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Paganfest 2011 - Leipzig

15.03.2011 | 07:31

05.03.2011, Hellraiser

Helm auf und hoch das Horn-auf geht`s in die Schlacht!

Und wieder einmal ist es soweit, der Tross der Krieger macht in Leipzig Station. Das Paganfest steht an und will in Leipzig die Besucher mit Schlachtgesängen und Heldenepen unterhalten. Also auf zu Tag zwei der fast einmonatigen Tour, die den Künstlern einiges abverlangen wird. In dieser Zeit fließt wohl so manches Bier die durstigen Kehlen hinunter. Mal sehen, wie sich die Musiker schlagen und am Ende der Veranstaltungsreihe aussehen werden. Doch bis dahin ist noch Zeit und wir stürzen uns erst einmal ins Getümmel hier in der Messestadt.

Den Abend eröffnen die Finnen von KIVIMETSÄN DRUIDI. Die legen nach einem kurzen Intro gleich ordentlich los und rocken, dass die Hütte wackelt. Sängerin Leeni-Maria bringt es sprichwörtlich ein wenig später angedreht, denn sie tänzelt ständig über die Bühne und hat keine Ruhe, während die Jungs ihre Instrumente malträtieren. Das ist auf der Tour auch die einzige Band, die mit Damengesang aufwarten kann und so ist von Anfang an der Saal gut gefüllt. In der halben Stunde nehmen sie die Fans mit auf die Reise in ihre Welt, in der es vor Feen und Trollen nur so wimmelt. Während Gitarrist Joni Koskinen die fiesen Growls liefert, erfreut uns die Sängerin mit hohen Tönen. Dieser Gegensatz funktioniert wirklich gut, was auch die Zuschauer zu viel Beifall animiert. Die Zeit vergeht wie im Fluge und mit dem Auftritt war das schon mal ein gelungener Start in den Abend.

Weiter geht es mit ARAFEL. Die Band gibt es bereits seit 1997, aber so richtigen Wind in die Segel haben sie nie bekommen. Seit 2009 ist der Ex-EQUILIBRIUM-Frontmann Helge Stang das neue Zugpferd. In dieser Konstellation tritt die Band das erste Mal in Deutschland auf und ich bin gespannt, was die Herrschaften so zu bieten haben. Seit Anfang des Jahres haben sie mit "For Battles Once Fought" ein neues Album am Start, was jetzt vorgestellt werden soll. Los geht es mit 'Sword's Hymn'. Die Ruhe zu Beginn ist trügerisch, denn schon bald legen ARAFEL los und die ersten Reihen sind sofort mit dabei. Die Mischung aus Black und Folk Metal geht voll auf und durch Violinistin Nasha bekommt das Ganze nicht nur akustisch eine besondere Note. Sie kündigt später das Instrumental-Stück 'The Last Breath Of Fire' an und ruft zum gemeinsamen "Fucking Headbanging" auf. Bei diesem Lied steht sie im Mittelpunkt der Show und sorgt für gute Stimmung. Natürlich ist die auch wieder mit Fronter Helge da. Die zur Verfügung stehende halbe Stunde ist viel zu schnell vorbei, als Herr Stang mit '1380: The Confrontation' den letzten Song des Abends ankündigt. Dazu wird im Publikum einfach weitergefeiert und am Ende gibt’s viel Applaus für ARAFEL. Na, das Debüt kann sich sehen lassen und der kleine aber feine Gig wird zur Überraschung des Abends.

Nun ist es an der Zeit mit den Wölfen in die Schlacht zu ziehen! Während man in Sachsen wieder auf echte Artgenossen verweisen kann, übernehmen den musikalischen Part ihre Verwandten aus Oberfranken. VARG schicken sich an, die Leipziger mit einem Auftritt zu erfreuen, bei dem sie es richtig krachen lassen. Moshpit und Wall Of Death stehen auf dem Plan. Die Band scheint bei vielen der heimliche Headliner zu sein, denn die Anzahl derer, die eine schicke VARG-Obertrikotage tragen, ist nicht unerheblich. Die Jungs legen mit 'Wir sind die Wölfe' los. Schließlich ist vor ein paar Tagen das neue Album "Wolfskult" erschienen, was es vorzustellen gilt. Dazu gibt’s gleich noch 'Schwertzeit' auf die Ohren und die Masse ist am Toben. Ohne viele Worte wird alles niedergewalzt, was sich den Wölfen in den Weg stellt. Die heulen ebenfalls bei 'Wolfszeit', was den Raum in ein Meer von hoch gestreckten Fäusten verwandelt. Dieses Stelldichein ist einfach genial und mutiert zum schweißtreibendsten Act der Tour. VARG versetzen die Masse in regelrechte Ekstase, die ohne Widerworte folgt und ihnen aus der Hand frisst. Alles in allem war das ganz großes Kino!

Ob es MOONSORROW ebenfalls schaffen werden, die Menge derart zu begeistern? Die Kollegen aus Helsinki haben auch vor kurzem ein neues Scheiblein namens "Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa" auf die Menge losgelassen, was nicht nur im Februar-Soundcheck eine gute Figur machte, sondern den Kollegen Rohrer zu einer 10/10 Bewertung hinriss. Bei so viel Lob muss das ja einfach nur gut werden. Die Band eröffnet das Konzert mit 'Kuin Ikuinen' und nach VARG muss man sich erst einmal an das gemäßigtere Tempo gewöhnen, was aber nicht heißt, dass die Jungs mit weniger Power daherkommen. Schnell wechseln sich düster und schleppend anmutende Passagen mit wildem Gekeife von Sänger Ville und derb knüppelndem Schlagzeug ab. Einfach herrlich! Schon nach dem ersten Stück sind die Zuschauer begeistert und freuen sich über das neue Lied 'Muinaiset'. Die Fans stimmen gleich mit "Hey!"-Rufen ein. Ein genialer Song, dem man die zehn Minuten überhaupt nicht anmerkt. Keine Frage, MOONSORROW haben es einfach drauf, atmosphärische, dahin kriechende Songs aus dem Ärmel zu schütteln. Das episch anmutende 'Sankaritarina' setzt dem ganzen noch das Sahnehäubchen auf. Hier können alle im Chor nach Herzenslust mitsingen. Wer hätte gedacht, dass nach den Wölfen MOONSORROW die Zuschauer ebenfalls so stark in ihren Bann ziehen können und jeder sich gern auf diese musikalische Reise einlässt? Einfach nur genial!

Den musikalischen Kontrast bei diesem Fest bilden in diesem Jahr die schwedischen Todesmetaller UNLEASHED. Mehr als nur einen Zacken härter und schneller wird’s jetzt vor der Bühne. Death-Metal pur servieren uns die Jungs und mit dem ersten Song mosht die Menge gleich zünftig mit und bedankt sich nicht nur mit viel Beifall bei der Band, sondern immer wieder mit lauten "UNLEASHED"-Rufen. Sänger Johnny betont häufig, wie sehr er sich freut, hier in Leipzig zu sein. Luft zum atmen bleibt bei dem Gig kaum und so ballern die Herrschaften den Fans beispielsweise 'The Longships Are Coming' oder 'In Victory Or Defeat' um die Ohren. Vor 'Wir kapitulieren niemals' werden alle animiert den Text mitzurufen. Im Saal herrscht ausgelassene Stimmung und am Ende prostet Johnny allen noch einmal zu. Die vorgegebene Zeit wird nicht ganz ausgeschöpft. Es wäre noch Platz für eine kurze Nummer gewesen. Aber das ist auch schon das Einzige, was es zu kritisieren gibt. Um die Sache auf den Punkt zu bringen, war das zu kurz, dafür aber heftig.

Langsam neigt sich der Abend dem Ende entgegen. Doch bevor wir den Heimweg antreten, steht noch eine finnische Party ins Haus. KORPIKLAANI wollen den Gästen im Hellraiser noch einmal ordentlich einheizen. Einige Bandmitglieder waren vor dem Auftritt im Publikum unterwegs und das nutzten vor allem die weiblichen Fans für ein persönliches Foto. Keine Frage, die Band erfreut sich großer Beliebtheit. Dementsprechend groß ist der Applaus, als die Finnen mit ihrem feucht-fröhlichen Gig beginnen und von Beginn an wird zünftig mit den Mannen gefeiert, getanzt und getrunken. Die sind bester Laune und fit. Es ist ja erst der zweite Gig während der Tour. Ein paar Bandmitglieder rauchen sogar während des Auftritts. Besonders cool wirkt dabei ihr Geiger, wenn er so locker-lässig da vorn steht und mit der Kippe im Mund spielt. Gut, dass das nicht die Security gesehen hat, denn sonst wären die Finnen glatt rausgeflogen.

Aber das passiert zum Glück nicht und alle können weiterfeiern. 'Vodka' und 'Wooden Pints' dürfen heute Abend genauso wenig fehlen, wie 'Happy Little Boozer' oder 'Tequila'. Entweder ist im Zeitplan ein Fehler oder die Jungs haben keine Uhr, denn laut Plan sollte die Party bis Mitternacht gehen. Aber von Hektik ist auf der Bühne nichts zu spüren. Es gibt noch ein paar Songs auf die Ohren, so auch das MOTÖRHEAD-Cover 'Iron Fist'. Das klingt gar nicht mal so schlecht und in den letzten paar Minuten werden die Jungs musikalisch ein wenig härter, als man es gewohnt ist. Zum typischen Humppa-Sound ist das eine gute Abwechslung und zeigt die andere Seite der Band. Mit 'Beer Beer' ist dann nach gut anderthalb Stunden endgültig Schluss. Die Musiker werden noch einmal gefeiert und ein sehr schöner Abend geht im Hellraiser zu Ende.

Alles in allem war das wieder eine sehr ausgewogene Mischung. Im Vergleich zu anderen Konzerten ist das Preis-Leistungs-Verhältnis absolut okay. Auch wenn die Veranstaltung in diesem Jahr nicht ausverkauft war, so konnte sich das Line-Up sehen lassen. Allerdings wäre es schön gewesen, wenn die Bands die teilweise kurze Spielzeit auch wirklich genutzt hätten. Vielleicht wäre es auch besser, lieber mit einer Band weniger im Gepäck zu touren und dafür die anderen etwas länger spielen zu lassen. Klar hat diese Tour Festivalcharakter, aber manchmal ist man gerade so schön in der Musik und da ist der Gig leider schon wieder vorbei. Wie dem auch sei; die Auftritte waren allesamt gut, es gab keine bösen Überraschungen und somit bleibt der Abend in guter Erinnerung. Dann bis zum nächsten Jahr!

Redakteur:
Swen Reuter

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