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Diskografie-Check: RUSH - Platz 19 - 11

07.01.2021 | 09:32

Die Karriere von RUSH einem Diskografie-Check zu unterziehen, ist natürlich naheliegend. Es wird ein Muss, wenn es gleich zwei Gründe dafür gibt, einen guten und einen traurigen Grund. Der gute Grund ist, dass heute vor 40 Jahren mit "Moving Pictures" das erfolgreichste Album des kanadischen Trios veröffentlicht wurde. Ob es unserer Meinung nach das beste Album ist, werdet ihr später erfahren. Der traurige Grund ist natürlich, dass heute vor einem Jahr Schlagzeug-Legende Neil Peart verstarb.

Es ist nicht leicht, das Schaffen des Dreiers in eine Rangordnung zu packen. Das Kollegium war sich einig, dass RUSH kein einziges schwaches Album in den knapp 40 Jahren, die zwischen "Rush" und "Clockwork Angels" lagen, veröffentlicht hat. Es dürfte aber spannend zu sehen sein, welche Phase in der Karriere der Ahornblätter in der Redaktion den höchsten Stellenwert hat.

19. Rush
rush coverDen Beginn macht das Debüt aus dem Jahr 1974, bei dem noch John Rutsey an den Kesseln saß. Wirklich progressiv ist dieser Erstling noch nicht. Vielmehr bewegt man sich eher zwischen Hard und Blues Rock. Mit 'Working Man' gibt es bereits einen Hit zu bestaunen, der damals vor allem in der Arbeiterklasse von Cleveland große Aufmerksamkeit erhielt. Doch auch darüber hinaus gibt es mit dem Opener und passend betiteltem 'Finding My Way' oder dem kurzen 'In The Mood' noch einige Perlen zu entdecken. Für Frank und Timo ist dieses Debüt das schwächste Album in der Werkschau der Truppe, während der große Rest es zwischen Platz elf und 18 platziert. Die einzige Top10-Platzierung kommt von Tobias, der "Rush" auf den neunten Rang seiner Liste setzt.

17. Vapor Trails
Es folgt ein großer Zeitsprung in den Mai des Jahres 2002. Zu diesem Zeitpunkt erscheint nach sechsjähriger Pause "Vapor Trails". Es war lange ungewiss, ob überhaupt ein weiteres RUSH-Album erscheinen würde, da Neil Peart nach zwei Schicksalsschlägen Abstand von der Musik brauchte. "Vapor Trails" war für viele Fans also eine Erleichterung und auch das Ergebnis kann sich hören lassen. "Vapor Trails" ist rauer und härter als der Rest des Bandkatalogs, wirkt im originalen Mix aber etwas unrund, weshalb das Werk mehr als zehn Jahre später noch mal als Remix erschien, der doch bedeutend besser klang. Songs wie 'Ghost Rider', 'One Little Victory' oder 'Earthshine' sind aber in beiden Versionen Höhepunkte eines starken Albums. Und das sage ich, obwohl ich "Vapor Trails" auf den letzten Platz meiner Liste gesetzt habe. Auch für die meisten anderen Kollegen ist dieses Comeback eher im hinteren Bereich der Diskographie angesiedelt. Nur Jonathan und Tobias haben es mit Platz fünf respektive vier sehr hoch platziert und sorgen dafür, dass "Vapor Trails" zum nächsten Werk aufschließen konnte.

17. Snakes & Arrows
Der direkte Nachfolger von "Vapor Trails" kommt auf die exakt gleiche Punktzahl, obwohl mit Walter, Nils und Jonathan gleich drei Kollegen "Snakes & Arrows" als schwächsten Output aus dem Hause RUSH betrachten. Zudem sind zwei achte Plätze von Tobias und Rüdiger die positiven Ausschläge. Musikalisch ist "Snakes & Arrows" nicht so modern wie "Vapor Trails" und insgesamt sehr viel klassischer. Songs wie 'Workin' Them Angels', 'Amor And Sword' oder 'Good News First' bieten genau die Mixtur aus Anspruch und Eingängigkeit, für die RUSH seit Dekaden bekannt war. Für den Autoren hängen auch noch ein paar Erinnerungen daran, da ich auf der dazugehörigen Tour RUSH zum ersten Mal livehaftig begutachten durfte und all die Eindrücke von bereits bekannten Aufnahmen noch mal verstärkt wurden. Eine völlig großartige Version von 'Far Cry' inklusive. Was soll ich sagen? Klasse Album!

16. Fly By Night
Wir reisen zurück in die Siebziger Jahre. "Fly By Night" war der Einstand von Neil Peart, der vom ersten Tag an auch die Texte zu den Songs beisteuerte. Außerdem war sein abwechslungsreicheres Spiel mit dafür verantwortlich, dass RUSH progressiver wurde, was der erste etwas ausufernde Song 'By-Tor & The Snow Dog' deutlich vorführt. Geddy Lees Vocals sind weiterhin ziemlich hoch angesiedelt, was damals gerne mit Robert Plant verglichen wurde. Nach dem Hit mit 'Working Man' wurde "Fly By Night" auch bereits ein ziemlicher Erfolg, inklusive Shows vor 4000 Fans im heimischen Toronto und Charteinstiegen in Kanada und den USA. Bei Frank reicht das alles dennoch nur zu Rang 18, bei Timo allerdings ist Platz sechs drin und bei Rüdiger schrammt das Album gar nur hauchdünn am Treppchen vorbei. Durchaus verständlich, denn neben dem genannten Longtrack gibt es mit 'Anthem', 'Rivendell' oder dem Titeltrack noch diverse Hochkaräter zu vermelden.

15. Presto
rush prestoIch muss ehrlich zugeben, dass ich mit "Presto" nicht so früh gerechnet habe. Ich kann mich noch erinnern, dass sich die Fachpresse überschlug als das Werk 1989 erschien, angesichts der Klasse von 'The Pass', 'Red Tide' oder 'War Paint'. Die Synthies, die auf den Vorgängern einen großen Anteil am Gesamtsound hatten, wurden weitestgehend verbannt, der Sound war erdiger, die Songs waren kurz, eingängig, ohne dabei an Tiefe vermissen zu lassen. Unser Thomas könnte ganze Aufsätze zu "Presto" schreiben, welches immerhin sein zweitliebstes Album von RUSH ist. Auch Frank und Nils platzieren es in ihren persönlichen Top10, auf der anderen Seite haben wir Timo, Jonathan und Walter, die "Presto" auf den unteren drei Plätzen sehen. Das kann man nur mit dem Hinweis auf die durchgängige Klasse der Diskografie des Trios akzeptieren.

14. Test For Echo

rush test for echoHätte man mich vorher gefragt, welches RUSH-Album ich ganz unten bei unserem Diskografie-Check erwarte, hätte ich wohl auf "Rush" und eben "Test For Echo" getippt. Nicht nur, weil es bei mir persönlich nur für Rang 17 reicht, sondern vor allem, weil ich den Eindruck hatte, dass das Album aus dem Jahr 1996 nicht den allerbesten Ruf genießt. Natürlich - wie eingangs bereits erwähnt - ist auch "Test For Echo" ein sehr gutes Album, das mit 'Driven' und 'Totem' auch zwei ganz brillante Nummern beinhaltet. Ich muss aber zugeben, dass es auch ein, zwei Nummern gibt, die an mir etwas vorbeirauschen. Etwas, was bei fast allen anderen Alben nicht der Fall ist. Die Kollegen sehen das Werk hingegen geschlossen im Mittelfeld, irgendwo zwischen Rang neun (Rüdiger und Jonathan) und 15 (Timo, Nils) platziert und dies reicht dann im Gesamtbild für einen souveränen Mittelfeldplatz.

13. Caress Of Steel
rush caress of steelWir fliegen zurück in die Siebziger, wo sich RUSH mit "Caress Of Steel" erstmals vollständig dem Progressive Rock hingeben, wie die beiden Epen 'The Necromancer' (knapp 13 Minuten) und das die B-Seite einnehmende 'The Fountain Of Lamneth' (20 Minuten Spielzeit) beweisen. Dazu gibt es mit 'Bastille Day' und 'Lakeside Park' zwei tolle, kürzere Nummern, nur das textlich amüsante 'I Think I'm Going Bald' ist vielleicht etwas simpel gestrickt. Letzterer ist sicher nicht der Song, der Rüdiger veranlasst hat, "Caress Of Steel" die Bronze-Medaille zu verleihen, dafür hat er zu volles Haar. Bei Walters fünftem Platz kann das aber anders aussehen. Frank und Jonathan verstehen hingegen bei ihren Haaren keinen Spaß und bestrafen das mit den Plätzen 16 bzw. 17, während der große Rest das Album zwischen Rang 12 und 15 sieht.

12. Signals
rush signalsEhrlich Kollegen? Jetzt dieses Meisterwerk? 'Subdivisions'? 'New World Man'? 'The Analog Kid'? 'Digital Man'? 'The Weapon'? Ich bin tatsächlich etwas baff, denn das 1982er-Werk "Signals" steht in meinen Top5 und ich kann kaum glauben, dass ich damit alleine bin. Klar, die schon auf "Moving Pictures" eingewobenen Synthies werden hier noch stärker eingesetzt und verweben so den Progressive Rock mit Elementen aus dem damaligen New-Wave-Trend, aber die genannten Songs sind meines Erachtens nach allesamt ganz große Spitzenklasse. Dazu kommt, dass Geddy Lee - wie seit "Permanent Waves" - seine Stimme nicht mehr so hoch einsetzt und damit sehr viel ohrenfreundlicher klingt als in den Siebzigern. Offensichtlich kann man dies aber auch anders sehen, wie die Plätze 16 (Rüdiger, Tobias) und 17 (Thomas) beweisen. Ich habe aus Trotz "Signals" aber dennoch gleich mal wieder aufgelegt und bin wie immer begeistert.

11. Clockwork Angels
rush clockwork angelsAls im Jahr 2012 "Clockwork Angels" erschien, war bereits zu erahnen, dass dies wohl der Schwanengesang der Kanadier sein würde. Und mit viel Würde tritt diese Legende hier ab. Die Songs sind frisch und unverbraucht, die Steampunk-Geschichte um den Uhrenmacher lyrisch gewohnt brillant und das abschließende 'The Garden' geht meilenweit unter die Haut. "The measure of a life is a measure of love and respect". Wahre Worte einer wahrlich grandiosen Nummer. Ja, wir kommen langsam in den Bereich, in dem ich nur noch Lobeshymnen anstimmen werde. Ich könnte hier auch 'The Wreckers' (dieser Refrain!), 'Headlong Flight', 'Caravan' oder 'Carnies' anführen, das Ergebnis wäre ziemlich identisch. Ziemlich identisch ist auch die Einordnung des Kollegiums von "Clockwork Angels". Jeder platziert es zwischen Rang neun und 13, was hier eindeutig für gehobene Klasse und selten gesehene Einigkeit steht. Da werden wir auf den nächsten Plätzen Alben erleben, die sehr viel mehr polarisieren.

So viel für heute. In den kommenden Tagen wird der zweite Teil mit den Top10 kommen. Gewinnt ein Album der Siebziger oder der Achtziger oder gibt es etwa einen Außenseitersieg aus den Neunzigern? Es bleibt spannend.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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