Rock im Park/Rock am Ring - Nürnberg/Koblenz

22.07.2008 | 15:13

07.06.2008, Zeppelinfeld/Nürburgring

Vom 6. bis 8. Juni brannte in Nürnberg und in der Eifel wieder die Luft. Marek Lieberberg hatte geladen, und alle kamen zur großen Veranstaltung "Rock im Park/Rock am Ring". Egal ob bekanntere Bands wie DIE TOTEN HOSEN, RAGE AGAINST THE MACHINE und METALLICA oder nur für eingeweihte bekannte Acts wie SONIC SYNDICATE, BLACK TIDE und HIGH ON FIRE - für jeden war was dabei, so auch für Frank Hameister, Frank Jäger und Lars Strutz, die parallel auf den beiden Festivals Eindrücke und Fotos sammelten. Klar, dass bei solch großen Ereignissen nicht jede Band besucht und nicht jede ausführlich dokumentiert werden konnte. Trotzdem wollen wir für alle Daheimgebliebenen und Neugierigen einen kleinen Einblick in die Megaveranstaltung geben. Der Einfachheit halber haben wir die Berichte nach ihrem Veranstaltungsort getrennt, die Fotos stammen allesamt von "Rock im Park". Genug der Worte, viel Spaß mit dem Bericht!

ROCK IM PARK

Als eine der frühen härteren Bands dieses Tages lassen SONIC SYNDICATE auf der Bühne die ersten Kracher los. Die als Castingband verschriene Kapelle aus Schweden nutzt die Gunst der Stunde sowie eine gewaltige Masse an Fans. Denn nur wenige Bands sollten es noch schaffen, die Clubstage so voll zu bekommen und vor allem so euphorisch zu füllen. So gibt es schon vor dem Auftritt gewaltige Chöre und kein Durchkommen an die vorderen Ränge. Dass der Auftritt selbst noch freudiger begrüßt wird, ist dann schon selbstverständlich. Die Band weiß die Euphorie zu nutzen und gibt alles: sympathische Bühnenansagen, Hüpfen, Klatschen und Anfeuerungen in die Publikumsmasse. Als Dank lässt man sich zu einem Circle Pit hinreißen, springt und schreit wie bei der Apokalypse, und trotz der geringen Menge an Kopfhaarspaltern kommt das Publikum nicht zur Ruhe. Dass sich die Clean-Vocals am Anfang nur schwer durch das Mikro klemmen, fällt nicht weiter auf, zumal sich das Problem später legt. Die Setlist, gut durchmischt mit Debüt und Nachfolger, wird noch ansehnlich mit Rauch- und Lichteffekten unterstützt, kommt hervorragend an und bietet sowohl für Fans als auch Neugierige einen guten Einstieg ins Festival.
[Lars Strutz]

Für harte Kerle mit tolerantem Gehör geht es nun zum ersten Mal auf die Hauptbühne zu. KID ROCK lädt ein, seinen Mix aus Hip-Hop, Rock, Metal und Country unter die Menge zu streuen, und legt einen perfekten Start hin. Gleich zu Anfang gibt es die Erfolgssingle 'American Badass', wodurch er das Publikum gleich zu Anfang in seinen Bann zieht. Der lockere "Badass" hat nun nicht nur das Mikro, sondern auch die Zuschauerreaktionen locker in der Hand, was er durch eigenhändig angetriebene "Kid Rock"-Fanchöre, aufgeteilt in weiblichen und männlichen Chor, vortrefflich beweist. Auch sonst merkt man den Amerikaner die Bühnenerfahrung an, und egal ob er jetzt DEEP PURPLE oder LYNYRD SKYNYRD durch seine musikalische Bandbreite zieht, niemand stört sich daran, und jeder geht mit. Langweile kommt auf der Bühne nicht auf, denn neben Ansagen gegen "American Idol" betätigt sich KID ROCK auch an den Drums, den Gitarren, dem Scratchteller und so weiter. Mit gutem Sound gibt es die neue Single oder zum Abschluss noch 'Bawitdaba' serviert, und die Menge freut's.
[Lars Strutz]

Da denkt man, das Härteste auf der Bühne an diesem Tag würden DIMMU BORGIR sein, und wird mit THE BLACK DAHLIA MURDER doch glatt eines Besseren belehrt. Hammersound, energetischer Bühnenauftritt und durchgängig voll auf die Zwölf. Die Metalcore-Helden aus Amerika wissen, wie man die Bühne abfackelt. Traurigerweise hat das Publikum vergessen, wie man den Raum zum Kochen bringt. Von den überraschend wenigen Anwesenden machen sich nur wenige auf, die Inneneinrichtung zu zertrümmern. Der Pit wirkt kümmerlich, und irgendwie kriegen die meisten den Arsch nicht hoch. Was äußerst schade ist, da die Band zudem noch unheimlich gut zusammenspielt und das Gesamtgerüst hervorragend brutal aus den Boxen schallt.
[Lars Strutz]

Wer sich gefragt hat, was die achtziger Jahre inzwischen so machen, darf mal kurz bei BLACK TIDE vorbeischauen. Da ist dieses Jahrzehnt nämlich zu Besuch und macht sich in alten METALLICA- und MAIDEN-Riffs, unterstützt vom zeitgemäßen Outfit der Band, eine schöne Zeit. Gepaart mit unheimlich eingängigen Refrains wie 'Black Abyss' oder 'Shockwave' hat die Band den damaligen Zeitgeist eindeutig auf seiner Seite. Aber leider nicht das Publikum, das aber im Gegensatz zu THE BLACK DAHLIA MURDER durchaus bereit wäre, ordentlich Gas zu geben. Doch mit lahmen Standardsprüchen und runtergenudelten Songs geht auch das beste Publikum nicht an die Decke, da hilft nicht mal IRON MAIDENs 'Prowler'. Der Pit wirkt wieder mal mickrig, und auch die tausendste Refrainwiederholung bringt keine ordentliche Mitsingfreude zustande. Dass der Sound hier wie üblich glänzend ist, ist da nur ein trauriges Randdetail.
[Lars Strutz]

Eigentlich gehörten die Kalifornier HIGH ON FIRE zu den heimlichen Helden dieses Festivals, zumindest für mich. Doch so hervorragend der doomige, psychedelische Mischmasch der Marke ISIS im CD-Player klappt, umso mehr geht er in den großen Hallen von Rock im Park verloren. Diese Erkenntnis hatten schon einige Besucher vor mir, so dass die Halle entsprechend leer ist und nur wenige kommen, um sich die doch recht traurige Show der Band anzuschauen. Mit Dauergrinsen und ohne viel Bewegung vorgetragene Stücke mögen zwar bei MOTÖRHEAD funktionieren, aber ein Song wie 'Death Is This Communion' wirkt anscheinend nur mit einer ordentlichen Dröhnung. Apropos Dröhnung: Dass der tiefe Sound der Band den Sprung auf die große Bühne ohne Verluste schafft, zählt zu einer wahren Meisterleistung des Abends, obwohl sich Gitarrist Matt Pike häufiger an den Soundmann wendet, um hier und da noch was zu drehen. Vielleicht hätte die hypnotische Wirkung der Songs bei mehr Leuten eine wesentlich besser Stimmung verbreitet, doch hier wirkte der Auftritt leider erschreckend trostlos.
[Lars Strutz]

Früher wären HIM wohl auf der Hauptbühne zu finden gewesen. Warum Ville Vallo und Konsorten diesmal nur auf der Alternastage die Gitarren krachen lassen dürfen, wird nach wenigen Minuten schnell klar: Der Band fehlt während des gesamten Auftritts das Headliner-Potenzial. Kurze Ansagen auf Deutsch, wenn überhaupt, können vielleicht in einen kleinen Club noch begeistern, auf der Hauptbühne wäre dieses lustlose Auftreten verschwendete Spielzeit gewesen. Da helfen auch ein früh gespieltes 'Join Me' oder 'Right Here In My Arms' nicht viel. Wenn sich alle drei Frontakteure wie festgenagelt auf ihren Plätzen bewegen, kann auch der größte Hit zu einer Farce werden. Und ein Song wie 'Wicked Game' wird dazu noch gemütlich von viel zu dominanten Drums niedergetrommelt, so dass man einige Probleme hat, die Gitarren zu vernehmen. Lustlos den Backkatalog runterzududeln, ist definitiv der falsche Ansatz.
[Lars Strutz]

Mit einigen Minuten Verspätung und einem Basssound, der einem die Magenhöhle öffnet, machen COHEED AND CAMBRIA gleich zu Anfang eine schlechte Figur, was auch nicht besser wird, als Wuschelmähne Claudio Sanchez mit dem Gesang beginnt. So weit entfernt von den Höhen der Alben bricht für mich mit den ersten Tönen eine Welt zusammen, steht oder fällt für mich die Atmosphäre der Songs doch mit dem unglaublichen Organ von Mr. Sanchez. Doch das alles scheint dem in geringer Anzahl anwesenden Publikum nicht viel zu machen. Begeistert wird der Wirbelwind auf der Bühne aufgenommen, die Textzeilen mit Tränen in den Augen mitgeträllert, und auch die Tatsache, dass die Backgroundsängerinnen sich ihren Namen wirklich verdienen - der Sound ist wirklich sehr weit im Hintergrund - der anwesenden Menge scheint das nichts zu machen. Songs wie 'Ten Speed (Of God's Blood & Burial' oder das packende Finale mit 'Welcome Home' treiben dann auch den größten Pessimisten aus seinem Loch, vor allem, da beim Finale alles an Publikumsgesang, Keyboardspielereien, Mitklatschspielen und sonstigen Publikumsbeteiligungen aufgefahren wird, was möglich ist. Ein auf dem Rücken gespieltes Gitarrensolo und eine gegen Ende endlich hohe Stimme runden ein Gesamtbild ab, dass eigentlich schon von Anfang so gut hätte sein müssen.
[Lars Strutz]

Schon vor dem Auftritt der Band enttarnt sich ein heimlicher Headliner. Denn bei CAVALERA CONSPIRACY ist es vor der Bühne so voll wie nachher nicht mal bei MOTÖRHEAD. Und schon von den ersten Minuten an merkt man, dass die Begeisterung gerechtfertigt ist. 'Inflikted' wird mit Mitsingspielen eröffnet, 'Sanctuary' wird mit kräftigen "Ois" begleitet, und bei 'Bloodbrawl' wird die Menge sogar von ganz allein tätig und öffnet einen Pit nach dem anderen. Was bei einem derart energiereichen Zusammenspiel der Cavalera-Brüder aber auch kein Wunder ist. Und bei der großen Menge an Interaktion mit dem Publikum muss man schon eine sehr kurze Nacht gehabt haben, um sich nicht zu bewegen. Da ist es selbstverständlich, dass sich Frontsau Max auch ab und zu ans Segnen des Publikums mit der Wasserflasche macht, eine willkommene Geste. Und um auch diejenigen, die ohne eine CD der Verschwörung angekommen sind und mit Titeln wie 'Must Kill' nichts anfangen können, zu erfreuen, gibt es aus der SEPULTURA-Hitkiste 'Refuse/Resist' und natürlich 'Roots Bloody Roots'. Es ist fast schon eine Ehre, diesem Ereignis beizuwohnen, und das bei 'Roots Bloody Roots' in der gesamten Menge das Chaos ausbricht, dürfte wohl niemanden verwundern. Die technischen Randbedingungen sind bis auf ein Mikroausfall perfekt, und Details wie Gitarren mit der brasilianischen Flagge drauf runden ein hervorragendes Konzert gelungen ab.
[Lars Strutz]

Für die einen die unnötigste Wiedervereinigung des Jahrzehnts [spontan fallen mir hundert überflüssigere Reunions ein. - OS], für die anderen eine der wenigen Chancen, die Band live zu sehen. Der Auftritt von RAGE AGAINST THE MACHINE mag kritisch beäugt sein, gelungen ist er trotzdem. Der einzige exotische Headliner auf dem Festival legt mit einer großartigen Energie und vor einem geladenen Publikum los, und die begeisterten Publikumsreaktionen sind aufgrund der Spielfreude und des einwandfreien Sounds wirklich angebracht. Mit einem recht frühen 'Bulls On Parade' und dem Gitarren-Gescratche von Tom Morello ist der Einstieg wirklich gut gewählt, und wenn man sich ansieht, wie gut es der Band gelingt, die große Bühne zu füllen, weiß man, dass hieran eigentlich nichts schlecht sein kann.
[Lars Strutz]

MOTÖRHEAD müssen dann unter dem starken Auftritt von RAGE AGAINST THE MACHINE leiden. Kaum einer hat sich aufgemacht, um Songs wie 'Dr. Love', 'Metropolis' oder 'Outlaw' zuzuhören. Nach Lemmys geliebter Aussage "We are MOTÖRHEAD, and we play fucking Rock'n'Roll." und Songs wie 'Stay Clean' oder 'Killers' sind aber zumindest die anwesenden Fans völlig aus dem Häuschen und zelebrieren den Auftritt, wie es sich gehört. Die Band selber ist sehr routiniert, und bis auf wenige Ansagen kommt leider nicht viel von der Bühne. Lemmy kommentiert ein auf die Bühne geworfenes Shirt mit "I don't need your filthy stinking shirt" und Phil Campell versucht das Publikum mit der Ankündigung des neuen Albums "Motörizer" aus der Reserve zu locken. Jedoch lassen sich wenige darauf ein, und so bleibt auch bei den letzten Songs 'Killed By Death', 'Ace Of Spades' und 'Overkill' leider doch recht viel der Umgebung in einem Stück. In Anbetracht eines guten Sounds und einer gut gelaunten Band eigentlich recht schade.
[Lars Strutz]

Wie sehr sich die Menge nach einem neuen AC/DC-Album sehnt, kann man sich früh am Morgen bei AIRBOURNE anschauen. Grad mal ein Album draußen und schon zu früher Stunde eine Meute in der Halle, als wäre die Band mit dem AC/DC-Sound eine der ganz großen. Die sich dadurch ergebende Chance wird auch gleich genutzt, und mit wilden Soli, Gitarrenkunstückchen und einer enormen Energie zeigt die Band, dass sie diese Chance auch nutzt. Das Publikum selber geht begeistert mit, und als am Ende die Single 'Too Much, Too Young, Too Fast' ausgepackt wird, ist es völlig vorbei mit Ruhe und Selbstbeherrschung. Vor allem durch das Verhalten der Band auf der Bühne, die sich wie ganz große Rockstars ausdrückt, bestätigt sich der Eindruck, hier große Nachwuchsstars des Jahres erlebt zu haben. Absolute spitze!
[Lars Strutz]

Mit neuem Album im Gepäck versuchen DISTURBED noch recht früh am Tag, die Hauptbühne zu nutzen, was teilweise auch sehr gut gelingt. Mit 'Stupify', 'Stricken' und der neuen Nummer 'Inflicted' ist das Publikum innerhalb kürzester Zeit auf der Seite der Musiker, und spätestens die Ansage "Germany's infected with the sickness" gibt den Anwesenden den Rest. Der bekannteste Song der Band wird dann auch richtig zelebriert: mit Mitsingereien, verzögerten Intros, Klatschen und einer gut gespielten Schizophrenie. Die hohe Bühnenagilität, die vielen Spielereien mit dem Publikum sowie Dan Donegans Flitzefinger bringen die Show endgültig in ein verdientes Vorderfeld. Einzig die übertriebene Danksagung an Deutschland und die völlig sinnlose Lightshow, die im Tageslicht wirkungslos verpufft, geben Anlass zur Kritik. Trotzdem überaus gelungen und wunderbar professionell.
[Lars Strutz]

Redakteur:
Lars Strutz

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