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Perlen der Redaktion: Jakob Ehmkes Highlights 2019

19.01.2020 | 13:43

Das Jahr 2019 war ein sehr gutes Jahr für den Metal, umso schwerer fiel es mir eine Liste mit meinen Top-20-Alben zu erstellen, was mir sowieso grundsätzlich schwer fällt. Dass es trotz des starken Jahres nur 19 Alben bei mir geschafft haben, mag widersprüchlich klingen, dafür sind mit SLIPKNOT, (Turilli/Lione) RHAPSODY und HYPNO5E gleich drei meiner Lieblingsbands vertreten, das zählt quasi doppelt. Nun der Reihe nach:

Dass es HUMANITY'S LAST BREATH mit der extremen Mischung aus Death Metal-/Core, Prog und Djent nach ganz oben geschafft hat, überrascht mich selbst etwas, doch ich habe kein Album 2019 so oft wie "Abyssal" gehört. Ich kenne kein Album, das so faszinierend bitterböse und zugleich abwechslungsreich arrangiert ist. SOEN war für mich immer eine Band, die zwar ordentliche, aber keine überdurchschnittlich gute Alben veröffentlicht. Das ändert sich nun mit "Lotus" schlagartig. Denn das vierte Werk ist so wunderschön, dass ich eine Gänsehaut nur vom Schreiben bekomme. "Lotus" pendelt sich perfekt zwischen Härte und Feinheit ein und ist ein melancholisches, nachdenkliches Wunderwerk geworden. Über den RHAPSODY-Wahnsinn der letzten Jahre habe ich mich schon öfter ausgelassen, Stand anno 2019 war, dass RHAPSODY OF FIRE weiterhin besteht, aber bis auf Keyboarder Alex Staropoli mit einem neuen Line-up ausgefüllt wird und mit TURILLI/LIONE RHAPSODY eine neue Band entstand, aber wiederum mit altem Line-up um Fabio Lione und Luca Turilli. Während "The Eighth Mountain" von Staropolis Band zwar ordentlich war, ist "Zero Gravity - Rebirth And Evolution" von den neuen alten Rhapsodys ein fulminanter Neustart geworden und lässt mein RHAPSODY-Herz wieder höher schlagen. Das Schöne ist, dass sich Turilli/Lione wirklich viel Mühe gemacht haben, um einen musikalischen Neustart hinzulegen, der dennoch alte Fans nicht abschreckt. Verspielt und proggig, dennoch bombastisch und episch ist es geworden, trotz allem lassen Liones Stimme und Lucas Gitarrenspiel keine Frage offen, wer musiziert. Fantastisch!

Der Befreiungsschlag "Empath" von DEVIN TOWNSEND ist wie eine Reise durch die bunte Welt des verrückten Professors. Mal sanft, mal hart, mal verstörend, mal hymnisch. So frei klang er lange nicht mehr und das hört man. Dass mit HYPNO5E nun eine Lieblingsband von mir "nur" auf Platz fünf kommt, hat vor allem einen triftigen Grund: mangelnde Zeit. Ja, es ist traurig, aber ich konnte mir die über 70 Minuten von "A (Distance) Dark Source" noch nicht annähernd genug anhören, um es abschließend gut einschätzen zu können. Das unterscheidet das neue Album der Franzosen aber auch von ihren vorherigen Werken, die zwar nicht minder komplex waren, doch sich mir irgendwie schneller erschlossen. Das Album ist auf jeden Fall typisch HYPNO5E: komplex, extrem, hässlich, aber auch wunderschön und tiefgründig. Das steht fest. Und mit jedem Hören verstehe ich einen Teil des Puzzles mehr.

Auf SLIPKNOTs "We Are Not Your Kind" habe ich, genau wie viele andere Fans, lange gewartet - und sollte nicht enttäuscht werden. Das Album ist eine logische Weiterentwicklung des Sounds der Band, noch etwas melodischer und eingängiger, dennoch urtypisch SLIPKNOT. PERIPHERY liefert einfach jedes Mal ab! Auch "Hail Stan" ist ein fantastisches Album zwischen Modern- und Progressive Metal geworden, das zum einen instrumental wieder keine Wünsche offen lässt, vor allem aber überzeugt Sänger Spencer auf ganzer Linie mit derben Shouts und kristallklaren Cleanvocals. Allein der fast 17-minütige Opener 'Reptile' ist ein Highlight. Math Metal deluxe serviert CAR BOMB mit "Mordial". Es dürfte das verrückteste Album sein, das mir seit langem untergekommen ist, Genie und Wahnsinn scheinen wirklich nah zusammen zu liegen. Wer mal kopfüber durchgeschüttelt werden möchte, sollte sich "Mordial" geben!

Nun zu einem echten Grower, die Erste: "Verkligheten" von SOILWORK hat sich bei mir enorm entwickelt. Zwar ist es mir im Soundcheck bereits positiv aufgefallen, aber im Nachhinein ist es regelrecht explodiert. Hier reiht sich im eigenständigen Gewand aus Melodic Death Metal und eingängigen Refrains Hit an Hit. THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA (Nebenprojekt von Sänger Björn Strid) hat auf wunderbare Weise seine Spuren hinterlassen, ohne den Bandsound zu verraten. Die Top 10 besetzt zu guter Letzt der zweite Grower des Jahres: "Pitfalls" von LEPROUS. Mit weniger Metal, aber mehr Atmosphäre und Einar Solbergs einzigartigem Gesang wird hier ein stimmungsvolles Album gezaubert, das trotz Veränderungen eindeutig nach LEPROUS klingt.

Die Australier VOYAGER entfüren mit "Colours In The Sun" den Hörer mit ihrer einzigartigen Mischung aus 80s-Synths, Prog, flankiert mit einer Spur Djent in eine völlig andere Welt und beweisen, dass sie immer noch in einer eigenen Liga spielen. Das stimmige Cover ist zudem mein Artwork des Jahres.

Sehr entzückt hat mich auch wieder der bombastische Death Metal von FLESHGOD APOCALYPSE. Mit etwas reduzierterem Orchester ist es deutlich härter als seine unmittelbaren Vorgänger und das Video zu 'Sugar' dürfte mein Metal-Video des Jahres sein, große Kunst mit Botschaft! Weiter geht es mit Death Metal und zwar mit einem der Tech-Death-Urväter, ich spreche natürlich von NILE. Ja, "Vile Nilotic Rites" ist vielleicht etwas zu lang und ja, man fühlt sich mit den tausenden Breaks, Blast-Beat-Gemetzel und gnadenlosen Riffsalven vielleicht etwas überfordert, aber NILE hat sich hier mit teils neuem Line-up (Sänger und Gitarrist/Bassist) ein echtes Monument erschaffen. UNEVEN STRUCTURE ist in der Modern-Prog-/Djent-Szene dank des Debüts "Februus" eine relativ große Nummer. Mit Album Nummer drei sollten die Franzosen keine Probleme haben, daran anzuknüpfen, denn "Paragon" ist wirklich gut geworden. Clean-Gesang und Shouts sind wieder sehr eindrucksvoll eingesetzt, der Groove, den jeder Song innehat, ist einzigartig. Die Death-Metal-Supergroup VLTIMAS hat mit dem Debüt-Album "Something Wicked Marches In" einen mächtigen Wirbelsturm losgetreten, der entgegen vieler Supergropus tatsächlich Spaß macht und eigenständig klingt. Bei dem Line-up aber kein Wunder.

Eine Überraschung war für mich die starke Rückkehr von DISILLUSION. "The Liberation" ist eine richtig überzeugende Platte geworden, die tief sitzt. Man höre sich beispielhaft den facettenreichen Longtrack 'Wintertide' oder die melancholische Hymne 'A Shimmer In The Darkest Sea' an. SWALLOW THE SUN ist eine Band, der ich mich bisher wenig gewidmet habe. Aber das aktuelle Album "When A Shadow Is Forced Into The Light" hat definitiv Klasse. Alleine der Titeltrack packt mich immer wieder. Mit GHOST IRIS befinden sich noch mal ein paar Djentleman, diesmal aus Dänermark, in den Reihen, die mit "Apple Of Discord" ein fett groovendes Album veröffentlicht haben. Und ja, ich nehme auch DREAM THEATERs "Distance Over Time" mit in die Top 19 auf. Ich muss zugeben, dass ich mich zur VÖ zwar sehr auf das Album gefreut habe, es dann auch gerne gehört habe, es aber mittlerweile stark abgebaut hat. Dennoch schlägt DREAM THEATER wieder eine Richtung ein, die ich mir manchmal anhören kann. Als Fan würde ich mich aber leider nicht mehr bezeichnen.

Das Festival des Jahres war natürlich wie jedes Jahr das Euroblast in Köln. Ich sage es wahrscheinlich jedes Jahr, aber 2019 war mit den Headlinern THE HIRSCH EFFEKT, BETWEEN THE BURIED AND ME und CAR BOMB die bisher beste Ausgabe - und 2020 wird es wahrscheinlich auch. Zur intensiven Nachlese geht es hier.

Die Top-19-Alben in der Übersicht. Mit einem Klick auf den Albumnamen gelangt ihr zur Rezension.

Rang Band Album
01. HUMANITY'S LAST BREATH Abyssal
02. SOEN Lotus
03. TURILLI/LIONE RHAPSODY Zero Gravity - Rebirth And Evolution
04. DEVIN TOWNSEND Empath
05. HYPNO5E A (Distant) Dark Source
06. SLIPKNOT We Are Not Your Kind
07. PERIPHERY Periphery IV: Hail Stan
08. CAR BOMB Mordial
09. SOILWORK Verkligheten
10. LEPROUS Pitfalls
11. VOYAGER Colours In The Sun
12. FLESHGOD APOCALYPSE Veleno
13. NILE Vile Nilotic Rites
14. UNEVEN STRUCTURE Paragon
15. VLTIMAS Something Wicked Marches In
16. DISILLUSION The Liberation
17. SWALLOW THE SUN When A Shadow Is Forced Into The Light
18. GHOST IRIS Apple Of Discord
19. DREAM THEATER Distance Over Time

Redakteur:
Jakob Ehmke

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