HäLLAS - Panorama
Mehr über Hällas
- Genre:
- Adventure Rock / Retro / Psychedelic Rock
- ∅-Note:
- 9.50
- Label:
- Äventyr Records
- Release:
- 30.01.2026
- Above The Continuum
- Face Of An Angel
- The Emissary
- Bestiaus
- At The Summit
Mit dem besten Longtrack des 21. Jahrhunderts ist der Boden für ein Jahreshighlight bereitet.
Bands, die einen außergewöhnlichen Stil pflegen, haben es normalerweise schwer, sich von ihren ausgetretenen Pfaden zu lösen und neue Wege einzuschlagen. Umso erfreulicher ist es, dass es die Adventure Rocker von HÄLLAS schaffen, weiterhin unverwechselbar nach HÄLLAS zu klingen und doch Dinge auszuprobieren, die so noch nicht von ihnen zu hören waren. Während die erste Single 'The Emissary' noch voll und ganz der geliebten HÄLLAS-Formel treu blieb und wahrscheinlich alle alten Fans in Verzückung versetzte, konnten die zweite Auskopplung 'Face Of An Angel' und das dazugehörige ungewöhnliche Video neue Akzente setzen. Die humorvolle und ironische Seite des Quintetts kannte man bisher so noch nicht. Mal ehrlich, wer hätte Pferdegewieher und Hufgetrappel zu Beginn eines Songs erwartet?
Aber die wirklich dicke Überraschung ist der superbe Longtrack 'Above The Continuum', der es auf über 21 Minuten Spielzeit bringt und so Vergleiche mit Jahrhundert-Songs wie '2112' von RUSH, 'Supper's Ready' von GENESIS oder 'The Ivory Gate Of Dreams' von FATES WARNING förmlich heraufbeschwört. Und HÄLLAS besteht diesen Vergleich mit Bravour! Architektur, Dramaturgie und Dynamikwechsel von 'Above The Continuum' verraten große Kompositionskunst. Spacige Keyboards, atmosphärische Gitarrenklänge, tanzbare Disco-Sequenzen, progressive Ausflüge, eine intensive Spoken-Word-Passage, Chöre zum Genießen und ein grandioses Hauptthema, das von Tommy Alexandersson wieder einmal sensationell dargeboten wird, sind die Zutaten für den meiner Meinung nach besten Longtrack des 21. Jahrhunderts! Die von der Band geprägte Genrebezeichnung Adventure Rock könnte für dieses Monument, das in einem wahrhaft symphonischen Finale endet, nicht treffender sein.
Was kann auf ein solches Epos folgen? HÄLLAS beantwortet diese Frage nonchalant mit dem erwähnten 'Face Of An Angel', das scheinbar simpel daherkommt, aber nach einer Weile doch einen unwiderstehlichen Sog entfaltet. Nach der emotionalen Achterbahnfahrt des Openers kehrt nun erst einmal Ruhe ein. Irgendwie lässt sich aber der Gedanke nicht vertreiben, dass ein neuer 'Starrider' unter einem humorvollen Vorzeichen in 'Face Of An Angel' verborgen liegt. 'The Emissary' besticht durch starke Gitarrenarbeit und war fraglos eine würdige erste Single. Die Synthie-Klänge und der tolle Ausklang beschwören die 70er Jahre herauf. Gerade die ruhige Sequenz zeigt Tommy gesanglich von seiner besten Seite. Es war schon nach Veröffentlichung von 'The Emissary' als Single deutlich, dass auch nach dem Wechsel an der zweiten Gitarre – Rickard Swahn ersetzte ja Alexander Moraitis – der Sound der Band aus Jönköping nichts an Qualität eingebüßt hat.
Es geht weiter im Text mit Neuerungen, denn eine reduzierte Piano-Ballade haben wir bisher nicht mit dem Namen HÄLLAS verbunden. Mit 'Bestiaus' zeigen die Schweden, dass sie auch dieses Fach brillant beherrschen. 'At The Summit' startet gefühlvoll akustisch, entwickelt sich dann aber zu einem Rocker, der selbst einem Kracher wie 'The Astral Seer' vom Debüt das Wasser reichen kann.
In meinem Review des dritten HÄLLAS-Albums "Isle Of Wisdom" lag ich mit der Höchstnote in der Nachbetrachtung sicher um einen Punkt zu hoch. Da war die Euphorie, ein neues Werk der Schweden begutachten zu dürfen, damals stärker als der analytische Verstand. Nun sind aber bei "Panorama", das auf dem neu gegründeten eigenen Label Äventyr Records erscheint, erneut große Emotionen im Spiel, die nicht ignoriert werden können. Auch wenn allein wegen des Longtracks die Tendenz wieder Richtung 10,0 geht, so sind vorsichtige 9,5 Punkte die Konsequenz!
- Note:
- 9.50
- Redakteur:
- Jens Wilkens


