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Party.San 2018 - Schlotheim

08.09.2018 | 10:37

09.08.2018, Flugplatz Obermehler

Das Party.San Metal Open Air – präsentiert von POWERMETAL.de. Orkan-Salven samt Geländeräumung, VENOM mit satter Pyro-Show und WATAIN mit ordentlich Feuer.



Da es sich eingebürgert hat, als erste Band auf dem Party.San jeden Morgen (jeder, der schon einmal ein Festival besucht hat, der weiß, dass zwölf Uhr Mittags gefühlt erst kurz nach dem Aufstehen ist!) eine Grindcore-Band spielen zu lassen, bleiben die Veranstalter dem Motto treu und nach einer kurzen "Guten Morgen"-Ansage schlittert man auch gleich über akustisch verbalen In-die-Fresse-Grind von GUINEAPIG. Welcher natürlich völlig ernst zu nehmen ist und zu welchem das Publikum dementsprechend gewandet ist: Von tanzenden Spongebobs zu T-Rex und Einhörnern bis über Burgerking-Kronen tragende und Klobürsten als Zepter schwingende Könige ist alles erdenkliche im Circle Pit vertreten. Dabei muss man jedoch aufpassen, nicht auf Glitzerkonfetti, Mehl oder geworfenen Lauchstangen auszurutschen. Zudem können wild gewordene Seifenblasen böse Augenverletzungen hervorrufen. Die quiekenden drei Grind-Meerschweinchen aus Italien sind in Kombination mit dem Circle Pit meiner Meinung nach eine wesentlich besser Alternative zum Aufwachen als der klassische Wecker. Auch wenn das Publikum vom Vortag durch Sturmwarnung ein wenig gebeutelt ist, mit Seifenblasen und Glitzerkonfetti sieht die Welt dann doch wieder gut aus – auch mit kaputten Pavillon oder weggewehtem Zelt.
[Benjamin Kutschus]

Böse Zungen behaupten, THE COMMITTEE sei nur ein Abklatsch der Genrekollegen von MGȽA. Beim ersten Anblick mag das auch zutreffen: Vermummte Gesichter, einheitlich schwarze Klamotten, melodischer Black Metal. Diese Kombination scheint in Mode gekommen zu sein. Doch was THE COMMITEE da abliefert, kann sich sehen lassen: Eingängige Riffs, ein paar doomige Anleihen und ein klarer Sound erklären das gut gefüllte Infield. Songs wie 'Man Of Steel', 'Not Our Revolution' oder das geniale 'Katherine's Chant' lassen so ziemlich jeden Kopf nicken und gehen ins Ohr! Sänger Igor vertritt die international zusammengewürfelte Truppe hinter einem Rednerpult und keift seine politischen Botschaften ins Publikum. Geniale Truppe, genialer Auftritt. Das nächste Mal aber bitte zu etwas späterer Stunde!
[Felix Bischoff]

Auch wenn die Franzosen BENIGHTED zur besten Mittagszeit auf der Mainstage spielen dürfen, bringt dies der Bühnenshow keinen Abbruch. Ganz frei dem Motto: "Egal, ob die Sonne scheint - wir machen den Tag zur Nacht!" Mit einer Mischung aus Grindcore und brutalem Death Metal geben die Herren ihr Bestes und knüppeln auf die Ohren. Sehr interessant zu beobachten ist dabei Julien Truchan am Mikrofon, der teilweise irrwitzige Bewegungen macht, während er die Grindcoreparts ins Mikro prügelt. Gespielt wird ein buntes Bukett an Liedern, welches sich aber hauptsächlich über die neuere Bandgeschichte erstreckt, mit besonderem Augenmerk auf die 2017 erschienene Platte "Necrobreed". Da BENIGHTED über den Daumen gepeilt alle zwei Jahre eine Platte raushauen, sollte man die Lauscher auch 2019 Richtung Frankreich strecken. Nach dieser Faustregel dürfte es dann nämlich auch wieder so weit sein.
[Benjamin Kutschus]

Wer zu PILLORIAN pilgert, der hat unweigerlich die Vorgängertruppe von Frontmann John Haughm im Hinterkopf. Doch wer seichten Entspannungs-Black Metal wie bei AGALLOCH sucht, wird hier nicht fündig. PILLORIAN ist bedeutend grimmiger und aggressiver und fegt mit klarem Sound über das Publikum hinweg. Das Debütalbum "Obsidian Arc" aus dem vergangenen Jahr wird (wen wundert's?) rauf und runter gespielt. Technisch auf gewohnt hohem Niveau will der Funke doch nicht ganz überspringen. Vielleicht liegt es an der Uhrzeit. Heller Sonnenschein ist eben nicht immer der beste Freund von fieser Musik.
[Felix Bischoff]

COFFINS wird als japanische Doom Death-Band (und persönlicher Insider-Tipp von THE BLACK DAHLIA MURDER-Frontman Trevor – Anm. v. Carsten) angekündigt, wobei man den groovigen Death Metal-Anteil schon deutlicher heraushört. Insgesamt klingt das wirklich gut, aber auch etwas monoton und wenig eigenständig. Die Kommunikation der Band mit dem Publikum ist spärlich und auch sonst passiert die nächsten 40 Minuten nichts Außergewöhnliches auf der Bühne. Dass über die gesamte Spielzeit mehrfach die Gitarre aussetzt, macht das Ganze nicht unbedingt leichter. COFFINS liefert bei dem Party.San-Debut dennoch eine ordentliche Leistung ab, kann für mich aber nicht vollends überzeugen und sich langfristig in Gedächtnis spielen.
[Chris Gaum]

Echter, klassischer Heavy Metal, der das Blut in den Adern zum Stocken bringt und den Metelheads zugleich so richtig einheizt, schallt über das Gelände. Die fünfköpfige schwedische Band RAM macht auf der Bühne ihrem großen Vorbild JUDAS PRIEST echte Konkurrenz. Diese Truppe bleibt sich und ihren Fans auch nach 19 Jahren immer noch treu und legt obendrein eine weitere Schippe oben drauf. Mit neuen Songtiteln ihrer erst im November vergangenen Jahres erschienenen Scheibe "Rod" im Gepäck, bringen sie die zahlreich vor der Hauptbühne zusammengekommenen Massen zum Toben. Spätestens, als die Skandinavier ihren aktuell wohl besten Song 'Gulag' spielen, kann sich selbst in den hinteren, ansonsten doch eher sehr ruhigen Publikumsreihen keiner mehr diesem Bann entziehen.
[Christian Clauß]

Um Viertel vor Sechs ist es dann Zeit für das erste richtig große Backdrop des Tages. Eine etablierte Band wie THE BLACK DAHLIA MURDER schon so früh auf der Running Order? Sei's drum, die Amis machen von Anfang an keine Gefangenen und brettern mit 'Widowmaker' ordentlich los. Geknüppel meets melodische Gitarrenarbeit. Schon nach einer Minute recken sich dem US-Fünfer zig Teufelshörner rhythmisch entgegen, gefolgt von Pogo und euphorisch in die Luft fliegenden Bierbechern. Sänger Trevor rennt wie immer wie ein schattenboxender Irrwisch über die Bühne und feuert die Meute an. Schon kurz vor dem Auftritt hat er hinter der Bühne verraten, sich wie im Himmel zu fühlen: "DYING FETUS sind zehn Fuß von unserem Container entfernt, VENOM zwölf, UNLEASHED, EXHORDER – todsicher meine Art von Festival!" Entsprechend hoch motiviert keifert Trevor dann auch Granaten wie 'Kings Of The Nightworld' ins Mikrofon. Und die frühe Spielzeit? Geschenkt, Band und Fans haben auch bei Sonnenschein und heißen Temperaturen sichtlich ihren Spaß.
[Carsten Praeg]

Beim heutigen thüringer Heimspiel überzeugt DESEARTED FEAR auf ganzer Linie. So ist es beim treibenden Beat von 'Kingdom Of Worms' und beim stampfenden Groove von 'Bury Your Dead' unmöglich, den Kopf stillzuhalten. Kurzzeitig auftretende technische Probleme werden tiefenentspannt ignoriert: "Wir machen erst mal weiter, die kriegen das schon hin." Die gute Laune ist vollends ansteckend, und die Publikumsreaktionen sind durchaus euphorisch. Dank einer überragenden Performance schaffen es die Jungs von DESEARTED FEAR, ein weiteres Ausrufezeichen an diesem Festivaltag zu setzen.
[Chris Gaum]

Dann haben Mieze & Co. mal wieder tief in den Annalen der Metal-Historie gestöbert: Bereits 1985 aktiv und erst im vergangenen Jahr reformiert, darf die Groove-Thrash-Legende EXHORDER zur besten Primetime ran. Zwar sichtlich in die Jahre gekommen mit weißen Rauschebärten, hat die Truppe aus dem US-Bundesstaat Louisiana an Härte aber nichts eingebüßt. Und so wird mit dem Opener 'Death In Vain' vom Bandklassiker "Slaughter In The Vatican" gleich mal Gas gegeben. Volle Breitseite, ein leichter Hauch von SLAYER weht durch Schlotheim. Und das, obwohl die Südstaatler gerade mal zwei Langrillen im Gepäck haben, die darüber hinaus auch noch weit über 20 Jahre auf dem Buckel tragen. Zu guter Letzt wird das abgehende Publikum mit dem treibenden 'Desecrator' in den restlichen Abend entlassen.
[Carsten Praeg]

Schon oft wurden die Schweden UNLEASHED auf dem Party.San OPEN AIR gesehen und geben sich auch in diesem Jahr wieder die Ehre. Die Formation um Johnny Hedlund ist ein Garant für Death Metal direkt auf die Fresse. Aber auch gemächlichere Titel wie 'Don't Want To Be Born' sind im Gepäck. Nach der traditionellen Vorstellung der Bandmitglieder durch Johnny wird mit 'The Longships Are Coming' ein weiterer Klassiker angestimmt. Dann folgt der Up-Tempo-Mosh-Hit 'Death Metal Victory', welcher mit seinem eingängigen Refrain auch mit höheren Promillezahlen mitgrölbar ist. Dieser Umstand wird ausgiebig ausgenutzt: "My warriors, scream for me" wird von Johnny vorgegeben und das Publikum darf mit "Death Metal Victory!" antworten. Dieses Spiel wird gleich mehrmals wiederholt – so kann man ein zweiminütiges Lied auf fünf Minuten ausdehnen. Das Publikum hat Spaß dabei und UNLEASHED wird gebührend gefeiert.
[Stefan Brätsch]

Altbewährt und immer wieder verdammt geil: Auch DYING FETUS ist nach 2016 erneut für ein Gastspiel beim Party.San über den großen Teich geschippert. Und dass das Trio live eine Bank ist, sollte hinlänglich bekannt sein. Mit dem Eröffnungstitel 'Wrong One To Fuck With' und dem nahtlos anknüpfenden 'Fixated On Devastation' (ebenfalls vom aktuellen Album) gelingt ein sauberer Auftakt, der vom Publikum grölend bejubelt wird. Die explosive Mischung gewaltiger Riffs, kellertiefer Growls von John Gallagher (Gesang und Gitarre), fiese Keifer von Kollege Sean Beasley (Bass) sowie die böllernde Doublebass verfehlen ihre Wirkung nicht. Dazu der unnachahmliche FETUS'sche Mördergroove! Dank des sehr guten Sounds kann man hier ohne Untertreibung von einem musikalischen Vorschlaghammer sprechen, der unter anderem mit 'Praise The Lord (Opium Of The Masses)' und 'Grotesque Impalement' musikalische Schellen bietet. Direkt nach dem Auftritt - quasi als Outro - ertönt übrigens der Disko-Klassiker 'Celebration“ von KOOL & THE GANG (!)... ein herrlicher Kontrast. Eben noch zu brutalem Death Metal abgehottet und nun singen sich die Leute im Publikum mit grinsendem Gesichtsausdruck "... celebrate good times, c'mon..." zu. Resümee: Ein verdammt starker Auftritt!
[Martin Loga]

Nach einer längeren Umbaupause färbt sich die Bühne dunkelrot, ein düsteres Intro ertönt sowie das obligatorische "Ladies and gentlemen, from the very depth of the hell – VENOM!" Dann legen die Briten mit ihrem Gassenhauer und Namensgeber einer ganzen Szene los, 'Black Metal'. Den Jüngsten im Publikum muss ja schließlich eindrucksvoll demonstriert werden, wer das Ganze einst losgetreten hat und wo Barthel den Most holt. Die Truppe um Bandkopf Cronos hat im Vorfeld eine "unglaubliche Show" versprochen, und sie hält Wort: Ein Pyroknaller nach dem anderen wird gezündet, während im Hintergrund das überdimensionale Pentagramm-Logo weht. Einziger Wermutstropfen: Schlagzeuger Danté muss mit einer Schulterverletzung passen, dafür springt dessen Drum-Tech ein – und zieht professionell sein Ding durch. Danté selbst darf auch ein paar mit vielleicht etwas viel Pathos versehene Worte an die jubelnden Fans richten und verspricht, bald wieder fit zu sein. Spätestens beim abschließenden 'Witching Hour' ist der Rollentausch dann endgültig perfekt: Als die Bassdrum klemmt, behebt Danté kurzerhand auf allen Vieren kriechend das Problem. Hoch die (Teufels-)Hörner!
[Carsten Praeg]



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Redakteur:
Carsten Praeg

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