GREEN CARNATION - A Dark Poem, Part II: Sanguis
Mehr über Green Carnation
- Genre:
- Heavy Rock
- ∅-Note:
- 9.00
- Label:
- Season Of Mist / OPEN
- Release:
- 03.04.2026
- Sanguis
- Loneliness Untold, Loneliness Unfold
- Sweet To The Point Of Bitter
- I Am Time
- Fire In Ice
- Lunar Tale
- Sanguis (Blood Ties)
Solch Schönheit, solch Romantik - grandios!
Sich eine halbe Ewigkeit zu verstecken, um dann plötzlich mit einem Monsterepos samt monumentalem Konzept zurückzukehren, ist definitiv ein extrem mutiger Schritt, mit dem gegebenenfalls sogar das eigene Vermächtnis gefährdet werden kann, sollte er nach hinten losgehen. Als die Musiker von GREEN CARNATION im Herbst des vergangenen Jahres erstmalig die Idee zu ihrem "A Dark Poem"-Dreiteiler vorstellten und mit dem eröffnenden Akt gleich mal die Sterne vom Himmel holten, war eigentlich gesetzt, dass die Norweger trotz längerer Auszeit immer noch aus dem Stegreif Meisterwerke kreieren können. Dies war in der Vergangenheit bereits ausnahmslos gegeben, und das scheint auch mit der nötigen Reife und ein wenig kreativer Auszeit immer noch garantiert.
Mit dem zweiten Teil der Reihe wagt sich GREEN CARNATION jedoch auf weitgehend unerschlossenes Territorium. Die Brachialität des Riffings ist nahezu vollständig verschwunden, krachende Grooves sucht man auch weitgehend vergebens, und wenn "Sanguis" für eines steht, dann für mitunter traurige, meist melancholische und absolut monumentale Gesänge, die den Löwenanteil der neuen Platte bestimmen und in ihrem leicht angeproggten Background-Szenario eine Kraft entfalten, die mindestens genauso viel Charme entwickelt wie der eigensinnige Mix aus Heavy Rock, Doom und atmosphärisch aufbereiteten Gothic-Vibes zuvor. "A Dark Poem, Part II: Sanguis" ist zwar immer noch ein typisches GREEN CARNATION-Album, es ist aber nicht ein weiteres Abziehbild vergangener Taten, sondern manchmal fast schon poppig einprägsam, reduziert in seiner Instrumentierung, hin und wieder gar introvertiert und intim, dann aber wieder von solch melodischer Strahlkraft geprägt, dass man sich bereitwillig in dei vielfältigen Emotionen der Platte verlieren mag - eine Eigenschaft, die manches Mal sogar Parallelen mit dem PAIN OF SALVATION-Meilenstein "In The Passing Light Of Day" wirksam werden lässt. Doch die Norweger mögen es düsterer, verträumt, melancholisch sowieso und doch so vereinnahmend schön und romantisch - ja, sie mögen es so, wie GREEN CARNATION es immer aufgebaut hat, manchmal mit rockigeren Gitarren, manchmal eher dezent, letzten Endes aber immer überwältigend und erhaben. Oder kurz gesagt: Der zweite Teil liefert genau diejenigen Ingredienzien, die man bei dieser Band lieben gelernt hat, manchmal gar in einer 2.0-Variante!
Sicherlich: Hin und wieder würde man gerne auch wieder etwas mehr Riffgewalt erleben, hin und wieder dürfte es etwas dynamischer sein. Doch im Rahmen des Storytellings hat GREEN CARNATION nicht nur die richtigen Schlüsse gezogen, sondern vor allem auch die richtigen Entscheidungen getroffen. "A Dark Poem, Part II: Sanguis" führt die Geschichte tadellos fort und macht die Wartezeit auf den finalen Langdreher bereits jetzt unerträglich!
- Note:
- 9.00
- Redakteur:
- Björn Backes


