HUIS - A Huis Clos
Mehr über Huis
- Genre:
- Progressive Rock / Metal
- ∅-Note:
- 7.50
- Label:
- Unicorn Records / Just For Kicks Music
- Release:
- 21.11.2025
- Down and Out (Genesis)
- Perfect Strangers (Deep Purple)
- Stolen (Huis)
- Easter (Marillion)
- Wildest Dreams (Asia)
- Man on the Hill (Huis)
- Between the Wheels (Rush)
- Qu'est ce que t'as compris (Morse Code)
- Don't be Late (Saga)
- The Hanging Tree (Arena)
- Beyond the Amstel (Huis)
Die Kunst der feindlich-freundlichen Übernahme.
Es macht wirklich Spaß, sich als Band ein paar Lieblingssongs anderer Gruppen draufzuschaffen und im Proberaum zu performen. Live, vielleicht im Zugabeblock, kann das auch cool sein: Als Musiker muss man halt damit leben können, dass jene Songs besser ankommen als eigene. Wenn man den Schritt geht, das als vollwertigen Release rauszubringen, beinhaltet das jedoch großes Potenzial, schiefzugehen. SAXON etwa arbeitete in der Pandemie mit "Inspirations" die eigenen Wurzeln auf – das war ganz nett, aber mehr auch nicht (und hinderte die Band trotzdem nicht daran, das mit "More Inspirations" zu wiederholen).
HUIS hatte zu einem ähnlichen Zeitpunkt eine ähnliche Idee. Mit dem 2019 hinzugestoßenen Drummer Martin Plante nahm die Band acht mehr oder weniger bekannte Prog-Songs und drei eigene Stücke neu auf. Schon beim Opener 'Down And Out' (GENESIS) zeigt sich: HUIS ist eine talentierte Band und beherrscht ihre Instrumente souverän. Der Song wird in einem handwerklich super soliden Gewand präsentiert, das die technische Klasse der Kanadier unterstreicht. Soweit, so klar, zumindest, wenn man sich zur HUIS-Fangemeinde zählt.
Hier ist ein kurzer Exkurs zum Covern angebracht. Es gibt den Weg der ehrfürchtigen Kopie und den risikoreichen Weg der kompletten Neuinterpretation. Letzterer führt oft zu einem müden Abklatsch, wenn etwa Pop-Sängerinnen wie Celine Dion oder Britney Spears versuchen, Rocksongs zu kapern. HUIS schafft jedoch etwas sehr Spannendes: den Mittelweg. Schon mit 'Perfect Strangers' (DEEP PURPLE) beginnt sich ein Gedanke zu etablieren, der sich durch das gesamte Album zieht. HUIS bürstet diesen Hardrock-Meilenstein gegen den Strich, nimmt ihm die rohe Aggression und verleiht ihm stattdessen eine cineastische, feingliedrige Prog-Tiefe.
Dieser Prozess manifestiert sich auch bei 'Easter' (MARILLION) und 'Wildest Dreams' (ASIA). Die Musiker spielen nur augenscheinlich nah am Original, setzen aber durch eigene Phrasierung und den gezielten Einsatz von Gitarre und Synthies ihren eigenen Gesamtsound als Fundament. Während 'Easter' durch ätherische Keyboard-Teppiche eine neue, transparente Weite gewinnt, wird 'Wildest Dreams' das angestaubte Achtziger-Gewand ausgezogen und durch eine moderne Breitwand-Produktion ersetzt.
Überraschenderweise verliert sich so das Fremde: Mit zunehmender Hörzeit fühlt sich "A Huis Clos" ganz natürlich wie ein HUIS-Album an. Die drei neu aufgenommenen Eigenkompositionen verzahnen sich dabei perfekt mit den Klassikern und beweisen, dass der eigene Standard von HUIS auch neben Namen wie GENESIS oder MARILLION besteht.
Natürlich würde ich Erstkontaktierenden zu den genuinen Studioalben wie dem 2024 erschienenen "In The Face Of The Unknown" raten. Wer HUIS jedoch schon das eine oder andere Ohr geschenkt hat, sollte sich "A Huis Clos" als Komplettwerk zu Gemüte führen. Nur dann entfaltet es seinen vollen Reiz und zeigt, wie man Inspiration aufarbeitet, ohne die eigene Identität im Schatten der Heroen zu verlieren.
Dennoch bleibt festzuhalten: So virtuos die Interpretation fremden Materials auch sein mag, ein genuin eigenes Album wie "In The Face Of The Unknown" besitzt am Ende immer den höheren künstlerischen Wert. Ein Cover-Projekt kann die Wartezeit verkürzen und Facetten beleuchten, doch die wahre Relevanz einer Band bemisst sich an ihrer Fähigkeit, eigene Welten zu erschaffen.
- Note:
- 7.50
- Redakteur:
- Julian Rohrer


