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Party.San 2018 - Schlotheim

08.09.2018 | 10:37

09.08.2018, Flugplatz Obermehler

Das Party.San Metal Open Air – präsentiert von POWERMETAL.de. Orkan-Salven samt Geländeräumung, VENOM mit satter Pyro-Show und WATAIN mit ordentlich Feuer.



Dem altehrwürdigen Party.San kann selbst ein starker Sturm nichts anhaben. 9.000 Metalfans trotzen Windstärke 9 und feiern drei Tage lang zu Black und Death Metal en masse. Zu Pyros und Feuerbällen auf der Hauptbühne sowie intensiven Gigs auf Zeltbühne. Das PSOA ist schlechtweg Kult! Auch POWERMETAL.de hat sich diesen einzigartigen Spaß nicht nehmen lassen, um am eigenen Stand Signing Sessions anzubieten, seinen alljährlichen Kurzfilm zu drehen sowie den gewohnten Festivalbericht einzutüten. Dieser folgt auf den nächsten Seiten, die Tentstage bekommt wie immer ihre eigene Seite danach. Und nun viel Spaß!
[Carsten Praeg]


Beim diesjährigen Opener OUR SURVIVAL DEPENDS ON US fällt sofort die Dekoration der Mikrofonständer ins Auge. Denn diese sind mit Fellen und Knochen dekoriert. Die düstere, gemächliche Musik passt leider nicht ganz zum heutigen Sonnenschein. Melodisch und kraftvoll dröhnt der Doom aus den Boxen, bis ein lautes Knacken den Tod eines Teiles der Technik verkündet. Die Tonprobleme sind jedoch schnell beseitigt und der Sound ist bald wieder im vollen Spektrum zu genießen. Die Musiker lassen sich hierbei nicht beirren und ziehen professionell ihr Programm durch. Der Leadsänger steckt mit vollen Emotionen in seinen Texten und auch der zweite Gitarrist scheint völlig in die Musik abgetaucht zu sein. OUR SURVIVAL DEPENDS ON US ist auf jeden Fall einen Besuch wert, aber eine dunklere Umgebung hätte der Performance mit Sicherheit sehr gut getan. Dennoch ein guter Start ins Festival.
[Stefan Brätsch]

Matt Harvey ist zurück. Nur zwei Jahre nach dem fulminanten Auftritt auf dem Party.San präsentiert GRUESOME auf heute wieder oldschool Death Metal par excellence. Ohne Kompromisse gibt es mit dem grandiosen Opener 'Dimensions Of Horror' von der gleichnamigen EP gleich mal eine voll auf die Zwölf. Bei 'Forces Of Death' und 'Waste Of Life' zeigt man die große Liebe für Gitarrentappings und beweist somit, dass old school nicht gleichbedeutend mit stumpfsinnig sein muss. 'Savage Land' und das abschließende DEATH-Cover 'Pull The Plug' sind erneuter Beweis für die Huldigung an das Bandidol Chuck Schuldiner. Wem das nicht gereicht hat, der kann sich ja noch ein "Paar in die Fresse" am Brutz & Brakel-Stand bestellen.
[Chris Gaum]

Mit UNANIMATED ist eine weitere Band auf dem diesjährigen Party.San zu sehen, welche seit Jahren kein neues Material mehr präsentiert hat. UNANIMATED spielt Blackened Death Metal, der in manchen Passagen sogar an alte DISSECTION-Titel erinnert. Schon "In The Light Of Darkness" hatte dreizehn Jahre auf sich warten lassen. Diesmal sind es immerhin nur zehn, das nächste Studioalbum ist für kommendes Jahr angekündigt, die EP "Annihilation" erscheint erst mal als Vorgeschmack. Mit 'Adversarial Fire' wird ein neuer Song auch auf dem PSOA gespielt. Im Vergleich zu eingängigen Krachern wie 'In The Light Of Darkness' ist dieser deutlich schneller und lädt zum Moshen ein. Der Auftritt ist kurz, aber macht Laune. Es bleibt zu hoffen, dass es zu dem neuen Album auch eine Tour geben wird.
[Stefan Brätsch]

Auf die Frage, ob es eine gute, klassische griechische Death Metal-Band gibt, kann ich jetzt Antworten: "Ja, die gibt es: DEAD CONGREGATION!" Auch wenn die Herren bisher nur zwei komplette Alben veröffentlicht haben, namentlich "Graves Of The Archangels" 2008 und "Promulgation of the Fall" 2014, brauchen sie sich nicht auf der Bühne zu verstecken. Und auch die Mainstage ist nicht der falsche Ort für die vier Hellenen. Mit grundsolidem Death Metal hauen die Jungs ordentlich auf die Ohren. Mit der Mainstage stimmt zwar der Ort, aber leider nicht die Zeit, was jedoch nicht an den vier griechischen Reitern liegt: Schon im Laufe des Auftritts kündigt sich am Horizont eine Sturmfront an, welche bedrohlich näher kommt. Und DEAD CONGREGATION dazu zwingt, ihren letzten Song abrupt zu beenden – woraufhin der Veranstalter kurz danach das Gelände räumen lassen muss.
[Benjamin Kutschus]

Heiß her geht’s auf dem Gelände: Windstärke 9 fegt über den Flugplatz Obermehler, und der nächste Orkan-Ausläufer ist schon in Sicht. Pavillons zerhaut's wie Papier, Dixis werden zig Meter durch die Luft geschleudert. Das Festivalgelände muss geräumt werden, nur kurz stehen die Mannen um Veranstalter Mieze vor der drängenden Frage: Die Festivalbesucher "nur" im großen Zelt Unterschlupf suchen lassen? Dann die schnelle Entscheidung: Nein, gleich durchschleusen und das Weite suchen! Ansagen erschallen aus den Lautsprechern, nach kurzer Zeit ist der Spuk aber zum Glück wieder vorbei. Das Orga-Team behält die Ruhe und mit einer Stunde Verzögerung kann es auf der Mainstage schon wieder weitergehen. Schade nur, dass manch eine Band auf ihrer Startzeit beharrt und dafür sogar ihren Headlinerstatus aufgibt, doch dazu später mehr.
[Carsten Praeg]

Nach dem kleinen Unwetter ruft Kanone "Esmiralda" am Bühnenrand zum nächsten Auftritt: Die Briten ANAAL NATHRAKH sind bereit, ihre kranke Musik zu zelebrieren. Kaum geht es los, fangen die Soundprobleme an: Mikroausfall, Lautsprecher fallen aus. Doch die zahlreichen Zuschauer stört das nicht. So sorgen Songs wie 'Hold Your Children Close And Pray For Oblivion' für Chöre aus dem Publikum, das wahlweise die Köpfe oder den Pit kreisen lässt. Sänger Dave Hunt ist gut aufgelegt und scherzt noch über sein defektes Mikro, bevor mit 'Forging Towards The Sunset' weitergeknüppelt wird. Am Ende wird sogar noch ein Song vom neuen Album "A New Kind Of Horror" gespielt. Da freut man sich doch gleich auf das Release am 28. September. Summa summarum war es trotz Soundpannen ein gelungener Gig!
[Felix Bischoff]

Vor drei Jahren blieb mir der Genuss der TOXIC HOLOCAUST-Show aufgrund paralleler Interviews leider verwehrt. Heute kann mich nichts davon abhalten, mir die energiegeladene Performance aus nächster Nähe anzusehen. Also ab in den überragenden Moshpit! Joel Grind gönnt der ausgelassenen Meute keine großen Pausen und so werden 'Wild Dogs' und 'Acid Fuzz' mit dem herrlich dreckigen Rumpelsound der Combo aus Portland dargeboten. Die erste Thrash-Band des Festivals wurde allem Anschein nach wahrlich sehnsüchtig erwartet, denn an Bewegung mangelt es nun wirklich nicht. Der Abschluss mit der Bandhymne 'Nuke The Cross' und der ultimativen Abrissbirne 'Bitch' sorgt dann, neben der einen oder anderen Schramme, für glückliche und zufriedene Gesichter. Extrem geile Nummer!
[Chris Gaum]

Kanadische Holzfäller bei der Arbeit: Eine Mischung aus Black und Death nach kanadischer Art bekommt man zur Primetime auf der Mainstage durch das Trio REVENGE aus Edmonton geboten. Gänzlich einheitlich in schwarz-schwarz karierte Holzfäller-Tanktops gekleidet, betreten die Herren in blauem Licht die Bühne, ergreifen ihre Instrumente, um dann ohne große Worte loszulegen. Als zweiter Song erklingt 'Traitor Crucifixion' vom 2004 erschienenen Album "Victory.Intolerance.Mastery" aus den Boxen, während das Licht von Grundblau auf Rot umschwenkt. REVENGE spielt dann 'Pride Ruination' vom 2012er Album "Scum. Collapse. Eradication". Ohne jetzt eine plumpe Auflistung der Songtitel zu machen, lässt sich erkennen, dass aus jeder Bandepoche etwas dabei ist. Wie es sich für den Black Metal gehört, wird mit dem Publikum nicht interagiert: Songtitel ansagen, loslegen, nächster Song - Schema F. Zum Black Metal gehört ein überdurchschnittliches Maß an (Show-)Arroganz schließlich mit dazu. Um es nun ebenfalls in diesem Sinne kurz zu machen: REVENGE, Auftritt gut, nächstes Album!
[Benjamin Kutschus]

Der Donnerstagsheadliner EMPEROR beharrt trotz Unwetter auf seiner Spielzeit und legt nach einem kurzen Intro, zu welchem die Musiker in grünes Licht getaucht die Bühne betreten, mit 'Ye Entrancemperium' einen starken Start vor. Schnörkellos ohne große Dekoration oder gar Corpsepaint zeigt EMPEROR, wie man Black Metal zelebriert. Mit einer absolut stimmigen Lichtshow und präzise einstudierten Songs wird jeder mitgerissen, der sich vor die Bühne getraut hat. Mit 'Curse You All Men', 'Thus Spake The Nightspirit' und 'I Am The Black Wizards' wird ein Best Of aus der Bandgeschichte geboten, welches jeden Zuhörer zufrieden stellen müsste. Für viele ist EMPREROR ein guter Abschluss des ersten Festivaltages, welcher nun am Cuba Libre-Stand beendet wird. Prost.
[Stefan Brätsch]

Die Jungs oder besser ehrwürdigen Herren der tschechischen Band MASTER'S HAMMER können leider erst mit arger Verspätung anfangen, da sie den angepeilten Platz auf der Bühne mit EMPEROR tauschen müssen. Somit fängt MASTER'S HAMMER anstatt wie geplant um 21:55 erst knapp zwei Stunden später um circa 0:50 Uhr an. Durch eine längere Bandpause und die Tatsache, dass die Tschechen auch schon auf eine längere Bandgeschichte zurückschauen können (welche weit über die Mitte der 90er hinausgeht), sind die Jungs auch sonst eine eher seltene Band auf deutschen Bühnen. Diesen Moment wollte ich mir somit nicht entgehen lassen. Mit einer Mischung von psychedelischem Bühnenbild und einer Gewandung, welche entfernt an Auftritte von FIELDS OF THE NEPHILIM bzw. SISTERS OF MERCY erinnert, stampfen die Urgesteine auf die Bühne. Und man fühlt sich direkt in die Metal-Mode der Endachtziger zurückversetzt. Wer die älteren Alben von MASTER'S HAMMER kennt, stellt fest, dass der Mann am Mikrofon – František šTorm – stimmlich hörbar über die Jahre einen Wandel hingelegt hat. Denn selbst die gleichen Lieder des Albums "Ritual" von 1991 hören sich doch anders an. Aber es ist wie beim Wein – er altert nicht, sondern wird nur besser! Trotz der Umstände, dass die Jungs Dank des Unwetters einen verspäteten Start haben, ist der Auftritt dennoch beeindruckend und wird jedem, der ihn gesehen hat, wohl für lange Zeit in Erinnerung bleiben. Auf die nächsten 25 Jahre tschechischen Black Metal!
[Benjamin Kutschus]


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Redakteur:
Carsten Praeg

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