UNIVERSUM25 - Die Maschinen wollen leben
Mehr über Universum25
- Genre:
- Düsterrock
- ∅-Note:
- 8.50
- Label:
- Vertigo Berlin/Universal Music
- Release:
- 20.02.2026
- Wenn Roboter träumen
- Gardinen zu
- Die Machinen wollen leben
- Die Einsamkeit
- Zu deiner eigenen Sicherheit
- Ich denke also bin ich
- Ich geb dir mehr (Migram Experiment)
- Zeitmachine
- Der Anfang vom Ende
- Uhrwerk
KI-ne Panik, es wird nur schlimmer! UNIVERSUM25 mit düsteren Ausichten für die Zukunft.
Mit "Die Maschinen wollen leben" legt UNIVERSUM25 den Nachfolger zum selbstbetitelten Debüt von 2023 vor und räumt mit dem Verdacht auf, nur eine Eintagsfliege zu sein. Das ist beim Anblick der Bandmitglieder dennoch keineswegs selbstverständlich – schließlich hat sich hier schon eine gewisse Prominenz der deutschsprachigen Rockmusik versammelt. Wenn da illustre Namen wie IN EXTREMO, EISBRECHER, DRITTE WAHL oder die Punklegende SLIME aufgeführt werden, schafft das eine gewisse Erwartungshaltung, wie Marcel schon bei seiner Besprechung des Debüts festgestellt hat.
Auch "Die Maschinen wollen leben" setzt den Kurs des Jungfernwerkes direkt fort. Der Stilmix lässt überall die Bands der Protagonisten durchscheinen. Mal knallt es rockig-punkig nach vorne wie bei DRITTE WAHL und SLIME, mal treten die elektronischen Einflüsse von Seiten EISBRECHERs hervor und immer werden sie durch die hymnische Qualität von IN EXTREMO vergoldet. Das ist insoweit erstaunlich, hat gerade IN EXTREMO-Sänger Micha Rhein so ein markantes Organ, das man unweigerlich mit den Mittelalterrock-Königen verbindet. Daher ist es eine Wohltat, dass sich UNIVERSUM25 da genug abhebt, um für sich stehen zu können, aber genug Reibefläche bietet, um die Fans der genannten Bands in den Bann ziehen zu können.
War schon "Universum25" selbst keine leichte Kost - gerade textlich - setzt da der Zweitling nochmal ordentlich einen drauf. Es werden weiterhin gesellschaftliche Themen thematisiert – und das derart pointiert und stellenweise bitterböse und zynisch, dass einem das Tanzbein quasi eigenhändig die Freundschaft kündigt und fragt, wie man bei aller Ernsthaftigkeit auf die Idee kommt, sich dazu einen Wolf zu tanzen. Dabei könnten die Themen aktueller und erdrückender nicht sein. Während sich der mitreißende, namensgebende Song und das einleitende "Wenn Roboter träumen" mit dem rasanten Aufstieg von künstlicher Intelligenz in all seinen Facetten beschäftigen, thematisiert "Gardinen zu" die schleichend anschwellende soziale Kälte der Gesellschaft auch musikalisch. Bei dem einleitenden Gitarrenriff spürt man regelrecht die bohrenden Blicke der vermeintlich bessergestellten Menschen. "Hier ist der Arsch in Sicherheit und unsere Köpfe stecken tief und fest im Sand." ist dabei Statement und Abrechnung zugleich.
Der für mich packendste Song 'Die Einsamkeit', eine berührende Halbballade, wirft mich unsanft in die Zeit der Corona-Pandemie zurück, wo alles plötzlich so still war, jeder ein Stück weit auf sich selbst gestellt war und genau diese Stille in ihrer Lautstärke nur schwer zu ertragen ist. Doch leider ist genau diese Einsamkeit heute noch allgegenwärtig und der Song macht bewusst: Wir wissen nie, welchen Kampf unser Gegenüber austrägt. 'Die Einsamkeit' lässt mich seit dem ersten Durchlauf einfach nicht mehr los. Einfach der stärkste Song von "Die Maschinen wollen leben".
Als direkter Gegenwurf fungiert das folgende 'Zu deiner eigenen Sicherheit' - eine bitterböse und zynische Abrechnung mit "denen da oben" und dem gläsernen, digitalen Bürger. Da ist es dann nur konsequent, dass dieser Song technoid-punkig nach vorne prescht und das Album an der richtigen Stelle auflockert, zumal diese Momente doch recht behutsam gesetzt sind. Mit 'Ich denke, also bin ich' wird dieses bestimmende KI-Thema aus Sicht einer entfremdeten Stimme weitergeführt, die unheilvoll "Cogito ergo sum" intoniert – und das ist schlicht gruselig. Micha Rhein intoniert diesen gespenstigen Ansatz äußerst nachdringlich und wird dabei von der markanten Gitarrenarbeit Gunnar Schröders (DRITTE WAHL) und Pat Prziwaras (FIDDLER'S GREEN) effektiv unterstützt. Dass dieser Song Spaß macht, darf dabei ebenfalls nicht zu kurz kommen.
Allgemein würde sich jeder Song für eine genaue Textanalyse eignen. Es finden sich so viele spannende Ansätze, die irgendwie stets einen Nerv treffen und sogar oftmals der zugrunde liegenden Musik die Show stehlen. 'Ich geb dir mehr (Milgram Experiment)' beschäftigt sich mit dem namensgebenden Experiment, wo man in den 1960er-Jahren herausfinden wollte, ob Menschen auch dann Befehlen gehorchen, wenn die ihrem Gewissen widersprechen. Hat man einen "Fehler" gemacht, wurde dieser hart bestraft, z.B. in Form von Stromschlägen. Hier von "schockierend" zu sprechen, den Gag klemme ich mir an der Stelle. Ein stampfender, fast schon Industrial-geprägter Song, der in seinem stilistischen Korsett dabei äußerst effektiv daherkommt.
Auf der Zielgeraden geht "Die Maschinen wollen leben" ein wenig die Puste aus, bieten das eingängige 'Zeitmaschine', das riffbetonte 'Der Anfang vom Ende' und das träge und sperrige 'Uhrwerk' – das passend zum Titel immer weiter voranschreitet, dabei aber ein bisschen verrennt – keine weiteren neuen Impulse, die UNIVERSUM25 nicht schon vorher einen Tick besser präsentiert hat. Die großen Highlights verorte ich da eindeutig in der ersten Hälfte.
Klar, der Überraschungseffekt vom Debüt ist verschwunden. UNIVERSUM25 spielt einen schwer kategorisierbaren Stil und ist dennoch mehr als die Summe der beteiligten Bands. Letztlich bin ich doch positiv überrascht, wie gut "Die Maschinen wollen leben" geraten ist und trotz der vielbeschäftigten Protagonisten nicht wie ein halbherziges Nachfolgewerk daherkommt. Vielmehr zeigt sich UNIVERSUM25 bissiger, zynischer und nachdenklicher, geht dahin, wo es wehtut und noch schmerzhafter werden könnte. Trotz größtenteils eingängiger und mitsingbarer Songs wird hier allerdings nie der erhobene Zeigefinger geschwungen. Doch, hier lohnt es sich, auch mal genauer hinzuhören!
- Note:
- 8.50
- Redakteur:
- Kevin Hunger


