FJøRT - Belle Époque
Mehr über Fjørt
- Genre:
- Post-Hardcore / Hardcore / Punkrock
- ∅-Note:
- 9.50
- Label:
- Grand Hotel Van Cleef
- Release:
- 20.03.2026
- Messer
- Hertz
- '43
- Kalie
- Mir
- ær
- Rott
- Danse
- 22:30
- Yin
- Nacht
Beängstigende Konstanz auf höchstem Niveau.
FJØRT hat ein Problem. Dieses Problem ist ihre eigene Qualität. Album für Album hat die Band aus Aachen bisher so stark abgeliefert, dass jedes Mal die Sorge besteht, dass sie ihr eigenes Niveau nicht halten kann. Irgendwann muss es doch mal Berg ab gehen!?
Gott sei Dank schert sich das Trio um solche Befürchtungen einen Dreck und zieht sein Ding gnadenlos durch. Mit "Belle Époque" läuten sie die Ankunft in der "Pechschwarz-Ära" ein, wie es schon im Titeltrack 'Messer' heißt. Natürlich ist das ein Widerspruch. Denn die "Belle Époque" zelebrierte aufgrund von Frieden und Wohlstand ein positives Lebensgefühl. Es ist beißender Sarkasmuss, dass FJØRT sein fünftes Album so nennt. Der inhaltliche Blick auf die Gesellschaft ist brutal ehrlich und prangert alles an, was schief läuft: Social Media, Misogynie, sexueller Missbrauch in der Kirche, Militarisierung oder im Song '43' die bedrückende Erkenntnis, dass wir gar nicht mehr soweit von 1943 entfernt sind: "Wir leben in Hakenkreuzzeiten. La resistance, Zeit euch zu zeigen!" Hoffnung und Positivität? Eindeutig Fehlanzeige in den insgesamt elf Tracks!
Um dieser extremen inhaltlichen Tiefe Nachdruck zu verleihen, geht FJØRT musikalisch einen Schritt zurück. Nachdem auf dem Vorgänger "Nichts" überraschend eingängige und melodische Ansätze vorhanden waren, schmettert die Gruppe dem Zuhörer ihren Post-Hardcore deutlich heftiger als beim Vorgänger entgegen. Dabei durchbrechen die Gitarrenwände immer wieder kurze Phasen einer unangenehmen Ruhe. Doch plötzlich, wie aus dem Nichts, kommen Pop-Nuancen wie in 'Danse' oder 'Kalie', die alles bisherige kontrastieren. Es sind kurze Momente der Aufhellung auf einem Album, das bei den ersten Hördurchgängen schwer zugänglich ist. Doch das ist normal bei FJØRT.
"Belle Époque" erschließt sich erst durch mehrere bewusste Runden auf dem Plattenteller. Irgendwann fallen schlussendlich auch die erstmals bei FJØRT vorkommenden kurzen englischen Textteile und Sprichworte nicht mehr negativ auf.
FJØRT hat im Jahr 2026 zwar ein Problem mit der Welt und ihrer Gesellschaft, jedoch definitiv kein Problem mit der eigenen musikalischen Qualität. Die Band schafft es, mit "Belle Époque" wieder auf höchstem Niveau abzuliefern. Da kann nur der Hut gezogen werden. FJØRT gehört einfach zum Allerbesten, was es in der deutschsprachigen Gitarrenmusiklandschaft gibt.
- Note:
- 9.50
- Redakteur:
- Dominik Feldmann


