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Bang Your Head 2005 - Balingen

10.07.2005 | 17:39

24.06.2005, Messegelände

Freitag, 24.06.2005
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MORGANA LEFAY
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Meine Damen und Herren, hier die Antwort auf die Frage "Wie eröffnet man auf perfekte Art und Weise ein traditionelles Metal-Festival?". Die heißt schlicht und einfach MORGANA LEFAY, ist fünf Mann stark, kommt aus Bollnäs und bläst der versammelten Meute (jawollja, es waren bereits eine Menge Leute vor der Bühne, coole Sache!) erst einmal morgens um zehn das Haupthaar um die Ohren. Wie schon bei den Clubshows ist 'The Source Of Pain' vom legendären "Maleficium" ein passender Einstieg, vereinen sich hier doch bereits Härte und Melodie, Anspruch und Eingängigkeit, Abschädeln und Mitgrölen. Das Quintett hat mächtig Spaß inne Backen, auch wenn Frontkauz Charles mehrmals über die frühe Position im Billing bzw. die Uhrzeit jammert - aber wer saufen kann, der kann auch morgens früh schon rocken. Und wie: 'To Isengard', von den Fans frenetisch abgefeiert, bringt im herrlichen Stampf-Rhythmus das Festivalgelände zum Erbeben, und spätestens bei den beiden absoluten Bandklassikern 'Master Of The Masquerade' und dem abschließenden 'Maleficium' (wunderschön: Gesangschöre aus dem Publikum beenden einen viel zu kurzen Auftritt) gibt es nicht nur bei mir kein Halten mehr. Erfreulich auch, dass es gleich drei neue Songs auf die Bühne geschafft haben - selbstverständlich mit das Stärkste, was das neue Überwerk "Grand Materia" zu bieten hat. Auf den Titelsong mit seinem Ohrwurmrefrain muss leider verzichtet werden (damit lassen sich im Übrigen die Mitmenschen prima nerven), dafür setzt es aber mit 'Angel's Deceit', 'Hollow' und 'I Roam' herrlichen Mitsing- und Genickmalträtierstoff im flotten Dreierpack. Lecker!
Bleibt mir an dieser Stelle nur noch übrig, von einem rundum perfekten Gig zu schwärmen und den Hinweis zu geben, dass MORGANA LEFAY nicht nur die ideale Eröffnung für ein Festival sind ... ;-)
(Rouven)

EXCITER
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Nach dem famosen Auftritt der Bollnäsbarden MORGANA LEFAY hatten EXCITER mit ihrem Fist-In-The-Air-Speed-Metal die Aufgabe das morgendliche Stimmungshoch aufrecht zu erhalten. Mit der großen Anzahl an Klassikern im Gepäck konnte da nicht allzu viel schief gehen und so machten die Kanadier um Gitarrist John Ricci und Sänger Jacques Belanger kurzen Prozess und hauten einen Hit nach dem anderen raus. Egal, ob alte Klassiker des Kalibers 'Violence And Force', 'Pounding Metal' oder 'Long Live The Loud' oder Songs neueren Datums wie 'The Dark Command', 'Aggressor', das überraschend gespielte 'Violator' oder das nagelneue 'Immortal Fear'. Allesamt wurden von den Fans mit wild bangenden Köpfen, in die Luft gereckte Fäuste und zigfache Pommesgabeln frenetisch gefeiert. Das Quartett auf der Bühne lebte dabei einmal mehr von Jacques 'Rob' Belanger, der diesmal nicht nur wie eine härtere Version vom Metalgod sang, sondern mit seinem schwarzen Ledermantel auch optisch an Halford erinnerte und von John Ricci, der derweil mit typischer 80er-Frisur über die Bühne tobte und seine Soli, Riffs und Licks mit der bekannten Leidenschaft spielte.
Fans und Bands gaben spätestens beim abschließenden 'Heavy Metal Maniac' noch mal alles und dann war nach gut 40 Minuten leider auch schon viel zu früh Schluss. Einmal mehr ein starker Auftritt der kanadischen Speed-Legende, wenn auch nicht so intensiv und mitreißend wie zuvor MORGANA LEFAY.
(Peter)

KAMELOT
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Nach den beiden energiegeladenen Auftritten von MORGANA LEFAY und EXCITER ist es anschließend an KAMELOT, die gute Stimmung aufrecht zu halten. Die US-Amerikaner sind nach der Absage von VIRGIN STEELE erst nachträglich auf das Billing gerutscht, doch eine schlechte Wahl sind sie sicherlich nicht. Nach dem obligatorischen Intro und ein paar Feuerfontänen legen KAMELOT mit 'Center Of The Universe' vom 2003er-Album "Epica" los, wobei Sänger Roy Khan hier immer wieder von einer Sängerin unterstützt wird. Weiter geht es mit 'The Spell' von der "Karma"-Scheibe, bevor sich der Sänger erstmals ans Publikum wendet. KAMELOT präsentieren sich an diesem Vormittag äußerst spielfreudig, und sogar Roy hat hörbar einen guten Tag erwischt - dass er auch live die Töne treffen kann, war zumindest für mich eine ganz neue Erfahrung. Da KAMELOT im März mit "The Black Halo" ein neues Album veröffentlicht haben, ist klar, dass natürlich auch Songs von dieser Scheibe nicht fehlen dürfen, und so gibt es zunächst 'Soul Society' zu hören. Danach folgen zwar wieder Stücke von den beiden Vorgängerscheiben "Karma" und "Epica", nämlich das großartige 'The Edge Of Paradise' sowie 'Forever' und 'Karma', doch zum Abschluss spielen KAMELOT zwei weitere neue Songs, 'When The Lights Are Down' und 'March Of Mephisto'. Insbesondere der letzte Song wird mit Feuer und Rauch angemessen in Szene gesetzt, so dass es ein würdiger Abschluss für diesen recht ordentlichen Auftritt ist. Die Stimmung ist während der gesamten Show nämlich ziemlich gut, und so hat beispielsweise Roy auch keine größeren Schwierigkeiten, das Publikum zum Mitsingen bei 'Forever' zu animieren. An die Darbietungen von MORGANA LEFAY und EXCITER können die US-Amerikaner zwar nicht ganz anknüpfen, aber die Leute vor der Bühne waren dennoch sichtlich zufrieden, und das ist ja erstmal die Hauptsache.
(Martin)

Setlist:
Center Of The Universe
The Spell
Soul Society
The Edge Of Paradise
Forever
Karma
When The Lights Are Down
March Of Mephisto

KROKUS
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Man durfte gespannt sein, wie sich die schweizerische Hardrocklegende bei ihrem zweiten Auftritt in Balingen präsentieren würde. Immerhin ist seither der Sänger des legendären 80er Line-Ups, Marc Storace, an seinen angestammten Platz zurückgekehrt, was im Lager der Fans durchaus für gewisse Euphorie gesorgt hat. Doch leider war kurz darauf der langjährige Bandleader und Gitarrist Fernando von Arb ausgestiegen. Er wurde durch Rückkehrer Mandy Meyer (Ex-GOTTHARD) ersetzt, was sich auch heute durchaus als Glücksgriff erweist, auch wenn Meyer natürlich nicht die einzigartige Ausstrahlung versprüht wie sein großer Vorgänger. Die Eidgenossen haben die brodelnde Meute in Balingen dennoch bestens in Griff und rocken, was das Zeug hält. Schon die heulenden Wölfe von 'Night Wolf' bringen das Publikum trotz der bereits um die Mittagszeit schier unerträglichen Hitze in die perfekte Stimmung für die erbarmungslos rockenden Frühlingsblumen und deren extrem charismatischen Frontmann. Marc Storace tigert agil über die Bühne, singt wie einst im Mai und hat mit seinen witzigen Ansagen und Animationsversuchen auf Deutsch mit schweizerischem und maltesischem Akzent auch alle Sympathiepunkte auf seiner Seite. Auch die Gitarrenfraktion und die Rhythmusgruppe arbeiten wie eines der vielgerühmten Uhrwerke aus ihrer Heimat und so verwundert es kein bisschen, dass die Refrains von Hits wie 'Long Stick Goes Boom' aus Tausenden von Kehlen mitgesungen werden. Dazu gibt's dann noch ein sehr schönes, wenn auch leider ein wenig kurzes Best-Of-Programm, das neben dem monumentalen Epos 'Screaming In The Night' noch das THE GUESS WHO-Cover 'American Woman' und die starke Mitsinghymne 'Rock'n'Roll Tonight' enthält. Sicher fehlen ein paar Klassiker, aber das lässt sich bei der Position im Billing leider nicht vermeiden. In jedem Fall gelingt es den Krokussen hervorragend, zu beweisen, dass sie auch in einer Besetzung ohne Gründungsmitglieder zu den besten Entertainern im Hardrock gehören und dass in dieser Form weiterhin mit ihnen zu rechnen ist. Die Zugaberufe bestätigen dies. Wäre nicht morgen noch Programm in Balingen, müsste ich glatt auch noch zum KROKUS-Gig in meiner Heimatstadt Ulm pilgern.
(Rüdiger)

Setlist:
Night Wolf
Fire
American Woman (THE GUESS WHO-Cover)
Heatstrokes
Screaming In The Night
Easy Rocker
Mad World
Rock'n'Roll Tonight

DESTRUCTION
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Nach der Ansage: "Die folgende Band hat ein Problem mit der deutschen Fleischerinnung, denn ihr kennt bestimmt auch einen 'Mad Butcher'" betreten DESTRUCTION die Bühne. Der Bass dröhnt zu Beginn sehr stark, aber ansonsten sind die Jungs, allen voran Schmier, bestens aufgelegt. Der Bass-Sound wird beim zweiten Stück 'Nailed To The Cross' besser. Natürlich werden schöne Pyro- und Flammeneffekte aufgefahren, und das eine oder andere Mal muss man schon um Schmier bangen, denn er steht immer verdammt nah an den Flammen (remember James Hetfield?). Mit 'Metal Discharge' geht's munter weiter und vor 'Soul Collector', das sich auf dem kommenden Album "Inventor Of Evil" befindet, erzählt Schmier, dass sie ein paar Tage vorher in Israel gespielt haben, was er folgendermaßen kommentiert: "Metal vereinigt alle Kulturen. Ohne Scheiss!". Genau bei dem Lied kommt der Mad Butcher auf die Bühne und hat eine leicht bekleidetes Mädel um eine Schulter gelegt. Zur selben Zeit wird eine Plattform mit einem blutig verschmierten weißen Gummilaken auf die Bühne gerollt, unter der sich nach und nach fünf ebenfalls leicht bekleidete und zum Teil weiß geschminkte Mädels rausräkeln. Dabei hat mindestens eine von ihnen Silikonbrüste (hatte das Glück ganz vorne zu stehen). Schon komisch, denn ein Fan neben mir erzählte was von wegen, dass die Mädels von der Bühne verschwinden sollen, aber kaum waren sie weg, ging bei 'Thrash Til' Death' ein ordentliches Gemoshe los, was vorher nicht der Fall war. Aber das allerbeste ist das Finale, denn Schmier kündigt eine Uraufführung an, in der DORO, Johan von AMON AMARTH und Charles Rytkönen von MORGANA LEFAY die Bühne entern, um zusammen 'We're The Lines Of Hell in Rock' zu singen. Natürlich wurde das von den Fans lauthals beklatscht und auch der relativ einfache Chorus mitgesungen. Neben MORGANA LEFAY einer der weiteren Abräumer zu diesem frühen Zeitpunkt.
(Tolga)

AMON AMARTH
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Hm. Auch als ausgesprochener Freund von weniger traditionellen und eher harten Metal-Klängen stand ich der Verpflichtung von AMON AMARTH für die Jubiläumsausgabe des BYH eher skeptisch gegenüber. Zwar bereicherten mit SIX FEET UNDER, CHILDREN OF BODOM und HYPOCRISY schon ganz andere Bands das Festival in den letzten Jahren um eine stilistische Ecke, aber wieso ausgerechnet die emporgeschnellten Wikinger ein weiteres Mal auftreten sollten, war mir nicht ganz klar. Vor allem, da es sich dieses Mal ja um ein "Best of the best" handeln sollte - da wären HYPOCRISY um Szene-Ikone Tägtgren doch eigentlich die erste Wahl gewesen, oder? Sei's drum, jetzt stehen Hegg und seine Mannen auf der Bühne und ich erwische mich beim rhythmischen Kopfnicken. Viel mehr geht aber nicht, und das scheint bei einer Vielzahl der Festivalbesucher ebenso zu sein: Der Innenraum ist ganz ordentlich, aber nicht übermäßig gefüllt, ein paar Die-Hard-Fans mit Gummiäxten und -Schwertern feiern AMON AMARTH ab, während der Rest mit einer Mischung aus unterdrückter Langeweile und gezwungener Akzeptanz das Geschehen auf der Bühne verfolgt. Mittlerweile hat sich die Band in meinen Ohren auch schon fast totgespielt, die ureigenen Bandtrademarks sind bis zum Erbrechen widergekäut worden und laufen nun Gefahr, selbst erklärten Anhängern der Band auf die Eier zu gehen. 'Pursuit Of Vikings' macht da mit seinen akzentuiert eingestreuten Melodien noch eine Ausnahme, und auch der Übersong 'Death In Fire' oder 'Bloodshed' machen noch Spaß - aber irgendwie schleicht sich das Gefühl ein, die Zeit besser verbringen zu können. Johan reißt einen aber urplötzlich mit einem unbeabsichtigt komischen "Sind sie bereit?!" aus den Gedanken - hey, siezen ist nicht Metal! ;-)
Der 'Victorious March' beschließt dann einen souveränen, musikalisch einwandfreien Auftritt, an dem aber nicht endlos viele Leute Spaß hatten. Und wenn ich mir dann überlege, dass an dieser Stelle doch auch ... sagen wir, noch einmal WATCHTOWER, ARMORED SAINT oder vielleicht sogar SOLITUDE AETURNUS hätten spielen können, dann ... egal. Right band, wrong place and time.
(Rouven)

DORO
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Dann war es Zeit für die "Queen Of Metal" zu rocken. Gleich mit dem Opener 'Earthshaker Rock' wurde ordentlich vorgelegt, wobei Frau Pesch den Stil ihres Outfits beibehalten hat (enge Lederklamotten), nur in einer anderen Farbzusammenstellung. Mit dem Dreierpack 'I Rule The Ruins', 'Always Live To Win' und 'True As Steel' konnte nichts schief gehen und die Fans fraßen ihr voll aus der Hand. Bei 'Hellraiser' erhebt sich der vordere Bühnenteil. DORO und ihr Bassist Nick Douglas spielen die meiste Zeit den Song da oben, was wahre Begeisterungsstürme auslöst. Während sie die Gänsehautballade 'Für Immer' an Ines widmet, der Frau vom BYH-Veranstalter Horst Odermatt, wird mit 'She's Like Thunder' Regina Halmich gehuldigt, die seit mittlerweile zehn Jahren Box-Weltmeisterin ist. Ansonsten hat sie die für sich berühmten Posen zur Schau gestellt und teilweise das Publikum auf englisch angesprochen, aber das ging schon in Ordnung. Mit dem PRIEST-Cover 'Breaking The Law' hat sie einen weiteren Stein im Brett und bei 'All We Are' waren dann sämtliche Dämme gebrochen. Eigentlich jede/r in meinem Umfeld hat den Chorus voller Inbrunst geschmettert. Ebenfalls dabei ist Chris Caffery (SAVATAGE), der das Solo spielt, was leider völlig untergeht. So was nennt man wohl Perlen für die Säue. Schade. Danach war erst mal Schluss, doch DORO kommt für 'Burn It Up' nochmal auf die Bühne, wobei bei dem Stück Flammen am Bühnenrand hochkamen. Diese kamen von rechts und links von einer geöffneten Hand aus Metall, was schon sehr geil aussah. Nach soviel Hitze sorgte die Feuerwehr ein bisschen Abkühlung, indem sie in den vorderen Reihen für einen künstlichen Regen sorgte. Eine gute überzeugende Show, oder wie würde es DORO ausdrücken: "Nur Metal hat Power!"
(Tolga)

U.D.O.
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Nach der unumstrittenen deutschen Metalqueen kam mit Udo Dirkschneider der unumstrittene "king of german heavy metal". Ich muss gestehen, dass mich seine Solowerke bisher recht wenig interessiert haben, so dass auch der Auftritt bei mir im Vorfeld eher gemischte Gefühle hervorrief. Interessant war auf jeden Fall zu sehen, wie sich Herr Dirkschneider und Kollegen im Vergleich zum kultigen, aber objektiv gesehen eher mäßigen ACCEPT-Auftritt in Gelsenkirchen schlagen würden. Ich nehme es vorweg: Er kam, sah und siegte. Zunächst stiegen U.D.O. mit 'Thunderball' und 'The Bullet And The Bomb' recht aktuell ein, um dann, ganz nach dem Motto: "Gib den Leuten, was sie hören wollen", fast ausschließlich auf ACCEPT-Klassiker zurückzugreifen. Diese klangen im Vergleich zum RockHard Open-Air auch deutlich frischer und kraftvoller. Die Band hatte einen fantastischen Sound, Udo (ganz im klassischen Tarnanzug) war deutlich agiler als noch Ende Mai und auch das Publikum fraß ihm verdientermaßen jede Sekunde aus der Hand. Mit '24/7' präsentierte die Band sogar noch die neue Single des demnächst erscheinenden neuen Albums und stellte damit unmissverständlich klar, dass im Hause U.D.O. alles beim alten bleibt. Entweder man liebt es, oder man lässt es eben bleiben. Für mich jedenfalls der beste Auftritt am Freitag und gleichzeitig die größte Überraschung, auch wenn sie nicht 'Fast As A Shark' gespielt haben.
(Chris)

Setlist:
Thunderball
The Bullet And The Bomb
Metal Heart
24/7
Midnight Mover
Man And Machine
Animal House
Balls To The Wall
I'm A Rebel
Princess Of The Dawn
Burning

GAMMA RAY
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Manchmal, aber auch nur manchmal, da hat man das Schicksal auf seiner Seite: Da wir vom nicht allzu nahe gelegenen Campingplatz etwas spät loskamen, hörten wir in einiger Entfernung zum Festivalgelände bereits GAMMA RAY spielen. Damn! Doch dann, wie gerufen, plötzlich technische Probleme auf der Bühne, direkt nach dem noch mit einem Viertelohr mitbekommenen Opener 'New World Order'. "War ja klar. Da steht man nach hundert Jahren mal wieder auf der Bühne und dann passiert so eine Scheiße!" beschwert sich ein entnervter Kai Hansen, während ich mich noch über einen tollen ergatterten Platz in der Nähe der Bühne freue. Dann geht’s auch gleich weiter, die Melodie-Überdosis 'Land Of The Free' lässt jeglichen Ärger vergessen - aber nur, bis mir Henjo Richter später am Abend berichtet, dass der Gassenhauer 'Man On A Mission' den Technikproblemen zum Opfer gefallen war. Nochmal Damn! Aber egal, mit 'Rebellion In Dreamland' und dem Wir-sind-Metal-und-das-ist-gut-so-Bekenntnis 'Heavy Metal Universe' hatten Hansen & Co. die Massen ganz schnell auf ihrer Seite - auch wenn das Mitsingspielchen mittlerweile ein bisschen nervt. Als Quasi-Entschädigung gibt's dafür aber das live bisher selten gehörte, unheimlich tolle 'Armageddon' auf die Lauscher, und auch ein neuer Song vom in Bälde erscheinenden Album "Majestic" kommt zu seiner Live-Premiere. Ich glaube, da kann man sich wieder mal auf ein sehr feines Stück Musik aus dem Hause GAMMA RAY gefasst machen. Den Vogel schießen die Nordlichter allerdings mit dem HELLOWEEN-Hit 'I Want Out' ab. Heilige Scheiße! Das ist ja noch geiler als das 'Future World'-All-Star-Spektakel anno '99.
Bleibt im Nachhinein die Erkenntnis, dass man GAMMA RAY im Prinzip jedes Jahr für das BYH verpflichten könnte, denn auch dieses Gastspiel hat wieder einmal uneingeschränkt Spaß gemacht, was insbesondere der Stimmungskanone Hansen und auch Flitzefinger Henjo Richter gelegen hat, dem man immer wieder gerne auf die Griffel schaut. Herrlicher Gig, wunderbare Unterhaltung, tolle Musik - bitte sehr bald wieder!
(Rouven)

SAXON
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Es gibt Bands, die kann man sich - obwohl man sie bereits so-und-so-oft gesehen hat - immer wieder anschauen, und SAXON gehören für mich da definitiv dazu. Ich habe Biff & Co. in den letzten Jahren recht häufig gesehen, aber ein schlechter Gig war da nie dabei. Und daran sollte auch der BANG YOUR HEAD-Auftritt nichts ändern. SAXON legen sogleich - nach dem obligatorischen Intro vom Band - mit dem Titelsong ihres aktuellen Albums "Lionheart" los und lassen überhaupt keinen Zweifel an ihren guten Live-Qualitäten aufkommen. So gehen die Fans entsprechend begeistert mit und es herrscht von Beginn an eine hervorragende Stimmung vor der Bühne. Daran hat wie üblich auch der charismatische Sänger Biff Byford einen entscheidenden Anteil - sei es allein durch seine Ausstrahlung oder auch durch seine kurzweiligen Ansagen. Nach 'Heavy Metal Thunder' haben SAXON bereits eine kleine Überraschung parat, denn Drummer Jörg Michael räumt für den nächsten Song '747 (Strangers In The Night)' seinen Hocker und macht dem MOTÖRHEAD-Trommler Mikkey Dee Platz. Danach kommen SAXON aber wieder ohne fremde Hilfe aus, und sie arbeiten sich quer durch ihren doch recht umfangreichen Back-Katalog. So gibt es in der Folge also einen Klassiker nach dem anderen zu hören, wie beispielsweise 'Dogs Of War', 'Backs To The Wall', 'Strong Arm Of The Law', 'Solid Ball Of Rock' oder 'Motorcycle Man'. Zwischendurch widmet sich Biff immer wieder dem Publikum und stellt es vor die Wahl, welche Art von Song es denn als nächstes hören möchte ("an old song or a new song?"/"a fast song or a slow song?"), wobei die Antwort immer recht eindeutig ausfällt. Trotzdem befindet er, dass ein aktueller Song noch gespielt werden muss, und so kündigt er 'Man And Machine' an, ehe er - wie so oft - die Setlist zerreißt. Nach dieser neueren Nummer sind dann aber wieder Klassiker angesagt - zu Songs wie 'Crusader', 'Princess Of The Night' und 'Wheels Of Steel' muss man wohl auch gar nicht viel mehr sagen. Bei 'Wheels Of Steel' wird - quasi als Special Effect - der vordere Bühnenteil inklusive Biff einige Meter nach oben gefahren, so dass der Sänger hoch über den Köpfen der Fans weiter seine Show abziehen kann. Als er dann wieder auf einer Höhe mit seinen Mitmusikern ist, kündigt er einen Song vom "Denim And Leather"-Album an, den "weder ihr noch die Band erwartet". Sicherlich hat jeder mit dem Titelsong gerechnet, doch dieser muss noch etwas warten, denn zunächst gab es 'Never Surrender' zu hören, und direkt anschließend auch noch '20,000 Feet'. Danach ist es dann aber wirklich an der Zeit für 'Denim And Leather' und somit für den würdigen Abschluss eines großartigen Konzerts. Eigentlich gibt es an diesem Auftritt von SAXON nichts auszusetzen - wenn man mal davon absieht, dass er viel zu kurz war, und dass Biff seine Mitsingspielchen manchmal ein bisschen zu arg in die Länge gezogen hat. In dieser Zeit hätte man auch noch einen weiteren Song spielen können, wie zum Beispiel 'Power And The Glory', 'Dallas 1 p.m.' oder 'And The Bands Played On', wobei der letztgenannte am darauffolgenden Tag wohl noch besser gepasst hätte. Aber wie auch immer - man kann ja nicht alles haben, und somit bleibt unter dem Strich trotzdem ein souveräner Auftritt einer großartigen Band. Für mich der eigentliche Headliner des ersten BANG YOUR HEAD-Tages!
(Martin)

Setlist:
Lionheart
Heavy Metal Thunder
747 (Strangers In The Night)
Dogs Of War
Backs To The Wall
Strong Arm Of The Law
Solid Ball Of Rock
Motorcycle Man
Man And Machine
Crusader
Princess Of The Night
Wheels Of Steel
Never Surrender
20,000 Feet
Denim And Leather

MOTÖRHEAD
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Auch wenn sich Lemmy durchgehend darüber beschwert, dass der Monitorsound seines Gesangs zu basslastig sei, wirkt er auf mich gar nicht mal so mürrisch, wie viele andere Festivalbesucher das zu empfinden scheinen. Für seine Verhältnisse ist er sogar ziemlich kommunikativ und zudem auch viel besser bei Stimme, als noch die letzten Male, als ich ihn und seine beiden Mitstreiter bewundern dürfte. Da Mickey Dee zudem einer der besten und kraftvollsten Trommler überhaupt ist (was für ein Solo!), und sich auch Phil Campbell mit seinem sehr signifikanten Gitarrenstil als echtes Original etabliert hat, das mittlerweile schon über 20 Jahre in der Band spielt, präsentieren sich die Motörköpfe in Balingen als eine der bestgeölten Einheiten der Rockgeschichte. Sie sind unheimlich aber noch erträglich laut, und sie haben - zumindest über den Verlauf des ganzen Konzertes gesehen - einen sehr guten Sound. So zocken sie ihre Klassiker mit einer Lässigkeit runter, die mich einfach immer wieder aufs neue begeistert. Da kann Lemmy noch so mürrische Kommentare ablassen, das wirkt trotzdem authentisch und irgendwie auch sympathisch. Die Setlist orientiert sich heute abend komplett an der vorangegangenen Tour bzw. an der demnächst erscheinenden Live-DVD zum dreißigsten Bandjubiläum, so dass Fans, welche sich bereits vor kurzem auf der Tour waren, eher weniger überrascht sein dürften. Alle anderen können sich aber durchaus über Perlen freuen, die bei den letzten Festivalauftritten von MOTÖRHEAD eher selten oder gar nicht gespielt wurden. Neben der üblichen Wagenladung an Liveklassikern wie 'Stay Clean', 'No Class', 'Sacrifice', 'Going To Brazil' oder 'Killed By Death', gibt's mit 'Shoot You In The Back', 'Love Me Like A Reptile', dem etwas in Vergessenheit geratenen Uralthit 'Over The Top' und dem fast verschollenen 'I Got Mine' aus der Robbo-Ära eine gegenüber meinem letzten MOTÖRHEAD-Gig deutlich umgekrempelte Setlist. Dazu widmet Lemmy seinen Kumpels von den RAMONES (R.I.P.) ein letztes Mal das gleichnamige Punkmonster, bevor der Song vorerst mal aus dem Liveprogramm verschwinden wird. Auch die neue Scheibe wird mit drei Songs berücksichtigt und nach dem traditionellen Finale mit 'Ace Of Spades' und 'Overkill' fällt mir eigentlich nichts ein, was ein treuer Motörheadbanger an diesem Gig aussetzen könnte. Mit Verlaub: MOTÖRHEAD ist immer noch erstklassig, die Musiker sind immer noch in bester Form und zumindest mir machen ihre Konzerte immer noch ungemein Spaß. So wird der tolle erste Tag des zehnten BANG YOUR HEAD-Festivals gegen elf Uhr abends von einem absolut würdigen Headliner beschlossen und wir schlendern müde aber zufrieden zum Campingplatz zurück, auf welchem uns in dieser Nacht noch ein weiteres Ereignis von donnernder Urgewalt heimsuchen wird...
(Rüdiger)

Setlist:
Dr. Rock
Stay Clean
Shoot You In The Back
Love Me Like A Reptile
Killers
Metropolis
Over The Top
No Class
I Got Mine
In The Name Of Tragedy
Dancing On Your Grave
R.A.M.O.N.E.S.
Sacrifice
Drumsolo
Just 'Cos You Got The Power
Going To Brazil
Killed By Death
Ace Of Spades
Overkill

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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