Perlen der Redaktion: Hermann Wunners Highlights 2019

22.01.2020 | 14:19

Neben jeder Menge Krach konnte mich 2019 auch Prog wieder glücklich machen.

Das Jahr 2019 werde ich in guter Erinnerung behalten. Musikalisch gab es für mich einige Highlights, beim Erstellen der Liste ist mir dann bewusst geworden, wie viele starke Scheiben es nicht in meine Top 20 geschafft haben. Dazu muss ich sagen, dass die Reihenfolge wieder nach der Anzahl der Durchgänge erstellt wurde, da mir das am zuverlässigsten erscheint.

Beginnen möchte ich gleich mit der Enttäuschung des Jahres. Zugegeben, ich musste schon etwas überlegen, denn viele wirklich enttäuschende Alben habe ich vergangenes Jahr tatsächlich nicht gehört. Mir ist dann nur eines eingefallen, leider von einer Band, der ich das nicht zugetraut hätte: SONATA ARCTICA. "Talviyö" ist für meinen Geschmack nicht nur enttäuschend, sondern sogar der Tiefpunkt der Finnen bisher. Mir konnte das Teil leider nicht mehr als ein verhaltenes Gähnen entlocken, ich fand es sogar extrem anstrengend, das Album am Stück zu hören. Nach weiteren Versuchen wurde es auch nicht besser, deshalb geht meine goldene Himbeere für 2019 nach Finnland.

Damit widmen wir uns jetzt den musikalischen Höhepunkten des vergangenen Jahres. Klarer Spitzenreiter bei mir ist natürlich DREAM THEATER mit "Distance Over Time". Nach dem eher mittelprächtigen Vorgänger kehrt das Traumtheater endlich wieder zu alter Stärke zurück und konnte sich in meinem Player auch auf langer Distanz behaupten. Als ich die Scheibe zum ersten Mal gehört habe, war mir fast klar, dass die auf jeden Fall in meiner Top 5 landen wird. Die Reihe "Im Rückspiegel", in der ich zusammen mit dem Kollegen Jonathan Walzer die Diskographie von DREAM THEATER beleuchtet habe, war zudem eine super Einstimmung auf das Album.

Mein zweiter Platz ist eine Überraschung, denn diese Band habe ich erst im vergangenen Jahr kennen gelernt. Die Rede ist von SHOKRAN. Die Jungs haben mit ihrem Album "Ethereal" einen derartigen Eindruck bei mir hinterlassen, dass ich die Scheibe regelrecht gesuchtet habe. Die Vorgänger habe ich mir natürlich ebenfalls zu Gemüte geführt, allerdings konnten mich die nicht ganz so sehr fesseln wie "Ethereal". Hier stimmt für mich einfach alles. Ein progressiver Kracher, der auch genug Härte mitbringt und mit vielen hitverdächtigen Songs aufwarten kann.

Den dritten Platz auf dem Treppchen belegt mit IMPERIUM DEKADENZ eine meiner Lieblingsbands, wenn es um atmosphärischen Black Metal geht. "When We Are Forgotten" ist ein weiteres Highlight der ohnehin schon bockstarken Diskographie. Ein Album, welches einen nicht mehr loslässt, sobald man sich nur darauf eingelassen hat. Mit dieser Scheibe hat die Band ihren Status als eine der aktuell interessantesten Bands im deutschen Black Metal mehr als eindrucksvoll untermauert.

Nicht unerwähnt sollen auch die anderen schwarzmetallischen Scheiben in meiner Liste bleiben. Im symphonischen Bereich konnten mich hier vor allem LEMURIA mit dem genialen "The Hysterical Hunt" und TOTENGEFLÜSTER mit dem dritten Streich "The Faceless Divine" überzeugen. Ebenfalls ein Dauergast in meinem Player war "Kali Yuga Crown" von ADVENT SORROW. Solltet ihr mit Post-Black-Metal etwas anfangen können, dann möchte ich euch "Adore" von NUMENOREAN wärmstens empfehlen. Wer sich jetzt fragt, warum weder DARKTHRONE noch MAYHEM oder 1349 in meiner Liste auftauchen - ganz einfach: Deren Alben finde ich richtig gut, habe sie aber deutlich weniger gehört als die bei mir gelisteten. Und ABBATH? Tja, der konnte sich im Vergleich mit der letzten IMMORTAL-Scheibe leider nicht mal ansatzweise behaupten, was für mich eine der Überraschungen des vergangenen Jahres war.

"The Raven's Wisdom" von RAVENPATH hat es sogar in meine Top 10 geschafft. Die Scheibe konnte mich nicht nur in die aufregenden Anfangszeiten des melodischen Death Metal zurückversetzen, sondern ein ebensolches Suchtpotential entfalten wie so manche Scheiben aus dieser Zeit. Auch live konnten die Jungs mehrmals überzeugen, egal ob als Opener oder als Headliner.

Mit "The Hour Of The Avenger" hat REVEL IN FLESH mein Jahreshighlight im Bereich Death Metal rausgehauen. Das Teil ist einfach geil, genauso muss gutes Geklöppel klingen. Ebenso interessant, vor allem für Old-School-Fans, dürfte "Rise Of The Reaper" von ENTRAILS sein. Ganz knapp verfehlt hat meine Liste übrigens eine Band aus meiner Heimatstadt Hof: "Halluci.Nation" von PESTEROUS MIND ist ein brutales Geschoss geworden, das solltet ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen.

Es freut mich sehr, dass ich im vergangenen Jahr sehr viele Konzerte und Festivals im In- und Ausland besuchen konnte. Die Highlights waren hier vor allem das Party.San Festival sowie das In Flammen Open Air, aber auch die "Into The Electric Castle"-Show von AYREON in Tilburg war absolut genial. Auch mein Urlaub auf Malle hat wieder verdammt viel Spaß gemacht, Full Metal Holiday sei Dank.

Ebenso erfreulich finde ich, dass es in meiner Region seit vergangenem Jahr mit dem Rockclub Nordbayern e.V. eine neue Location für Livekonzerte gibt. Mit ausverkauftem Haus ist der Rockclub mehr als amtlich gestartet und konnte mich auch an vielen weiteren geilen Konzertabenden begeistern. Ich hoffe ja, dass es im neuen Jahr ebenso weitergeht, die erste Show (MOB RULES, MYSTIC PROPHECY) war jedenfalls schon mal ein absolut epischer Auftakt.

Live besonders mitreißen konnten mich vor allem EVIL INVADERS, MACHINE HEAD, HYPOCRISY, THE WIZARDS, HELLHAIM, GATEKEEPER, BENEDICTION, MUNICIPAL WASTE, DARK FUNERAL und noch viele andere. Lange habe ich überlegt und gegrübelt, mir wollte aber einfach keine Live-Enttäuschung einfallen. Nicht eine. Klar, mittelprächtige Shows habe ich einige gesehen, vor allem bei Festivals ist ja immer was dabei, das einem nicht ganz so taugt. Natürlich hätte ich nichts dagegen, wenn sich das im neuen Jahr ebenso fortsetzen würde.

Was ich mir für 2020 musikalisch wünsche? Nun, dass der gute Peter Tägtgren endlich mal eine neue HYPOCRISY-Scheibe zusammenzimmert. Und gegen neues Material von KHORS oder NAGLFAR hätte ich ebenso absolut nichts einzuwenden. Über eine neue Scheibe von HARAKIRI FOR THE SKY würde ich mich freuen wie Hulle, mit KARG gibt es aber zumindest einen ersten heißen Anwärter auf meine Top 20 2020. Um ein neues Album von IRON MAIDEN gibt es ja schon heiße Gerüchte, nur immer her damit. Ansonsten lasse ich mich wie immer gerne überraschen und hoffe natürlich auf ein ebenso starkes Jahr wie 2019.

Hier meine Top 20-Liste (der Albumname ist zu unserem Review verlinkt, falls vorhanden):

Rang Band Album
1. DREAM THEATER Distance Over Time
2. SHOKRAN Ethereal
3. IMPERIUM DEKADENZ When We Are Forgotten
4. LEMURIA The Hysterical Hunt
5. HECATE ENTHRONED
Embrace Of The Godless Aeon
6. DEVOURER Dawn Of Extinction
7. ADVENT SORROW Kali Yuga Crown
8. NUMENOREAN Adore
9. RAVENPATH The Raven's Wisdom
10. REVEL IN FLESH The Hour Of The Avenger
11. TOTENGEFLÜSTER The Faceless Divine
12. ENTRAILS Rise Of The Reaper
13. BATTLE BEAST
No More Hollywood Endings
14. EVERGREY
The Atlantic
15. BEAST IN BLACK
From Hell With Love
16. LEGION OF THE DAMNED
Slaves Of The Shadow Realm
17. THORMESIS
Thormesis
18. APHANEMER Prokopton
19. ROTTING CHRIST
The Heretics
20. AENIMUS
Dreamcatcher

Redakteur:
Hermann Wunner

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