MOON AND THE NIGHTSPIRIT, THE - Seed Of The Formless
Mehr über Moon And The Nightspirit, The
- Genre:
- Folk Black Metal
- ∅-Note:
- 8.00
- Label:
- Prophecy Records
- Release:
- 17.04.2026
- Cosmic Seed
- Luminous Thread
- Odyssey Limen
- The First Tremor
- Astromorphosis
- Fount Of Everlight
- Olden Resonance
- Lament Of The Thistle-Queen
Der Mond erstrahlt in gänzlich neuen Schein.
Mit "Seed Of The Formless" veröffentlicht das ungarische Duo um Gesangsnymphe Ágnes Tóth und das wandelnde Instrumentenarsenal Mihály Szabó bereits sein achtes Studioalbum. Da das letzte Werk "Aether" bereits vor sechs Jahren erschienen ist, war ich gespannt, was sich im Hause THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT getan hat. Nachdem das Duo gerade in der Anfangszeit stellenweise ausschließlich auf seine ungarische Muttersprache zurückgegriffen hat, ergab sich im Zusammenhang mit der behutsamen Instrumentierung ein ungemein angenehmes Hörerlebnis, was dem zugeneigten Hörer in fremdartige Sphären davongetragen und sich Entschleunigung auf die Kappe geschrieben hat. Wobei gerade der Vorgänger "Aether" hat erkennen lassen: Der Einsatz der Gitarre nahm merklich zu. Was bedeutet das nun für "Seed Of The Formless"?
Das neueste Werk dürfte dann durchaus den einen oder anderen überraschen. Klar, es gibt weiterhin diese herrlich elegischen Melodien, der zauberhafte Gesang von Ágnes Tóth weiß ab den ersten Momenten des Openers 'Cosmic Seed' erneut in ihren Bann zu ziehen. Die erzeugte Atmosphäre versprüht gleichzeitig Wärme und Kälte. Jene Kälte, wenn man in einer eisigen Vollmondnacht über Felder zieht und den Blick immer wieder gen Erdtrabanten richtet. Und staunt.
Ähnlich überraschend ist, dass THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT sich auf dem neuesten Werk so deutlich wie noch nie aus dem eigenen Korsett des Folk und mehrerer Fesseln löst. Nicht, dass ich Songs vom Kaliber 'Álomszövő' vom 2014er Output " Holdrejtek " in irgendeiner Form satt hätte. Ganz im Gegenteil! Doch spätestens bei 'Odyssey Limen' werden die Veränderungen drastisch deutlich: Black-Metal-Riffs geben sich mit postmetallischen Einflüssen die Klinke in die Hand, das Tempo ist erhöht und ein spürbarer Bandcharakter hält Einzug. Sogar Mihály Szabó steuert garstige Screams bei.
THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT hat den bisherigen Höhepunkt in seiner Entwicklung erreicht. Von orientalisch-angehauchtem Folk hin zu einer interessanten Post-Black-Folk Mischung, die aber dennoch natürlich wirkt. Zwischen den aggressiveren Songs entfaltet ein mitreißender Track wie 'The First Tremor' eine ganz eigene Magie und Schönheit, der man sich nur schwer entziehen kann. Oder man lausche nur mal dem durchaus wütenden 'Olden Resonance', das sich immer weiter steigert, dabei aber immer diese typischen zerbrechlichen Momente beibehält, die zum Träumen einladen. Das stimmige Cover-Artwork rundet diesen Eindruck ab.
"Seed Of The Formless" könnte pragmatischer nicht sein. Es ist die Saat eines neuen Ansatzes für THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT, der überrascht, bezaubert. Anstatt weiter zerbrechlich-melancholische Folk-Songs zu zelebrieren, hat das Duo ein paar Gänge nach oben geschaltet und sich ein Stück weit selbst neu erfunden und viele Facetten ihres Sounds neu definiert. Ein zunehmender, blasser Mond, dessen Licht fahl auf das von Raureif-bedeckte Grass strahlt, und dabei nichts von seiner Schönheit verloren hat.
Das ist weiterhin Musik zum davondriften. Etwas, das man als Gesamtwerk begreifen sollte. Auch wenn man immer wieder ins Hier und Jetzt zurückgeholt wird: THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT steuert den nächsten Soundtrack für den nächsten Herbst bei und lädt ein, sich im Mondschein von zauberhaften Melodien an einen anderen Ort tragen zu lassen. Wer auf melancholischen Folk mit einer deutlich gitarrenlastigeren Ausrichtung steht, wird hier fündig.
- Note:
- 8.00
- Redakteur:
- Kevin Hunger


