Dead & Breakfast - Hotel Zombie
- Regie:
- Matthew Leutwyler
- Jahr:
- 2004
- Genre:
- Horror
- Land:
- USA
- Originaltitel:
- Dead & Breakfast
2 Review(s)
15.07.2005 | 07:22Horrorparodie: Zombielegionen in Texas
Auf dem Weg zu einer Hochzeit in Galveston, Texas, müssen ein paar Twens einen Zwischenstopp in dem Kaff Lovelock einlegen, weil sie sich verfahren haben. Doch in der "Bed & Breakfast"-Pension lauert ein uralter Dämon darauf, wieder befreit zu werden. Hat der seltsame Beobachter etwas mit der grauenhaften Tod des Kochs Henri zu tun, den man am anderen Morgen findet? Oder ist der Dämon bereits aus seinem Gefängnis befreit worden? Nur eines steht fest: Unruhige Zeiten stehen Lovelock bevor.
Filminfos
O-Titel: Dead and breakfast (USA 2004)
DVD: 02.09.2005; Verleihversion 12.05.2005
Genre: Horrorkomödie
FSK: ab 16
Länge: 84:20 Min.
Regisseur: Matthew Leutwyler
Drehbuch: Matthew Leutwyler, nach einer Story von Billy Burke & Jun Tan
Musik: Zack Selwyn, Brian Vander Ark
Darsteller: David Carradine (Pensionsbesitzer), Jeremy Sisto (Christian), Gina Philips (Melody), Ever Carradine (Sara), Randall (Zack Selwyn, der singende Erzähler), Brent David Fraser (The Drifter), Jeff Dean Morgan (Sheriff), Diedrich Bader (Koch Henri), Erik Palladino (David), Bianca Lawson (Kate), Oz Perkins (Johnny, der Besessene) u. a.
Handlung
Vorbemerkung: Dies ist offensichtlich eine Parodie und wurde einem Comic nachempfunden. Merke: Nichts davon sollte ernst genommen werden. (Ende der Durchsage)
Es ist schon später Abend, und die sechs Twens, die im Wohnmobil Richtung texanische Küste kurven, haben sich offensichtlich irgendwo in der Botanik verfranzt. Dass ihr schweigsamer Fahrer Johnny offenbar null Peilung hat, sondern lieber überfahrene Tiere zählt, trägt nicht zur Gemütsruhe der Besatzung bei. Was liegt näher, als einfach mal an der nächsten Tanke nach dem Weg zu fragen? Wie heißt das Kaff? Lovelock. Nie gehört.
Dass der Tankwart Keith Randall (Zack Selwyn) ihnen ein Ständchen im besten Country-&-Western-Stil jodelt, kommt den Neuankömmlingen schon irgendwie spanisch vor. Aber man soll sich von seltsamen Sitten der Eingeborenen nicht von dem abhalten lassen, was man vorhat. Überhaupt ist jetzt höchste Zeit, das müde Haupt zur Ruh zu betten. Selbstredend befindet sich Lovelock im einzigen Funkloch weit und breit.
Der Besitzer der einzigen "Bed & Breadfast"-Pension am Ort ist ein freundlich grinsender Mister Wise (nomen est omen; David Carradine). Während die Twens duschen, futtern und kuscheln, beobachtet ein mysteriöser Herumtreiber die Pension. Ist er womöglich schuld am blutigen Tod des Kochs Henri in den frühen Morgenstunden - oder gar am unzeitigen Herzinfarkt von Mr. Wise?
Der vertrottelte David holt jedenfalls erst einmal den Notarzt, wie sich das gehört. Stattdessen trudelt aber der Sheriff ein und erklärt alle erst einmal für unter Arrest stehend, capito? Sobald jedoch der neugierige Herumtreiber festgenommen worden ist, dürfen unsere Gestrandeten wenigstens Gassi gehen - solange sie in der "Stadt" bleiben. Beim Sheriff steht das einzige funktionierende Telefon. Prompt wird es systematisch belagert, denn schließlich wartet doch der Rest der Welt auf die Ankunft der Verschollenen, oder? Weit gefehlt, die Braut entpuppt sich als Miststück. Irgendwie hatten wir es schon geahnt, dass die Gestrandeten vom Pech verfolgt sind.
Unterdessen kommt Schwung ins Dorf: Mr. Wises Gärtner stirbt eines blutigen und sehr unnatürlichen Todes, dito ein Gehilfe der Stadtverwaltung. Aber davor hatte der Herumtreiber den Sheriff ja gewarnt, nur will der einfach nicht hören, was er zu sagen hat. Mr. Wise nämlich, ein Mann mit einer Vorliebe für alles Asiatische (merke: Kung-fu-Mann!), besitze ein Kästchen, in dem sich ein buddhistischer Talisman befinde. Nur ein schwaches Band bewahre den darin eingesperrten Dämon Khuman Tong davor auszubrechen.
Dieser Dämon mache alle anderen zu seinem Werkzeug, quasi zu willenlosen Zombies, und lege man Körperteile wie etwa Finger in das Kästchen, könne deren Besitzer wieder zum Leben erweckt werden. Während die Zombies durch die traditionsreiche Methode des Kopfabschlagens zu vernichten seien, gelte dies allerdings nicht für den Dämon selbst. Dafür müssten schon Experten zu Rate gezogen werden. Experten wie er, meint der Landstreicher. Irgendwie kommt der junge Mann dem Sheriff nicht besonders glaubwürdig vor.
Nach einer zünftigen Splatter-Party beim lokalen Scheunentanz merken die überlebenden Twens, dass es besser ist, das Hasenpanier zu ergreifen und die vertraute "Bed & Breakfast"-Pension zu einer Festung auszubauen. Gerade noch rechtzeitig! Denn nun kreuzt eine Zombie-Armee auf, die sich anheischig macht, die Festung zu stürmen. Sara und Co. staunen nicht schlecht, als sie sehen, wer ihr Anführer ist: Johnny, der schweigsame Fahrer mit der seltsamen Vorliebe für überfahrene Tiere.
Dass mit den Zombies etwas nicht in Ordnung ist, wird spätestens dann deutlich, als sie sich in einer Reihe aufstellen und wie bei einer Chorus Line die Hufe schwenken und ein Liedchen trällern ...
Die DVD
Technische Infos
Bildformate: 16:9
Tonformate: DD 5.1
Sprachen: D, Englisch
Untertitel: D, aber nur bei den Songs
Extras (nur Kaufversion):
Exklusiv produzierte Einführung von Cast & Crew; Audiokommentar; Storyboard-Vergleiche; Making-of; inklusive A2-Filmplakat
Mein Eindruck
Schon der Vorspann macht klar, dass hier ein verfilmter Comicstrip abläuft. Zu einem flotten Rock-'n'-Roll-Song mit dem passenden Titel "Dead man's party" sehen wir Schwarzweißzeichnungen von Toten, wobei das Blut in grellstem Rot hervorgehoben ist.
Ein weiteres Stilmittel, um bloß keinen Ernst aufkommen zu lassen, ist der Erzähler: unser alter Freund und Tankstellenbarde Keth Randall (Selwyn). Natürlich trägt er seine Übergänge zum nächsten Kapitel in zünftigen Versen und Reimen vor. Man sollte dabei genau auf die eingeblendeten Untertitel (die einzigen im Film) achten. Da sind einige zotige Sprachperlen in dem versteckt, was Randall zu berichten weiß. Dann rückt seine Silhouette wieder in die Comic-Darstellung.
Wer befürchtet, eine weitere Kopie von "Wrong Turn" vorgesetzt zu bekommen, sieht sich angenehm enttäuscht. Zwar spielt auch hier wieder Jeremy Sisto mit, aber der Rest des Sextetts ist (noch) eher unbekannt. Die Filmsprache ist eher die der Burleske: bloß nichts ernst nehmen. Beispiel gefällig? Als der verfressene, vertrottelte David die Leiche von Henri, dem Koch, erblickt, rutscht er in dessen Blut aus. Genauer gesagt, rutscht er so oft aus, dass er eine Art Quickstep hinlegt, der von passender Varieté-Musik begleitet wird.
Dieses Prinzip, alles Schaurige durch den Kakao zu ziehen und mit allen Horror-Versatzstücken Scherz zu treiben, zieht sich durch den ganzen Film. Wer jetzt noch Ansprüche an Glaubwürdigkeit hegt, ist selbst schuld. Und alle Gedanken an den guten Geschmack sind eh bloß Zeitverschwendung.
Wer jedoch genauer hinsieht, könnte bemerken, dass die Hintergrundstory über den bösen Dämon Khuman Tong verhältnismäßig geschickt in kleinen Häppchen a) vorbereitet, b) zusammengesetzt c) mit Lovelock verknüpft (städtisches Archiv!) und d) in Aktion umgewandelt wird. Zudem entwickeln die vier überlebenden Twens jeweils eigene Charaktermerkmale. Sie sind genau mit Eigenheiten ausgestattet, zum Guten wie zum Schlechten, so dass es leicht fällt, sie auseinander zu halten. Die Nagelprobe besteht natürlich darin, der Erstürmung der Festung standzuhalten. Sara beispielsweise entpuppt sich als würdige Nachfolgerin von Rambo ...
Die Musik spielt eine eminent wichtige Rolle im Film. Sie liefert nicht nur sämtliche Übergänge, sondern unterstützt oder kommentiert mit ihren Versatzstücken das Geschehen. Da erklingt nicht nur bei der Chorus Line großer Musical-Sound, sondern es wird auch mal Frank Sinatra geschmettert. Von texanischem Country & Western sowie gutem alten Rock 'n' Roll ganz zu schweigen.
(Da diese Presse-DVD keinerlei Extras enthält, brauche ich darüber kein Wort zu verlieren.)
Unterm Strich
"Dead & Breakfast" ist eine flott inszenierte, völlig respektlose Parodie auf all die modischen Twen-Horrorstreifen, von "Jeepers Creepers" bis zu "Wrong Turn". Einen buddhistischen Dämon musste man auch noch unterbringen, um auch allen Fans von "Ring", "Spiral", "The Grudge" und wie sie alle heißen eins auswischen zu können.
David Carradine, der alte Kung-fu-Kämpe, ist dafür der passende Verbindungsmann, doch schon nach ein paar Minuten macht er einen Abgang. Wahrscheinlich hat er an dem Dreh nur aus Gefälligkeit und ohne Gage teilgenommen, sozusagen als Aushängeschild, mit dem der Juniorkollege Leutwyler renommieren kann.
Da der gute Geschmack bei diesem Film in keiner Weise gefragt ist, dürften natürlich echte Horrorfans wenig Freude daran finden und Zuschauer, die mit Parodien à la "Scary Movie" nichts anfangen können, schon gleich gar nicht. Dabei ist "Dead & Breakfast" wesentlich intelligenter, aufwändiger und stringenter gemacht als besagtes Machwerk der Wayans-Brüder. Wer soll den Streifen also sehen? Don't ask me, my friend, würde Keth Randall singen. Yeah, buddy.
- Redakteur:
- Michael Matzer
Sechs Freunde sind auf dem Weg zur Hochzeit einer Freundin und machen in einem kleinen Nest namens Lovelock Halt. Als der Besitzer ihrer Unterkunft (David Carradine, "Kill Bill", "Kung Fu") und der Koch über Nacht plötzlich dahinscheiden, verbietet der Sheriff der Gruppe bis zum Abschluss der Ermittlungen die Weiterreise. Durch einen Unfall öffnet einer der Freunde ein geheimnisvolles Holzkästchen aus dem Besitz des verstorbenen Gastwirts und setzt damit die Apokalypse frei: Nach und nach verwandeln sich die Dorfbewohner in Zombies, die die Freunde in ihrer Unterkunft festnageln.
Klingt absurd? Ist es auch. Andererseits - Wozu braucht ein solcher Film schon eine überragende Geschichte?
"Dead & Breakfast - Hotel Zombie" steht in stolzer Tradition von Filmen wie denen der "Evil Dead"-Reihe, "Bad Taste", "Braindead" oder neuerdings auch "Shaun of the Dead". Den geneigten Zuschauer erwartet hier also ein doch relativ blutiger Horrorfilm mit einem ordentlichen Schuss Humor - um nicht zu sagen: Funsplatter. Auch das wiederum klingt schlimmer als es eigentlich ist, denn "Dead & Breakfast" wird niemals unerträglich trashig oder ekelhaft blutig. Dazu ist nicht zuletzt die Darstellung der diversen Splatterszenen, wie in diesem Genre typisch, zu abgedreht. Dennoch ist die FSK-Freigabe ab 16 etwas überraschend.
Der Cast ist interessant und gelungen besetzt - einschließlich David Carradine und eventuell Erik Palladino, der trotz seiner bald 40 Jahre noch immer überzeugend einen Mittzwanziger spielt -, allerdings vorrangig mit eher unbekannten Gesichtern. Positiv hervorzuheben ist noch Ever Carradine, Nichte von David Carradine und hier als reichlich toughe Zombietöterin Sara unterwegs.
Das absolute Glanzlicht des Films ist aber ohne Zweifel die Sounduntermalung. Ein Kerl in Jeans, Flanellhemd und Cowboyhut und mit Gitarre, der zugleich als "Erzähler" fungiert, liefert mal solo, mal mit Begleitung immer wieder perfekt zur Atmosphäre passende Klänge. Das Spektrum reicht dabei von C wie Country über H wie HipHop bis hin zu M wie Metal und manch anderem. Überzeugend vorgetragene Musik mit oftmals witzigen Texten und immer "am Puls" des Films.
Diese Musikuntermalung wird auch immer dann eingesetzt, wenn die Story anhand der Einblendung von kurzen Comicbildern weitererzählt wird. Das wiederum gibt dem Film einen charmanten, frischen Aspekt und bestärkt den positiven Eindruck, dass er nicht auf ausgelatschten Pfaden marschiert, sondern durchaus etwas neues versuchen möchte.
Wer mehr wissen oder einen Trailer sehen möchte, kann sich auf der Website zum Film (englisch) umsehen.
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Besprechung lag der Film lediglich auf einer speziellen Promo-DVD vor, so dass sich keine Aussagen über Extras oder Ausstattung machen lassen.
Ein wenig überhastet wirkt allerdings das Ende des Films. Hier scheint es durchaus so, als hätte die Filmcrew Feierabend machen wollen - oder fertig werden müssen?
"Dead & Breakfast" ist ein astreiner Party-Horrorfilm, der - entsprechende Bluttoleranz vorausgesetzt - einen spaßigen Abend garantiert. Die Story ist nicht schlechter als in diesem Genre generell gewohnt, die Inszenierung aber erfrischend und unterhaltsam und die Musikuntermalung sogar ein echtes Highlight.
Absolut empfehlenswert!
Nachtrag 2005-11-02
Mittlerweile kann ich auch zur endgültigen Verkaufs-DVD ein paar Worte sagen.
Die DVD enthält den Film in englischer und deutscher DolbyDigital 5.1-Tonspur. Optional verfügbar sind deutsche Untertitel.
Wahlweise lässt sich auch der Audiokommentar von Cast&Crew als Tonspur wählen, der dann allerdings zwangsuntertitelt wird.
Als Extras gibt es ein paar Deleted Scenes und "Bloopers", d.h. Pannen beim Dreh, sowie einen alternativen Abspann, des weiteren einige zusätzliche Songs des erzählenden Sängercowboys. Ein "Making of" sowie ein Vergleich von Storyboard und Filmszene runden den positiven Eindruck der Extraaustattung ab.
Ein weiteres nettes Gimmick, das allerdings nicht auf der DVD zu finden ist, ist das beiliegende A3-Poster zum Film.
Der Film allein garantiert schon einen unterhaltsamen Filmabend, die Extras runden das Angebot ab.
- Redakteur:
- Sebastian Hirschmann