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Aus der Sicht des Adlers: SAXON-Studioalben (Teil 2) - 1981 bis 1984

17.10.2018 | 18:59

Und weiter geht die wunderbare Wiederveröffentlichungsreihe der früheren SAXON-Werke. Mein Kollege Tommy Schmelz hat bereits im April einen sehr ausführlichen Blick auf die ersten Werke dieser NWoBHM-Legende gewagt. Die nun folgende Betrachtung beschränkt sich auf die Alben "Denim And Leather", "Power And The Glory" sowie "Crusader".

Anders als mein Kollege werde ich mich thematisch in diesem Artikel lediglich auf das Original und natürlich die 2018er Re-Releases stürzen. Aber zu meiner großen Freude beginnen wir gleich mit meinem Lieblings-SAXON-Album.

"Denim And Leather" – Erstveröffentlichung 5. Oktober 1981

Eine Sternstunde der Briten, keine Frage. Wer mutmaßte, welche Wege Byford und Co. nach dem starken "Strong Arm Of The Law" beschreiten würden, wurde angenehm überrascht. Denn mit "Denim And Leather" gab es knapp ein Jahr später das bis dato stärkste Werk zu begutachten, das auch heute – 37 Jahre nach dem erstmaligen Erscheinen – noch immer einen immens hohen Stellenwert genießt. Für die Aufnahmen begaben sich die Herrschaften in die Genfer Aquarius Studios und das hat sich auch gelohnt. Für damalige Zeiten genoss dieses Album eine sehr gute Produktion. Und wer auf "NWoBHM" trifft, stößt unweigerlich auf den schnörkellosen und auf den Punkt gebrachten "Denim And Leather"-Hammer.

Das einleitende Riff von 'Princess Of The Night' löst auch live heutzutage noch immer Euphorie aus und auch die zweite Single-Auskopplung 'Never Surrender' ist ein Statement vor dem Herrn. Mit dem abschließenden Titelstück, 'And The Bands Played On', das von SAXONs "Monsters Of Rock"-Auftritt ein Jahr zuvor inspiriert wurde, sowie dem stampfenden 'Play It Loud' gibt es weitere Hochkaräter auf dieser Scheibe, die aufgrund der Hitdichte und vor allem der gleichbleibenden Qualität wie aus einem Guss aus den heimischen Boxen knallt. Ein NWoBHM-Referenzwerk, das in einem Atemzug mit "British Steel", "Iron Maiden", "Angel Witch" oder "On Through The Night" genannt werden kann. Und so schaffte es das Viertwerk SAXONs auch erstmals in die deutschen Charts – es sollte bis zu Platz 37 reichen.

Trackliste:

Princess Of The Night
Never Surrender
Out Of Control
Rough And Ready
Play It Loud
And The Bands Played On
Midnight Rider
Fire In The Sky
Denim And Leather

In den Folgejahren kamen einige Überarbeitungen mit den einen oder anderen Bonus-Leckereien auf den Markt, doch – und das gilt auch für die 2018er Wiederveröffentlichungen von "Power And The Glory" sowie "Crusader" – die Vorliegenden sind die mit Abstand wertvollsten. So sind alle drei Re-Releases nicht nur mit rarem Fotomaterial, sondern mit den originalen Lyrics im mehr als edlen Digibook versehen. Und als Freund visueller Besonderheiten ist es für mich ein schönes Erlebnis, durch das Booklet zu blättern und ein wenig in der Historie dieser geschichtsträchtigen Band zu stöbern.

Musik wurde natürlich auch gemacht – und da SAXON auch schon zu Beginn der Karriere eine Live-Macht war, enthält diese Neuauflage insgesamt sieben Stücke, die auf der damaligen "Denim And Leather"-Tour mitgeschnitten wurden. Halt wurde dabei natürlich auch im altehrwürdigen Hammersmith Odeon gemacht, wo 'Midnight Rider', 'Never Surrender', 'Play It Loud' und 'Machine Gun' vom "Wheels Of Steel"-Kracher aufgenommen wurden. Zudem gibt es von '20,000Ft' einen sehr interessanten Remix, eine rare in Donington aufgenommene Version von 'Bap Shoo Ap' sowie Live-Versionen von 'And The Bands Played On' sowie dem Opener 'Princess Of The Night'. Eine Wiederveröffentlichung mit Mehrwert also zum recht kleinen Preis.

CD Bonus Tracks:

20,000Ft (Remix)
Bap Shoo Ap (Live)
Intro/And The Bands Played On (Live)
Princess Of The Night (Live)
Midnight Rider (Live)
Never Surrender (Live)
Machine Gun (Live)
Play It Loud (Live)

Obwohl das für die beiden anderen Re-Releases auch gilt, fällt es mir persönlich bei meinem SAXON-Favoriten am meisten auf: Hier bekommt der Fan nostalgischer NWoBHM-Klänge eben noch etwas für sein Geld. Beide Daumen hoch. Weiter geht es anderthalb Jahre später:

"Power And The Glory" – Erstveröffentlichung 21. März 1983

Es dauerte etwas länger als zuvor, bis Fans endlich das fünfte Album ihrer Lieblinge in den Händen hielten. Zumindest konnte in der Zwischenzeit das Live-Album "The Eagle Has Landed" die Wartezeit verkürzen. Da das Auge bekanntlich mitisst, habe ich lange gebraucht, mich mit "Power And The Glory" anzufreunden – mit dem Artwork tue ich mich heutzutage noch immer schwer. Doch Sachen darf man nicht nach ihrem Äußeren bewerten, daher verbergen sich bei näherem Hinsehen so manche Schätze auf diesem SAXON-Album, auch wenn man etwas akribischer danach suchen musste. Wer auf den Vorgängeralben das Schlagzeugspiel von Pete Gill verehrte, musste ziemlich schlucken, als dieser von einem gewissen Nigel Glockler ersetzt wurde. Für die Aufnahmen ging es für SAXON zu Jeff Glixman in die Axis Studios ins wunderschöne Atlanta, der dafür sorgte, dass die acht neuen Stücke auch ordentlich Wumms bekamen. Und dieser hatte es in sich, denn die Songs klingen zumindest härter als zuvor.

Beispiele für diesen Dreh am Härte(g)rad sind 'Redline' und 'Warrior', die sich vor den Hits der vorherigen vier Alben definitiv nicht verstecken brauchen. Und der einleitende Titeltrack geht sehr gut ins Ohr und eignet sich daher bestens als "Power And The Glory"-Opener. Mit dem schwachen 'This Town Rocks' sowie dem etwas befremdlich wirkenden 'Nightmare' folgen dann zwei Lückenfüller, die jedoch dank 'Midas Touch' und dem grandiosen Abschluss 'The Eagle Has Landed' zumindest zum größten Teil ausgeglichen werden. Man hat der Band an diesem Album ein wenig die Album-Tour-Album-Tour-Strapazen angemerkt, obgleich es sich aufgrund der neu gewonnenen Heaviness und so mancher Mini-Hits bei "Power And The Glory" immer noch um ein gutes SAXON-Album handelt. Man hätte beim Blick auf das arg gewöhnungsbedürftige Artwork zumindest Schlimmeres erwarten können.

Trackliste:

Power And The Glory
Redline
Warrior
Nightmare
This Town Rocks
Watching The Sky
Midas Touch
The Eagle Has Landed

Stolze 35 Jahre später kommt das Re-Release im wunderbaren Digibook und erneut vielen fotografischen Raritäten mit einigen schmucken Bonusstücken heraus. Zum einen kommen Fans in den Genuss zweier Songs, die es letztendlich nicht auf die Scheibe schafften. Und zumindest 'Turn Out The Lights' hätte im Gesamtkontext eine wesentlich bessere und griffigere Figur gemacht als beispielsweise 'This Town Rocks'. Daneben enthält diese Wiederveröffentlichung auch sieben Arbeitsdemos – fünf davon vom "Power And The Glory"-Material. Einige durchaus interessante Übergangssongs, wenn man bedenkt, wie dann die fertigen Stücke ausfielen. Die Demos zu 'Stand Up And Rock' und 'Saturday Night' hingegen sind zwar recht nett anzuhören, aber dürften einen Kauf für sich alleine kaum rechtfertigen. Das Gesamtwerk "Power And The Glory" dürfte das trotz einiger Schönheitsfehler jedoch trotzdem tun: Hier und dort coole, zwingende Songs, der Sound sowie die Demoversionen vom Titelstück, 'Midas Touch' und 'Redline' alleine lohnen sich für einen Kauf dieses schmucken Re-Releases.

CD Bonus Tracks:

Make Em Rock
Turn Out The Lights
Turn Out The Lights (Demo)
Stand Up And Rock (Demo)
Power And The Glory (Demo)
Saturday Night (Demo)
Midas Touch (Demo)
Nightmare (Demo)
Redline (Demo)

Nur ein Jahr später – SAXON ließ eben niemals etwas anbrennen – folgte dann das Sechstwerk der Briten.

"Crusader" – Erstveröffentlichung 16. April 1984

Endlich wieder ein geiles Artwork – doch reicht das schon zur Anschaffung des "Crusaders"? Für den Sound ging es abermals in die Vereinigten Staaten – das sechste Album der NRoBHM-Heroen wurde von Kevin Beamish in den legendären Sound City Studios in Los Angeles produziert. Man merkt die Amerikanisierung dem Album auch an, was jedoch nicht nur positive Seiten hat. 'Sailing To America' oder 'Set Me Free', eine "In-Ordnung"-Coverversion von THE SWEET, sprechen eine eindeutige Sprache. Eine ähnliche Sprache sprechen auch 'Just Let Me Rock', 'Bad Boys (Life To Rock'n'Roll)' und 'Rock City' – wir wissen, dass die Jungs rocken können, sie müssen dies aber nicht immer wieder mehrmals so lautstark betonen. Ein zweischneidiges Schwert also, mit dem ich mich persönlich speziell in den letzten Jahren jedoch gut anfreunden konnte.

'Crusader' selbst bereitet mir live immer noch eine meterdicke Gänsehaut, 'A Little Bit Of What You Fancy' ist eine mehr als gelungene Abwechslung auf dem Album und das bereits erwähnte 'Set Me Free' enthält wie das etwas triefende 'Do It All For You' zumindest schöne Melodien. Trotzdem hält "Crusader" leider verhältnismäßig viel Mittelklasse parat, zu selten wirklich zwingende Momente, um an Großtaten wie "Wheels Of Steel", "Strong Arm Of The Law" oder "Denim And Leather" anzuknüpfen. Zur Komplettierung der Reihe, Nachvollziehbarkeit der Band-Entwicklung, zum Anblick des tollen Artworks und für die drei, vier guten Songs dieses Bündels dient eine Anschaffung dennoch – man darf vom 1984er Werk eben keine Heldentaten erwarten, auch wenn es das famose Titelstück verspricht.

Trackliste:

The Crusader Prelude
Crusader
A Little Bit Of What You Fancy
Sailing To America
Set Me Free
Just Let Me Rock
Bad Boys (Life To Rock'n'Roll)
Do It All For You
Rock City
Run For Your Lives

Und was halten die Bonusstücke dieses Re-Releases parat? Acht Stück sind es insgesamt, die dieser Veröffentlichung das Prädikat "wertvoll" verleihen. 'Helter Skelter' und 'Borderline' sind zwei überraschend starke Songs, die es aus welchen Gründen auch immer nicht auf das fertige Album schafften. Bonusstücke, die sich wirklich gut anhören und man sich gut im "Crusader"-Gesamtkontext hätte vorstellen können. Und wie schon auf dem Vorgänger gibt es auch bei diesem Bonusteil einige gelungene Demoversionen, durch die man die fertigen Endprodukte besser nachvollziehen kann. Und dennoch kommen die raueren Versionen von 'Sailing To America' und 'Just Let Me Rock' um einiges knackiger herüber als die fertigen Versionen – der "St.Anger"-Effekt trat also bereits damals schon bei SAXON ein. Bei der "Crusader"-Wiederveröffentlichung haben wir also erstmals den interessanten Fall, dass die Bonustracks einen Kauf mindestens gleichermaßen rechtfertigen wie die finale "Crusader"-Ausgabe. Ein Re-Release, der also in keiner Sammlung fehlen darf.

CD Bonus Tracks:

Borderline
Helter Skelter
Crusader (Demo)
Do It All For You (Demo)
A Little Bit Of What You Fancy (Demo)
Sailing To America (Demo)
Just Let Me Rock (Demo)
Do It All For You (Intro) / Run For Your Lives
Living For The Weekend

Value for money also aus dem Hause SAXON. Die Wiederveröffentlichungen von "Denim And Leather", "Power And The Glory" und "Crusader" jeweils im tollen Digibook mit all den visuellen und sehenswerten Raritäten lohnen sich selbst dann, wenn man die eine oder andere Platte schon im heimischen Regal sein Eigen nennen kann. Auch wenn wir es bei zwei der drei Alben nicht mit den besten Werken der Briten zu tun haben, so kribbelt es dem Fan schon in den Fingern, wenn "Power And The Glory" oder "Crusader" eben fehlen. Mit diesen Re-Releases kann man bisweilen nichts falsch machen und diese Reise durch die Vergangenheit einer der größten, noch lebenden NWoBHM-Legenden ist definitiv lohnenswert.

Redakteur:
Marcel Rapp

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