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Knock-Out Festival - Karlsruhe

28.01.2010 | 21:50

12.12.2009, Europahalle

Wer hätte das gedacht? U.D.O. als Publikumsfavorit beim Knock Out Festival in der gut besuchten Europahalle.

Am 12.12.2009 fand eine neue Auflage des Knock Out Festivals in der Europahalle im badischen Karlsruhe statt. Auf über 4.500 Metalheads warteten mit PUSSY SISSTER, RAGE, PINK CREAM 69, EDGUY, HAMMERFALL sowie U.D.O. ein tolles Billing, bei dem Fans melodischen Metals ganz auf ihre Kosten gekommen sein sollten.

Mindestens 20 Minuten vor Konzertbeginn stehe ich ernüchtert am Ende einer etwa 30 Meter langen Schlange am Presseeinlass. Die Konzertbesucher in der Reihe parallel neben mir hat es noch viel schlimmer erwischt. Auf mindestens 70 Metern Länge(!) schlottern die Konzertbesucher bei frostigen Temperaturen um die Wette und die Schlange von Leuten wird immer länger.


Bei Minusgraden stehe ich mir die Beine in den Bauch und als ich dann endlich in die Halle gelange, da ist der Auftritt der PUSSY SISSTER aus Waghäusel bei Karlsruhe im wahrsten Sinne des Wortes auch schon fast über die Bühne gegangen. Die Poser-/Hardrocker sind aus dem Privatfernsehen bestens bekannt, wo sie die Vereinigten Staaten im Doku-Soap-Format unsicher machen. Die letzten beiden Stücke der Rocker - 'City Of Angels' und 'Vampires Of Death' bekomme ich dann noch zu hören. Aber musikalisch ist das, was die Band zu bieten hat, auf jeden Fall zweitklassig, denn es fehlt an krachigen Momenten. Handzahm und mit deutlicher Pop-Attitüde verstehen sich die Badener zwar vortrefflich aufs Posen, doch die Songs bleiben qualitativ zurück. Und daher muss man eben optisch für Aufmerksamkeit sorgen. Auch wenn es billig rüberkommt, wenn eine verrucht gestylte Tänzerin in Strapsen mit Federboa um die Schultern dem Frontmann der Truppe den Oberkörper abschleckt. Nach meinen Eindruck eine Darbietung, die man nicht gesehen haben muss.


Setlist PUSSY SISTER:

Today
Hold Us Down
Way To Nowhere
Back Again
City Of Angels
Vampires Of Death




Wesentlich erbaulicher fällt die Performance der Metal-Urgesteine RAGE aus, denen leider nur eine dreiviertel Stunde Spielzeit eingeräumt wird und die wahrhaft eine bessere Platzierung im Billing verdient gehabt hätten. Eine neue Platte namens "Strings To A Web" (Veröffentlichung am 05.02.2010) haben sie in der Pipeline, die unermüdlichen Arbeiter. Einen Vorgeschmack auf die kommende Scheibe geben RAGE heute nicht, dafür bieten sie heute Nachmittag eine spielerisch absolut sehenswerte Show mit zwei Stücken vom "Soundchaser"-Album, dem vom Publikum lautstark mitgesungenen 'Black In Mind' und einigen weiteren Stücken. Eine Ohrenweide ist wieder einmal die brillante Gitarrenarbeit von Victor Smolski, der einfach ein begnadeter Virtuose an seinem Instrument ist. Mit dem allseits beliebten Track 'Straight To Hell', der vom Publikum fleißig beklatscht wird, endet der Auftritt von RAGE leider auch schon.


Setlist RAGE:

All I Want
Paint The Devil
Set This World
War Of Worlds
Black In Mind
Carved In Stone
Soundchaser
Straight To Hell



PINK CREAM 69 sorgen in der folgenden dreiviertel Stunde für eine mitreißende Show mit einem  prima aufgelegten Frontmann. David Readman scherzt mit dem Publikum - zwischendrin sogar auf Deutsch - und seine Mitstreiter präsentieren sich  spielerisch von ihrer besten Seite.  Besonders das klasse umgesetzte 'No Way Out' sorgt für gute Publikumsreaktionen; ebenso wie der Einwurf von David Readman "So...scheißkalt is draußen, aber hier is geil!". Schade ist heute Abend nur ,dass die fantastische Ballade 'Where The Eagle Learns To Fly' leider nicht angestimmt wird. Aber man kann nicht alles haben... Fakt ist jedenfalls, dass PINK CREAM das Publikum ganz auf ihrer Seite haben und einen Gig abliefern, der sich mehr als sehen lassen kann.


Setlist PINK CREAM 69:

Ine Step Into Paradise
Do You Like It Like That
Lost In Illusion
Talk To The Moon
No Way Out
Welcome The Night
Seas Of Madness
Shame
Twisted


Wer hätte das gedacht, dass U.D.O. mit ihrer aktuellen Langrille "Dominator" nochmals derart durchstarten würden? Udo Dirkschneider und seine Truppe sicherten sich Platz eins in unserem August-Soundcheck und auch auf dem Bang Your Head 2009 sorgten U.D.O. für hell strahlende Gesichter, wohin das Auge blickte.

Entgegen meiner Einschätzung, dass EDGUY und HAMMERFALL heute Abend die besten Publikumsreaktionen einfahren werden, sind die Haudegen von U.D.O. heute  die heimlichen Gewinner. Der Sound drückt mächtig auf die Lauscher - klar und druckvoll. Mit dem dritten Stück graben U.D.O. eine echte Überraschung aus. Das knochentrocken rockende 'I Don't Wanna Be Like' vom 93er ACCEPT-Album "Objection Overruled" wird von vielen mitgesungen und prima von der Band umgesetzt.  Doch es kommt noch viel besser, denn bei 'Princess Of The Dawn' singt tatsächlich die ganze Halle aus voller Kehle mit und ein Gänsehaut-Schauer jagt den nächsten. Grandios! Der Stampfer 'Man And Machine' sowie das mich an meine frühesten Jugendtage erinnernde 'Animal House' (Yeah!) halten die Banger in der Europahalle mühelos in euphorischer Stimmung und als dann die ganz großen ACCEPT-Klassiker 'Metal Heart' und das frenetisch mitgesungene 'Balls To The Wall' erklingen, steht die Halle im wahrsten Sinne des Wortes Kopf. Ohne Wenn und Aber der intensivste und überzeugendste Auftritt auf dem diesjährigen Knock Out!

 

Setlist U.D.O.:

The Bogeyman
Dominator
I Don't Wanna Be Like You
Mastercutor
Vendetta
Princess Of The Dawn
Man And Machine
Animal House
Metal Heart
Balls To The Wall


Es ist keine leichte Aufgabe für Tobi Sammet und Co, einen derart umjubelten Auftritt der Metal-Altmeister U.D.O. noch in Sachen Performance und Stimmung toppen zu können. Das gelingt EDGUY heute Abend - trotz einer spielerisch tadellosen Darbietung - nicht. Routiniert, aber ohne das gewisse Etwas kommen die Stücke der aus Fulda stammenden Band heute Abend für mich rüber. Die Setlist ist sehr auf neuere Alben der Band zugeschniten. Schade ist vor allem, dass nicht ein einziges Stück der starken 'Theater Of Salvation"-Scheibe im Set auftaucht. Ansonsten wird das nicht unbedingt spannende, fast sieben Minuten dauernde Schlagzeugsolo von Felix Bohnke zu sehr ausgebreitet, was der Stimmung des Publikums nicht unbedingt zuträglich ist und mindestens Spielzeit für ein weiteres Stück kostet. Die "...Pussy-Ballade..." (O-Ton Tobi Sammet) 'Superheroes' wird hingegen wieder gut vom Publikum abgefeiert, ehe das Finale mit 'Mysteria' naht. Doch die Fans verlangen nach mehr. Und mit dem Band-Oldie 'Vain Glory Opera' sowie dem starken 'King Of Fools' im Zugabenteil schließen EDGUY einen insgesamt gelungenen Auftritt.

Setlist EDGUY:

Intro
Dead Or Rock
Speedhoven
Fucking With Fire
Lavatory Lovemachine
Tears Of A Mandrake
The Piper Never Dies
Ministry Of Saints
Drum Solo
Superheroes
Save Me
Mysteria
---
Vain Glory Opera
King Of Fools

 

So...gegen 23:45 Uhr dürften die schwedischen Hammerschwinger von HAMMERFALL ihrer Headliner-Positition gerecht werden. Mit ihrem aktuellen Scheibchen "No Sacrifice, No Victory" brachten die Schweden Anfang 2009 ein ganz passables Album heraus, obgleich die großen Momente der ersten beiden Alben der Band unerreicht bleiben.


Wenn man sich in der Halle umsieht, so wirkt das Publikum teilweise schon ganz schön erschöpft. Mit dem ACCEPT-artigen Opener 'Punished And Enslaved' vom aktuellen Album und dem fluffigen 'Renegade' starten Joacim Cans und sein Gefolge geglückt in den Set ein. Mit 'Hallowed Be Thy Name' und 'Last Man Standing'  und dem stark umgesetzten 'Heeding The Call' geht es kurzweilig weiter, bevor es Zeit ist, um ein wenig inne zu halten. Die ruhige Ballade 'Home Of The Brave' ruft die Feuerzeuge-Schwenker auf den Plan und dürfte dieser emotinale, sehr ergreifende Track dürfte sicherlich nicht nur beim Rezensenten dieser Zeilen für Gänsehaut gesorgt haben. Kurz nach Ende des Titels kommt plötzlich ganz schön Sand ins Getriebe. Denn der Gig wird für mindestens sechs oder sieben Minuten unterbrochen. Pyros hätten ab dem Beginn der Show gezündet werden sollen, doch keiner davon detonierte. Minuten vergehen und einige Besucher scheinen schon jetzt den Nachhauseweg anzutreten, denn die Halle scheint sich ein wenig zu leeren. Als die Show fortgesetzt wird, kommt allerdings nicht mehr so richtig Stimmung auf, obwohl HAMMERFALL alles geben. 'Hearts On Fire' sowie das kultige 'Let The Hammer Fall' markieren letzte Höhepunkte der Show, ehe gegen ein Uhr nachts Finito angesagt ist und ein toller Konzerttag gelungen ausklingt.

Fazit: Die 2009er-Auflage des Knock-Out bot ein attraktives Billing, das die Erwartungen der meisten Besucher erfüllt hat - zumal besonders U.D.O. fulminant zugeschlagen haben und auch RAGE sowie PINK CREAM 69 eine mehr als überzeugende Show boten. Der Sound in der Europahalle war übrigens durchgehend prima. Ohne jede Aussetzer. Die gab es allerdings vereinzelt beim Getränkeausschank. Wenn man als Sechster in einer Reihe schlappe 20 Minuten warten muss, um ein Getränk kaufen zu können, dann kann man hier nur von suboptimalen Arbeitsabläufen sprechen.

Aber mit diesem Einwurf am Ende möchte ich meine Rezension nicht schließen, denn das Knock Out Festival hat großen Spaß gemacht! Wir sehen uns beim nächsten Mal!


Fotos:    Frank Hameister
Bericht:  Martin Loga


Redakteur:
Martin Loga

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