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SCARS DIVIDE: Bandvorstellung & Interview mit Greg und Vinz

03.12.2014 | 12:17

Metalcore ist durch? Von wegen! Ein Schweizer Quintett namens SCARS DIVIDE hebt die moderne Mixtur aus Death Metal und Hardcore auf die nächste - progressive - Stufe.

Fünf Jahre ist es mittlerweile her, dass AUGUST BURNS RED mit "Constellations" sämtlichen Metalcore-Banalitäten den Garaus machte. Seither ist viel Wasser den Neckar herab geflossen, und nur noch wenig erbauliches - und noch weniger revolutionäres - Klangmaterial dieser modernen Metal-Gattung erblickte das Licht der Welt. SCARS DIVIDE lässt anno 2014 mit einer knackigen, energieintensiven Höchstleistung neue Hoffnung aufkommen. Mehr über die vielversprechende Debüt-EP der Eidgenossen, ihre Hintergründe und Ambitionen erfahrt ihr in unserem exklusiven Interview mit Gitarrist Greg Parchet und Sänger Vincent Huther.

Timon: Guten Abend und herzliche Grüße aus Süddeutschland!

Greg: Hi, und vielen Dank für dieses Interview - unser erstes für POWERMETAL.de, wir fühlen uns sehr geehrt!

Timon: Die Freude ist ganz meinerseits. Für mich war "Scars Divide", eure Debüt-EP, eine der spannendsten und vielversprechendsten Veröffentlichungen in Sachen Metalcore seit langer Zeit! Bevor wir aber näher darauf eingehen, erzählt uns doch zunächst etwas mehr von euren Hintergründen.

Scars Divide Cover

Greg: Nun, wir alle spielen schon seit Jahren in diversen Schweizer Metalbands, wie  A FINE DAY TO EXIT, DESPISE oder TWISTED, aber als SCARS DIVIDE sind wir seit 2013 zusammen. Manche von uns sind noch in anderen Bands aktiv, beispielsweise Fabien und Pierre in der Sludge/Post-Hardcore-Band HEROD, oder Vincent bei LACHAPELLE. Fabien wiederum spielt auch Schlagzeug für AURELIE EMERY, eine großartige Sängerin, die Pop, World Music und Electro vermixt. Nur Sam (Samuel Duarte, Gitarrist - TK) und ich sind ausschließlich bei SCARS DIVIDE, da wir Familie und Kinder haben und keine Zeit für andere Projekte bleibt.

Tja, man muss Prioritäten setzen... In diesem Sinne, kommen wir mal zu "Scars Divide": Wie sind die Reaktionen, die ihr bislang für euren Erstling erntet?

Greg: Wir haben eine Menge guter Rezensionen erhalten, bezüglich unserer musikalischer Ausrichtung, und viele verrückte Reaktionen, was unsere Stage Performance betrifft. Echt cool für eine Band, die aus dem Nichts kommt. Entsprechend sind diese Feedbacks wirklich wichtig für uns.

Und wie lief das bisher ab mit SCARS DIVIDE? Wie lange dauerte es, bis ihr eure Songs auf CD gebannt habt? Was hat euch dabei beeinflusst?

Greg: Damals, 2009, spielte ich noch bei A FINE DAY TO EXIT. Wir hatten Auftritte in der Schweiz und sogar auf dem Wacken Open Air. Kurz bevor wir mit den ersten Aufnahmen begannen, löste sich die Band jedoch auf. Nach einer langen Pause von drei Jahren entschloss ich mich, diese Riffs wieder hervorzukramen und neue Songs zu schreiben. Im Februar 2012 kam Fabien dazu, und wir bastelten die Lieder für die EP. Ein Jahr später spielten wir in den Conatus Studios die Instrumentalspuren ein. Vincent, unser Sänger, stieß erst später hinzu, und nahm den Gesang im November 2013 auf.

Jeder bringt einen Haufen unterschiedlicher Einflüsse mit, aber es waren doch insbesondere Metalbands aus der Schweiz, wie NOSTROMO, KNUT und SHORA, die damals wie heute unsere Haupteinflüsse darstellen. Sie sind für mich die absolute Referenz in Sachen Originalität, Brutalität und Technik.

Scars Divide Vinz

Einer der Songs, 'Three Meters Sixty', beschreibt den Bau und Fall der Berliner Mauer. Hochinteressant - was bringt euch als Schweizer Metalband dazu, ein Lied über ein Stück deutscher Geschichte zu schreiben?

Vinz: Dafür gibt es wohl mehrere Gründe. Zum einen gibt es diverse historische Ereignisse, die mich ganz speziell interessieren. Als die Mauer eingerissen wurde, war ich zehn Jahre alt. Ohne wirklich zu verstehen was vor sich ging, erinnere ich mich noch gut an die Nachrichten von damals. Es war die Rede von einem historischen Ereignis, das die geopolitische Lage in Europa verändern würde. Mir war klar, dass hier eine immens wichtige Veränderung vor sich ging. 2009 hörte ich erneut viel über den Fall der Mauer, als ich in Berlin war. Ich sah mir Ausstellungen an, las Literatur dazu, und so weiter. Im Schweizer Radio gab es zudem mit "Histoire Vivant" eine sehr interessante Sendung zu dem Thema. Das alles hat mich dazu bewegt, 'Three Meters Sixty' zu schreiben.

Haben die anderen Songs auch historische Bezüge?

Vinz: Nicht direkt. Neben historischen sind es auch die aktuellen Geschehnisse, die mich inspirieren. Oder die Natur: Ich liebe die Natur, ich fühle mich wohl in den Bergen, den Wäldern oder am Meer. Manchmal fühlt es sich an, als würde das Ende der Welt bevorstehen - das drücke ich beispielsweise in 'Salt, Ice And Fire' aus. Wir müssen diese wunderbaren Orte schützen, doch es ist alles andere als leicht. Die Industrie, die Überbevölkerung bringen - unter anderem - dieses fragile Gleichgewicht ins Wanken. Darum geht es teilweise in den anderen Texten.

Und hat der Bandname eine tiefere Bedeutung?

Greg: Oh, das ist top secret. Wir lassen die Leute über die Bedeutung spekulieren.

Kürzlich habt ihr eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um euer erstes Musikvideo zu finanzieren...

Greg: Richtig! Diese Art von Finanzierung ist nicht gerade alltäglich für Metalbands, doch wir wollten es versuchen und die zahlreichen Unterstützer haben nun den Traum einer aufstrebenden jungen Band wahr werden lassen: Ein Musikvideo zu schaffen, authentisch und kraftvoll, um die Menschen mehr von unserem musikalischen Universum entdecken zu lassen.

Wie läuft's mit der Produktion? Wer ist dafür zuständig, und wann soll das Video erscheinen?

Greg: Wir dürfen mit dem talentierten und leidenschaftlich engagierten Team von Ambitious.Films aus Deutschland zusammen arbeiten, die schon Musikvideos für ARCHITECTS, BREAKDOWN OF SANITY, EVERYTIME I DIE und andere produziert haben. Sie haben einen vorzüglichen Weg gefunden, unsere Musik auch visuell auszudrücken, indem sie eine Bandperformance in der Natur mit der Story eines Endzeitszenarios zusammen gebracht haben. Wir hoffen, dass es gegen Ende des Jahres erscheinen kann. Quasi als Geschenk unter'm Tannenbaum.

Scars Divide

Und wie läuft euer Bühnen- und Tour-Leben bislang ab? Seid ihr sehr aktiv? Oder seht ihr euch mehr als Studioband?

Greg: Also, im Februar 2014 haben wir unseren ersten Gig gespielt, in der Sunset Bar in Martigny, und seither hatten wir sechs weitere Shows. Trotz guter Reviews für unsere EP ist es nicht leicht, Orte zu finden, wo man spielen kann. Wir hoffen aber, dass das nächstes Jahr besser wird. Was sich aber bereits abzeichnet ist, dass wir auf der Bühne immer durchgedrehter werden. Es ist uns wichtig, all die Energie die wir haben, bei einem Auftritt weiterzugeben. Oftmals, wenn man in einem kleinen Club zu spielen anfängt, ist der Sound sehr schwach, und das versuchen wir durch eine bewegungsintensive Show zu kompensieren. Anfangs war SCARS DIVIDE tatsächlich nur ein Studioprojekt. Doch sobald die Aufnahmen fertig waren, wurde uns klar: Damit müssen wir auf die Bühne gehen.

Gibt's schon Pläne für Auftritte in Deutschland?

Greg: Bislang haben wir nur in der Schweiz und einmal in Frankreich gespielt. Sobald sich die Gelegenheit bietet, auch in anderen Ländern zu spielen, werden wir sofort zugreifen!

Und, noch viel wichtiger: Wann dürfen wir mit eurem ersten Full-Length-Album rechnen? Gibt's dafür schon konkrete Pläne, arbeitet ihr vielleicht schon an neuem Material?

Greg: Immer wenn ich Rezensionen von unserer EP lese, begegne ich dieser Ungeduld - die Leute wollen möglichst bald ein vollständiges Album hören, das ist natürlich ein großartiges Kompliment. Bislang treiben uns Motivation und Inspiration an, also, wieso nicht? Wir haben bereits neue Songs für die nächsten Gigs, aber ob die dann schon bald auf ein komplettes Album kommen, wissen wir noch nicht. Es ist auch noch schwer, sich das vorzustellen, deswegen gibt es noch keine konkreten Pläne für ein solch großes Werk. Aktuell also eher noch nicht, aber mit etwas anderem dürft ihr durchaus bald rechnen.

Scars Divide Band

Wie sieht es denn eigentlich mit der Metal-Szene in der Schweiz aus? Seid ihr eine exotische Band? In Deutschland hat es ACCEPT kürzlich immerhin auf Platz 1 in den Charts geschafft, beispielsweise. Metal mag hier kein Mainstream sein, doch es gibt eine große Fanbasis, auf die sich die Bands verlassen können.

Vinz: Also, ich höre ja durchaus Oldies, aber ACCEPT kannte ich nicht... Lustig, aber gut gemacht. Ja, die Schweiz ist ein kleines Land, es gibt aber eine Menge Metalbands. Natürlich schaffen nur wenige den Durchbruch, aber das dürfte ja überall so sein. Die bekannten Schweizer Metalbands wie SAMAEL, CATARACT, ELUVEITIE etc. haben für hiesige Verhältnisse eine beachtenswerte Fanbasis. Für die kleineren Bands ist das schwer zu sagen. Du kannst vor 20 Leuten spielen, die deine Musik nicht kannten und völlig abdrehen, und beim nächsten Konzert stehen da 100 Leute, die mit deiner Musik nichts anfangen können. Aber manchmal, da hast du 100 abgedrehte Leute. Kurz gesagt: Es gibt in der Schweiz viele Bands auf einem hohen Niveau, es gibt durchaus auch ein Publikum dafür, doch die Schwankung ist sehr groß.

Und wie sieht es bei euch außerhalb von SCARS DIVIDE aus? Was macht ihr neben der Musik?

Greg: Zwei von uns haben ihren eigenen Betrieb, einer (ratet mal wer) gibt Schlagzeugunterricht, einer arbeitet in der Kommunikationsbranche und der letzte ist im Verkauf tätig.

Wie geht es 2015 für euch weiter?

Greg: Zunächst werden wir im Februar wieder die Conatus Studios entern um einen neuen, zweigeteilten Song aufzunehmen. Geht ein wenig in die Richtung von 'Three Meters Sixty', wird aber ein längeres und experimentelleres Ende haben. Für die Veröffentlichung haben wir etwas Besonderes vor. Aber das wird erst nach den Aufnahmen bekannt gegeben. Und ansonsten wollen wir vor allem mehr Shows spielen.

Okay, das sollte für heute reichen. Hier habt ihr noch die Gelegenheit für ein finales Statement an unsere Leser!

Greg: Deutschland, bereitet euch vor, wir werden eure Bühnen verwüsten!!

Das wollen wir aber auch hoffen! Dann also herzlichen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, unsere Fragen zu beantworten. Hoffentlich bekommen wir euch bald mal zu sehen - und neue Musik von euch zu hören!

Redakteur:
Timon Krause

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