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Amon Amarth - Frankfurt

07.11.2006 | 08:37

02.11.2006, Batschkapp

Den Auftakt der AMON AMARTH-Tour kann man als gelungen bezeichnen: Ausverkauft! Das war aber abzusehen, da Kollege Carsten wenige Tage vor dem Konzert keine Karten mehr bekommen hat und dementsprechend nicht mit von der Partie war. Davon ließ sich ein Pärchen, das ich gegen 17 Uhr am Eingang vor der noch nicht geöffneten Abendkasse getroffen habe, nicht beirren. Und tatsächlich: Später habe ich sie freudestrahlend in der Batschkapp getroffen. So was nennt man beharrliches Glück, das sich an diesem Abend auch ausgezahlt hat. Leider wurde der Einlass - wie eigentlich in der Kapp üblich - eine halbe Stunde nach hinten (auf ca. 19.30 Uhr) verlegt.
[Tolga Karabagli]

TYR

Um 20.10 Uhr erklimmen TYR die Bühne und hinterlassen - dafür, dass kaum jemand die Debüt-CD des Quartetts kennt - einen mehr als guten Eindruck. Was den Musikstil der sympathischen Faröer angeht, so kann man sie in der folkloristischen Ecke ansiedeln. Stellt euch vor, FALCONER lärmen ausschließlich im Midtempobereich und haben neben Matthias Blad noch zwei weitere gute Sänger am Start, die allesamt mit einer melodischen Stimme gesegnet sind. Was die Band angeht, so sticht optisch der Bassist hervor, der wie Jon Oliva in seinen jungen Jahren aussieht. Bis auf den Drummer sind alle am Singen. Und das gar nicht mal so schlecht. Richtige Abgehmucke ist es zwar nicht, aber genial zum Träumen und einfach nur Zuhören. So sehen das auch die meisten Anwesenden, die jeden Song der Truppe beklatschen. Leider ist die Spielzeit meiner Meinung nach zu kurz bemessen, denn nach noch nicht mal dreißig Minuten verlassen TYR die Bühne. Ein guter Einstand, aber während der Umbaupause ist klar, auf welchen Act die meisten Fans warten.
[Tolga Karabagli]

WINTERSUN

Als um Punkt 21 Uhr das Intro ertönt, wird dieses von den Jubelarien übertüncht. Das Tempo wird um einiges angezogen, klingt aber in etwa so, als ob man eine YNGWIE MALMSTEEN-Platte bei 45 Umdrehungen die Minute laufen lässt. Oder um es anders auszudrücken: WINTERSUN spielen Atari-Metal á la "Kinner vom Bodensee", nur schlechter. Dieser Umstand trübt jedoch in keinster Weise die Stimmung, denn jeder Song wird bejubelt und auch die ersten Stagediver begeben sich auf ihre Reise Richtung Mischpult. Die meisten Keyboardparts laufen dabei vom Band, was zumindest bei mir einen faden Beigeschmack hinterlässt. Aber das ist den meisten wurst, denn die schütteln die Rübe, als ob es kein Morgen gibt. Ab und zu schleicht sich auch eine langsamere Nummer in die Setlist, aber im Großen und Ganzen lautet die Devise: Feuer frei! Nach genau 45 Minuten ist auch hier Schluss und unmittelbar nach dem letzten Ton werden die ersten "Zugabe"-Rufe laut, die sich aber aufgrund des späten Einlass in der heißen Kapp in Kondeswasser auflösen.
[Tolga Karabagli]

AMON AMARTH

In der nun folgenden Umbaupause füllt sich die Halle endlich bis auf das letzte Fleckchen. Keine Maus passt mehr herein, als die heiß erwarteten Hünen von AMON AMARTH um kurz vor zehn durchstarten. In tiefrotes Licht ist die Bühne beim ersten Song getaucht. Die mächtige Stimme von Johan Hegg erklingt, wie bei einer extra eingeübten Choreographie schleudern er und seine Mitstreiter ihre langen Haare parallel durch die warme Luft. Das Programm des heutigen Abends speist sich im Wesentlichen aus den letzten drei Alben. Los geht's mit 'Valhalla Awaits Me', dem ebenso wie auf der aktuellen Scheibe der Wikinger 'Runes To My Memory' folgt. Bei 'Death In Fire' kommt es zum ersten Stimmungshoch, das sich beim sich anschließenden 'Fate Of Norns' nahtlos fortsetzt. Immer wieder finden sich vor Begeisterung taumelnde Fans, die - überraschenderweise ohne das Eingreifen irgendeiner Security - auf die Bühne klettern, die Fäuste recken und sich nach einer kurzen Runde Headbangen kühn in das Meer der ausgestreckten Arme vor der Bühne stürzen. Ein Wikingerhelm wird in die Luft gestreckt und alsbald auf dem Kopf eines Langhaarigen durch die ganze Batschkapp getragen.

Unschwer ist es zu erkennen: Am heutigen Abend sind AMON AMARTH richtig gut drauf. Begleitet von fettem Sound mähen sie wie ein Tornado mit ihren Songs über die Anwesenden hinweg. Die tiefen Basssaiten von Ted Lundström bringen den Saal zum Vibrieren und Johan Heggs Taktik, seine Stimme auf Tour durch das Vermeiden von Live-Interviews zu schonen, ist offenbar klug. Langgezogenes, tiefes Gebrüll bringt er auf der Bühne zustande und zeigt vollen Einsatz. Der Schweiß rinnt und die Haare kleben ihm am Kopf. Ein wahres Sportsprogramm. Hier wird einmal mehr deutlich, dass die immer wieder in ihren Texten beschworenen Wikingergeschichten von AMON AMARTH am besten umgesetzt werden. Die Musiker kann man sich fast in vergangenen Welten vorstellen, und die Songs brettern einfach nur kompromisslos voran, ohne durch folkloristisches Gezwitscher gestört zu werden. Wiederholt prostet Johan Hegg der Menge mit seinem Trinkhorn zu und ist sich auch nicht zu schade, sich zwischendurch mit einem der besagten Headbanger aus den Reihen der Fans zu verbünden, um einen Moment gemeinsam die Matte zu schleudern.

Irgendwann ist dann die erste Runde des Spektakels zu Ende, aber dass es wohl eine Zugabe gibt, scheint den Fans selbstverständlich. Und die kommt auch tatsächlich. Noch einmal werden die drei letzten Alben mit einem Song bedacht. Den Abschluss bildet hier 'Gods Of War Arise', mit dem sich die umjubelten Schweden dann nach einer satten Spielzeit von der Bühne verabschieden.

Insgesamt war das mal wieder ein lohnender Abend. Es wird allerdings Zeit, dass AMON AMARTH im Frankfurter Raum bald eine größere Halle angeboten wird. In der familiären Batschkapp wird's doch wohl demnächst zu eng ...
[Erika Becker]

Setlist:
Valhall Awaits Me
Runes To My Memory
Death In Fire
Fate Of Norns
Thousands Years Of Oppression
With Oden On Our Side
Asator
An Ancient Sign Of Coming Storm
Victorious March
Cry Of The Black Birds
The Last With Pagan Blood
Once Sent From The Golden Hall
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Pursuit Of Vikings
Versus The World
Gods Of War Arise

Redakteur:
Tolga Karabagli

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