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Night Of Power - Giebelstadt

01.11.2005 | 02:30

15.10.2005, I-Park Halle Klingholz

Das Festival von Powermetal.de

Geburtstag, die Zweite. Nachdem die eigentlich als einmaliges Event geplante NIGHT OF POWER im letzten Jahr bei euch so einen großen Anklang gefunden hatte, sollte es auch in diesem Jahr wieder eine Ausgabe des POWERMETAL.de-Festivals geben. Neue Location, neues Glück: Aus Adelsheim hat es uns nach Giebelstadt bei Würzburg gezogen, wo die kuschelige Turnhalle des Innovationsparks Klingholz als Austragungsort diente. Dank des kleinen, aber sehr feinen Metalmarktes und der leckeren Bewirtung konnte man sich dort schnell heimisch fühlen - dafür sorgten natürlich in erster Linie die Bands. Leider konnten wir als auch die Besucher nicht in den erhofften Genuss von DISBELIEF und END OF GREEN kommen, aber die tollen Reaktionen auf die "Ersatzleute" von FLESHCRAWL und SACRIFICIUM zeigten, dass manchmal auch weniger mehr sein kann.

An dieser Stelle noch ein herzliches "Dankeschön!" an alle Besucher, Mitarbeiter, Helfer, Bands und Mitveranstalter, die auch diese NIGHT OF POWER wieder zu einem tollen Event gemacht haben.
[Rouven Dorn]


FIREREIGN

Die Rolle des Openers kommt dieses Jahr FIREREIGN zu, und obwohl die Halle zu diesem Zeitpunkt noch sehr spärlich gefüllt ist, lassen sich die fünf Esslinger nicht lumpen und spielen einen energiereichen und motivierten Gig mit viel Bewegung, bedanken sich für das "zahlreiche Erscheinen" und sind auch sonst zu allerlei Späßchen aufgelegt. Sänger Christian Schäfer beherrscht nicht nur das Metalposing der sympathischen Art perfekt, sondern er versteht es auch, das Publikum mit ploppenden Bierflaschen aus dem Pausenschläfchen zu reißen und so ganz nebenbei singt er auch noch verdammt gut und abwechslungsreich. Auch die Band präsentiert sich in guter Form: Egal ob flott wie beim Opener 'Speed Junkie's Heaven' oder hymnisch wie bei 'Behind The Light', die Publikumsreaktionen sind bei allen Songs wohlwollend, wobei das mit einem sehr eingängigen Refrain versehene 'Riding With The Clouds' am besten ankommt und sogar für ein paar Mitsingversuche sorgt. Dazu gibt es noch ein paar härtere Nummern wie 'Crush It' und kurz vor Schluss die neue Bandhymne 'Firereign', die schön zwischen schnelleren und episch-cleanen Parts wechselt. So erlebt das Festival einen schönen Einstieg mit einer vielversprechenden jungen Band, die hoffentlich bald einen Tonträger vorlegen wird.

Setliste:
Speed Junkie's Heaven
Riding With The Clouds
Crush It
Behind The Light
Firereign
Army Of Death

[Rüdiger Stehle]


KARKADAN

Nach dem überaus gelungenen Gig von FIREREIGN (die Jungs entpuppten sich das gesamte Festival über noch als absolute Gute-Laune-Truppe, mit der man viel Spaß haben konnte), bleiben wir zwar im Schwabenländle, wechseln aber den stilistischen Kurs ein wenig: KARKADAN, die Truppe um SCR-Labelchef Robby Beyer, eröffnet den Reigen für all jene, die es gerne etwas härter haben.
Dabei gibt es fast ausschließtlich Material vom superben Zweitling "Utmost Schizophrenia" auf die Lauscher, und das stets heftige, aber verdammt abwechslungsreiche Material kommt sehr gut an. "Hätteste ja mal sagen können, dass die so gut sind!" höre ich heute nicht nur einmal. Aber kein Wunder: wer düstermetallische Perlen wie 'Passing Away', 'On Your Knees' oder 'Sea Of Bitterness' sein Eigen nennt, der kann eigentlich nur noch gewinnen - selbst wenn die zweite Klampfe teils leider etwas arg leise durch die P.A. gerauscht kommt. Ein dickes Grinsen zaubern die Spätzlemeuchler dann zum Abschluss auf die Gesichter der Besucher, als es eine deftige Version von MEGADETHs 'Symphony Of Destruction' hagelt. Klasse!

Setliste:
Frenetic Visions
Passing Away
On Your Knees
Ancient Times
Sea Of Bitterness
Symphony Of Destruction

[Rouven Dorn]


BARRITUS

Früher Nachmittag, I-Park, Einöde jenseits der A3 Höhe Würzburg. Gerade haben Robbys KARKADAN geknüppelt. Gegenüber vom Backstage-Eingang wird eine Hochzeit gefeiert, und bis die ersten volltrunkenen Trauzeugen sich auf der falschen Party verirren, ist es noch lang hin. Also gemütlich an unseren Merch-Stand gepflanzt, ein "Wolf Spirit" in der Linken, ein Steakbrötchen in der Rechten. Und am anderen Ende der Halle BARRITUS begutachten. Nach einem mystischen Intro lässt die Sängerin die blonden Haare kreisen. Kollege Voigtländer neben mir gibt ihr gleich mal eine 6,5. Bis zu ARCH ENEMY braucht's zwar noch ein bisschen, aber es geht so in die Richtung, meine ich. Protest von links, während unsere Fotografin anmerkt, der Bass sei doch etwas arg aus dem Takt. Nunja, groovig ist's allemal. Sehr metalcore-lastig, wonach die Sängerin auch ihr Gebrüll richtet. Die Riffs klingen anfangs auch ganz gut - dumm nur, dass sie sich den Rest der Songs über nicht deutlich ändern. Zum Schluss knüppeln die Hamburger mit 'Reality' dann auch mal ordentlich nach vorn. Am frühen Nachmittag ganz okay, man muss ja erst mal munter werden und einen klaren Kopf bekommen. Merkt Stephan an. Und "hey, der Sänger ist 'ne Frau!" kritzelt er noch auf meinen Zettel. Blitzmerker. Ein anderer Kumpel schreibt auch noch was darunter: "Klassischer Fall von BKM." Betörend kurvenreiches Mädchen? Man rätselt...

[Carsten Praeg]


CIRCLE OF TYRANTS

Nach der obligatorischen Pause geht es mit einem klassischen Fall von "muss man gesehen haben" weiter, nämlich dem CIRCLE OF TYRANTS. Und das sag' ich nun nicht nur, weil der Mann hinterm Schlagzeug ebenfalls für POWERMETAL.de schreibt, sondern weil die Band um Front-"Sau" Holger live einfach zu überzeugen weiß. Mit 'Everyday' legen die Hessen auch gleich gut los, und Holger hüpft mit seinen roten Schuhen wie ein Wilder durch die Gegend. Diese ausgelassene Stimmung überträgt sich auch recht schnell auf die Fans vor der Bühne, und so werden Songs wie 'Virus', 'Deamonicus' oder 'For Those Allowed To Rot' (ja, ja, ja, we salute you! ;-)) begeistert aufgenommen. Da stört es auch nicht weiter, dass es bei 'Virus' ein kleines Mistverständnis gibt (ja, und zwar in Form eines kurzen Stromausfalls - Kollege Rouven), denn in ihrer lockeren Art überspielt die Band auch so eine Situation ohne Probleme. Holger lädt dann sogar auf die anwesenden Leute auf die Bühne ein ("scheißt auf die Absperrgitter"), doch die räumliche Trennung zwischen Fans und Band wird auch bei der recht brachialen, fast schon death-metallischen Nummer 'One By One' und der Band-"Hymne" 'Circle Of Tyrants' beibehalten. Der gesamte CIRCLE OF TYRANTS präsentiert sich in guter Verfassung, doch sein Meisterstück liefert Sänger Holger dann aber bei 'Promissum Diaboli' ab, indem er die besungene Austreibung sehr theatralisch darstellt. Die Zeit vergeht bei diesem äußerst kurzweiligen Auftritt viel zu schnell, so dass die Hessen mit 'Dance Of The Devil' auch schon zum Schluss kommen müssen. Die Leute vor der Bühne feiern auch diesen Song nochmal gnadenlos ab, dürfen sich anschließend allerdings keinerlei Hoffnung auf eine Zugabe machen. Schade eigentlich, denn dieser Band hätte man noch deutlich länger zuhören und auch -gucken können.

Setliste:
Everyday
Virus
Deamonicus
For Those Allowed To Rot
One By One
Circle Of Tyrants
Promissum Diaboli
Dance Of The Devil

[Martin Schaich]


RANDOM EYES

Nach einer kurzen Verschnaufpause, die nach dem energiegeladenen Auftritt von CIRCLE OF TYRANTS auch dringend nötig war, ging es dann internationaler weiter, denn es standen RANDOM EYES aus Finnland auf dem Programm. Ich hatte von verschiedenen Leuten schon viel Gutes über diese Band gehört, und so war ich wirklich neugierig, was mich da so erwarten würde. Los geht es - wie üblich - mit einem Intro vom Band, bevor die Band mit 'Where I Belong' in ihr eigentliches Set einsteigt. Geboten wird äußerst melodischer Metal, immer wieder auch mit gothischen Elementen versetzt, der vor allem von dem singenden Ehepaar Katja und Christian Palin geprägt wird. Wie es um die beiden privat steht, kann und will ich nicht beurteilen, aber auf der Bühne ist Christian der deutlich lebhaftere und aktivere Part, während Katja äußerst schüchtern und zurückhaltend wirkt. In der Folge gibt es zunächst weitere Stücke vom noch immer aktuellen Album "Eyes Ablaze" zu hören ('Hero', 'Faith', 'Soldier'), aber auch neuere Songs wie 'Deep Waters', 'Pain 'n' Sorrow' und das etwas heftigere 'Still Alive' werden zum Besten gegeben. Den Leuten vor der Bühne scheint der Auftritt sehr zu gefallen, und auch die Musiker sind mit Spaß bei der Sache - vor allem Gitarrist Mikko Tuliniemi und seinen Grimassen sieht man die gute Laune wahrlich an. Mit 'Go Away' und 'New Flow' müssen RANDOM EYES aber auch schon zum Endspurt anziehen, bevor mit 'You Are The Reason' - für meine Ohren eine Idee zu keyboardlastig - der endgültige Schlusspunkt folgt. Unterm Strich ein sehr ordentlicher Auftritt der jungen Finnen - auch wenn ich musikalisch nicht hundertprozentig überzeugt wurde. An ohrwürmeligen Melodien fehlt es keineswegs, aber etwas mehr Abwechslung würde sicherlich nicht schaden...

Setliste:
Where I Belong
Hero
Faith
Soldier
Deep Waters
Pain 'n' Sorrow
Still Alive
Go Away
New Flow
You Are The Reason

[Martin Schaich]


SACRIFICIUM

Nach dieser Überdosis an herzergreifenden Melodien ist nun wieder ein wenig Kontrastprogramm angesagt: Die heute leider ohne Bassisten angetretenen schwäbischen Death Metaller von SACRIFICIUM schaffen es doch tatsächlich, ihr extremes Old-School-Geballer mit einer positiven Ausstrahlung zu versehen und richtig intensiv mit dem Publikum in Kontakt zu treten. Allen voran Frontmann Claudio Enzler ist so gar nicht der typische Death-Metal-Frontmann. Stimmlich natürlich schon, aber davon abgesehen sucht der Gute ständig den direkten Bezug zu den Leuten in der ersten Reihe, anstatt konsequent Evilness zu demonstrieren, was ja auch nicht zu einer Band wie SACRIFICIUM passen würde. Dazu klettert er des Öfteren über den Fotograben und auf das Absperrgitter, woran ein Musiker mit kürzerer Spannweite sicher kläglich scheitern würde. Dazu ist er auch zu diversen Scherzen aufgelegt und enthüllt die sensationelle Entdeckung dass sowohl MAJESTY als auch GODDESS OF DESIRE Plastikschwerter nutzen würden und somit der Untrueness überführt seien. Auch der Rest der Truppe, also die beiden Gitarristen Ulrike und Oliver, sowie Schlagwerker Mario präsentieren sich in hervorragender Spiellaune. Die Songauswahl ist stark, wobei mit 'Killing With Style', dem genialen Titelstück und 'Kill Me' nur drei Songs vom starken Debütalbum "Cold Black Piece Of Flesh" zum Zuge kommen. Die restlichen, mir bis dato noch unbekannten Songs werden wohl auf dem Ende November anstehenden zweiten Album "Escaping The Stupor" veröffentlicht werden, und nach dem heute gehörten verspricht das Album eine echt starke Scheibe zu werden. Gerade 'Towards The Edge Of Degeneration' und 'As Silence Dies' wissen zu überzeugen. Als besonderes Schmankerl versorgen uns die Schwaben noch mit einen coolen Cover, zu dem sie eigens unseren Kollegen Stefan Lang, seines Zeichens Schlagzeuger von ADORNED GRAVES (und heute auch für SAINT) auf die Bühne bitten, um in einer für ihn ungewohnten Konstellation zusammen mit Claudio den Gesang zu VENGEANCE RISINGs genialem Kultklassiker 'White Throne' zu übernehmen, der noch mal für richtig gute Laune sorgt. Super Auftritt: Sympathisch und musikalisch einwandfrei, auch wenn das Mikro kurz mal einen kleinen Aussetzer hatte, der aber schnell behoben werden konnte.

Setliste:
Intro + Canvas
Towards The Edge Of Degeneration
Killing With Style
I Am The Enemy
As Silence Dies
Cold Black Piece Of Flesh
Pierced By Death
Kill Me
Of Traumatic Memories And Tears
White Throne (VENGEANCE RISING-Cover)

[Rüdiger Stehle]


MAJESTY

Nach ihrem schon fast traditionellen Intro stürmen die True-Metaller von MAJESTY die Bühne. Die Franken um Mastermind Tarek stehen wohl wie keine andere deutsche Truppe für eine Band, die man entweder mag oder hasst.
Und so kommt es, dass vor der Bühne relativ wenig Betrieb herrscht. Waren wohl nicht so viele True-Metal-Begeisterte da! Diejenigen allerdings, die sich MAJESTY angeschaut haben, amüsieren sich von Anfang an prächtig. Die Franken legen gleich munter mit 'Reign In Glory' los, dem Titelstück ihres letzten Albums. Tarek ist gut bei Stimme, auch wenn er einiges an Resonanzkörper, sprich Gewicht, verloren hat, und so seine obligatorische Lederkluft etwas am Körper schlabbert. Musikalisch sehr routiniert wird ein Best-Of-Programm geboten, von dem jede Nummer ein klasse Mitgröl-Stück ist. Neben dem schon erwähnten 'Reign In Glory' wären da noch die Bandhymne 'Hail To Majesty', 'Heavy Metal Battlecry', das hammergeile 'Into The Stadiums', 'Epic War', 'Metal Law', 'Sword And Sorcery' und ein Medley aus 'Keep It True' und 'Metal To The Metalheads'. Den informierten MAJESTY-Kenner wird es wenig wundern, dass das die gesamte Setlist war. Garniert wurde das Ganze mit etwaigen Knalleffekten und Gesangsübungen fürs Publikum. Mit der Aufforderung an die Besucher: "Lasst uns diese Nacht zu einer wahren Night Of Power machen!" sammelt Tarek bei den Fans Pluspunkte, und indem er sich bei der Crew und besonders bei Georg Weihrauch bedankt, auch beim Chef.
Nachdem dann auch noch der Rest der MAJESTY-Besatzung abgefeiert wurde (laute "Munckes, Munckes"-Rufe aus Reihe eins) endet mit dem Medley der starke Gig.
So kann ich festhalten, dass alle Freunde von MAJESTY viel Spaß hatten und die Setlist keine Wünsche offen ließ.

Setliste:
Intro
Reign In Glory
Hail To Majesty
Havy Metal Battlecry
Into The Stadiums
Epic War
Metal Law
Sword & Sorcery
Medley Keep It True & Metal To The Metaheads

[Martin Schneider]


FINAL BREATH

Meine Güte! Tut das Not, dass der letzte Atemzug so laut ist? Ein explodierendes Thrash-Metal-Inferno entfachten die Jungs von FINAL BREATH, hier ging's ordentlich zur Sache. Ohne überflüssige Schnörkel und auf den Punkt genau - für Thrash-Liebhaber exakt das Richtige. Und angesichts dieser energiegeladenen Darbeitung ließ sich denn auch das Publikum zu etwas mehr Bewegungsfreudigkeit aktivieren.
Die Truppe ist ja auf Platte schon edel, aber was sie live bringen, ist einfach genial - eine Band zum Abgehen halt. Aber unterhaltsam war der Auftritt auch deswegen, weil die Jungs von FINAL BREATH einfach total lustige Gesellen sind, denen man den Spaß an der Sache einfach anmerkt. Und das gilt in besonderem Maße für den Mann am Mikro. Sänger Jürgen veredelte nicht nur mit seinem durchdringendes Gebrüll die intensiven Songs, er untermalte seine Sangesdarbietung zudem mit allerlei verrückten Grimassen. Zum Dank musste er dafür hernach Lobhudeleien im Dutzendpack von CIRCLE OF TYRANTS-Axeman Volker über sich ergehen lassen. Man munkelt, es soll ihm wie Öl runter gegangen sein.

Setliste:
Strong Pain
Eyes Of Horror
Exposed To Hatred
Empty Eyes
Under Pressure
Mind Explosion
Greed For Revenge
Let Me Be Your Tank
Bemoaned Animosity
To Live And To Die
Coma Divine

[Stephan Voigtländer]


SAINT

Josh Kramer, seines Zeichens Sänger von SAINT, einer der amerikanischen Legenden des christlichen Heavy Metals der Achtziger, befindet sich auf Deutschlandreise, und diese will er nutzen, um zusammen mit befreundeten Musikern von IVORY NIGHT und ADORNED GRAVES zwei Gigs in unseren Gefilden zu spielen, die bis zum Anschlag vollgepackt sind mit Klassikern und neueren Highlights aus der langen SAINT-Geschichte. Der erste dieser Auftritte findet heute in Giebelstadt statt und wird zu einem der definitiven Highlights der zweiten Night Of Power werden. Dass SAINT wirklich treue Fans hat, zeigt die Tatsache, dass einige der Zuschauer, die sich ganz besonders auf den Auftritt von Josh Kramer & Co. gefreut haben, diesen nun auch entsprechend abfeiern und somit eindrucksvoll beweisen, dass auch ein verhältnismäßig kleines Auditorium eine wahnsinnig gute Stimmung verbreiten kann. Der hymnenhafte, eingängige und bisweilen stark an die JUDAS PRIEST der Achtziger erinnernde klassische Metal von SAINT hat es aber auch in sich und Josh genießt es sichtlich, dass die Leute eine so große Freude an dem Gig haben. Die beiden Gitarristen Patrick Fuchs und Tilmann Ruby, Basser Carsten Kettering (alle von IVORY NIGHT), sowie Schlagzeuger Stefan Lang von ADORNED GRAVES haben offensichtlich keine Mühen gescheut, sich die Songs von SAINT draufzupacken und spielen diese mit riesiger Spiellaune, so dass das Fundament für Joshs Gesangsleistung kaum besser sein könnte. Der Frontmann selbst, der sich schon während des Festivals sehr gut gelaunt und voller Vorfreude präsentierte, liefert dann auch eine ausgezeichnete Performance ab, was sowohl das gesangliche Element betrifft, als auch die Punkte Auftreten, Stageacting und Kontakt mit dem Publikum. Zwischen alten Klassikern wie dem starken Opener 'In The Night', dem phänomenalen 'Warriors Of The Son' oder dem hymnischen Stampfer 'Too Late For Living' und neueren Krachern wie 'Holy Rollin'', 'In The Battle' oder 'Ryders' findet Josh die Zeit, einige Anekdoten darüber vom Stapel zu lassen, wie es ist, wenn man einen zehnstündigen Flug mit Lederhose antritt, welche Folgen Sauerkraut und junger Wein auf das Verdauungssystem haben können und darüber, dass ihn der Bühnennebel an den Smog in Südkalifornien erinnere. Daneben tritt Josh mal mit Anzug, Hemd und Krawatte auf, mal mit einem Laserauge und ansonsten zumeist schlicht wahrhaftig metallisch mit Leder und Nieten. Er begibt sich des Öfteren in den Fotograben, um den Kontakt zu den Leuten zu suchen, und einmal sogar mitten ins Publikum, um Arm in Arm mit den Fans in der ersten Reihe einige Passagen zu singen. Als nach der Zugabe 'Phantom Of The Galaxy / Steel Killer' Schluss ist, fordert die Gemeinde ziemlich einhellig noch eine weitere Zugabe, welche die Band auch gerne gegeben hätte, doch leider lässt der Zeitplan das nicht mehr zu. Schade. Dennoch ist das Fazit dieses ersten Auftritts von Josh Kramer in der alten Welt durchweg positiv. Die alten Fans haben ihre helle Freude, einige Leute, denen die Band bisher unbekannt war, dürften sich nun spontan auf die Suche nach deren Platten begeben und der Rezensent tippt selig den Bericht zu seinem persönlichen Top-Highlight des Festivals. Dass auch Josh Kramer seinen Spaß an dem ganzen Event hat, beweist er damit, dass er anschließend wild headbangend bei FLESHCRAWL in der ersten Reihe zu sehen sein wird, was dann doch keine Selbstverständlichkeit ist, oder?

Setliste:
In The Night
Holy Rollin
In The Battle
Too Late For Living
The Path
On The Street
Warriors Of The Son
Star Pilot
Ryders
Acid Rain / Full Armor
Phantom Of The Galaxy / Steel Killer

[Rüdiger Stehle]


FLESHCRAWL

Für mich ist es nun Zeit, eine längst überfällige Lücke zu schließen. Denn - Schande über mich - vermutlich gehörte ich bis dato zu den wenigen Ulmer Metallern, die ihre bekanntesten Heimatvertreter in Sachen Death Metal noch nie live gesehen haben. Da muss ich erst nach Franken fahren, um dieses Versäumnis nachzuholen und, um es vorweg zu nehmen: Es war an der Zeit, und es hat sich definitiv gelohnt. FLESHCRAWL machen bereits vom ersten Ton an klar, dass sie genau die Dampfwalze in Sachen Death Metal sind, die ich erwartet hatte. Einen dermaßen fetten, echten Old-School-Death-Metal-Gitarrensound habe ich auf Platte bisher nur von DISMEMBER und live noch gar nie gehört. Druckvoll, tief, voluminös und gnadenlos sind die Adjektive, welche mir zu der von Oliver Grbavac und Stefan Hanus entfesselten Gitarrenwand einfallen. Dazu der unbarmherzig alles zermalmende Rhythmus von Schlagwerker Bastian Herzog... Was will das Death-Metal-Herz mehr? Die Band, allen voran Frontmann Sven Groß, gibt einen energiegeladenen und wirklich mitreißenden Gig zum besten, dessen Schwerpunkt im Hinblick auf die Songauswahl ganz eindeutig auf dem aktuellen Album "Made Of Flesh" liegt, das mit Ausnahme von einem oder zwei Songs komplett runtergeprügelt wird. Keine schlechte Wahl, denn das Songmaterial ist wirklich sehr gelungen und kommt beim Publikum auch sehr gut an. Daneben gibt es zum Beispiel mit 'Dark Dimension', 'Under The Banner Of Death' und dem Überflieger 'As Blood Rains From The Sky' aber auch einige ältere Highlights für die langjährigen Fans, sowie ein paar Stücke vom Vorgängeralbum 'Soulskinner'. FLESHCRAWL belegen mit diesem Gig eindeutig, dass sie in Sachen Death Metal eine absolute Institution sind, die sich hinter diversen schwedischen Vertretern definitiv nicht zu verstecken braucht und somit einen mehr als würdigen Co-Headliner des Festivals abgibt.

Setliste:
Soulskinner
As Blood Rains From The Sky
Flesh Bloody Flesh
?
Damned In Fire
Beneath A Dying Sun
Under The Banner Of Death
Dark Dimension
Made Of Flesh
Demons Of The Dead
Into The Depths Of No Return
Rotten

[Rüdiger Stehle]


FALCONER

Endlich, um 23 Uhr, ist unser Headliner FALCONER an der Reihe.
Epischer Power Metal vom Feinsten ist angesagt. Mit dem ersten Song ihres neuen Albums "Grime Vs. Grandeur", 'Emotional Skies' (ohne weibliche Vocals), stürmen die fünf Schweden die Bühne. Sofort merkt man, dass sie super drauf sind und die Besetzungswechsel an der zweiten Gitarre (Jimmy Nedlund) und am Bass (Magnus Linhardt) den Livequalitäten nicht geschadet hat, denn FALCONER legen gleich mächtig los und beweisen was sie drauf haben. Weiter geht's mit 'The Assailant', ebenfalls vom neuen Album. Die Show ist äußerst unterhaltsam und wird von Kristoffer Göbel immer wieder mit lockeren Sprüchen und witzigen Einlagen aufgelockert. Das treibt dann auch den Letzten vor die Bühne, vor der jetzt so viel los ist wie den ganzen Abend noch nicht. Dass dann mit 'Lord Of The Blacksmiths' einer der ältesten FALCONER-Songs dargeboten wird, wird mit lauten Gesängen gleich positiv vom Publikum quittiert. Nachdem es dann bei 'Night Of Infamy' etwas gemächlicher zur Sache geht, kommt mit 'Enter The Glade' der wohl Beliebteste Song der Band, und der wird auch gleich frenetisch abgefeiert. Wie Stefan Weinerhall die Soli aus dem Handgelenk schüttelt, ist schon ganz große Kunst.
Mit einer Ansage wird dann das Publikum auf das nächste Stück vorbereitet: "The next song we play is a very political incorrect song!", kündigt Göbel an, und lässt mit 'No Tears For Strangers' gleich Taten folgen. Überhaupt ist das neueste Album reichlich in der Setlist vertreten und stellt mit fünf von dreizehn Songs den Löwenanteil.
Normalerweise ist man ja von vielen Konzerten gewohnt, dass irgendwann der Sänger die Bühne verlässt, um seine Stimme zu erholen und um sich etwas Luft zu verschaffen. Nicht so bei FALCONER. Nach 'Jack The Knife' verlassen alle außer Göbel die Bühne. Dieser schnappt sich eine Gitarre und setzt sich gemütlich auf eine Kiste, um dann in etwas aktzentreichem Deutsch 'Mein Hut der hat drei Ecken' (nicht zu vergessen das geniale Cover von HELLOWEENs 'Pink Bubbles Go Ape' - Anm. d. Red.) anzustimmen, sehr zur Verwunderung der Fans. Nach etwa einer Minute bekommen wir ein breites Grinsen zu sehen und er fängt an, 'Portals Of Light' zu spielen, was besonders den weiblichen Besuchern gefällt. Auch ich freu' mich riesig, denn ich habe FALCONER schon ein paar mal live gesehen, aber diesen Song haben sie dort leider noch nie gespielt. Ich persönlich dachte immer, Kristoffer Göbel könnte diese Nummer nicht so gut wie sein Vorgänger singen, doch ich habe mich getäuscht! Mit welchem Stimmvolumen und welcher Leidenschaft er dieses traurige Liebeslied zelebriert ist einfach genial. Dieser Auftritt sollte eigentlich jeden Fan überzeugen, dass er zumindest die gleichen gesanglichen Qualitäten aufweist wie sein Vorgänger Mathias Blad, und sich schon gar nicht hinter diesem verstecken muss. Ein Genuss für jedes geschundene Metallerohr!
Nachdem dann auch noch von jedem Album ein Track gespielt wurde, ist um 0.20 Uhr nach knapp 80 Minuten, die wie im Fluge vergingen, leider schon Schluss.
Das Fazit fällt durchweg positiv aus: Der Sound war echt gut, die neuen Musiker schon voll in die Band integriert, Göbel ist gut bei Stimme und Weinerhalls Qualitäten sind weitläufig bekannt. Auch die Songauswahl war in Ordnung, auch wenn ich mir noch 'Mindtraveller', 'Decadence Of Dignity' und 'Purgatory Time' gewünscht hätte.
So bleibt zu sagen, Dass FALCONER ein würdiger Headliner für die Night of Power waren.
Da es der einzige Deutschland-Gig für 2005 war, müssen die Fans mindestens bis nächstes Jahr warten um ihre Lieblinge wieder zu Gesicht zu bekommen, und das dürfte nach diesem starken Auftritt umso schwerer fallen.

Setliste:
Emotional Skies
The Assailant
Lord Of The Blacksmits
Night Of Infamy
Enter The Glade
No Tears For Strangers
Quest For The Crown
Jack The Knife
Pink Bubbles Go Ape
Mein Hut der hat drei Ecken
Portals Of Light
Humanity Overdose
The Coronation
Clarion Call
Upon The Grave Of Guilt

[Martin Schneider]


GODDESS OF DESIRE

Nach dem überraschend guten Auftritt von FALCONER sind die meisten Besucher schon weitgehend ausgepowert, doch ans Heimgehen ist natürlich noch nicht zu denken, dann schließlich geben sich auch noch GODDESS OF DESIRE die Ehre. Es dauert zwar ein ganzes Weilchen, bis die Holländer wirklich loslegen, aber dafür geben sie dann in der kommenden knappen Stunde ihr Bestes. Dass man von GODDESS OF DESIRE nichts musikalisch Außergewöhnliches erwarten kann, sollte eigentlich jedem klar sein, aber Unterhaltungswert haben Count August & Co., und das stellen sie wieder einmal unter Beweis. Los geht es wie seit geraumer Zeit eigentlich immer mit 'Rites Of War', bevor mit 'March To Meet' ein erster Song vom neuen Album "Awaken Pagan Gods" folgt. Anschließend begrüßt Count August erst einmal die Fans und freut sich in seinem akzentreichen Deutsch, dass "ihr noch geblieben seid", ehe das obligatorische VENOM-Cover 'Teachers Pet' - selbstverständlich mit der ebenso selbstverständlichen Lehrer-Schüler-Performance - zum Besten gegeben wird. Es gibt danach einen weiteren neuen Song, 'Majesty Of Metal', bevor anschließend bekanntes Material gespielt wird, mit dem die Fans auch deutlich besser vertraut sind. So wird bei dem MOTÖRHEADigen 'Ride' sowie bei 'War Of The Crusade' (incl. Feuerspuck-Einlage durch die G.O.D.-Mädels) und natürlich erst recht bei der GODDESS OF DESIRE-Hymne schlechthin, 'Metal Forever', lautstark mitgesungen, und die Stimmung könnte angesichts der vorgerückten Stunde kaum besser sein. Da passt dann der äußerst ohrwürmige Titelsong vom 2002er-Album "Conquerors Divine" wie der sprichwörtliche Arsch auf den Eimer, wobei selbstverständlich auch die zugehörigen Pyros nicht fehlen dürfen. Danach kramen die Holländer ganz tief in der Klassiker-Schublade und ziehen 'The Battleground' heraus, was natürlich bei den eingefleischten G.O.D.-Fans auf offene Ohren stößt. Diese feuern die Band dann auch lautstark an, sodass diese spontan einen Song anspielen, der eigentlich gar nicht geplant war, nämlich 'Blasphemic Beasts Convoked'. Ein Fan in der ersten Reihe gröhlt die ersten Zeilen dabei so eindrucksvoll, dass er kurzerhand von Count August auf die Bühne zitiert wird, wo er als Gastsänger aushelfen darf. Danach ist die Spielzeit von GODDESS OF DESIRE aber auch schon um, so dass sie gerade noch ihre True-Metal-Hymne 'Scream For Metal True' unters Volk bringen können.
Insgesamt haben Count August & Co. wieder sehr viel Spaß gemacht - genau die richtige Band zum Abschluss eines Festival-Tages: GODDESS OF DESIRE, oh oh-oh-oh oh...

Setlist:
Rites Of War
March To Meet
Teachers Pet
Majesty Of Metal
Ride
War Of The Crusade
Metal Forever
Conquerors Divine
The Battleground
Blasphemic Beasts Convoked
Scream For Metal True

[Martin Schaich]

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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