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Gruppentherapie: LUNAR SHADOW - The Smokeless Fires

07.07.2019 | 23:01

Himmelhochjauchzend gibt sich unser Redakteur Jakob Schnapp in seinem Review zum zweiten Album der deutschen Epic-Metal-Band LUNAR SHADOW: Bei "The Smokeless Fires" handle es sich gar um die "Essenz des Metals", was aber von den Kollegen aus dem Juni-Soundcheck wohl etwas anders gesehen wird. Wie verhält es sich nun aber tatsächlich? Ist dieses Album so herausragend oder tatsächlich so langweilig, wie einer der Soundchecker findet? Wie immer liegt die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen...

Autsch. Da lobt unser Rezensent dieses Album in den höchstmöglichen Tönen und das Teil wird im Soundcheck auf die hinteren Plätze verladen. Was ist dran, am zweiten Album der in der Szene schon seit langem mit (Vorschuss-)Lorbeeren bedachten Truppe? Zunächst einmal: Ein Götteralbum, Jahrtausendalbum oder sonstwas ist "The Smokeless Fires" nicht. Da hat den Kollegen wohl der Fanboy-Virus ganz böse angesteckt. Zumal ich es seltsam finde, dass die Produktion einen Mittelweg zwischen "Mainstream" und "Underground" beschreiten soll und quasi mehrere Lager vereint, ja quasi die Essenz des Metals gefunden habe. Das wird mir dann - trotz aller musikalischen Qualität - deutlich zu Meta. Zumal wir hier über ein Genre reden, in dem es schon alleine Hunderte Platten gibt, die man als "essentiell" erachten mag. Für mich steht fest: "The Smokeless Fires" ist ein richtig gutes Album, das sich nicht durch selbst auferlegte Scheuklappen selbst kastriert. Hörvergnügen gibt es hier satt, dank des Einfallsreichtums der Songwriting-Abteilung hält selbiges auch eine Weile an. Also: Lasst euch nicht beirren - weder von den vermeintlich niedrigen Noten der Soundcheck-Kollegen noch dem Richtskalen-Eskalateur. Mit der neuen LUNAR SHADOW dürfte kaum jemand etwas falsch machen.

Note: 8,5/10
[Nils Macher]

 

Ach herrje, Sturm im metallischen Wasserglas! Ein Teil hört das Paradies auf Erden, der andere wittert den Untergang des Abendlandes. Was stimmt? Kollege Nils hat das Ganze ganz gut umrissen. So ein Fanboy-Virus kann einen schwer erwischen, aber Begeisterung ist ja etwas Schönes. Und ansteckend ist dieser Virus auch manchmal, nur wurde ich nach wenigen Durchgängen vom LUNAR SHADOW-Virus wieder weitgehend kuriert, sodass dann eine einfach gute, aber nicht gerade genredefinierende Scheibe übrig bleibt. Wobei da auch ein wenig die Frage aufkommt: welches Genre? Epic Metal? Ja, gibt es auch - übrigens: wer eine Epic-Metal-Scheibe macht und Blastbeats verwendet, dem gehören Punkte abgezogen!- aber eben nicht nur. Es gibt auch Progressive Metal, Power Metal und sogar ein paar Folk-Einflüsse. Diese Mischung scheint unserem Jakob Schnapp in die Gehörgänge zu flutschen wie kalt gepresstes Olivenöl, mich dagegen lässt das Ganze wohlwollend nickend, aber nicht wild hüpfend zurück. Gutes Album. Kaufenswert. Ich finde, das reicht, da kann man dann auch die Kirche im Dorf lassen.

Note: 7,0/10
[Frank Jaeger]

 

Glaubt man den Anhängern der Band, dann ist der Titel des Albums programmatisch und es schwelt ein verzehrendes Feuer, das pur und ohne lästige Abgase brennt; die Kritiker drehen die Prämisse um und reden von viel Rauch, der um nichts wehe. Was mich angeht, so stimmt beides nicht so recht, doch ich bin auf jeden Fall deutlich näher an den Jublern als an den Kritikastern, denn "The Smokeless Fires" hat doch was ganz Besonderes und Eigenes: Schon das wunderschöne, auf dem Piano gespielte Intro klingt einfach anders, als man es so von klimpernden Intros der Tastenfraktion gewohnt ist, und auch wenn die Band so richtig loslegt, haben wir es einfach mit einem ungewöhnlichen Werk im besten Sinne zu tun. Die Produktion entsagt dem unsäglichen Trend hin zu fetten Klängen und lässt den Instrumenten Raum zum Atmen. Auch stilistisch ist die Band kreativ, finden sich doch neben allerlei traditionsmetallischer Ausrichtung auch einige Momente, speziell im Bereich der Leadgitarren, die schwedischen Black Metal und insbesondere DISSECTION in einer eigenwilligen Weise zitieren, die eben nicht erzwungen wirkt und schon gar nicht dafür sorgt, dass die Band gen schwarzen Stahl entschwände. Nein, vielmehr schließen die Musiker von LUNAR SHADOW hier den Kreis in die andere Richtung und scheinen jene Einflüsse aus dem Heavy Metal, die Bands wie DISSECTION und ihre Interpretation des schwarzen Stahls erst entstehen ließen, zurück in ein traditionelles Fahrwasser zu führen. Daneben sind auch zarte akustische Momente, folkige Hooklines und eine mit einigem Hall belegte und dadurch etwas mystische Gesangsdarbietung zwischen fragil und eindringlich weitere Facetten des Klangbilds einer ungewöhnlichen Band, die auch vor trippig-poppigen, leicht gruftigen Momenten im besten Sinne wie bei 'Roses' nicht zurückschreckt. Zwar zünden bei mir nicht alle Kompositionen auf ganzer Linie, doch LUNAR SHADOW ist auf jeden Fall eine Band mit ganz eigenem Ansatz, die man nicht allzu leicht generisch festmachen oder in eine Soundalike-Kiste packen kann. Allein dafür, und für die feinen Gitarrenarrangements sowie das nicht überfrachtete Klangbild, bekommen die Herrschaften meinen vollen Respekt.

Note: 8,0/10
[Rüdiger Stehle]

 

Ich hatte große, vielleicht viel zu große Erwartungen an "The Smokeless Fires" von LUNAR SHADOW. Und das sicher nachvollziehbar, war doch "Far From Light" damals mein Album des Jahres. Nun höre ich das vierundvierzigminütige Endprodukt und bin wenig überraschend doch etwas enttäuscht. Die Euphorie von Jakob und einigen anderen kann ich nicht teilen, auch wenn das Album alles andere als schlecht ist. Die völlig eigenständige und ungenerische Musik sticht deutlich aus dem Einheitsbrei des epischen Metals heraus. Und die Gitarrenarbeit wird völlig zurecht von allen als phänomenal angesehen. Das liegt nicht nur an den offensichtlichen DISSECTION-Einflüssen, sondern auch an der Fähigkeit von Max, ganz feine Gitarrenharmonien zu komponieren und einzuspielen. Trotzdem sehe ich auf diesem Zweitling drei Mankos, die mich von den Jubelarien abhalten: Zuerst mal ist da der Gesang, der nicht ganz die starke Emotionalität des Debüts transportieren mag. Zwar finde ich Robert Röttig technisch stärker als seinen Vorgänger, aber er ist auch deutlich zu leise in den Mix genommen worden. Womit wir beim zweiten Manko ankommen: Die Produktion klingt zu verwaschen, die Gitarren (samt wunderbarer Melodien) sind überpräsent, alles andere geht etwas unter. Und dann landen wir bei Runde drei, und die kann sich am ehesten noch ändern: Mir fehlen ein wenig die Hits. Das gab es ja alles schon bei LUNAR SHADOW, daher finde ich den Wunsch angemessen. Natürlich ist 'Laurelindorenan' einer, ebenso 'Hawk Of The Hills', aber für mehr Punkte müsste da auch die Hitdichte höher sein - so wie das eben beim Vorgänger der Fall war. Trotzdem ein wirklich starkes Album, aber für mich halt leider auch nicht der erhoffte Zehnpunkter.

Note: 8,5/10
[Jonathan Walzer]

 

Eine Erwartungshaltung an dieses Album gab es von meiner Seite nur deshalb, weil sich bei uns intern geradezu darum gerissen wurde, das Review schreiben zu dürfen. Nun ja, ich müsste also sagen, dass diese Haltung enttäuscht wurde, obwohl "The Smokeless Fires" alles andere als enttäuschend ist. Ansonsten wurde von meinen Vorrednern im Prinzip schon alles gesagt, insbesondere mit Rüdiger gehe ich absolut d'accord. Jonathans Hadern mit dem Sound kann ich in gewisser Weise nachvollziehen, denn tatsächlich ist der Gesang etwas sehr dünn geraten. Die in der Produktion hervorgehobenen Gitarren finde ich hingegen toll, genau so, wie sie sind. So bleibt am Ende nun eine durchschnittliche Gruppentherapie, bei der sich alle recht einig zu sein scheinen: Ja, LUNAR SHADOW ist eine tolle Band. Ja, ihr jüngstes Album ist definitiv kaufenswert. Und aber auch: nein, kein Jahrtausendwerk.

Note: 8,0/10
[Daniel Lindhorst]

Redakteur:
Daniel Lindhorst

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