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Bang Your Head XIV - Balingen

16.07.2009 | 20:28

26.06.2009, Messegelände

Erbarmungslose Hitze, der eine oder andere Sturm mit Platzregen und eine Menge toller traditioneller Metalbands: Das "Bang Your Head" wird seinem Ruf gerecht!

Die Ehre, den Freitag quasi als lokaler Opener eröffnen zu dürfen, haben also an diesem für die Uhrzeit schon sehr warmen Morgen die Reutlinger von HATSTIK, die ihren Stil selbst als "Psychodelic Nu Metal" bezeichnen. Dass das Balinger Publikum auf diese Schublade erstmal skeptisch reagieren würde, war absehbar, doch ich muss sagen, dass die jungen Schwaben ihre Sache gar nicht mal schlecht machen. Groovender und Core-lastiger Metal ist es, den sie den paar neugierigen und früh munteren Nasen vor der Bühne vorsetzen. Dabei erinnern sie ein bisschen an PRONG, würde ich meinen. Gesanglich der übliche Mix aus Screams und melodischeren Passagen. Dass sich der Sänger mit Sonnenbrille und Melone dadurch ein wenig zu sehr beim Publikum anzubiedern versucht, indem er ständig etwas von bangenden Heads erzählt, darüber hüllen wir den Mantel des Schweigens. Dafür gehen Stücke wie 'The Reason Why', 'Footsteps', 'Go' oder das leicht psychotische 'A Deep Black Hole' ganz gut ab, und die Band wird nach dem abschließenden 'Watch Out!' höflich verabschiedet.

[Rüdiger Stehle]


Die schottische Piratenbande von ALESTORM stürzt mich schon auf Platte in ein Wechselbad der Gefühle, und genau das wiederholt sich auch heute auf der Balinger Bühne. Einerseits möchte ich die Band gerne lieb haben, weil sie mit den Piratenthemen, den gälischen Melodielinien und dem schön raubeinigen Gesang durchaus einiges zu bieten hat, was mir sehr gut gefällt. Ein Song wie 'Set Sail And Conquer' ist beispielsweise ein echter Hit. Dazu hat die Band auch ein ausgenommen sympathisches Auftreten. Doch der Teufel sitzt im Detail, und dieses Detail hat sich Sänger Christopher Bowes heute um den Hals gehängt: sein Keyboard! Nicht, dass ich generell etwas gegen Klänge vom Schlüsselbrett einzuwenden hätte, aber im Falle von ALESTORM ist der Klang desselben einfach so klebrig und aufs Schunkeln ausgerichtet, dass ich einfach viel zu schnell den Spaß dran verliere, in gleichem Maße wie die Songs der Band hierdurch den Biss verlieren. Doch das scheint eben der Schotten Placet zu finden, und ein guter Teil des immer zahlreicher werdenden Publikums feiert und schunkelt auch ausgiebig mit, so dass ich dem Quartett aus Perth durchaus einen gelungenen Auftritt attestieren kann, auch wenn sie mich mit dem Sound niemals als Fan gewinnen werden. Sollte darüber nachgedacht werden, das Keyboard über die Planke gehen zu lassen, können wir nochmal drüber nachdenken.

[Rüdiger Stehle]





Nochmal deutlich mehr Zuspruch als die Schotten konnten die einheimischen Jungs von KISSIN' DYNAMITE mit ihrem unglaublich mit Energie geladenen, Sleaze-lastigen Hard'n'Heavy einstreichen. Die dramatisch im androgynen L.A.-Glam-Style zurecht gemachten Jungspunde um die Gebrüder Braun - Hannes am Mikro und André an der Gitarre - lassen aber auch wirklich nichts anbrennen, außer den Bühnenboden vielleicht. Mit eingängigen Songs, rotzigem Gesang der Marke Stephen-Pearcy-meets-Axl-Rose, tollen Refrains, die nach wenigen Takten auch von vielen Zuschauern mitgesungen werden, welche die Songs vorher mit Sicherheit nicht gekannt haben, und einer rastlos-energischen Bühnenpräsenz der Extraklasse, rennen die fünf Schwaben beim für diesen Stil sehr empfänglichen Balinger Publikum offene Türen ein. Das gebotene Material entstammt vollumfänglich dem bisher einzigen Album "Steel Of Swabia", das aufgrund der knackigen Kürze der Stücke fast komplett dargeboten wurde. Dass bei der Bandhymne 'Steel Of Swabia' Hunderte von Fans mitsingen und nachher auch sehr viele Besucher des Festivals mit eben jenem Rückenaufdruck auf dem T-Shirt herum laufen, beweist, dass die Reutlinger diesen Auftritt als vollen Erfolg verbuchen können, der ihnen viele neue Freunde beschert haben dürfte. Außerdem freut sich auch der Schwabe in mir über diese Art von augenzwinkerndem Regionalpatriotismus. Bitte mehr davon!



Setlist: My Religion, I Hate Hip Hop, Out In The Rain, Steel Of Swabia, Zombie, Iron Fist, Let's Get Freaky, Ready Steady Thunder, Addicted To Metal, Welcome To The Jungle

[Rüdiger Stehle]


Es ist nun schon etwa drei Jahre her, dass ich Ross The Boss und seine Begleitband (= Mitglieder der Tribute-Band MEN OF WAR) auf dem Keep It True Festival gesehen habe. Damals hat man lediglich MANOWAR-Songs aus Ross' Zeit zum Besten gegeben, doch inzwischen hat sich einiges getan: Aus dem Projekt ist eine Band geworden, und eine CD namens "New Metal Leader" hat man auch veröffentlicht. So war abzusehen, dass ROSS THE BOSS dieses Mal in erster Linie ihre eigenen Songs spielen würden, und so starten sie nach dem Intro 'I.L.H.' mit auch 'Blood Of Knives' und 'Death And Glory'. Ross selbst agiert dabei souverän wie eh und je, doch seinen Mitstreitern merkt man schon an, dass es für sie ungewohnt ist, auf einer solch großen Bühne zu stehen. Sänger Patrick gibt auch zu, dass er die BYH-Bühne bislang immer nur aus der Zuschauersicht kannte, dass das Festivalgelände aber auch "von oben sehr gut aussieht". Ganz ohne MANOWAR-Songs geht es natürlich auch an diesem Tag nicht, und so gibt es in der Folge 'Death Tone' und 'Gloves Of Metal' zu hören - immerhin zwei Nummern, die man von Eric Adams & Co eher selten hört. Danach widmen sich ROSS THE BOSS jedoch wieder ihrem eigenen Album und spielen 'We Will Kill', 'May The Gods Be With You' und 'Immortal Son'. Das Publikum weiß auch diese Nummern zu schätzen - auch wenn die Stimmung beim MANOWAR-Material schon besser ist. Deswegen gibt es zum Abschluss des Auftritts noch zwei weitere Klassiker aus Ross' Vergangenheit, nämlich 'Thor' und das lautstark mitgesungene 'Hail And Kill'. Die Leute vor der Bühne hatten mit ROSS THE BOSS sichtlich Spaß, und somit hat die Band ihr Ziel sicherlich vollauf erfüllt.



Setlist: Blood Of Knives, Death & Glory, Death Tone, Gloves Of Metal, We Will Kill, May The Gods Be With You, Immortal Son, Thor (The Powerhead), Hail And Kill

[Martin Schaich]


Der Hauptgrund für mich, das diesjährige "Bang Your Head" trotz kollektiven Schwächelns der mich sonst begleitenden Kameradenschar doch noch zu besuchen, war VOIVOD. Für mich eine der originellsten Metalbands überhaupt, bei der ich bisher leider nie die Ehre hatte, sie live zu sehen. Entsprechend gespannt harre ich vor der Bühne der Dinge, die da kommen mögen und freue mich riesig, als sodann mit Sänger Snake, Basser Blacky und Drummer Away drei Viertel der Originalbesetzung die Bühne betreten. Den verstorbenen Gitarristen Piggy vertritt der großartige Daniel Mongrain von MARTYR. So unkonventionell wie der Ruf der Franko-Kanadier so extravagant ist auch ihr auftritt. Schräge Melodien, abgedrehte Rhythmik und ein Freak als Sänger, der des Öfteren fragende Blicke erntet, die sich zu wundern scheinen, ob der Gute nun auf Drogen oder irgendwo entsprungen ist. Das ist im Übrigen ausschließlich als Kompliment für Snake zu werten, denn was könnte langweiliger sein als ein Sänger, der nur blass herum steht und introvertiert vor sich hin singt. Snake ist das krasse Gegenteil: Er rennt, tobt, schneidet Grimassen und liefert eine ausgeflippte Gesangsdarbietung, die man natürlich auch hassen kann, denn "gefällig" geht anders. Ich für meinen Teil finde es absolut toll, was der Mann hier macht; und das gilt für seine Mitstreiter nicht minder. Jason Newsted in allen Ehren, doch Blackys Auftreten am heutigen Tag freut mich noch mehr. Er ist definitiv der richtige Mann am richtigen Platz. Away lässt die anwesenden Trommler unter den Fans Bauklötze staunen mit dem, was er aus seinem Mini-Drumkit der ältesten Rockschule so rausholt, und Dan an der Klampfe vertritt den innovativen Riffmeister Piggy mehr als würdig. Man merkt ihm von Anfang bis Ende an, dass es für ihn nicht nur eine Ehre ist, den einzigartigen VOIVOD-Gitarrensound live am Leben zu erhalten, sondern dass er auch rundum riesigen Spaß an der Sache hat. Dazu kommt vom Einstieg mit der Bandhymne an eine Klassiker-Setlist par excellence zum Zug, die mit 'Treasure Chase' nur ein Stück vom aktuellen Album "Infini" enthält und daneben ausschließlich die Phase von 1984 bis 1989 bedient, wobei die Schwerpunkte auf den Alben "Killing Technology", "Dimension Hatröss" und "Nothingface" liegen. Klar, man mag es schade finden, dass die neueren Scheiben kaum beachtet werden, da auch diese grandiose Songs enthalten, doch bei einem recht kurzen Auftritt am Festival-Nachmittag kann eine Band mit 25 Jahren auf dem Buckel eben leider nicht alles aufbieten, was die Fans so hören möchten. Die begeisterten Reaktionen des Publikums lassen darauf schließen, dass hierfür Verständnis besteht und nicht wenige, mit denen ich nach dem Gig rede, haben spontan entschlossen, dass sie sich jetzt doch endlich mal näher mit VOIVOD beschäftigen müssen. Gut so!



Setlist: Voivod, The Unknown Knows, Overreaction, Tribal Convictions, Treasure Chase, Ravenous Medicine, Tornado, Brain Scan, Astronomy Domine

[Rüdiger Stehle]


Auch wenn die Iren von PRIMORDIAL eine sehr eigenständige Band sind, die sich nur sehr schwer in eine Schublade pressen lässt, werden sie meistens doch in den Bereich des Pagan- oder Black Metals eingeordnet, und so kommt den Jungs um Frontmann Alan Nemtheanga auf jeden Fall eine gewisse Exotenposition im ansonsten sehr Melodic- und Power-Metal-lastigen BYH-Billing zu. Andererseits steht seit den letzten beiden Studioalben auch fest, dass sich die Band in traditionell-metallischen Kreisen weitaus größerer Beliebtheit erfreut als das Gros der Bands aus der Ursprungsszene PRIMORDIALs. Das liegt mit Sicherheit an den epischen Kompositionen, an der Tatsache, dass Alan heute vorwiegend mit klarer Stimme singt und daran, dass die Band und allen voran ihr Fronter durch ihre eindrucksvolle, charismatische und martialische Bühnenpräsenz schon viele Skeptiker im Sturm erobern konnte. Das gelingt auch in Balingen. Obwohl die brennende Sonne am Nachmittag nicht unbedingt den besten Rahmen für die düstere Musik und Alans Kriegsbemalung bieten, überzeugt die Band auf ganzer Linie und ein kleiner Teil des Publikum frisst Alan wie üblich aus der Hand. Aufgrund der relativ kurzen Spielzeit und der natürlich sehr ausladenden Kompositionen, kommen die Iren nur zu einem kurzen Querschnitt des aktuellen Albums, dem noch die beiden Klassiker 'The Coffin Ships' (2005) und 'Sons Of The Morrigan' (2002) folgen, bevor 'Heathen Tribes' ein tolles Konzert beendet. Klar, ein Großteil des Publikums ist eher auf distanzierte Art beeindruckt, doch auch hier habe ich den Eindruck, dass die Band etliche neue Fans hinzu gewonnen hat und so das Festival als vollen Erfolg verbuchen kann.



Setlist: Empire Falls, Traitor's Gate, As Rome Burns, Sons Of The Morrigan, The Coffin Ships, Heathen Tribes

[Rüdiger Stehle]


Waren die wiedervereinigten US-Thrasher von SACRED REICH kürzlich beim Rock Hard Festival sowas wie der heimliche Headliner, so haben sie es beim Bang Your Head ein bisschen schwerer. Nicht, dass sie einen schlechteren Auftritt hinlegen würden, nein, Phil Rind und seine Mannen sind eine Bank und machen mit ihrem spontanen, sarkastischen und doch gut gelaunten Thrash-Rundumschlag wieder mal alles richtig.

Dass das im Schnitt deutlich ältere und mehr auf klassischen Metal und Hardrock als auf Thrash fixierte BYH-Publikum nicht ganz so zum Crowdsurfen und zu Mosh- und Circlepits neigt, wie die Meute im Gelsenkirchener Amphitheater, ist eben nicht zu ändern. So kommt zwar nicht die überbordende Euphorie auf wie an Pfingsten, aber die dennoch tollen Reaktionen des Publikums beweisen, dass SACRED REICH auch im Schwäbischen herzlich willkommen sind.

In Anbetracht der unglaublichen Energie und Spielfreude, die SACRED REICH dieser Tage demonstrieren, hoffe ich sehr, dass es ein neues Album und dazu passend eine anständige Hallentour gibt. Das wäre ein Fest!

Setlist: The American Way, Independent, Administrative Decisions, Love...Hate, Sacred Reich, One Nation, Crimes Against Humanity, Who's To Blame, Ignorance, War Pigs (BLACK SABBATH-Cover), Death Squad, Surf Nicaragua

[Rüdiger Stehle]


Und schon kommt die nächste Fuhre satten Thrash Metals in Form der Ruhrpott-Legende SODOM. Tom Angelripper, Bobby Schottkowski und Bernemann starten mit dem wuchtigen 'Napalm In The Morning' in ihren Set, der zwar nur wenige Überraschungen, dafür aber viel Altbewährtes bietet. Gerade 'Axis Of Evil' wird sehr tight umgesetzt. Höchste Zeit, dass das Trio endlich eine neue Platte herausbringt, liegt doch das letzte Studiowerk immerhin schon wieder drei Jahre zurück. 'The Saw Is The Law' wird durch eine verkürzte, sehr schnelle Version von 'Surfin' Bird' eingeleitet. Nun greifen SODOM in Mottenkiste und geben 'Blasphemer' zum besten, das in etwas fragwürdiger Art und Weise von Tom Angelripper angekündigt wird. Sinngemäßes Zitat: "Das nächste Stück widme ich Chris Witchhunter, der jetzt da oben gemeinsam mit Michael Jackson eine gute Zeit hat. Das ist zwar geschmacklos, aber wahr".

Im Zugabenteil kommen dann natürlich die großen Klassiker zum Zuge, wie das punkige 'Ausgebombt', 'Remember The Fallen' und natürlich der wie immer vehement eingeforderte 'Bombenhagel', der auf uns einprasselt. Alles in allem haben SODOM wie gewohnt auf dem BYH kräftig Popo getreten. Da gibts nix zu meckern. Außer, dass es Zeit wird für ein neues Studioalbum! Also: Gas geben!

Setlist: Napalm In The Morning, Outbreak Of Evil, Axis Of Evil, The Saw Is The Law, Blasphemer, Agent Orange, Wanted Dead, M-16, Ausgebombt, Remember The Fallen, Bombenhagel
[Martin Loga]

Nicht vorenthalten bleiben soll dem Leser auch, dass der gute Onkel Tom nicht nur die Meinung vertrat, dass der eben verstorbene Michael Jackson nun wohl mit Chris Witchhunter zu 'Blasphemer' abrocken wurde, sondern dass er - nächtens von seiner Frau geweckt - auf die Frage, ob er schon wisse, wer eben gestorben sei, zunächst mal ganz erschrocken an Jopi Heesters gedacht habe. Nun, Michael Jackson habe nie viel mit SODOM am Hut gehabt, und SODOM nicht mit ihm, aber da er ja doch ein Großer des Pop gewesen sei, wolle man ihm eben den Song 'Axis Of Evil' widmen. Der habe zwar auch nichts mit Michael Jackson zu tun, aber sei's drum...
[Rüdiger Stehle]


Das letzte Studioalbum von LITA FORD ist aus dem Jahr 1995, und seither war es um die Blondine äußerst ruhig. Erst im letzten Jahr hat sie sich live-haftig zurückgemeldet, und somit durfte man nun durchaus gespannt sein, was die inzwischen 50-Jährige noch auf der Bühne leisten kann. Diese Frage ist so pauschal aber gar nicht zu beantworten. Für ihr Alter hat sich Lita sicherlich ziemlich gut gehalten, und auch ihr Sexy-Posing hat sie in all den Jahren nicht verlernt, aber aus rein musikalischer Sicht war der Auftritt doch eher suboptimal. Sie legt zusammen mit ihrer Begleitband zwar sehr motiviert los, doch die beiden "Dangerous Curves"-Songs 'Larger Than Life' und 'Black Widow' können das Publikum nicht wirklich begeistern. Das mag möglicherweise am vergleichsweise schwachen Sound liegen, aber die Leute scheinen mit dem Material auch nicht (mehr) wirklich vertraut zu sein. Dies ändert sich zwar im Laufe des Auftritts ein wenig, wenn bekanntere Nummern wie 'Gotta Let Go' oder 'Hungry' zum Besten gegeben werden, doch richtig gute Stimmung sieht anders aus. Bei 'Close My Eyes Forever', das sie damals mit Ozzy Osbourne zusammen aufgenommen hat, kann Lita das Publikum zwar gegen Ende noch zum Mitsingen animieren, aber da danach nur noch 'Kiss Me Deadly' folgt, reicht dies lediglich für einen versöhnlichen Abschluss.



Neben der vielleicht etwas unglücklichen Songauswahl zu Beginn ist es gerade der Mittelteil des Auftritts, der in die sprichwörtliche Hose geht. Da wäre zum einen das völlig missratene Keyboard-Solo von Michael T. Ross (ANGEL / XYZ) - wenn Lita nicht vorher gesagt hätte, dass hier das 'Mr. Crowley'-Intro gespielt wird, hätte es wohl auch niemand gemerkt. Zum anderen präsentiert Lita direkt anschließend zwei neue Stücke, die auch nicht wirklich überzeugen können. Da nützt es auch nichts, dass sie dabei von ihrem Ehemann und Ex-NITRO-Sänger Jim Gillette unterstützt wird - im Gegenteil. Alles in allem konnte LITA FORD die Erwartungen nicht erfüllen - nur gut, dass mit U.D.O. eine verlässliche Szene-Größe bereits in den Startlöchern steht.



Setlist: Larger Than Life, Black Widow, Can't Catch Me, Gotta Let Go, Back To The Cave, Hungry, Falling In And Out Of Love, Piece (Hell Yeah), Betrayal, Close My Eyes Forever, Kiss Me Deadly

[Martin Schaich]


Udo Dirkschneider und seine Mannen lassen am heutigen Arbeit wahrhaft nichts anbrennen und präsentieren sich nicht nur in guter, sondern in für meine Begriffe ausgezeichneter Verfassung. Schon als die ersten Klänge des Openers 'Metal Heart' zu vernehmen sind, ist das Publikum kaum mehr zu bremsen. U.D.O. gönnen den zahlreichen Fans vor der Bühne keine Verschnaufpause. Der ersten vier Stücke gegen praktisch nahtlos ineinander über. Der Mittfünziger Udo Dirkschneider ist bestens bei Stimme und seinen bestens eingespielten Musikern sieht und hört man die Spielfreude an.



Etwa die Hälfte der Stücke sind alte ACCEPT-Klassiker, die besonders stark umjubelt werden. Eine echte Überraschung ist dabei wohl die Hereinnahme des "Breaker"-Klassikers 'Midnight Highway', mit dem beileibe nicht zu rechnen war. Was sich heute in Balingen abspielt, ist schlicht und ergreifend phänomenal, denn das Publikum singt quasi jeden Refrain und selbst einzelne Gitarrenmelodien frenetisch mit. Besonders intensiv ist das bei 'Princess Of The Dawn' zu spüren, das wie gewohnt mit einem längeren Mitsingspielchen das Stimmungslevel weiter nach oben treibt.



Die Setlist bietet viel Abwechslung und gleichgültig ob U.D.O. neuzeitige Stampfer wie das trocken riffende "Vendetta" vom "Mastercutor"-Album oder 'Man Or Machine' spielen: Sie treten heute einen regelrechten Siegeszug an! Mit dem schmissigen 'Animal House' endet das reguläre Set, doch dem Publikum dürstet nach mehr. Bei 'Balls To The Wall' ist wieder Gänsehaut angesagt, ehe mit 'I'm A Rebel' der Vorhang fällt. Sieg auf ganzer Linie! Die Band verneigt sich unter großem Jubel und wird gefeiert. In dieser Form können U.D.O. noch Jahre weiter aktiv sein, denn sie sind die wahre Reinkarnation von ACCEPT.


Setlist: Metal Heart (ACCEPT-Cover), Midnight Highway (ACCEPT-Cover), They Want War, 24/7, Vendetta, Princess Of The Dawn (ACCEPT-Cover), Living For Tonight (ACCEPT-Cover), Man And Machine, Thunderball, Animal House, Holy, Balls To The Wall (ACCEPT-Cover), I'm A Rebel (ACCEPT-Cover)
[Martin Loga]

Wie es in der Historie des Bang Your Head schon öfters mal der Fall war, so gab es auch im Vorfeld des heurigen Festivals diverse Skeptiker, die der Meinung waren, dass die amerikanische Melodic-Rock-Legende JOURNEY doch alles sein könne, aber kein würdiger Headliner für eines der großen europäischen Heavy-Metal-Festivals. Im Gegensatz zu vielen der Kritiker schätze ich zwar sowohl Melodic Rock im Allgemeinen als auch JOURNEY im Speziellen, doch ich muss zugeben, dass auch ich mir nicht sicher war, ob die doch schon etwas gesetzteren Herren mit ihren Schmachtfetzen es denn schaffen würden, dem Balinger Publikum einzuheizen. Nun, ich gebe es gerne zu: Ich habe mich geirrt, und zwar gründlich auf ganzer Linie.

Zum einen haben sich die wirklich schon etwas älteren Herren von JOURNEY vor ein paar Jahren "jungen" Frontmann geangelt, der wie ein Derwisch über die Bühne fegt und dazu noch ein goldenes Stimmchen hat, das alle zahlreichen Klassiker der Band nicht nur tadellos interpretiert, sondern mit jeder Menge Energie perfektauf den Punkt bringt. Der junge Philipino Arnel Pineda ist zwar auch schon 41 Jahre alt, doch im Vergleich mit den sechzig Lenzen von Basser Ross Valory (Foto), ist er halt doch das Küken der Band. Und dass das frische Blut der Band unheimlich gut tut, merkt man an allen Ecken und Enden.

Die Band klingt trotz unglaublich professioneller Spielweise und ebensolchen Auftretens sehr engagiert. Auf diese Art und Weise wirken die zahlreich dargebotenen Klassiker aus den späten Siebzigern und frühen Achtzigern kein bisschen angestaubt, sondern druckvoll und frisch. Ja, sogar eine gute Ecke härter als man sie vom Radio her kennt, ohne dabei jedoch auch nur einen Hauch ihres klassischen Charmes zu verlieren. Die Schwerpunkte der Setlist liegen bei den Alben "Escape" (1981), "Infinity" (1978) und "Frontiers" (1983), doch auch neueres Material kommt zum Zug. Das Highlight ist erwartungsgemäß der aus tausenden Kehlen mitgesungene Megahit 'Wheel In The Sky'. Da die Band als eine der wenigen des Festivals zudem vom Mischer den perfekten Sound schlechthin gezaubert bekommt, können wir durchaus von einem perfekten Headliner-Gig einer tollen alten Band sprechen, der sich hinter früheren Headlinern nicht verstecken muss; auch wenn die eingangs erwähnten Vorurteile natürlich leider einige Besucher dazu bringen, das Gelände vorzeitig zu verlassen. So mag in Sachen Publikumsresonanz wohl doch Udo Dirkschneider als der eigentliche Headliner des Freitags gelten. Ich für meinen Teil finde JOURNEY aber bei aller Liebe zu U.D.O. noch einen Tick besser und vor allem spannender.

Setlist: The Journey (Revelation), Separate Ways, Never Walk Away, Guitar Solo, Stone In Love, Rubicon, Only The Young, Ask The Lonely, Change For The Better, Lights, Edge Of The Blade, Wheel In The Sky, Chain Reaction, One More, Wildest Dream, Faithfully, Don't Stop Believin', Be Good To Yourself, Anyway You Want It

[Rüdiger Stehle]


Alle Fotos: Frank Hameister

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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