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Gruppentherapie: MOONSORROW - "Jumalten Aika"

15.04.2016 | 22:37

Warum diese Finnen Soundcheck-Sieger wurden und wer etwas dagegen hatte.

Breites Einvernehmen im März-Soundcheck: Alle geben acht Punkte oder mehr auf "Jumalten Aika". Nur einer verhagelt den Schnitt. Komische Ohren? Lest hier, was MOONSORROW so besonders und dennoch so konsensfähig macht.



MOONSORROW ist das Vorzeige-Beispiel für die erfolgreiche Kombination zwischen Folklore und den klassischen Elementen des Black Metals. Kurze Track-Listen und lange, aber sehr komplexe Songs sind dabei zum Markenzeichen dieser Finnen geworden. Ein typisches Album von ihnen ist demnach alles andere als ein Soundtrack für die nächste Wikinger-Pseudoschlacht in der Disko, sondern braucht viel Aufmerksamkeit, um sich in seiner ganzen Wucht entfalten zu können. Wie Kollege Raphael bin ich auch der Meinung, dass sich das Warten auf "Jumalten Aika" mehr als gelohnt hat. Die Arrangements für die traditionellen Instrumente bilden eine wunderbare Symbiose zu der düster angehauchten Stimmung der Songs und sind alles andere als aufdringlich. Die Finnen schaffen es wieder den Hörer auf eine unglaubliche spannende Reise mitzunehmen - ohne zu langweilig oder eintönig bei über eine Stunde Spielzeit zu werden. Es ist alles in allem ein musikalisches Manifest für Genreliebhaber und hat definitiv Wiederholungstasten-Status bei mir erreicht.

Note: 9,0/10
[Hang-Mai-Le]


In einem Punkt kann ich meiner Kollegin Hang zustimmen: "Jumalten Aika" ist definitiv wieder ein typisches MOONSORROW-Album geworden. Dementsprechend ruft die Scheibe bei mir dann auch ähnlich zwiespältige Reaktionen hervor, wie es bereits die übrigen Werke der Finnen getan haben. Zum einen ist das hier natürlich eine großartige Kombination aus Folklore und Black Metal, die auch an vielen Stellen mit wirklich packenden Passagen aufwarten kann, wie etwa im Titelsong oder dem packenden 'Suden Tunti', trotzdem sind mir die Kompositionen insgesamt zu ausschweifend. Oftmals kommt sogar das Gefühl auf, dass die Truppe aus Helsinki in den überlangen Songs selbst ein wenig den roten Faden verliert. Zwar spielen die Finnen auch in solchen Momenten noch ihre musikalischen Qualitäten voll aus, doch vom Songwriting her fehlt den Tracks auf dem neuen Longplayer der letzte Schliff, der am Ende einen guten von einem wirklich großartigen Song unterscheidet. So bleibt "Jumalten Aika" ein wunderschöner Flickenteppich aus tollen Melodien, der mich aber in seiner Gesamtheit nicht überzeugen kann.

Note: 7,0/10
[Tobias Dahs]


Zu Beginn der 2000er Jahre fegte MOONSORROW über die damalige Musiklandschaft (zumindest was den schwermetallischen Bereich betrifft) wie ein Orkan hinweg. Von der einzigartigen Mischung aus frostigem Black Metal, einem guten Schuss Epik und anregenden Folk-Metal-Elementen (you may call it Pagan Metal) ließ auch ich mich gerne mitreißen, zumal die Band einen angenehmen Gegenpol zum partytauglichen Humppa-Folk von FINNTROLL und Konsorten bildete. Ja, ein Markenzeichen ist das durchaus, selbst nun, 15 Jahre und sieben Alben nach dem wunderbaren Debüt "Suden Uni", steckt noch immer MOONSORROW drin, wo dies drauf steht. Das mag bei Tobias lediglich zu "zwiespältigen Reaktionen" gereichen, ich halte es eher mit Hang und ihrem Vergleich einer spannenden Reise, was ich bei Alben dieser Band ebenfalls immer so empfinde. Klar, die Band tönt weniger roh als zu ihren Anfangstagen und den einen Ausnahmehit gibt es auf "Jumalten Aika" auch nicht, aber was ganz klar für die Scheibe spricht, sind die kompositorische Klasse und Vielfalt der Songs. Zudem entwickelt sich die Band in kleinen, für den geneigten Fan stets nachvollziehbaren Schritten eben doch weiter, weshalb die weniger ungestüme und aufbrausende Ausrichtung mich auch überhaupt nicht stört. Lediglich 'Suden Tunti' geht phasenweise noch in diese rohe blackmetallische Richtung - kein Wunder, ist von "Suden Uni" ja auch nur zwei Buchstaben "entfernt". MOONSORROW liefert jedenfalls weder eine exakte Selbstkopie noch zu großen stilistischen Wandel - für Bandliebhaber ist das genau richtig. Und vor allem ist "Jumalten Aika" absolut mitreißend intoniert. Die können's einfach.

Note: 8,5/10
[Stephan Voigtländer]



Ich bin doch verwundert über den breiten Konsens, den MOONSORROW heuer hervorruft. Klar ist das gute und mit Liebe zum Detail ausgearbeitete Mucke, und chorale bis folkige Elemente müssten mir auch gefallen, doch im Gegensatz zu meiner Kollegschaft lässt mich das Gehörte weitestgehend kalt. "Alles andere als aufdringlich" ist gut gesagt, liebe Hang, ich ratz da gerne mal weg bei. Und wenn ich es schaffe, konzentriert draufzuhören, habe ich bei der Musik immer Zeichentrick-Fantasy vorm geistigen Auge, in der schwarz-weiß bepinselte Uhus, Eulen und Spechte Black Metal spielen. Und der Gesang erinnert mich an Wurzelsepp. Raphael redet in seinem Review etwa von Energie, beißendem Wind, der eisigen Kälte und der glühenden Hitze der Feuer, aber das kommt bei mir alles nicht an. Ich finde den Klang verwässert, die Akkordfolgen bieder und gute Ideen verkommen in ewig ausgewalzten, vermutlich "epischen" Passagen. Dass in der Landessprache gesungen wird, ist mir allerdings einen halben Bonuspunkt wert. Jetzt noch ein Sänger...

Note: 6,5/10

[Thomas Becker]



Lieber Thomas, vielleicht lässt dich das Gehörte kalt, weil du "Jumalten Aika" an wunderschönen Frühlingstagen gehört hast. Stellt man sich nämlich eine in Nebel gehüllte Berglandschaft mit bedrohlichen, aber irgendwie auch faszinierenden Gewitterwolken vor, gibt es in diesen Tagen wohl kein passenderes Album als das nunmehr siebte von MOONSORROW. Was für dich Disney auf Black Metal ist, ist für uns eben ein Werk zum Eintauchen, zum Davonschweben, ein Dickicht aus Folklore, Schwarzmetall und dezenter Epik. Denn gerade diese betonschweren, hochatmosphärischen Brocken sind es, die dieses Werk ausmachen. Du suchst nach einem gescheiten Sänger? Schau bei "Voice Of Germany" nach. Es sind doch gerade diese Ecken und Kanten, die dich über dieses Werk grübeln lassen, sind es, die es für uns zu einem Genre-Output der besonderen Art machen. Schließlich war bei Walt Disney auch nicht alles aalglatt.

Note: 8,5/10

[Marcel Rapp]

Redakteur:
Thomas Becker

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