BACKENGRILLEN - Backengrillen
Mehr über Backengrillen
- Genre:
- Jazz / Doom / Noise
- ∅-Note:
- 6.00
- Label:
- Svart Records
- Release:
- 23.01.2026
- A Hate Inferior
- Dör För Langsamt
- Repeater II
- Backengrillen
- Socialism Or Barbarism
Drei Viertel der letzten REFUSED-Besetzung auf einem sonderbaren Jazztrip!
Vielleicht ist ein großer Fehler, das neue Album von BACKENGRILLEN mit bestimmten Erwartungen anzupacken - immerhin sind drei Viertel der letzten REFUSED-Besetzung bei den schwedischen Freejazz-Akteuren aktiv, so dass man definitiv erwarten würde, die rohe Energie der letzten Liveshows vor dem endgültigen Split wäre konserviert und sofort in das neue Projekt übergeletet worden. Doch auf dem selbstbetitelten Debüt wollen die Schweden einen Neustart in einem ganz anderen Segment hinlegen, sich nicht mehr mit der Vergangenheit beschäftigen und nur noch das machen, worauf sie aktuell Lust haben. Im Klartext bedeutet dies: BACKENGRILLEN und REFUSED sind inhaltlich nur insofern kompatibel, dass beide Bands sich sehr deutlich gegen Faschismus in jeglicher Form aussprechen bzw. ausgesprochen haben. Rein musikalisch sind die Parallelen, sofern sie denn überhaupt bestehen, maximal zufällig und daher auch nicht der Rede wert. Und das sollte man sich klar machen, wünscht man sich auf "Backengrillen" ebenfalls abgefahrenen, manchmal radikalen Post-Hardcore.
Stattdessen erhält man nämlich besonders in den ersten beiden Stücken von "Backengrillen" eine vermeintlichen Kulturschock. Gemeinsam mit dem Saxofonisten und Flötisten Mats Gustafsson hat man hier zwei unheimlich schwer verdauliche Jazz-Nummern an den Start gesetzt, in denen die außergewöhnliche Dynamik der jüngst zu Grabe getragenen Legende zwar gewissermaßen Anwendung findet, die aber aufgrund ihrer völlig strukturlosen Arrangements in alle Richtungen ausstrahlen und erst gar nicht in Betracht ziehen, mal den Anker auszuwerfen. Schräge Bläser kämpfen hier gegen eine nahezu traurige Klangfläche an, auf der einige Doom-Segmente zumindest mit dem Noise liebäugeln, ihn aber noch nicht instrumentalisieren. Und auch das quirlige 'Repeater II' mit seinen quietschigen Zwischensequenzen ist arg gewöhnungsbedürftig, auch wenn BACKENGRILLEN hier mal ein paar rockige Grooves einstreut und zumindest den Zugang ein wenig erleichtert. Die gewünschte Linearität bleibt nämlich auch hier außen vor.
Und so arbeiten sich die Herren aus Umea durch einen Wust an sehr unterschiedlichen Fragmenten, streuen sehr bizarre Noise-Klangkörper ein, wo es noch nicht verrückt genug klingt. Letzten Endes bleibt ein ziemlich befremdlicher Jam stehen, der eine gewisse Vorliebe für seltsame Folk-Geschichten offenlegt, Jazz als grobes Leitmotiv benennt und mit Rock & Roll nur ganz, ganz selten etwas an der Mütze hat. Das kann man akzeptieren und auch respektieren, muss man aber nicht zwingend gut finden - auch nicht, wenn man sich eigentlich verpflichtet fühlt, so ziemlich alles von den Herren Lyxzén, Sandström und Flagge zu preisen, was jemals auf Platte gebannt wurde. BACKENGRILLEN ist mehr als nur Special Interest und womöglich eine Spur zu abgefahren für den häuslichen Gebrauch!
- Note:
- 6.00
- Redakteur:
- Björn Backes


