Okay, dank Falkner hab ich nu doch wieder Energie, denn je höher ich hier schreite, desto schwerer fällt es mir, die richtigen Worte für die Musik zu finden.
Platz 8 : Payne's Gray - Kadath:Decoded (1995)

Wie die MAYFAIR aus dem Jahre 1995. Und wie MAYFAIR ein untergegangener Prog-Diamant, den bestenfalls eine Handvoll unentwegter Hardcore-Progger wahrgenommen hat. Die Band kommt aus Karlsruhe und hat meines Wissens die meiste Zeit ihrer Existenz mit dem Schreiben und Aufnehmen von 'Kadath:Decoded' verbracht. 'Kadath:Decoded' ist ein Konzeptwerk über Edgar Allen Poes Roman 'Die Traumsuche nach dem verlorenen Kadath' (so der deutsche Titel). Und was in diesem abgefahrenen Mix aus Horror, Fantasy, Metaphern und Philosophie so alles passiert, haben PAYNE'S Gray versucht, in Musik zu fassen. Herausgekommen ist ein düster-mysthisches, sehr komplexes und unwahrscheinlich eigenständiges Musikstück. Humorlose könnten die Musik als Mischung zwischen PSYCHOTIC WALTZ (Athmosphäre) und DREAM THEATER (Technik) beschreiben. Für mich ist es jedoch viel mehr. Es ist ein Werk für besondere Momente, das man selten, aber dafür intensiv hört. Man sinkt ein mit
Sunset City und sieht diese wunderschöne Stadt der Träume, nach denen die Hauptfigur sich in ihren Träumen sehnt. In der Folge macht man die Reise mit durch zerklüftete Landschaften (Cavern of Flames) und mondbeleuchtete Gewässer
Moonlight Waters, lernt Freunde (Hymn to the cats) und Feinde
Nyarlathotep's Receptionkennen und kommt am Ende tatsächlich in der umträumten Stadt an.
Müßig zu erzählen, daß es sich bei PAYNE'S GRAY um einen Haufen musikverrückter Ausnahmetalente handelte. Mein Studienkollege war damals mit Keyboarder Tomek Turek in einer Klasse und berichtete mir, dass der Herr jahrelang eigentlich nur eins im Sinne hatte: üben, üben, üben...Dasselbe gilt für Gitarrero Jan Schröder. Man höre nur das Solo bei
'Riding the Shantak' . Verdammt, ich habe vergessenen, von welchem klassischen Komponisten das Thema stammt (Mussorgsky???), ich weiss nur dass es furchtbar schwer auf der Gitarre zu spielen ist.
Unvergesslich wird mir auch der Gig der jungen Band im Vorprogramm von PSYCHOTIC WALTZ in der Stuttgarter Röhre bleiben. Dort ist irgendwie der Gitarrenamp verreckt und noch ein Instrument ist ausgefallen. Für die Band eine Katastophe. Denn danach hab ich gesehen, wie einer der beiden Sänger bitterlich weinend in der Ecke saß und nichtmal Trost durch die WALTZ-Musiker finden konnte, die ihn wieder aufbauen wollten. Ich war damals zu schüchtern um hinzugehen und zu sagen, wie toll und großartig sie sind, und das Bild will mir bis heute nicht aus dem Kopf. Denn irgendwie war das sinnbildlich für die Karriere dieser talentierten Jungs. Möglcherweise war die Musik selbst für die krasseten Progger zu kompliziert und schnell war Schluß. Ob da noch ein einziger von denen Musik macht???
Also, Havoc, Falkner, Teichfrosch und Freunde abgedrehter Progmucke. Es lohnt sich, hier einzutauchen, am besten das Buch dazu lesen.
N'joy