FRACTAL UNIVERSE - The Great Filters
Mehr über Fractal Universe
- Genre:
- Progressive Death Metal
- ∅-Note:
- 7.50
- Label:
- M-Theory Audio / Grand Sounds
- Release:
- 04.04.2025
- The Void Above
- The Great Filter
- Casuality's Grip
- The Seed Of Singularity
- The Equation Of Abundance
- Specific Obsolescence
- Dissecting The Real
- Concealed
- A New Circle
Jazzig, ungewöhnlich und voll auf die Nuss: FRACTAL UNIVERSE fordert mit "The Great Filter" alles ab!
Will man als Band in der Metal-Szene auffallen, bedarf es mittlerweile mehrere Faktoren. Vermarktung, Originalität, vielleicht sogar ein bisschen Pop? Oder wählt man einen gänzlich anderen Pfad? Im Fall von FRACTAL UNIVERSE aus Nancy, Frankreich, ist das ein wenig komplizierter. Das Quartett um Fronter Vince Wilquin liefert mit "The Great Filters" bereits den vierten Streich seines hochtechnisch veranlagten Progressive Death Metals ab, um die Grenzen dieses ohnehin schon faszinierenden Sub-Genres auszuloten. Für mich haben Sie 2022 als Support von EVERGREY eine gute und sympathische Figur gemacht, daher blickte ich mit einer gewissen Vorfreude auf das neue Werk.
Kollege Jakob Ehmke hat es beim Vorgänger "The Impassable Horizon" von 2021 bereits angemerkt: Das ist alles andere als leichtverdauliche oder gar zugängliche Kost. Hier wird um jeden Millimeter gekämpft und die Lauscher müssen mehrmals damit malträtiert werden, um durch dieses komplexe Feuerwerk hindurchdringen zu können.
'The Void Above' startet direkt auch unbarmherzig und gibt die erste Minute nahezu durchgängig Vollgas, bis ich das erste Mal stutze, ob sich da nicht ein anderer Song dazwischengeschoben hat. Doch nein, es geht mit einem ruhigen und verspielten Part weiter, dem ich allerdings nicht komplett folgen kann, da der Klargesang bereits hier eine starke Duftmarke setzt. Sehr gewöhnungsbedürftig, aber mit einem eigenen Charakter und nochmal höher als beim Vorgängeralbum. Dieser wechselt sich mal öfter mit markerschütternden Growls ab, aber auf Albumdistanz ist mir das tatsächlich zu viel Klargesang. Derartig eigenwilliger Klargesang fordert den Großteil der Aufmerksamkeit und lässt den Irrsinn, den die Band an den Instrumenten abliefert, ein wenig in den Hintergrund treten. Der an zweiter Stelle thronende Titelsong ist dafür ein gutes Beispiel, auch wenn hier FRACTAL UNIVERSE versucht, rauer zu klingen. Wenn man den Klargesang mit Parfüm vergleicht, ist es bei FRACTAL UNIVERSE so, als würde man die Sprühdüse mit der Nase berühren, während gerade der feiner Duftstoff ungebremst herausströmt.
Aber die Band streut auch immer wieder spannende Riffs wie bei 'Casualties Grip' ein, verliert sich auch fast nie in übermäßig ausschweifende Blastbeat-Orgien und versucht auf die ganze Albumdistanz, eingängige Momente zu kreieren, die allerdings immer an den Klargesang gebunden sind, was das Ganze ein bisschen ausrechenbar macht. Dabei lässt es mich öfters an hektische OPETH denken.
Am besten funktioniert "The Great Filters" beim Song 'The Seed Of Singularity', wo die Band alle ihre Stärken ausspielt. Die fast schon "kantigen" Riffs erzeugen sich langsam aufbauende Spannung, die dann zum richtigen Zeitpunkt aufgelöst wird und dann spielt FRACTAL UNIVERSE einen ganz anderen Clou aus: Das Saxophon, das ebenfalls von Frontmann Vince Wilquin bedient wird. Ich weiß nicht, wann ich jemals ein Saxophon-Solo über Blastbeats gehört habe. Da verrutscht doch glatt das Monokel. Diese Parts stechen stark heraus und sind definitiv der USP von FRACTAL UNIVERSE.
"The Great Filters" ist ein gutes, technisch sehr versiertes Prog-Death-Album, dem allerdings der rote Faden auf Albumdistanz abgeht und das so gefällig durchläuft, sodass am Ende nicht viel hängen bleibt. Es macht viel Spaß, am Ende der Spielzeit wird man "geblitzdingst" und man weiß nicht mehr, was gerade passiert ist. Wenn FRACTAL UNIVERSE es schafft, an den richtigen Stellschrauben zu drehen und noch mehr Höhepunkte erarbeitet, könnte das noch viele Türen öffnen.
- Note:
- 7.50
- Redakteur:
- Kevin Hunger