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Keep It True VIII - Königshofen

09.05.2007 | 13:14

14.04.2007, Tauber-Franken-Halle

Keep It True

Samstag, 14. April 2007

Wenn drei Metaller im Auto gen KIT pilgern, dann kann es sogar beim achten Mal passieren, dass man vor lauter Fachsimpelei im Auto doch glatt die Ausfahrt verpasst und einen Mords-Umweg fahren muss. Wenn die Kameradschaft dann doch noch rechtzeitig zur ersten Truppe eintrudelt, dann kann man von Glück reden, denn wer will schon gerne eine Band verpassen - ist das Billing doch immer vom Opener an stark besetzt. Auch dieses Mal ist das nicht anders:

CAULDRON:
Die Ehre, das Ereignis eröffnen zu dürfen, wird den Kanadiern von CAULDRON zu Teil, die vor nicht allzu langer Zeit noch (mit anderem Klampfer) als GOAT HORN unterwegs waren. So versteht es sich von selbst, dass heute auch ein paar Schoten aus Bockshorn-Zeiten mit am Start sind. Auch wenn's stilistisch eher leicht thrashiger Heavy Metal ist, was die Jungs zocken, so ist der erste Eindruck doch irgendwie, dass wir hier die fehlende Doom-Band des Tages zu sehen bekommen. Die Musik klingt zwar außer dem Intro nicht so richtig nach Doom, aber die Lässigkeit und Coolness war dann doch irgendwie doomig und old school. Keine Ahnung, wie man das besser beschreiben soll - jedenfalls sprechen die löchrigen Bluejeans, die Nietengürtel und die schlichten Shirts sprechen für sich. In jedem Fall macht die Show ordentlich Spaß. Die Riffs sind erstklassig und das ultra-coole, aber kein bisschen abgeklärt wirkende Acting von Fronter Jason Decay sind definitiv genial, der Punch von Drummer Altillery ist nicht von schlechten Eltern. Dazu spielen die Jungs so ziemlich die komplette aktuelle EP "Into The Cauldron" sowie ältere Highlights der Marke 'To The Cliff', 'Rise Into The Night' oder 'The Last Force', so dass sich am Ende des Gigs die meisten einig sind, eben sicher einen der überzeugendsten Opener der KIT-Geschichte gesehen zu haben. Dürfte nicht allein daran liegen, dass sich die Kanadier sehr überzeugend an dem TYRANT-Cover 'Making Noise And Drinking Beer' vergriffen haben, doch der rezensierende Ulmer hat das wohlwollend registriert. Zu dem Titel passt dann auch Jasons Zitat des Abends: "Not that we cannot make noise without beer. It's just more fun!" - Bringt die Essenz von CAULDRON recht gut auf den Punkt, würd ich meinen.
[Rüdiger Stehle]

BULLET:
Nach den Kanadiern von CAULDRON ist es anschließend Zeit für spaßigen Schweden-Metal, denn BULLET stehen auf dem Programm. Wie ihre Landsmänner von TORCH, so stehen auch sie ganz in der Tradition von ACCEPT - ACCEPT in den Achtzigern, wohlgemerkt -, doch auch die eine oder andere AC/DC-Scheibe dürfte wohl bei Dag Hell Hofer & Co. im Regal stehen. Äußerst bang-kompatibler Metal mit griffigen Refrains ist also in der nächsten Dreiviertelstunde angesagt, und das lockt doch trotz bestem Wetter viele Leute vor die Bühne. Und sie sollen es nicht bereuen, denn BULLET starten ihr Set auch wie ihr aktuelles Debütalbum "Heading For The Top" nach einem motorradlichem Intro mit 'Midnight Riders', dem sie gleich noch 'Hard Luck Lady' folgen lassen. Die Stimmung ist von Beginn an bestens, und zwar sowohl im Publikum als auch auf der Bühne. Die Band hat sichtlich Spaß an ihrem Auftritt, und das überträgt sich natürlich auch auf die Fans. Der korpulente Sänger Dag sucht immer wieder auch den Kontakt zum Publikum - sowohl zwischen den Songs als auch währenddessen. Bei der Songauswahl haben sich die Schweden ganz auf ihr aktuelles Album konzentriert, und so gibt es neben dem Titelsong auch noch 'One Deal With The Devil', 'Speeding In The Night', 'Turn It Up Loud', 'Raise Hell' und 'Rambling Man' zu hören, die allesamt hervorragend vom Publikum aufgenommen werden. So wird insbesondere bei 'Turn It Up Loud' lautstark mitgegrölt, aber auch die anderen Songs werden kräftig abgefeiert. Mit 'Leather Love', das auch schon auf der EP "Speeding In The Night" zu finden war, müssen sich die Schweden dann leider auch schon verabschieden, was angesichts der tollen Partystimmung sehr schade ist. Das sehen alle anderen Besucher ganz ähnlich, und so wird mit "Bang Your Head"-Rufen vehement noch eine Zugabe gefordert. Diese gibt es schließlich in Form des gewünschen Songs auch, so dass eigentlich alle mit diesem Auftritt mehr als zufrieden sein konnten (okay, gegen 'Heavy Metal Highway' hätte ich nichts gehabt, aber man kann ja nicht alles bekommen).
[Martin Schaich]

Setlist:
Midnight Riders
Hard Luck Lady
Heading For The Top
One Deal With The Devil
Speeding In The Night
Turn It Up Loud
Raise Hell
Rambling Man
Leather Love
---
Bang Your Head

TWISTED TOWER DIRE:
Bislang hatte ich TWISTED TOWER DIRE zweimal gesehen - 2002 im Jugendhaus Hemmingen und 2003 beim Wacken Open Air -, und beide Male konnten mich die US-Amerikaner absolut begeistern. Ob das wohl 2007 beim KEEP IT TRUE genau so sein würde, hatte ich mich schon lange vor dem Festival gefragt, denn in der Zwischenzeit hatte sich im Line-up von TWISTED TOWER DIRE etwas verändert: Sänger Tony Taylor hatte zwar Ende des letzten Jahres noch das aktuelle Album "Netherworlds" eingesungen, aber kurz danach gingen er und die restliche Band getrennte Wege. Man hat mit Johnny Aune zwar einen neuen Sänger engagiert, aber ob dieser in die übergroßen Fußstapfen von Tony treten könnte, war eine der zentralen Fragen vor dem Auftritt. Und um es vorweg zu nehmen: Johnny ist ein guter Sänger, aber wirklich ersetzen kann er Tony nicht.
Doch fangen wir mal von vorne an: Nach einer kurzen Begrüßung ("We are TWISTED TOWER DIRE!") legen die US-Amerikaner mit 'When The Daylight Fades' von ihrem zweiten Album "The Isle Of Hydra" recht vielversprechend los, doch so richtig mag der Funke noch nicht überspringen. Das ist jedoch nicht nur die Schuld von TWISTED TOWER DIRE, denn sie haben im Vergleich zu den vorherigen Bands einen deutlich schlechteren Sound erwischt, und so kommen insbesondere die Gitarren von Scott Waldrop und Dave Boyd überhaupt nicht richtig zur Geltung. Auch im weiteren Verlauf ändert sich das nur unwesentlich, so dass die Fans vor der Bühne, die wahrscheinlich mit ähnlich hohen Erwartungen wie ich gekommen sind, nur begrenzt Spaß haben. Der neue Sänger Johnny gibt sich - trotz deutlich spürbarer Nervosität - größte Mühe und macht seine Sache auch wirklich gut, hat aber im Vergleich zu Tony einen geringeren Stimmumfang und tut sich daher vor allem in den höheren Lagen schwer. Wie auch immer - TWISTED TOWER DIRE machen mit drei Songs vom vorletzten Album "Crest Of The Martyrs" weiter, nämlich 'By My Hand', 'Transfixed' und 'At Night', und das ist doch eher verwunderlich, nachdem sie ja mit "Netherworlds" eine ganz neue Scheibe am Start haben. Diese findet aber auch im weiteren Verlauf kaum Beachtung, da mit 'Starshine' lediglich ein neues Stück gespielt wird. Neben zwei weiteren "Crest Of The Martyrs"-Nummer ('Axes & Honor', 'Guardian Bloodline') gibt es stattdessen noch zwei epischere Songs von "The Isle Of Hydra" ('The Isle Of Hydra', 'Final Stand') zu hören, was beim Publikum ja doch ganz gut ankommt. Wirklich ausgelassen ist die Stimmung zwar zu keinem Zeitpunkt, aber die Fans vor der Bühne zollen den US-Amerikanern zwischen den Stücken schon mehr als einen Höflichkeitsapplaus. Zum Schluss des Auftritts geht es auf der Bühne dann nochmal richtig durcheinander, da die Band nicht so genau weiß, ob sie noch ein Stück spielen darf oder nicht - Johnny kündigt jedenfalls noch 'The Witch's Eyes' an, das aber nur noch kurz angespielt wird, bevor TWISTED TOWER DIRE die Bühne verlassen. Schade, dass es diesen großartigen Song nicht mehr gab, und noch mehr schade, dass TWISTED TOWER DIRE doch ziemlich enttäuscht haben. Für den mäßigen Sound können sie ja nichts, aber auch sonst konnten sie nicht wirklich überzeugen. Ob es nur am Fehlen von Tony lag - ich weiß es nicht ...
[Martin Schaich]

Setlist:
When The Daylight Fades
By My Hand
Transfixed
At Night
The Isle Of Hydra
Axes & Honor
Final Stand
Starshine
Guardian Bloodline

DEFENDER:
Nach der etwas verhinderten Epik TTDs ist nun wieder Gute-Laune-Metal aus den Niederlanden angesagt: DEFENDER um Front-Urgestein und Amp-Kletterer Simon Menting sind mit etlichen schönen Hymnen wie vor allem dem Klassiker 'City Ad Mortis' von der gleichnamigen EP und der Mitsing-Hymne 'Deadly Peril' am Start und präsentieren sich vor allem als Band, der man den Spaß am Spielen zu jeder Sekunde anmerkt. Um diverse Gastmusiker verstärkt, geben sich die Holländer in bester Spiellaune, besonders Count August von GODDESS OF DESIRE und der Sänger höchstselbst sind super drauf. Leider vermiest mir der Sound von meiner Position aus aber auch etwas den Spaß. Wenn ich nicht ohnehin im Vorfeld schon fest damit gerechnet hätte, dass Cover von 'Metal Church' und 'Alison Hell' kommen würden, dann hätte ich die wohl erst beim Refrain erkannt, aber sei's drum: Vielleicht brauche ich einfach endlich bessere Ohrenstöpsel. Trotz der klanglichen Untiefen verbreiten weitere eingängige Stücke wie das schnelle 'Shooting The Rapids' oder die finale Bandhymne jederzeit gute Stimmung, und darauf kommt's doch letztendlich an.
[Rüdiger Stehle]

PILEDRIVER:
Die Reihen hatten sich doch erheblich gefüllt, als The Exalted PILEDRIVER um kurz nach 16:00 Uhr die Bude rockten. Sänger Gord Kirchin (alias the Pile Driver) stieg in seinem aus den 80ern bekannten Lederoutfit mit Maske und Metallstacheln auf der Birne auf die Bühne. Ästhetisch sah das ganze gewiss nicht aus, denn die Speckringe des beleibten Sängers drückten sich ganz schön zwischen den Lederriemen durch. Ein durchaus kurioser und ungewöhnlicher Anblick, der natürlich auch teilweise die gut gefüllten Reihen des Publikums erklärt. Die Begleitmusiker des Pile Drivers mit den Pseudonymen Lobo Elf Schnort (Bass), Kinky Pork Cream (Gitarre) und Glace Frothfritter (Schlagzeug) erwiesen sich zum Glück nicht nur körperlich als Schwergewichte, sondern auch als gute Musiker, die allerdings in ultrabilligen Outfits steckten (Totenkopfmasken, zerlumpte Klamotten).
Die Kanadier schroteten mit 'Pile Driver', gefolgt von 'The Fire God' vom zweiten Album "Stay Ugly" los. Mit dem sehr aggressiven und rau intonierten 'Blood Bath' gab es dann auch einen neuen Track, der Lust auf das neue Studioalbum "Metal Manifesto" machte. Gord Kirchin war gut bei Stimme und klingt heutzutage rauer und kraftvoller als auf den beiden mittlerweile über zwanzig Jahre alten Studionalben (vielleicht auch wegen der Leibesfülle?). Dass er auch dem deutschen Gerstensaft wohlgesonnen ist, zeigt folgendes Zitat, das er ins Publikum schmetterte: "I’ve been here for six days, and I never drank so much beer in all my life!". Mit dem langsamen, groovigen 'Witch Hunt' (das zu meinen All-Time-Classics zählt) folgte ein weiteres Highlight. Qualitativ keinen Deut schlechter als altes Material klang der stampfende Titeltrack 'Metal Manifesto', der vom einen oder anderen Zuschauer mitgebrüllt wurde. Gerade bei diesem Track kam die pumpende, sehr wuchtige Arbeit am Viersaiter von Lobo Elf Schnort zum Vorschein. Groovte wie Hölle! Das textlich satirisch anmutende 'Sex With Satan' (wurde übrigens sogar mal von MARDUK gecovert) wurde ebenso kompromisslos in die hungrige Meute geballert wie 'Executioner'. Zum Ausklang eines coolen Auftritts zockte das Quartett natürlich 'Metal Inquisition', das lauthals vom Publikum mitgegrölt wurde. Die Band wurde mit ordentlich Applaus verabschiedet. PILEDRIVER zählten für mich zu den Highlights des KIT und ich hoffe inständig, dass das kommende Studioalbum "Metal Manifesto" endlich veröffentlicht wird. Denn die zugehörigen Demos (sechs Lieder an der Zahl) sind schon seit Ende 2005 unter folgender Adresse zu hören: http://www.sofa-q.com/demos.html . An alle Plattenfirmen: Macht diesem Urviech ein faires Angebot für einen Plattendeal, damit Gord Kirchin endlich wieder dreckigen Metal unters Volk bringen kann! In diesem Sinne: "...and if you’re not a metalhead, you might as well be dead!"
[Martin Loga]

Setlist:
Piledriver
The Fire God
Blood Bath
Human Sacrifice
Sex With Satan
Witch Hunt
Metal Manifesto
Executioner
Metal Inquisition

DESTRUCTOR:
Dank der kurzfristigen Absage von ARTILLERY kam ich am Hauptkampftag des KIT nochmals in den Genuss einer DESTRUCTOR-Show. Schnief! Obwohl DESTRUCTOR am Warm-up killten - wie gerne hätte ich die Dänen ARTILLERY gesehen! Anyway, die US-Power-Thrasher DESTRUCTOR dürften für alle, die die Warm-up-Show nicht sahen, wenigstens ein in etwa gleichwertiger Ersatz gewesen sein. Dave Overkill (Gitarre/Gesang) und Co. legten wie am Vortag mit den Knallern 'Blackest Night' und 'Storm Of Steel' los. Mit 'World Of War' folgte dann ein neuer, teilweise recht verspielter und dennoch harter Track, der auf dem kommenden Studioalbum "Forever In Leather" zu finden sein wird. 'World Of War' wurde ziemlich positiv vom Publikum aufgenommen. Insgesamt konnten DESTRUCTOR trotz starker Titel wie 'Iron Curtain' oder 'Maximum Destruction' im Gepäck leider nicht den Stimmungspegel der zuvor spielenden PILEDRIVER erreichen. Die Reihen der Zuschauer hatten sich beim DESTRUCTOR-Auftritt leider merklich gelichtet und das Publikum ging nicht so frenetisch wie beim Warm-Up-Gig ab, bei dem die Band Headliner war. Spielerisch wirkten DESTRUCTOR durchaus motiviert und hungrig, hatten aber allerdings einige (wenige) Spielfehler zu verbuchen. Am Vortag klangen die Band irgendwie kompromissloser. Anyways, die Herren aus Cleveland, Ohio, beendeten mit einer dann doch sehr brutalen Version von 'Overdose', für die sich Bassist Jamie Boulder eine andere Bassgitarre geschnappt hatte. Unter den stampfenden Klängen des Schlagzeugs von Matt Flammable wollte er die Viersaitige zu Kleinholz zerlegen und knallte das Ding mit ordentlich Schmackes auf den Bühnenboden. Nach etlichen Versuchen (der Korpus war wahrscheinlich aus besonders hartem Material, vielleicht deutsche Eiche?) hatte er seinen Bass dann doch zerlegt. Fazit: DESTRUCTOR waren nicht ganz so stark wie bei der Warm-Up-Show, aber dennoch mehr als sehenswert.
[Martin Loga]

Setlist:
Blackest Night
Storm Of Steel
Instrumental (von "Maximum Destruction")
Maximum Destruction
Pounding Evil
Iron Curtain
Sonic Bullet
Overdose

LETHAL:
Auf LETHAL habe ich mich ganz besonders gefreut, und scheinbar mit mir noch ganz viele andere Leute. Denn vor der Bühne wird es auf einmal richtig voll, und alle warten gespannt, wie sich die inzwischen ja auch nicht mehr ganz jungen Herren präsentieren würden. Und vor allem eine Frage ist es, die wohl nicht nur ich mir stelle: Wie gut wird Sänger Tom Malicoat bei Stimme sein, und wie wird er vor allem die "Programmed"-Sachen nach so vielen Jahren hinkriegen? Zunächst sorgt Tom aber nicht durch seinen Gesang für Aufmerksamkeit, sondern eher durch sein Auftreten, das sämtlichen Fans ein breites Grinsen auf das Gesicht zaubert: Tom sieht nämlich aus, als ob er bis kurz vor dem Auftritt noch in seinem Liegestuhl gelegen hätte - mit kurzer Turnhose, Longsleeve und Cowboyhut. Doch das äußere Erscheinungsbild spiegelt keineswegs seine gesangliche Leistung wieder, denn diese kann eigentlich nur mit "großartig" oder "göttlich" umschrieben werden. Leider haben auch LETHAL mit einigen Soundproblemen zu kämpfen, so dass vor allem der Gesang ein wenig untergeht, aber auch die Gitarren sind erst in der zweiten Hälfte des Auftritts wirklich gut auseinanderzuhalten (warum müssen denn ausgerechnet die filigraneren Bands immer darunter leiden?). Dass der Sound vor allem zu Beginn eher suboptimal ist, ist bei diesem Auftritt aber absolut zweitrangig, da die fünf US-Amerikaner das Publikum von Beginn an mit ihrem progressiven US-Metal in ihren Bann ziehen. Los geht es mit den beiden ersten Stücken vom "Programmed"-Album, nämlich 'Fire In Your Skin' und dem Titelsong, die sogleich begeistert aufgenommen werden. Überhaupt steht natürlich das erste Album der Band im Vordergrund, und nur sporadisch streuen LETHAL einen Song vom zweiten Album "Poison Seed" ('Down') und zwei Stücke von der "Your Favourite God"-EP ('Swim Or Drown', 'Balancing Act') ein. Diese kommen zwar auch sehr gut an, aber richtig abgefeiert werden vor allem so grandiose Stücke wie 'What They've Done', 'Obscure The Sky' oder 'Immune' - wer bei letzterem keine Gänsehaut hatte, sollte wohl mal dringend einen Arzt aufsuchen! Wie bereits gesagt: Sänger Tom präsentiert sich in absoluter Höchstform, aber auch seine Bandkollegen machen deutlich, dass sie überhaupt nichts verlernt haben - sowohl in technischer Hinsicht als auch im Zusammenspiel, man könnte fast meinen, diese Band wäre über all die Jahre zusammen gewesen. Dass man bei einem solchen Auftritt ziemlich schnell alles um sich herum vergisst, ist naheliegend, und so bekommt man auch gar nicht mit, wie die Zeit vergeht. Ruckzuck ist nämlich die Stunde um, die LETHAL zur Verfügung gestellt wurde, und sie kommen mit dem gefühlvollen 'Pray For Me' sowie dem treibenden 'Killing Machine' zum Ende ihres wirklich großartigen Auftritts. Ein wahres Highlight dieses KEEP IT TRUEs, an das ich mich noch lange erinnern werde!
[Martin Schaich]

Setlist:
Fire In Your Skin
Programmed
Swim Or Drown
What They've Done
Down
Obscure The Sky
Balancing Act
Immune
Pray For Me
Killing Machine

SABBAT:
Ohne Worte. Ohne Worte? Nein, doch nicht: Obwohl ich den ganzen Tag über schon ziemlich vom Stress der Arbeitswoche und - mehr noch - der Vereinswoche gezeichnet herum gehangen bin, schaffen es die reformierten englischen Heiden zu fortgeschrittener Zeit dann doch tatsächlich noch, mich richtig wachzurütteln und aus dem stillen Bewunderer einen richtigen Headbanger zu machen. Der Gig von Martin "ich bin der Martin, ne" Walkyier und Co. ist absolut überragend. Der Sound im vergleich zu einigen früheren Bands sehr gut und musikalisch brennt natürlich absolut gar nichts an, wenn die Herren Sneap, Jones, Craske und Negus die Bühne teilen. Besonders Bassmonster Fraser Craske ist dazu auch showtechnisch und optisch ein echter Augenfang. Und Mann, was bin ich happy, dass ich den guten Martin doch noch mal auf einer Bühne sehen darf, nachdem es ja doch eine ganze Weile so aussah als würde er völlig aus der Szene aussteigen. An Ausstrahlung und Bühnenpräsenz ist der Mann echt kaum zu überbieten und in einer Liga mit den größten Metalperformern überhaupt anzusiedeln. Seine - meist deutschen - Ansagen haben nichts vom Charisma früherer SKYCLAD-Zeiten verloren, auch wenn er ziemlich oft drauf hinweist, dass man doch die Rereleases kaufen soll. Die Setlist setzt sich aus den Klassikern der ersten beiden Alben "History Of A Time To Come" und "Dreamweaver" zusammen und lässt keine Wünsche offen, wobei mich vor allem 'Behind The Crooked Cross', 'Do Dark Horses...' und 'The Best Of Enemies' am meisten mitreißen. Insgesamt ein toller Auftritt und für mich definitiv das Highlight des Tages. Hoffentlich kommt da noch irgendwann was nach.
[Rüdiger Stehle]

DIAMOND HEAD:
Ich war zwar nie ein richtig großer Fan der Band, doch die wesentlichen Klassiker find natürlich auch ich ziemlich spitze, und gegen ein bisschen entspanntere Musik zwischendurch hab ich selbst beim KIT nichts einzuwenden. Doch hier im Billing ist die legendäre Truppe in letzter Konsequenz wohl doch zu sehr "nur" Rock, um die Stimmung nach SABBAT wirklich hoch halten zu können. So ist es in der Halle um einiges leerer und ruhiger, als die alten Engländer mit dem jungen Frontmann Nick Tart die Bretter besteigen. Das liegt natürlich absolut nicht an der Klasse der Band, sondern eben am Rahmen des Festivals und den Präferenzen großer Teile des Publikums. Der neue Sänger ist gesanglich super und macht seine Sache absolut klasse, wobei sein Auftreten eher nach Chippendales als nach alter britischer Rockschule aussieht, doch egal: Die Leadgitarre von Brian Tatler ist schön fließend, melodisch und in jeder Hinsicht topp - wie könnte es auch anders sein? Die Band ist super professionell drauf, ohne wie letztens RIOT den Superstar raushängen zu lassen, und die Klassiker sind eben Klassiker und bleiben Klassiker. Die Songauswahl ist geschickt getroffen, wechseln sich zu Anfang doch Klassiker ('The Prince', 'Borrowed Time') und neueres Material schön gefällig ab. Gegen Ende kommt dann natürlich der geballte Klassikerreigen mit 'Helpless', 'It's Electric' und 'Am I Evil?'. So ist der Gig zwar in diesem Rahmen keine Stimmungsgranate, aber sehr wohl der Beweis, dass mit DIAMOND HEAD noch immer zu rechnen ist.
[Rüdiger Stehle]

LÄÄZ ROCKIT:
Nach der New Wave of British Heavy Metal gibt es zum Abschluss des KEEP IT TRUE VIII noch eine gehörige Dosis Bay Area Thrash auf die Ohren, verabreicht durch LÄÄZ ROCKIT. LÄÄZ ROCKIT? Ja, auch sie konnten sich dem Reunion-Sog der letzten Jahre nicht entziehen, und wie bei vielen ihrer Weggefährten aus den Achtziger Jahren stellt sich die Frage: Macht diese Wiedervereinigung Sinn, oder macht sie keinen Sinn? Und nach dem Auftritt beim KEEP IT TRUE dürften sich wohl alle einig sein: Selbst wenn man von LÄÄZ ROCKIT in Zukunft nichts mehr hören sollte - dieser Gig allein war die Reunion wert!
Los geht es mit einer ganz knappen Ansage und einem etwas längeren Instrumentalstück (wer braucht schon ein Intro vom Band?), das sogleich deutlich macht, welche Energie hier in den nächsten 75 Minuten freigesetzt wird. Der erste "richtige" Song ist dann aber 'Forced To Fight' vom Debütalbum "City's Gonna Burn", und vor der Bühne geht es auch sofort ordentlich zur Sache. Es wird gnadenlos gebangt und gemosht, und wirklich jeder hat richtig Spaß an LÄÄZ ROCKIT. Ohne große Umschweife geht es direkt mit 'Bad Blood' vom "Annihilation Principle"-Output weiter, bevor sich Sänger Michael Coons ein erstes Mal ans Publikum wendet. Er macht sich dabei auch ein wenig über die Leute auf der Tribüne lustig, die ja so weit vom Geschehen weg wären. Aber wie heißt es so schön: Wer nicht will, der hat schon. Anschließend kommt das "Know Your Enemy"-Album in Form von 'Shot To Hell' zum Zug, gefolgt von der "City's Gonna Burn"-Nummer 'Prelude', doch eigentlich ist es ganz egal, was LÄÄZ ROCKIT spielen - vor der Bühne herrscht absoluter Ausnahmezustand. Ganz unschuldig ist die Band da aber auch nicht, denn Michael ist ein wirklicher Aktivposten, und wie Bassist Willie Lange über die Bühne fegt, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Dieser Kerl ist im positiven Sinne ein Verrückter, der mit seiner Art das Publikum mitreißt. Nach einer kurzen Ansprache von Michael, in der er über das Alter und die viel zu schnell vergehende Zeit philosophiert - ja, die Jüngsten sind LÄÄZ ROCKIT schließlich auch nimmer -, gibt es zwei Stücke von "Annihilation Principle", nämlich 'Chasin' Charlie' und 'Mirror To Madness'. Auf Dauer hält es Michael auch nicht auf der Bühne, und so verschwindet er zwischenzeitlich im Bühnengraben, um noch näher bei den Fans zu sein. Außerdem kommt er dort auch Willie nicht in die Quere, denn auf der Bühne haben sich ihre beiden Aktionskreise doch immer wieder geschnitten. Nach 'Say Goodbye' gibt es dann mit 'Leave' sogar einen Nicht-LÄÄZ ROCKIT-Song - diese Nummer stammt nämlich aus der Post-LR-Zeit, als Michael und Gitarrist Aaron Jellum bei GACK zusammen spielten. Nach diesem Stück holt Michael dann erstmal einen jungen Mann aus dem Publikum auf die Bühne, der zuvor schon immer wieder durch sein Gekreische aufgefallen war. Bei 'Last Breath' darf er dann sogar die zweite Stimme übernehmen, was ihn noch zusätzlich motiviert, und so muss er danach mit Hilfe von Securities von der Bühne geschafft werden. Danach kann es wieder regulär weitergehen, und zwar mit der eher ruhigen Nummer 'Spared From The Fire', bevor mit 'Fire In The Hole' und 'Euroshima' wieder richtig Gas gegeben wird. Vor der Bühne bildet sich auch gleich wieder ein ordentlicher Moshpit, und auch sonst werden LÄÄZ ROCKIT lautstark abgefeiert. Da ist es umso bedauerlicher, dass die Spielzeit der Band auch schon fast abgelaufen ist und Michael bereits den letzten Song ankündigt. Da er aber ein "alter Mann" ist, fragt er sicherheitshalber beim Publikum nach, welcher Song das wohl wäre, und wie aus einem Mund ertönt es da natürlich: 'City's Gonna Burn'. Dass jetzt noch nicht endgültig Schluss ist, versteht sich ja fast von selbst, und so kommen LÄÄZ ROCKIT den lautstarken Rufen nach einer Zugabe nach und spielen schließlich noch 'Leatherface'. Wirklich genug haben die Fans vor der Bühne zwar immer noch nicht, aber mehr gibt es an diesem Abend trotzdem nicht mehr. Gegen 'Take No Prisoners', 'Backbreaker' oder 'Mob Justice' hätte sicherlich niemand etwas gehabt, aber auch so war dieser Auftritt ganz große Klasse - so etwas energiegeladenes sieht man schließlich nicht alle Tage. Daumen hoch für LÄÄZ ROCKIT!
[Martin Schaich]

Setlist:
Forced To Fight
Bad Blood
Shot To Hell
Prelude
Chasin' Charlie
Mirror To Madness
Say Goodbye
Leave
Last Breath
Spared From The Fire
Fire In The Hole
Euroshima
City's Gonna Burn
---
Leatherface

Als Fazit bleibt meines Erachtens, dass musikalisch für jeden Anwesenden wieder mal einige Träume in Erfüllung gegangen sein dürften. Das Billing war erstklassig, die Auftritte allesamt sehr würdig und auch die Atmosphäre urig und spitze wie immer. Kritikpunkte bleiben für mich die lange Schlange an der Essensausgabe und das immer noch fehlende Rauchverbot in der Halle, doch ansonsten kann ich nicht klagen. Was meinen die Kollegen?
[Rüdiger Stehle]

Nun, an sich kann man auch die 8. Auflage des KEEP IT TRUEs wieder nur in den höchsten Tönen loben. Die Bands waren nahezu ausnahmslos gut bis sehr gut, wobei ich hier noch einmal die grandiosen Auftritte von LÄÄZ ROCKIT und vor allem LETHAL besonders hervorheben möchte. Dass man deshalb den ganzen Tag nicht wirklich zum Ausruhen kommt, ist da natürlich die Kehrseite der Medaille - vielleicht sollten Oliver und Tarek doch mal eine maximal durchschnittliche Band für Zwischendurch engagieren? ;-)
Positiv anmerken möchte ich an dieser Stelle, dass es dieses Mal eine Band weniger war, so dass das Festival kurz nach Mitternacht bereits beendet war - was Leuten, die nicht in Lauda-Königshofen und Umgebung nächtigen wollen, natürlich entgegenkommt. Ansonsten gibt es auch in punkto Organisation kaum etwas zu kritisieren: An der Essensausgabe hätte es in der Tat etwas schneller gehen können, aber dafür hat man den Bierausschank inzwischen ganz gut im Griff, und der ist bei einem Festival doch noch etwas wichtiger. Das von Rüdiger bereits angesprochene Rauchverbot ist aus Sicht eines Nichtrauchers natürlich wünschenswert, aber wohl noch nicht realistisch - gerade, wenn man sich den Raucheranteil bei solchen Veranstaltungen anschaut. Aber warten wir doch einfach mal, was sich in dieser Richtung noch tut ...
Zusammenfassend lässt sich also sagen: Es war wie immer "absolut goil", und ich freue mich schon sehr auf das KEEP IT TRUE IX - TOXIK, yeah - und vor allem KEEP IT TRUE X!
[Martin Schaich]

Nach meinem Erachten war das mittlerweile achte KEEP IT TRUE-Festival (inklusive der Warm-Up-Show) ein absoluter Volltreffer! Bei der Warm-up-Show räumten DESTRUCTOR ordentlich ab und wurden ihrem Headlinerstatus gerecht. Alle Bands am Haupttag überzeugten, manche waren sogar regelrecht Weltklasse. Gerade LÄÄZ ROCKIT haben einen denkwürdigen Auftritt aufs Parkett gelegt, den in dieser Form wohl nur sehr wenige Festivalbesucher erwartet haben. Die Band klang derart hungrig, dass es ein Jammer ist, dass sie kein neues Studioalbum mehr aufnehmen möchte. Was das Publikum anbetrifft, so fiel auf, dass das KEEP IT TRUE mittlerweile sehr viele Besucher, insbesondere aus den EU-Ländern, aber auch aus Übersee, anzieht und sich somit als ausgesprochen bekanntes und beliebtes Festival in Europa mehr als etabliert hat. Nach dem Motto: klein aber fein! Des Weiteren werte ich es als sehr positiv, dass Veranstalter Oliver Weinsheimer immer wieder betont, dass die Zahl der verkauften Tickets bei zukünftigen KEEP IT TRUE Festivals voraussichtlich nicht erhöht werden wird. Gerade die überschaubare Zahl der Besucher in Zusammenschau mit der Wahl außergewöhnlicher und selten zu bewundernder Bands in Deutschland machen den Reiz dieses Festivals aus. Ein Dankeschön geht an Oliver Weinsheimer & Tarek Maghary für ein geiles, friedliches Festival, das nicht nur den POWERMETAL.de-Schreiberlingen tierischen Spaß bereitet hat. See you at KEEP IT TRUE Part IX!
[Martin Loga]

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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