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Rock im Revier - Gelsenkirchen

14.06.2015 | 18:26

29.05.2015, Veltins Arena

Zugegeben: Es herrschte viel Trubel im Vorfeld des dreitägigen Metal-Spektakels ROCK IM REVIER. Dennoch liefern die Headliner METALLICA, MUSE und KISS super Shows. Und auch über die restlichen Bands sowie die Organisation gibt es nicht viel zu motzen. PM.de berichtet von der Erstausgabe des Festivals.

Ganz offensichtlich war alles ganz anders geplant gewesen, als die Entscheidung getroffen wurde, mit "Grüne Hölle" ein neues Festival am Nürburgring zu veranstalten und somit das alteingesessene und weltweit bekannte "Rock am Ring" zu ersetzen. Der schleppende Vorverkauf von "Grüne Hölle" erschwerte die Situation - trotz Größen wie METALLICA, MUSE, KISS, FAITH NO MORE, INCUBUS oder LIMP BIZKIT im Line-Up. Das Münchener Schwesterfestival "Rockavaria" konnte da bessere Zahlen verbuchen. Schließlich folgte im Frühjahr 2015 der Umzug nach Gelsenkirchen. Die Veltins Arena ist mehr als geeignet für Massenveranstaltungen dieser Größe, wie diverse METALLICA-Konzerte im Schalker Stadion bereits bewiesen.

Durch die Möglichkeit, nun auch Tageskarten zu erwerben, konnte man zusätzliche Verkäufe generieren und so immerhin 43.500 Leute an allen drei Tagen in den Ruhrpott locken. Sicherlich ist man letztendlich mit dieser Zahl weit davon entfernt, ausverkauft zu sein (was INCUBUS leider am härtesten treffen wird), dennoch sind zumindest Tag 1 und 3 sehr gut besucht. Die Atmosphäre des Festivals ist eher entspannt. Über alle drei Tage kommt es zu keinen Unruhen, die Abläufe sind entspannt und die Organisation läuft sehr gut. Von Jungrockern, Familien mit Kindern bis hin zu gestandenen Kuttenträgern ist im Publikum alles vertreten.

29. Mai 2015 - Tag 1

Der erste Tag von ROCK IM REVIER beginnt mit Bändchen holen und erst einmal Orientierung über das Gelände verschaffen, denn das Festival findet mit seinen drei Bühnen nicht nur im Fußballstadion statt, sondern auch im Gebiet drumherum. Leider verpasse ich dadurch EXODUS, was wirklich sehr schade ist, da ich mich ziemlich auf die Thrash-Meister und ihren 'Toxic Waltz' gefreut habe. Los geht es also für mich mit HATEBREED auf der Big Stage, der Hauptbühne in der Arena. 'To The Threshold' eröffnet das Set der metallischen Hardcore-Gruppe um Sänger Jamey Jasta. Dieser ist sich wohl nicht bewusst, dass er in Gelsenkirchen ist und nicht in München, da er das Publikum mehrmals mit "Rockavaria" anspricht. Die Show des Fünfers ist grundsolide. Man bekommt die HATEBREED-Show, die die Band seit Jahren auf Festivals bietet. Nette Publikumsanimationen, die sicherlich nicht mehr spontan sind sondern Routine der letzten Jahre, dazu einen ordentlichen Mix aus PANTERA, Metal und Hardcore in Form von Knüllern wie 'Live For This', 'I Will Be Heard', 'This Is Now' oder dem abschließenden 'Destroy Everything'. Sagen wir es mal so: HATEBREED kann man sich auf großen Bühnen eigentlich immer anschauen, nur fehlt der Gruppe das Feuer, welches die Shows vor acht bis zehn Jahren noch auszeichneten. Zumal man sich auch sehr vom Hardcore-Background abwendete: Die Musiker vorzustellen habe ich bisher nur bei den ganz großen und älteren Bands erlebt und besonders nicht auf Hardcore-Shows. Macht nichts, da es nett ist, alle paar Jahre wieder einmal die alten Hits der Truppe live zu hören.

Weiter geht es zur kleinen Indoor-Bühne Bang Stage, um GALLOWS zu sehen. Dass die Band um 15:15 Uhr ran muss ist ziemlich schade und dass man gleichzeitig mit TESTAMENT spielt, ist noch ärgerlicher. 2009 bei Rock am Ring waren die Briten Headliner im Zelt und spielten direkt nach BRING ME THE HORIZON. Dass die goldenen Zeiten vorüber sind, liegt sicherlich daran, dass Sam Carter nicht mehr am Mikro steht und sich mit selbigen auf der Bühne die Birne blutig schlägt. Dennoch ist ALEXISONFIRE-Gitarrist Wade MacNeil auch schon lange genug dabei, um nicht mehr nur als Ersatz angesehen zu werden. Als ich die Halle betrete, falle ich vom Glauben ab. Wenn überhaupt sind 50 Leute in der Halle! Im Vergleich zu den gut 7000 bei Rock am Ring vor gerade einmal sechs Jahren ist das lächerlich wenig. Das Quartett macht das beste aus der Situation und spielt ihr Set mit viel Lust. MacNeil verbringt die ersten zwei Songs komplett im Publikum und kann sich damit sicherlich bei einigen Sympathiepunkte erspielen. Immerhin wird es im Verlauf des Gigs voller in der Halle, jedoch sind gerade einmal geschätzte 300 Leute das Maximum an Zuschauern für GALLOWS. Der Fokus des Sets liegt auf den Releases des aktuellen Line-Ups. Immerhin gibt es mit 'Misery', 'In The Belly of the Shark' und dem abschließenden 'Orchestra of Wolves' drei Songs von den ersten beiden LPs - jedoch merkt man besonders hier, dass eine zweite Gitarre im Sound fehlt.

Bei UNEARTH im Anschluss ist die Halle wesentlich voller. 'Giles' eröffnet das Set mit ordentlich Power. Den Metalcore-Altmeistern macht man so leicht nichts vor. Die Performance ist wieder einmal sehr gut und strotzt nur so vor Spielfreude, auch wenn Sänger Trevor Phipps sich stets von seiner ernsten Seite präsentiert, während die beiden Gitarristen Ken Susi und Buz McGrath wesentlich lockerer wirken. Neben ausgezeichneter Gitarrenarbeit und massig Pitfutter zockt die Gruppe eine herrliche Setlist, welche so ziemlich alle Releases berücksichtigt. Als alter Fan freue ich mich natürlich sehr über Nummern von "The Oncoming Storm", doch auch Freunde der neueren Werke der Amerikaner kommen auf ihre Kosten: Besonders 'The Swarm' und 'Watch It Burn' werden frenetisch aufgenommen und mit einem ordentlichen Moshpit belohnt. Nach 40 schweißtreibenden Minuten - für Musiker sowie Fans - ist jedoch mit den letzten Tönen vom Hit 'The Great Dividers' Schluss und das Thekenpersonal ist nun am Zug, die durstigen Fans für saftige fünf Euro mit 0,4 Liter Wasser, Cola, Limo oder Bier zu versorgen.

Dennoch ist diese Erfrischung erforderlich, da bei STICK TO YOUR GUNS wieder einiges an Bewegung aufkommen wird. Bereits beim eröffnenden Doppel von 'Nobody' und 'Empty Heads' rastet das Publikum kollektiv aus. Es ist nun noch mal etwas voller als bei UNEARTH, was besonders am Eintreffen viele junger Fans liegt, die STICK TO YOUR GUNS als ihre Helden ansehen. Generell ist die Band in den letzten zwei, drei Jahren extrem populär geworden. Der melodische Hardcore mit vielen Breakdowns und eingängigen Refrains hätte auf der Open Air Bühne Boom Stage beim heutigen Wetter sicherlich noch besser funktioniert. Sänger Jesse Barnett ist mit seiner energiegeladenen Performance stets der Mittelpunkt der Show, während sich seine Mitmusiker etwas bedeckter halten. Besonders die BOYSETSFIRE-Gedächtnishymne 'We Still Believe' wird gegen Ende des Sets von allen Fans lauthals mitgesungen, was für mächtig Gänsehaut sorgt, wenn man sich das Spektakel von den Sitzplätzen in der Halle aus ansieht. Ich muss gestehen, dass mir die Show der Jungs recht gut gefallen hat. Bisher hat mich STICK TO YOUR GUNS eher etwas unterwältigt, allerdings sollte ich mich demnächst noch mal genauer mit ihnen befassen.

Jedoch muss ich die Show der Gruppe etwas verfrüht verlassen, um den Weg zur Big Stage zu bewältigen, da um 18.30 FAITH NO MORE die Bühne betreten wird. Mit etwas Verspätung tun es Mike Patton und Co dann. Die gesamte Bühne ist in weiß gehüllt, die Musiker tragen ebenfalls nur weiße Kleidung, spielen weiße Instrumente und über die gesamte Länge des Bühnenrandes stehen Blumen. Optisch macht das schon einiges her, musikalisch jedoch mehr. 'Motherfucker' vom Reunion-Werk "Sol Invictus" eröffnet die 75 Minuten lange Show der Alternative Metal-Helden. Der Song ist durch seinen passiv-aggressiven Unterton mehr als geeignet, um für FAITH NO MORE als Konzertopener zu fungieren. Das Publikum nimmt die Gruppe sehr gut an, auch wenn man musikalisch schon sehr aus dem Metal-Kontext des Tagesprogramms der Hauptbühne heraussticht. Mike Patton ist sehr gut bei Stimme, so trifft er beim Singen die Töne und kann trotzdem mit Volumen kreischen und wimmern. Seine Band liefert ebenfalls eine gelungene Show ab, die zwischen Genie und Wahnsinn pendelt - ein Balanceakt, den Patton richtig zu genießen scheint. Im Konzertverkauf werden beinahe alle alten Hits gespielt: 'Epic', 'I'm Easy' (der heute übrigens den Metalheads gewidmet ist), 'Land of Sunshine' oder 'Midlife Crisis'. Einzig 'We Care A Lot' wird schmerzlich von den Fans vermisst. Dafür kann man sich auch über Nummern von "Album of the Year" und "King For A Day... Fool For A Lifetime" freuen. Die aktuelle Single 'Superhero' beendet die Show von FAITH NO MORE noch einmal mit viel Schwung und lässt niemanden enttäuscht zurück.

Im Anschluss gibt sich METALLICA die Ehre, den ersten Headliner für Gelsenkirchen zu geben. Die Metal-Könige verzichten auf aufwendige Bühnenaufbauten, haben dafür aber gut 50 Fans auf der Bühne im Hintergrund. Der harte Rocker 'Fuel' dient heute als Einstieg in die gut zweistündige Show der Bay Area-Thrasher. Hetfield ist gut bei Stimme und scheint trotz lichter Reihen Bock auf das Konzert zu haben. Mit 'For Whom The Bell Tolls' und dem Old-School-Thrasher 'Metal Militia' geht es nahlos weiter. Letzt genannter Track war vor der aktuellen Tour von METALLICA das letzte Mal 2011 in der Setlist auf. Auch 'Disposable Heroes' ist kein alltäglicher Song auf Shows von Hetfield und Co. Wirklich selten ist jedoch der "Reload"-Übersong 'The Unforgiven II', den die Band heute zum ersten Mal auf einem regulären Konzert live spielt. Diese Songs sind eigentlich schon die Highlights des Gigs, da sich das restliche Programm wie ein Best-Of der Metal-Band liest. Eigentlich sollte das Quartett viel öfter die Songs austauschen. Genug Material hat man ja. Ein Knaller wie 'Dyers Eve' etwa würde für eine maximal belastete Nackenmuskulatur sorgen.

Wie bereits gesagt, ist das folgende Programm ein Mix aus allen Klassikern der Band. Egal ob das stampfende 'Sad But True', Thrash-Epen der Marke 'Master of Puppets' oder 'One' oder Nackenbrecher wie 'Creeping Death' und 'Seek and Destroy'. Diese legendären Kompositionen müssen Bestandteil einer METALLICA-Show sein. Nur 'Nothing Else Matters' könnte man 2015 wohl mal unter den Tisch fallen lassen beziehungsweise durch etwas anderes ersetzen. Mit 'Lords of Summer' spielt die Gruppe auch ihren aktuellsten Song. Ich muss gestehen, dass ich diesen noch nicht kannte. Die Nummer schwankt sehr zwischen erstklassigen Parts und welchen, die einen nicht vom Hocker hauen. Dennoch kann man mit dem "Death Magnetic"-Material locker mithalten. Besonders das Solo von Kirk Hammet ist ein Highlight im Songaufbau.

'Enter Sandman' rundet und schließt den Auftritt der Rockstars ab. Gut zwei Stunden hat die Band Vollgas gegeben - was mich sogar etwas wundert. Ich hätte erwartet, dass die Band wegen der halbvollen Halle nicht so viel Lust hätte und den Auftritt verkürzt. Stattdessen hat man eine normale Setlänge geboten und eine Überraschungen gespielt. Besonders besagtes 'The Unforgiven II' hat es mir (und hörbar auch einigen anderen im Publikum) angetan. METALLICA ist ein gelungener Abschluss für den ersten Festival-Tag.

Hier geht es zu Tag 2...

Redakteur:
Sebastian Berning

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