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Gruppentherapie: BLACK SABBATH - "13"

23.06.2013 | 10:13

"13" ist Sieger im prominent besetzten Juni-Soundcheck geworden. Das heißt noch lange nicht, dass das Album allen gefällt. Lest in der großen Gruppentherapie.

BLACK SABBATH-Maniac Nils Macher spricht in seinem Review zu "13" von einem "Kniefall vor sich selbst" und fällt vor dem Album auf die Knie. Wer kniet daneben und wer hilft ihnen wieder auf?





Was soll ich sagen: Nils' Aufhänger "Kniefall vor sich selbst" trifft voll ins Schwarze. Genau das ist das Problem: Eine Band, die sich eingesteht, dass sie entweder nichts Geniales mehr zustande bekommt oder ihre Fans nur für ein Album zahlen werden, welches sie bereits (in frischerer Form) im Regal zu stehen haben. Die Schuld dafür schiebe ich in erster Linie auf die Plattenfirma sowie Rick Rubin und deren Versuch, eine Bande halbseniler Großväter dazu zu bringen, dieses in Rubins Kopf bereits fertige Album exakt nach seinen Vorstellungen einzuspielen. Das Endprodukt stand bereits fest, bevor die erste Note aufgenommen wurde und die Tinte bzw. das Blut auf den millionenschweren Verträgen noch nicht einmal getrocknet war. Ich höre regelrecht Rubins Stimme in meinem Kopf, wie er Iommi rät, 'Zeitgeist' müsse noch mehr nach 'Planet Caravan' klingen, 'Loner' bräuchte mehr von 'N.I.B.' oder 'End of the Beginning' ähnele nicht noch nicht genug 'Black Sabbath'. Ozzys Gesang ist trotz reichlich Studiomagie bestenfalls erträglich und Tony hat quasi jedes Riff bereits zuvor geschrieben. Keinerlei Inspiration oder Spielfreude wie noch auf "The Devil You Know", stattdessen bietet die Band exakt das, was die zahlende Kundschaft erwartet: Ein Best Of mit leblosen Coverversionen der Hits der ersten 5 Alben. Ist es also schlecht? Nicht wirklich. Vielleicht sogar gut? Auch nicht so recht. Nötig? Bestimmt nicht.

Note: 5,5/10
[Martin Schulz]

Was Martin da sagt, mag sogar alles stimmen. Das ist nur für jemanden wie mich, der BLACK SABBATH eh nie so vergötterte wie die meisten Metalfans das tun, relativ irrelevant. Schlecht fand ich die Musik der Heavy-Metal-Pioniere nie, aber dieses gewisse Etwas blieb mir bisher weitestgehend verborgen (Ausnahme: die DIO-Phase). Nun ist es nicht so, dass ich dies auf "13" plötzlich entdecken könnte, trotzdem ist das neue Werk von BLACK SABBATH das erste (mit Ozzy am Mikro), mit dem ich mich bewusst und gerne auseinandersetze. Hier nun aufzuführen, welche Elemente das im Einzelnen sind, ist vermutlich überflüssig wie nichts zweites. Besonders erwähnenswert finde ich daher nur diesen Drive sowie diese Energie, welche in den meisten Songs stecken, ohne dass man sie offensichtlich bemerkt. Da brodelt einfach etwas: Vermutlich ist es genau das, weshalb Iommi bereits so viele Altare errichtet wurden. Ebenso kann ich mir Mr. Osbournes Stimme deutlich besser geben als in der Vergangenheit, wenngleich mich viele andere Sänger deutlich mehr packen. Als wirklich störend empfinde ich im Prinzip nur die wabernden Passagen ('Zeitgeist'), die auf der Gesamtlänge jedoch klar in der Unterzahl sind. "13" ist gut (wahrscheinlich sogar besser als die von mir vergebenen siebeneinhalb Punkte) und hat ganz klar mein Interesse an der Band geweckt. Spät, ich weiß. Ob ich die alten Platten, die ich mir mit Sicherheit zeitnah zu Gemüte führen werde, bald noch besser finde, spielt für mich persönlich dann ehrlich gesagt auch keine Rolle.

Note: 7,5/10
[Oliver Paßgang]





Wenn schon eine Band wieder zusammenfindet, um an das anzuknüpfen, was man gemeinhin mit den alten Glanztaten umschreibt, hat sie immer einen schweren Stand. Klingt es dann doch ganz anders, kriegt sie von einer Hälfte der Hörer Haue. Klingt es wie früher, kriegt sie Haue von der anderen Hälfte. Ich bin nun wahrlich ein alter BLACK SABBATH-Fan und damit hingerissen von der kompromisslosen Besinnung auf die alten Trademarks. Aber ich frage mich unwillkürlich, was denn die Vier hätten machen sollen, bitteschön? Sie bieten genau das, was ihre Fans kaum zu erhoffen wagten. Und wer sich daran stört und genau das ernsthaft kritisiert, der darf mir gerne mal erklären, was er denn erwartet hat? Dass SABBATH den Prog neu erfindet, Black Metal macht oder Elektro-Pop? Was hätten die Engländer denn tun müssen, um "nötig" zu sein? Wer immer das jetzt ernsthaft kritisiert, hat diese Scheibe weder verstanden noch verdient. Hier gibt es brillante, typische Iommi-Riffs mit großartigen Ozzy-Melodien, die eben klingen wie in den frühen Siebzigern. Dass es ein "Best Of" ist, ist ein großes Lob, denn viele der originalen acht Scheiben haben ein paar Ausfälle zu verzeichnen. "13" nicht. Damit ist das ein tolles Album einer Band, die im Gegensatz zu den Versuchen anderer Bands, ihre originäre Phase wiederzubeleben, eben nicht kläglich scheitert, sondern Spaß macht. Dass ich dennoch keine so hohe Note gebe, sondern nur im "sollte man haben"-Bereich werte, liegt daran, dass es in der Tat keine Überraschungen gibt und daran, dass zwei der besten Songs nur als Bonustracks der limitierten Edition erschienen sind. Diesen Bonusblödsinn kann ich echt nicht mehr ertragen, aber mit den vier (Achtung! Es gibt sogar zwei verschiedene limitierte Editionen, einmal mit drei, einmal mit vier Bonustracks!) Songs mehr wäre das locker einen weiteren Punkt wert gewesen!

Note: 7,5/10
[Frank Jaeger]

Ach, wie sehr ich mich doch freue. BLACK SABBATH hat mit "13" fast zur alten Stärke zurückgefunden und hat einen herrlichen Doom-Hammer abgeliefert, der mein Downtempo-Herz in Wallung bringt. Die Aussage, dass es zu sehr an den ersten fünf Scheiben dran sein soll, kann ich nachvollziehen, aber ich sehe kein Problem darin sich an etwas zu orientieren, das zum Besten gehört, was das harte Genre insgesamt zu bieten hat. Alle Riffs folgen einer sinnigen Gesamtidee und schaffen es wirklich das Feeling der 70er wiederzubeleben. Da stört es auch nicht, dass Rick Rubin seine Finger an den Reglern hatte. Denn zumindest ich finde nicht, dass hier irgendjemand von der Band in eine Richtung gedrängt wurde. Ozzy mag zwar nur noch ab und zu seine klaren Momente haben, aber ich kann mir kaum vorstellen dass sich Iommi oder Butler von Rubin oder ein paar Marketing-Leuten vom Label ins Wirken pfuschen lassen. Ich weiß nicht, was viele Kritiker erwartet haben, aber ein zweites "The Devil You Know" war von Anfang nicht zu erwarten. BLACK SABBATH mit dem Mad Man ist einfach eine ganz besondere Kombination. Tracks wie 'Loner', 'Zeitgeist' oder auch 'Dear Father' sind in ihrer Intensität nur mit ihm möglich.
Allerdings ist die vorliegende Scheibe natürlich kein monumentales Meisterwerk, das einen ähnlichen Eindruck hinterlassen wird wie etwa "Paranoid" und Generationen von Musikern beeindrucken wird. Trotzdem finde ich die Leistung, die hier abgeliefert wird, mehr als respektabel, denn "13", vor allem die Premium Version, ist immer noch ein schönes und feines Doom-Rock-Album.

Note: 8,5/10
[Adrian Wagner]





Wenn ich Franks Beitrag so lese, dann kann ich im Endeffekt fast jeden Punkt unterschreiben und vor allem teile ich das Unverständnis über die teilweise zu vernehmende Kritik. Hat mein Geschreibsel dann überhaupt noch einen Mehrwert für euch als Leser dieser Gruppentherapie? Kaum, mag man sagen, und ich bin nicht beleidigt, wenn jetzt einer von euch gleich zum nächsten Absatz springt. Aber halt, wenn der Frank und ich das alles gleich sehen, woher kommt dann der Unterschied von zwei Punkten in der Wertung? Nun, vielleicht liegt es einfach daran, dass ich die Bonustracks schlicht und ergreifend mit gewertet habe, und dass derer zwei, namentlich 'Methademic' und 'Naïveté In Black' für mich absolut überragende Hits sind, die ich auch auf allen Siebziger-Alben der Herren zu den Highlights zählen würde; und möglicherweise auch daran, dass ich nicht unbedingt große Überraschungen brauche, um ein Album toll finden zu können. Eine entscheidende Rolle würde ich aber auch der Tatsache beimessen, dass ich eben nicht so richtig mit den Siebziger-Meisterwerken BLACK SABBATHs aufgewachsen bin, sondern diese erst in den Neunzigern für mich entdeckt habe. Daher ist das damals errichtete Monument vielleicht für mich nicht ganz so unerreichbar groß wie für manch anderen. So oder so, "13" ist aus meiner Sicht absolut zwingend, von Rick Rubin toll produziert und mit allen Trademarks garniert, die wir als SABBATH-Fans lieben (sollten). Im Endeffekt bin ich nämlich tatsächlich davon überzeugt, dass wir über dieses Album noch lange reden werden, und dass es in einer ziemlich eindrucksvollen Diskographie ganz sicher keinen minderen Platz einnimmt.

Note: 9,5/10
[Rüdiger Stehle]



Sehr späte Reunionen von früher gottgleich verehrten Bands machen mir immer zunächst mal Angst. Warum können Musiker nicht einfach abtreten, wenn es am Schönsten ist, und sich alle drei Jahre mal für eine Benefiz-Veranstaltung oder so wieder treffen um die alten Hits noch mal aufleben zu lassen? Zugegeben: Mit "13" machen Tony, Ozzy und Geezer aus ihrem siebten Frühling das wohl Bestmögliche. Das Album steht wie eine Eins, ist handwerklich völlig in Ordnung und dermaßen traditionell, dass sich die treuen Fans ein zweites Loch in den Popo freuen werden - und für die ist dieses Geschenk ja wohl auch gedacht. Aber eigentlich will ich gar kein neues BLACK SABBATH-Album! Ich freue mich, wenn im Radio mal 'Paranoid' läuft, und lege ab und zu noch "Master Of Reality", "Heaven And Hell" oder "Headless Cross" auf. Das reicht mir. Das Interessante an "13" ist daher die Erfahrung, wie transparent und druckvoll so ein Metal-Dinosaurier im Rick Rubin-Soundgewand klingen kann. Ansonsten enthält das Album neben einer Handvoll magischer Momente auch so einiges an gepflegter Langweile. Und wer bei 'Dear Father' immer noch behauptet, Ozzy sei stimmlich voll auf der Höhe, muss dringend zum Ohrenarzt - oder sollte sich die rosarote Fanbrille operativ entfernen lassen. Fazit: Das souveräne Hantieren der eigenen Standards ist in dem Alter schon eine recht beachtliche Leistung. Dieses Album tut zwar nicht weh, ist frei von Peinlichkeiten und exzellent produziert. Aber es ist auch eine kreativitätsfreie Zone. Glühende SABBATH-Verehrer, Diskographien-Komplettierer und geschichtsbewußte Retro-Hipster dürfen trotzdem kaufen. Ich bleibe bei den Klassikern.

Note: 6,5/10
[Martin van der Laan]


Nun Martin, wer einem neuen BLACK SABBATH-Album gegenüber nicht aufgeschlossen ist, der wird es letztlich auch kaum brauchen. Bringt "13" die übrig gebliebenen aufgeschlossenen Hörer nun mit einer Zeitmaschine zurück in die Mitte der 70er? Nein, man hat nicht den Fehler gemacht, einen Aufguss der Klassiker abzuliefern, denn das Album trägt den heutigen Gegebenheiten Rechnung. Kiffen kommt für die alten Herren heutzutage nicht mehr in Frage und so spart man den Stonerrock konsequenterweise aus.  Da man im Alter naturgemäß langsamer vorankommt, fehlen schnelle Songs und man legt den Fokus auf Slowmotion und ein bisschen Midtempo. Die magischen Momente, auf die es letztlich ankommt, gibt es glücklicherweise zuhauf zu bewundern. Sobald im Opener 'End of the Beginning' das Tempo angezogen wird, die Refrains von 'God is Dead?' oder 'Loner' erklingen oder man sich von der Percussionballade 'Zeitgeist' durch Raum und Zeit zum 'Planet Caravan' tragen lässt, könnte es für mich in dem Moment nicht besser sein. Kann "13" nun an die Meilensteine der Ozzy-Ära anknüpfen? Ich habe in den letzten zwei Wochen der Dauerrotation jedenfalls nicht den Drang gehabt, stattdessen einen Klassiker aufzulegen und im Direktvergleich kann "13" für mich durchaus mithalten. Wer sich hier nicht schon wieder die Erschaffung einer neuen Stilrichtung erhofft, wird optimal bedient. Ein besseres Album wäre BLACK SABBATH heutzutage nicht möglich gewesen.

Note: 9,5/10
[Arne Boewig]

Natürlich gab es auch im Vorfeld von "13" einigen Krach, nachdem Ozzy Osbourne auf den Drummer seiner eigenen Band Tommy Clufetos bestanden hatte und erst Rauschebartproduzent Rick Rubin mit seinem Machtwort Brad Wilk von ehemals RAGE AGAINST THE MACHINE festgelegt hatte. Dass die Instrumentensektion Iommi und Butler ihre Vorbehalte gegen das Untier Osbourne wahrscheinlich nie ganz abstreifen können, ist auch zu vermuten. Wer die Dokumentation "God Bless Ozzy Osbourne" von 2011 gesehen hat, wird nachvollziehen können, warum das so ist. Aber da sind wir bereits beim Stichwort: Professionalität. Egal, wie dieser schleichende Apotheker gerade unterwegs ist, er scheint auf den Punkt genau Volldünnblutmusiker zu sein und setzt um, was ihm vorgegeben wird. Wie immer mit einer sauren Gurke im Mund. Quer natürlich. Aber dafür liebt Mann und Frau diesen Kerl. Wie er hier das Material interpretiert, prägt und murmelnd seinen Stempel aufdrückt – das ist schon beachtlich. Die Band ist sich ihrer Wirkung sehr bewusst, aber die kühl kalkulierenden Rockopas nehme ich denen nicht ab. Dafür stecken in 'God Is Dead?', 'Damaged Soul' oder 'Age Of Reason' zu viel Herz, Erfahrung und ja, auch Spielfreude. Schon der Abschluß 'Naïveté In Black' allein ist ein Knaller und kann durchaus als Rundumschlag in Richtung sich selbst covernder Silberrückenmucker angesehen werden. Im gesamten Vorfeld und Vorspiel bin ich eine Metamorphose durchlaufen: vom Kenntnisverweigerer zum Interessierten, vom gespannten Hörer zum zufriedenen Mitpfeifer. Denn es ist wieder eingetreten, das BLACK SABBATH-Gefühl, das nicht nur mich sehr geprägt hat, und das auf so vielen Platten im Stonerrock, Doom und Hardrock vernehmbar ist. Lockere Umarmerriffs des Herrn Iommi, tranig-tröpfelnde Lebensrhythmus-Drums, klassisch hektisch ausbrechende Gitarren-Soli - alles schön zurückgelehnt, überhaupt nicht überhastet oder nach Beifall heischend. Die Konstruktion BLACK SABBATH in dieser Zusammensetzung hat sich ihren sehr weit oben gelegenen VIP-Rocktribühnenplatz zurückgeholt. Sie waren gut vorbereitet und haben das getan, was sich alle erhofft hatten: Ein BLACK SABBATH-Album aufgenommen. Nicht umsonst ist zu erwarten, dass sie in Kürze in den US- Bilboard 200-Album-Charts spätestens nächste Woche die Nummer 1 sein werden. Bei uns, auf der britischen Insel und in Neuseeland sind sie es ja bereits. Noch Fragen?

Note: 8,5/10
[Mattias Freiesleben]


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Review von Nils Macher

Redakteur:
Thomas Becker
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