MAYHEM - Liturgy Of Death
Mehr über Mayhem
- Genre:
- Black Metal
- ∅-Note:
- 10.00
- Label:
- Century Media / Sony
- Release:
- 06.02.2026
- Ephemeral Eternity
- Despair
- Weep For Nothing
- Aeon's End
- Funeral Of Existence
- Realm of Endless Misery
- Propitious Death
- The Sentence Of Absolution
- Life Is A Corpse You Drag (Digipak-Bonus)
- Sancta Mendacia (Boxset-Bonus)
Nach dreizehn gemeinsamen Jahren ist das aktuelle Line-up auf einem atemberaubenden Niveau angekommen.
Kaum zu glauben, dass bereits knapp sieben Jahre vergangen sind, seit jener "Daemon" uns heimgesucht hat, der MAYHEM anno 2019 wieder ganz nach oben katapultierte. Doch dass auch ein noch so böses gut' Ding seine sprichwörtliche Weile haben will, ist bei den Genregründern aus Norwegen seit jeher Programm: Es lag immer einige Zeit zwischen den Studioveröffentlichungen. Alle reiften sie ordentlich heran, und wir zählten bis dato acht glatte Volltreffer, die sich hinter nichts und niemandem in der Welt des schwarzen Stahls zu verstecken brauchten. Doch sehr frei nach Sankt Attilas Buch der Waffen sollst du niemals aufhören mit der Acht: Neun soll die Zahl sein, welche du zählest! Und so harren wir in diesen Tagen der Zähren jener Litanei des Todes, jener unheiligen Handgranate von Ski, die der hohe Norden wider seine Feinde zu schleudern sich anschickt. Sehet! Sie schlägt ein mit Macht!
Der neuen Weisen acht fügen sich heuer zu einem großen Ganzen, das indes dieses Mal keine allzu großen Kurskorrekturen für uns bereit hält. Wo MAYHEM in der Vergangenheit immer mal wieder dafür gut war, nicht nur die Welt an sich, sondern auch die eigenen Fans im Besonderen ein bisschen durchzuschütteln, oder gar vor den Kopf zu stoßen, da sind die Fortentwicklungen nun etwas geschmeidiger, aber doch spürbar: "Liturgy Of Death" präsentiert sich durch und durch als konsequenter und schlüssiger Nachfolger von "Daemon". Dabei liefert es uns aber gleichwohl nicht einfach nur mehr vom selben, sondern es zeigt sich doch kreativ, an einigen Stellen modifiziert, an anderen gar innovativ, nur eben nicht in einem Maße wie dies bei "Ordo Ad Chao" oder bei "Grand Declaration Of War" der Fall war. Das mag man nun begrüßen oder bedauern, oder gar beides?
Bei mir überwiegt klar die Freude, denn die neue Langspielplatte zelebriert grundsätzlich mayhemesken schwarzen Stahl im ganz klassischen Sinne, und in Vollendung: Wo sich die philosophische und lyrische Ausrichtung im Gegensatz zum Vorgänger weniger mit dämonischen Kräften als vielmehr mit dem Tod an sich befasst, da arbeitet die musikalische Front mit den bewährten Zutaten: Der Einstieg mit dem Siebenminüter 'Ephemeral Eternity' ist zunächst kryptisch, dunkel, bedrohlich, und jene Verheißung erfüllt sich, denn nach knapp zwei Minuten bricht ein Inferno der wilden, jedoch technisch stets brillanten Raserei über uns herein. Wer MAYHEM kennt, weiß, dass aber dann natürlich nicht bis zum Ende durchgerast wird. Das mittlere Titel verfällt sogleich in zähe, schleppende Drangsal mit Attilas marterndem Rezitativ, und einem stoischen Grundbeat von Hellhammer, der jedoch immer wieder mit Fills und Beckenrasseln markante Nadelstiche setzt.
'Despair' arbeitet dann mit der dunklen, bedrohlichen Atmosphäre und Attilas beschwörendem, choralem, klagenden und knurrendem Gesangsstil, wie wir sie seit seligen "De Mysteriis Dom. Satahanas"-Zeiten nur zu gut kennen. Ein schneller Song, in der besten 'Pagan Fears'-Tradition, mit surrenden Nordland-Riffs, fiesen Pick-Slides und allem, was dazu gehört. 'Weep For Nothing' setzt dem noch eins drauf: giftig, gallig, urböse und infernalisch rasend und hackend; dabei aber doch stets nachvollziehbar und markant, macht das Stück keine Gefangenen, und setzt das ruhigere, epische, von knurrenden Vocals begleitete Mittelstück umso effektiver ein. Das ebenfalls sehr klassisch ausgerichtete 'Aeon's End' präsentiert Attila schimpfend und scheltend, zeternd und anklagend; enthält auch einige Backing Shouts, doch am Ende ist es vor allem ein Kraftakt an den Kesseln, die Hellhammer wie ein Berserker vermöbelt. Am Ende zieht der knappe Fünfminüter jedoch noch ein paar weitere Trümpfe mit einem bei aller Raserei sehr klassisch-metallischen Melodiegerüst und ebensolchen, grandiosen Gitarrensoli.
Die zweite Seite der Platte steigt mit 'Funerals Of Existence' sehr atmosphärisch ein, und relativ getragen mit wunderbar melodischen Gitarrenleads, und auch der sich im Anschluss entfaltende, marschierende Rhythmus bleibt zunächst gezügelt, melodisch zwingend, und von Attilas Rezitativ begleitet. Auch wenn das Stück wenig später an Fahrt aufnimmt, ist es weiterhin der eingängigste Track, der auf einem Paukenschlag endet. Kontrastprogramm bietet sodann 'Realm Of Endless Misery', das einen völlig infernalischen Einstieg hinlegt, und sodann mit einem gnadenlosen Break ein Riff-Intermezzo anfacht, das richtig in die Wirbel fährt, und dann das volle Programm MAYHEM'scher Folterinstrumente auffährt. All die genannten Elemente sind zudem einmal mehr in einem klaren, transparenten, differenzierten Klanggewand arrangiert. Wie seit geraumer Zeit üblich, legt die Band inzwischen unheimlich viel Wert auf den klanglichen Aspekt ihrer Alben, und insbesondere darauf, dass sämtliche Instrumente und Gesangsparts perfekt zur Geltung kommen. Auf diese Weise offenbart "Liturgy Of Death" insgesamt, aber insbesondere auch dieses Stück einiges an Dynamik: Es kennt die leisen Töne, lässt Momente zu, in denen Attila klingt, als wäre er dem Ersticken nah. Neben seinem agonischen Keuchen ist in diesen Augenblicken nur noch Raum für Necrobutchers Bass, der eindringlich die letzten Herzschläge mimt, ehe die Gitarren von Ghul und Teloch der entstandenen Stille mit einem furiosen, chaotischen Riffinferno wieder den Garaus machen.
Doch auch die beiden Herren zeigen immer wieder, was in ihnen steckt, und das sind eben nicht nur chaotische, sich überschlagende Riffkanonaden, sondern auch geisterhaft durch die Gruft spukende Soli, messerscharfe Licks und ein schneidender Sound, der dir den Atem zu rauben im Stande ist. Oder etwa bei 'Propitious Death' auch mal ein überraschend grooviger Ansatz in Sachen Riffing. Bleibt der gute Höllenhammer an den Kesseln, und zu ihm der weiteren Worte allzu viele zu verlieren, ist an sich müßig. Mich beeindruckt sein Spiel noch immer, denn bei aller Raserei und allem Punch sind doch seine Rolls, seine Breaks und seine Fills einfach grandios. Das Tollste dabei: Die bereits erwähnte, transparente Produktion macht es uns möglich, all das auch präzise herauszuhören, bis hin zu den perkussiven Tribal-Elementen im abschließenden 'The Abscence Of Absolution', die von animalischen, mantrischen Kehlkopfgesängen der bizarrsten Art flankiert werden.
War es das? Nein! Wer die angemessen ausgepreiste Digipak-Version erwirbt, bekommt mit dem schauerlich schönen, programmatisch schleppenden, teils hysterisch eingekreischten 'A Corpse To Drag' einen wirklich phänomenalen Bonustrack serviert. Ein weiterer - nicht minder toller - namens 'Sancta Mendacia', ist leider dann aber leider den Käufern des sehr teuren Boxsets vorbehalten. Das ist dann aber auch der einzige kleine Wermutstropfen: Dass der Fan gute achtzig Euro investieren muss, damit er alle Songs aus der Session zu hören bekommt, hinterlässt einen etwas faden Beigeschmack.
Dies soll an dieser Stelle jedoch nicht die Bewertung des Albums an sich beeinträchtigen, das am Ende einmal mehr perfekt ist. Es gibt schlicht nichts, was ich mir an "Liturgy Of Death" anders gewünscht hätte. Am Ende bleibt meine Begeisterung für MAYHEM auch im Jahre 42 nach der Bandgründung weiterhin komplett ungetrübt, und die Klasse der Norweger in Sachen eigenständigen, eigenwilligen und kreativen Black Metals unerreicht. Nach dreizehn gemeinsamen Jahren ist das aktuelle Line-up sowohl instrumental als auch kompositorisch auf einem atemberaubenden Niveau angekommen, und "Liturgy Of Death" legt dafür ein eindrucksvolles Zeugnis ab, unterstrichen von einem neuerlich wunderbar vielschichtigen und symbolträchtigen Artwork von Daniel Valeriani.
- Note:
- 10.00
- Redakteur:
- Rüdiger Stehle


