gäste zumutbar war. Dann kam der Tag der Wahrheit und mindestens zwanzig Leute saßen im Kreis und erwarteten die Sounds. Gut klang es, tolle Musik kam da aus den Boxen, aber mein Kumpel war total am Boden zerstört und mit den Nerven am Ende, weil der Sound seines Erachtens nicht passte. Verzweifelt fuchtelte er and den Reglern rum bis er durch Zufall den Fehler fand. Einer von uns hatte ein HANDY dabei! Und dieses HANDY!!! hat den gesamten Klang zerstört. Kaum war dieses weggepackt, war das Glück auf seinem Gesicht. "HÖRT IHR DAS! HÖRT IHR DAS? Wie der Sound AUFGEHT?"
Es tut mir immer noch leid, daß ich absolut keinen Unterschied mit und ohne Mobiltelefon gehört habe, aber auch die anderen Gäste haben nur Bauklötze gestaunt, nicht weil der Sound so aufgeht, nein, wegen meinem Kumpel. Ich könnt Euch denken, warum...

Eine andere lustige Ironie war, daß besagter Kumpel, einer der "minderwertiges Musikhören von CD" verabscheute, "die beste Musik", die er "je gehört" hat, nur auf einem schlabberigen Audiotape besaß. Dieses Tape ist dann sicher durch einige Hände gewandert - natürlich musste man es mit Samthandschuhen anfassen - weil er es gerne und oft angepriesen hat als "Sensation aus Norwegen" mit "einer Frau am Cello". Dieses Tape fiel logischerweise auch in meine Hände. Darauf zu hören war:

Platz 14:

Anekdoten - Vemod (1993)

Bild

Entgegen der Angabe meines Kumples entpuppten sich ANEKDOTEN als Schweden, aus Borlänge in der wunderschönen Region Dalarna, dort wo die berühnmten Pferdchen herkommen. Die Frau am Cello ist jedoch real und hört auf den tollen Namen Anna Sofie Dahlberg. Sie bringt die nötige Portion Gefühl in die Männerdomäne "Retroprog" und ist sicher ein wichtiger und prägender Faktor für den Sound der Band, die als KING CRIMSON-Coverband startete. Sicher sind KC ein wichtiger Einfluß auf dem Debut 'Vemod', und wie ich finde kein schlechter. Wie am ersten Tag bin ich bezaubert von den wehmütigen Klängen des Openers Karelia. Das genauso schräge wie kraftvolle wie zerbrechliche The old man & the sea zählt immer noch zu meinen liebsten Progsongs überhaupt. Das Album wirkt auf mich fast wie live eingespielt und selbst Spielfehler wurden nicht korrigiert (oder waren gewollt) und das gibt der Musik ein ungemein lebendiges Flair. Die Spannung ist fast greifbar und ich habe das Gefühl, die Musiker wären in meinem Zimmer, live und wahrhaftig. Der Höhepunkt der Scheibe kommt für mich dann auch ganz zum Schluß, nämlich mit Anna-Sofies Mellotronsolo bei Wheel, einem an sich fast unerträglich schrägen Retroprogfeger mit ebenso schrägen männlichen und weiblichen Vocals. Aber das, was zwischen Minute 3 und 5 passiert, ist ein sagenhafter Moment, ein unerreichter Moment, nach dem ich immer hungrig sein werde, bei dem ich winseln muß und bitten, er möge nie zu Ende gehen. Diese zwei Minuten sind wie Ewigkeit.
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Re: salisbury's top100

Beitragvon Loenz » Sonntag 28. August 2011, 09:55

Die brauch ich auch noch auf jeden Fall. Tolle Musik, wie ich ja schon schrieb, wenn du King Crimson magst und die magst probier mal Liquid Scarlet aus. Ich würde wetten das gefällt dir.

Hier mal Greyroom vom Debut von denen. http://www.youtube.com/watch?v=4_DV7YyW3lc
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Re: salisbury's top100

Beitragvon Loenz » Sonntag 28. August 2011, 10:18

So ich hab mir die Vemod gerade via Marketplace von Amazon bestellt.
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Re: salisbury's top100

Beitragvon salisbury » Sonntag 28. August 2011, 10:26

Loenz hat geschrieben:Die brauch ich auch noch auf jeden Fall. Tolle Musik, wie ich ja schon schrieb, wenn du King Crimson magst und die magst probier mal Liquid Scarlet aus. Ich würde wetten das gefällt dir.

Hier mal Greyroom vom Debut von denen. http://www.youtube.com/watch?v=4_DV7YyW3lc


Ja, das kann was. Steht in der Warteschleife. Genauso wie Gösta Berlings Saga. Schweden-Prock ruuulez!

Loenz hat geschrieben:So ich hab mir die Vemod gerade via Marketplace von Amazon bestellt.


In Sachen Geschmack ist immer Verlass auf THE LOENZMAN!
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Re: salisbury's top100

Beitragvon Loenz » Sonntag 28. August 2011, 10:31

Wie sagte Jesus noch letztens. Es ist noch Geld auf dem Konto das muss weg.
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Re: salisbury's top100

Beitragvon salisbury » Sonntag 28. August 2011, 10:40

Loenz hat geschrieben:Wie sagte Jesus noch letztens. Es ist noch Geld auf dem Konto das muss weg.


Nein, das spar ich für September, wenn Opeth, Pain of Salvation, Traumtier-Eiter und Konsorten ihre neun Werke releasen... ;-)
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Re: salisbury's top100

Beitragvon Loenz » Sonntag 28. August 2011, 10:42

Das ist ja schon in den September Plan aufgenommen.
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Re: salisbury's top100

Beitragvon salisbury » Sonntag 28. August 2011, 12:13

Kommen wir zu einem weiteren Album aus meiner Studienzeit und zur für mich besten Metal-Band der 90er. Also zu NEVERMORE:

Ich muß sagen, das Debut der verschrobenen Amis um Warrel Dane hat bei mir schon eingeschlagen wie eine Bombe und passte geil zu der seltsamen angeschrägt-progessiven Musik, die Anfang/Mitte der 90er wie reifes Obst von den Bäumen fiel. Klassischer Metal als Basis mit jeder Menge wahnsinniger Arrangements, die zumindest mir bislang in der Form noch nicht untergekommen waren. Noch fieser, noch sperriger und noch geiler wurde es dann auf "Politics of ecstasy", die so einigem traditionell veranlagten Metaller einen Knoten ins Hirn gefrickelt hat. Die Erwartungen an den Nachfolger waren damals also enorm hoch und mein Kumpel (ein anderer als bei ANEKDOTEN...) und ich sind am Tage der VÖ in den Laden gerannt und haben uns das heißersehnte Teil zugelegt.

Platz 13:

Nevermore - Dreaming Neon Black (1999)

Bild

Dieses erste, gemeinsame Hören von "Dreaming Neon Black" war eine nahezu einmalige Erfahrung. Wie gebannt waren wir reglos mit unseren Booklets in unsere Sessel gefesselt, und bis zum Ende haben wir kein Wort gesagt, sondern nur die Musik auf uns wirken lassen. Danach waren wir uns einig, soeben ein Meisterwerk, ein GANZ GROSSES Meisterwerk gehört zu haben. Der Meister dieses Werkes ist ganz klar Warrel Dane. Jede Sekunde atmet dieses Werk den Wahnsinn, die totale innere Zerrissenheit, die Verzweiflung, die unerfüllte Liebe, die gesamte Verzweiflung des Menschseins. Ich habe das Gefühl, immer noch, DNB lässt einen in die Fratze eines Dämons blicken, eines traurigen Dämons allerdings, der gar kein Dämon sein will, der sich und seine Schwäche hasst und seine gesamte Verzweiflung in einem gewaltigen "DECONSTRUCTION" (hier)rausschreit. Was ich besonders faszinierend finde ist, wie sich die anderen Musiker perfekt in Danes kranke Seele einfühlen ihr mit eiskaltem, brachialem Drum-und Gitarrensound und immer wieder düsteren, psychedelischen Effekten Cenotaph
einen perfekten Rahmen geben. Die Überschrift im Booklet für No more will heißt 'Fore some there are no choices'. Liebe Leute, das hier ist ECHT sehr aufwühlend, bei Forever wird's mir - wie immer - ganz anders und ich seh grad den drogenzerfressenen Warrel Dane vor mir, wie er aussah auf der letzen Tour.

Kunst muß nicht immer schön sein, um zu bewegen.
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Re: salisbury's top100

Beitragvon Loenz » Sonntag 28. August 2011, 12:20

Yeah es gibt schon Musik die einen innerlich zerreißt quasi. Dein Review erinnert mich da an Dawn Crosby auf der Within the Veil von Fear of God, da ist das ja ähnlich. Faszinierend und fesselnd auf jeden Fall.

Zu Nevermore die sind natürlich gut. Mag ich die Band, haben letztes Jahr auf den Rockhard Festival auch ziemlich geherrscht.
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