Rock im Revier - Gelsenkirchen

14.06.2015 | 18:26

29.05.2015, Veltins Arena

Zugegeben: Es herrschte viel Trubel im Vorfeld des dreitägigen Metal-Spektakels ROCK IM REVIER. Dennoch liefern die Headliner METALLICA, MUSE und KISS super Shows. Und auch über die restlichen Bands sowie die Organisation gibt es nicht viel zu motzen. PM.de berichtet von der Erstausgabe des Festivals.

30. Mai 2015 - Tag 2

Vom Line-Up her ist der zweite ROCK IM REVIER-Tag etwas durchwachsen. Auf der einen Seite treten mit Gruppen wie PARADISE LOST, ORCHID, SAINT VITUS, ORGANGE GOBLIN und BABY METAL härtere Metal-Bands auf. Dem gegenüber stehen aber Alternative-Bands wie MUSE, INCUBUS, LIMP BIZKIT, THE HIVES oder TRIGGERFINGER. Tag 2 vermisst also eine musikalische Linie und wirkt zumindest stilistisch etwas durchwachsen. Metal-Fans werden kaum 70€ für eine Tageskarte zahlen, um PARADISE LOST nachmittags für eine Dreiviertel Stunde zu erleben und Abends noch mal eine Stunde SAINT VITUS zu bekommen. Für das Alternative-Publikum sind dafür Tag 1 und 3 nicht wirklich interessant, sodass eigentlich nur Tageskarten bleiben.

PARADISE LOST ist die erste Band, die ich mir anschaue. Die Doom/Gothic/Death Metaller dürfen um 15.20 Uhr auf der Bang Stage ans Werk gehen. Für eine Band mit diesem legendären Status ist die Position im Line-Up zu weit unten, zumal wenn neuere Bands wie BABY METAL oder EISBRECHER nach den Briten spielen werden. 'The Enemy' dient als Eröffnungsnummer in eine Reise durch musikalisch eher triste Landschaften. Immerhin spielt das Wetter mit und der Himmel ist von grauen Wolken bedeckt. Viel zu sehen gibt es im Verlauf der Show jedoch nicht. Das englische Quintett läuft nur wenig über die Bühne, sondern konzentriert sich auf das eigene Spiel und etwas Headbangen. Einzig der äußerst sympathische Nick Holmes bewegt sich beim Singen über die Bühne, zieht es jedoch auch vor, am Mikroständer zu verweilen, währen der Songs wie 'Gothic' oder das neue 'Terminal' grunzt. Sein cleaner Gesang sitzt jedoch auch, was besonders dem düsteren Rocker 'Erased' zu Gute kommt. Leider ist nach gerade einmal neun Songs Schluss mit der musikalischen Trauerfeier. Ich hätte noch gut und gerne zwei, drei Songs mehr vertragen. Immerhin kam auch das brandneue Werk "The Plague Within" mit nur einem Track viel zu kurz.

Dann sackt das Programm des Tages ordentlich zusammen. Eigentlich spielt absolut keine Band, die mich interessiert. Man nimmt das kleinere Übel und wählt die schwedischen Rotz-Rocker THE HIVES aus, die auf der Hauptbühne antreten. Von der Tribüne aus sieht man erst das ganze Ausmaß: Es ist nichts los. Die Ränge sind beinahe komplett leer und im Innenraum ist auch gerade nur ein Drittel gefüllt. Dass THE HIVES jedoch 2015 noch auf der Hauptbühne spielen darf, ist mir jedoch auch ein kleines Rätsel, da die MTV-Tage der Schweden schon ein paar Jahre zurück liegen. Dennoch muss ich sagen, dass mich die Band recht gut unterhält. Sei es wegen der rotzigen Show oder den noch viel rotzigeren und spaßig-arroganten Ansagen von Sänger Pelle Almqvist. An der Musik liegt es zumindest nicht. Der Indie Rock der adrett gekleideten Schweden war noch nie meine Baustelle, auch wenn 'Walk Idiot Walk' und 'Hate To Say I Told You So' recht ordentliche Nummern sind - damals wie heute. Doch ist Almqvists piepsig-freche Stimme kaum die ganze Spielzeit über zu ertragen. Was die Show angeht, macht der Mann durchaus eine gute und teils routinierte Figur, gesanglich hingegen schwächelt er - live wie auf Platte jedoch.

Nun muss sich entschieden werden, inwiefern man 2001 wieder durchleben möchte: INCUBUS auf der Hauptbühne oder LIMP BIZKIT auf der Boom Stage. Nach einem eher peinlichen Auftritt von Fred Durst beim 2010er Pukkelpop fällt die Entscheidung leicht. INCUBUS wird musikalisch wohl mehr zu bieten haben als das einstige Nu Metal-Flagschiff. 'Wish You Were Here' versetzt einen direkt ins Jahr 2001 als "Morning View" erschien. Die Nummer ist bis heute eine der stärksten der amerikanischen Alternative Rocker. Die Jungs sind etwas in die Jahre gekommen, besonders bei Sänger Brandon Boyd entdeckt man ein dezentes Grau in seinen langen Haaren. Dafür ist er stimmlich jedoch sehr gut und klingt nicht schlechter als auf den LPs, die das Sextett weltweit erfolgreich machte. Leider sieht man von diesem Erfolg nicht viel. Geschätzt sind gerade einmal 4.000 bis 5.000 Leute in der Arena, in der ich METALLICA schon vor 45.000 Menschen gesehen habe. Das sieht natürlich von oben absolut spärlich aus, aber die meisten Nasen sind wohl bei LIMP BIZKIT. Man hätte die beiden Bands wohl nicht zu selben Zeit auftreten lassen sollen. Trotz den sehr lichten Reihen hat INCUBUS jedoch sichtlich Spaß an der Show und rockt sich mit viel Freude durch das 14 Song starke Konzert. Besonders ältere Songs wie 'Nice To Know You', 'Pardon Me', 'Vitamin' oder 'Drive', welchen Boyd bereits einmal in Deutschland gehört haben will als er auf einer öffentlichen Toilette war, kommen bei den Fans sehr gut an. Nach 'Megalomaniac' ist  nach knapp 70 Minuten jedoch Schluss und die entspannten Rocker verlassen die Bühne.

Selbst bei den Headlinern MUSE wird die Arena nicht wirklich voll. Erst nach und nach kommen die Leute von LIMP BIZKIT zu ihnen, sodass sich der Showbeginn knapp 20 Minuten verzögert. Dann endlich gehen die Lichter aus und das Trio eröffnet mit dem neuen Song 'Psycho', der bereits durch ein Video im Vorfeld der Albumveröffentlichung bekannt ist. Die Stimmung bei den etwa 12.000 Zuschauern ist sehr gut. Ob MUSE etwas enttäuscht ist, dass man nicht vor ausverkauftem Haus spielt, weiß ich nicht. Möglich ist es, da man zwei Songs weniger spielt als am Tag zuvor bei Rockavaria in München.

Neben direkt vier Nummern vom noch unveröffentlichten Album "Drones" liefert die britische Alternative Rock-Band ein Best-Of-Set, welches den Fokus auf "Absolution", dem meiner Meinung nach stärksten Werk des Trios, setzt. 'Apocalypse Please' sorgt mit seinen heftigen Klavieranschlägen für Gänsehaut, 'Hysteria' rockt ordentlich drauf los und 'Time Is Running Out' ist Futter für eine gewaltige Gesangseinlage des Publikums, die wohl nur durch 'Plug In Baby' getoppt wird. Schade, dass die beiden von der Setlist gestrichenen Songs 'The Resistance' und 'Madness' waren, da diese sicherlich auch für massig Begeisterung auf Seiten der Fans gesorgt hätten. 'Reapers', ebenfalls ein Vorgeschmack auf "Drones" beendet dann den ersten Teil der Show.

MUSE kehrt jedoch für drei Zugaben zurück auf die Bühne. 'Uprising' macht den Anstoß für das Finale des zweiten Festivaltags. Das poppige 'Starlight' folgt direkt und sorgt mit seinem großen Refrain erneut für Gänsehaut am ganzen Körper, bevor der obligatorische Rausschmeißer 'Knights of Cydonia' die Show nach etwas mehr als 90 Minuten beendet. Sänger und Gitarrist Matthew Bellamy, Bassist Christopher Wolstenhoimes und Drummer Dominic Howard verbeugen sich noch ein, zwei Mal vor ihren Fans und verlassen dann die Bühne. Leider zwei Songs weniger als in München, dennoch war es eine erstklassige Show, die durch super Sound und eine erstklassige Lightshow glänzen konnte.

Hier geht es zu Tag 3...

Redakteur:
Sebastian Berning

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