HYPERION (IT) - Cybergenesis
Mehr über Hyperion (IT)
- Genre:
- Heavy Metal
- ∅-Note:
- 8.00
- Label:
- Fighter Records
- Release:
- 15.01.2026
- Deafening
- Rewire, Rebuild
- Yet We Still Fight
- The Shackles Of Chronitus
- Blood Over Chrome
- Grain Of Sand
- Rhizome Rider
- The Whole Of Time
Das Jahr fängt gut an.
Wie sehr sich die Musikwelt verändert hat, wird manchmal schlaglichtartig deutlich, wenn man eine neuere Band kennenlernt. So manche aus der Vergangenheit bekannte Gruppe hatte mit stabiler Besetzung und hoher Veröffentlichungsfrequenz ein Jahrzehnt nach ihrer Gründung ihren Erfolgshöhepunkt erreicht, mitunter auch schon überschritten und war in eine Krise gelangt. Von der italienischen Heavy-Metal-Formation HYPERION, die vor etwa zehn Jahren ins Leben gerufen wurde, ist aus der ursprünglichen Besetzung nur noch der Gitarrist und Songschreiber Davide Cotti in der Band aktiv. Das neue Jahr fängt die Truppe mit ihrem dritten Album "Cybergenesis" an.
In der für die Stilrichtung typischen Aufstellung als Quintett mit zwei Gitarren spielt HYPERION kraftvollen, melodischen Metal, der mit ansprechenden Melodien und reichhaltigen Arrangements punktet. Dass hier kein simpler Riffrock vorliegt, wird schnell deutlich, denn die Gitarren spielen nicht nur kurze Soli, um dann wieder zum Riffing zurückzukehren, sondern steuern immer wieder, teils im Dialog mit dem Gesang, Melodien bei, die sie einzeln oder im Tandem absetzen. Der Einfluss von IRON MAIDEN ist in schwankender Intensität unverkennbar.
Überraschend in diesem Sound klingt der Sänger. Seine rauhe, eher tiefe und energische Stimme erinnert mich ständig an MEAT LOAF in seinem härteren Material. Das ist im Zusammenspiel mit den Gitarren zweifellos originell, aber dabei durchaus stimmig, zumal der Gesang bei der instrumentalen Verspieltheit dem harten Gesamteindruck sehr zuträglich ist. Diese Wirkung hat auch das zwar nicht prog-mäßig virtuose, aber dennoch sehr abwechslungsreiche und kräftige Spiel des Schlagzeugs. Nicht überhört werden sollten die ausgeklügelten und interessanten Intros, die so manche Nummer einleiten.
'Deafening' mit seinem offensiven Intro, den rasanten Gitarrenläufen und dem dramatischen Refrain bildet einen passenden Auftakt für "Cybergenesis". Bald zeigt sich ein wiedererkennbarer Sound, der aber keineswegs eintönig ist, da jedes Stück durch die erwähnten Qualitäten seine Individualität bewahrt. So bildet das Album ein homogenes Geschoß, das mit 'Yet We Still Fight', 'Blood Over Chrome' mit seinem Ohrwurmlick und 'Rhizome Rider' einige besonders packende Vertreter aufweist. Das getragene 'The Shackles Of Chronitus' fällt mit seinem gedrosselten Tempo auf. Ansätze zum Epic Metal, die u.a. bei diesem Stück zu finden sind, sind schließlich bei 'The Whole Of Time' stärker ausgeprägt. Beim Rausschmeißer verlässt HYPERION endlich das Vier-Minuten-Format und zelebriert theatralischen Metal, der mit einem wilden, leider viel zu kurzen Leadbreak überrascht.
HYPERIONs Dritte präsentiert sich als starkes Album, das keinen schwachen Track enthält. Sicher ist es vorstellbar, dass Metalfans andere Alben nach ihrem persönlichen Geschmack vorziehen, aber objektive Schwächen sind hier kaum auszumachen. Nachdem ich 2025 im klassischen Metal ein wenig enttäuschend empfand, startet das neue Jahr mit diesem chromblitzenden Edelstahl. Meinetwegen kann 2026 so weitergehen.
- Note:
- 8.00
- Redakteur:
- Stefan Kayser


