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Summer Breeze 2003 - Abtsgmünd

19.09.2003 | 06:26

21.08.2003, Festivalgelände

Donnerstag, 21.08.2003


Main Stage


SLEEPINGGODSLIE

Ich hatte wieder einmal die (zweifelhafte) Ehre, die erste Band des Festivals anschauen zu dürfen. Besonders scharf war ich darauf eigentlich nicht, denn von SLEEPINGGODSLIE, denen diese Opener-Position zugedacht wurde, wusste ich vor dem Gig außer dem Namen absolut gar nichts. Ich wusste also auch nicht wirklich, welche Art von Musik mich erwarten würde, aber vielleicht war das auch gut so?!? ;-)
In jedem Fall gaben sich die Jungs aus München sehr viel Mühe, die vergleichsweise wenigen Leute, die sich bis dahin auf das Festivalgelände verirrt hatten, für ihre Musik zu begeistern. Mit Songs wie 'Higher Grounds' oder 'The Agony' legten SLEEPINGGODSLIE auch recht flott los, doch wirkliche Begeisterungsstürme löste die Mischung aus alternativem Rock und NuMetal - Sänger Pablo bezeichnete dies als "Pussy-Rock" - nicht aus. Es ging weiter mit 'Babylon' und 'Forever Gone Today', doch der vermeintliche Höhepunkt war das schnelle 'The Force', das mir mit Abstand am besten gefiel und bei dem Pablo nochmal richtig abging. Eine Handvoll Fans ließ sich davon auch anstecken und feierte die Band ab, während die Mehrheit jedoch eher verhalten reagierte. Mit 'Informa Fi Dead' beendeten SLEEPINGGODSLIE ihren an sich recht soliden Auftritt, der mich aber rein musikalisch nicht überzeugen konnte.
[Martin Schaich]


SINCERE

Als die letzten Töne von FINAL BREATH auf der Pain Stage verklungen waren, ging es auch gleich auf der Main Stage weiter. Dort bot sich ein für SUMMER BREEZE-Besucher sehr gewöhnungsbedürftiges Bild: Es waren nicht die üblichen langhaarigen Bombenleger, die da losrockten, sondern vier hagere Jungs aus Antwerpen, die ihre Haarstacheln in den Wind hielten.
Auch musikmäßig hoben sie sich mit ihren grunge- und punkrockigen Stücken von den meisten anderen Bands auf dem SUMMER BREEZE ab. Mit von der Partie waren hauptsächlich Songs von der "Darkside Escort Service" wie zum Beispiel 'Centerfold Girl' mit dem blubberigen Gitarrensound oder 'Killerboys On Acid', das einen stark an GUANO APES erinnerte.
Zwischen den einzelnen Songs waren die Jungs zwar nicht sehr gesprächig, was daran gelegen haben mag, dass sie normalerweise flämisch sprechen. Aber bei der knapp bemessenen Spielzeit muss man sich eben schon mal mit einer kurz angebundenen englischen Ansage begnügen.
Auch die Bühnenshow fiel eher langweilig aus: Man konnte zwar sehen, dass sie sich mächtig an ihren Instrumenten anstrengten, aber ansonsten wurde außer ein bisschen Kurzhaarbanging nichts geboten.
[Ulrike Bopp]


BLOODFLOWERZ

Das die BLOODFLOWERZ schon immer eine Musikervereinigung waren, deren Konzertperformance stark von der Tagesform abhängt, ist nicht unbedingt etwas Neues.
Ein Totalausfall wie auf dem SUMMER BREEZE geboten hingegen lässt dem Musikfreund das Blut in den Adern gefrieren. Die Blutblumen-Maschine hatte gewaltig Sand im Getriebe, selbst wenn man der Truppe zugute hält, dass weder Arsch-Wärme noch Sonnenschein wirklich gut zu “Herbstmusik” wie Gothic Rock passen, sprang der Funke kaum aufs Publikum über, was nicht zuletzt daran lag, dass es auch zwischen den Blutblumen nicht wirklich funkte. Ich zumindest hatte keine Sekunde lang das Gefühl, dass die Band als Einheit agierte. Hiermit meine ich nicht nur, dass der Ziegenbart-Gitarrist sowohl vom Stageacting als auch vom Ziegenbart her immer noch nicht zum Gothic Rock passt, sondern vor allem, dass ich dort oben statt einer Band mehrere Schnipsel sah: Bass und Leadgitarre liefen gut zusammen, Ziegenbart-Gitarre, Drums und auch Sängerin Kirsten allerdings schienen verloren und einsam, obwohl doch eigentlich zu fünft auf der Bühne.
So war es kein Wunder, dass die Songs, obwohl routiniert gezockt, merkwürdig emotionslos und als ziemliche Gähner herüberkamen. Wenn man nun die - gerade ob der kurzen Spielzeit viel zu ausführlichen - Ansagen Kirstens (deren merkwürdiger Moderationsstil mit übers Knie gebrochenen Überleitungen auf Teufel komm raus leider mehr und mehr Richtung peinlich und nicht Richtung Kult kippt) und echt dumme Ideen wie einen gar luschtigen Mitklatsch- und Mitsing-Part in einer traurigen, getragenen Nummer, deren Refrain irgendwie auf “Death” endete hinzunimmt, konnte auch eine gelungene Songauswahl mit allen Hits vom Debütalbum und einigen Songs vom aktuellen Longplayer nicht mehr allzu viel retten.
Kein Wunder somit, dass die BLOODFLOWERZ mich diesmal enttäuscht bis aufs Blut zurückließen. Ich hoffe auf Besserung bei der nächsten Clubshow.
[Philipp v. d. Knesebeck]


NAPALM DEATH

Eines vorweg: Ja, Barney Greenway hat immer noch kurze Haare, aber so langsam gewöhnt man sich an alles. :-)
Vor allem gewöhnt man sich an grandios brutale NAPALM DEATH-Shows, denn die Birminghamer Jungs können offenbar einfach keinen schlechten Auftritt hinlegen. Das Grindcore-Gewitter knallte vorzüglich rein und spätestens jetzt wusste jeder, dass er sich auf einem Metal-Festival befand.
Kurioserweise entwickelte sich erst in der zweiten Hälfte des Auftritts ein ordentlicher Moshpit, vorher wirkten die Zuschauer doch noch etwas verhalten. Vielleicht lag es am einsetzenden Regen, der die Leute aufweckte und von Barney treffend mit "English fucking weather" kommentiert wurde. Nachdem man (und Frau) sich etwas warmgemosht hatte, war dann pünktlich zum Abschlussdoppel 'Nazi Punks Fuck Off' und 'Siege Of Power' der Teufel los. NAPALM DEATH waren wie immer wild und tight und konnten auch beim öchzigsten Festivalauftritt mit ihren bekannten Stärken mächtiglich abräumen.
[Stephan Voigtländer]


RAGE

Eine Band, die schon so lange im Geschäft ist und schon so viele Alben veröffentlicht hat wie RAGE, die ist aus der deutschen Metal-Szene einfach nicht mehr wegzudenken. Und seit sich Peavy Wagner die beiden Ausnahme-Musiker Victor Smolski und Mike Terrana in die Band geholt hat, ist bei RAGE auch eine gewisse Kontinuität eingekehrt, die sich in hervorragenden Scheiben niederschlägt. Und über die Live-Qualitäten brauchen wir wohl erst gar nicht diskutieren... .
Wie schon in Wacken, so kam auch dieses Mal wieder Mike als Erster auf die Bühne, der von seinem Drum-Kit aus eine kurze Ansage machte, ehe es richtig los ging, und zwar mit dem Uralt-Klassiker 'Don't Fear The Winter', der natürlich auch gleich zum ersten, recht gut aufgenommenen Mitsingteil führte. Leider hatte Victor dann einige Probleme mit seiner Gitarre, sodass es eine kleine Verzögerung gab, die Peavy mit einem 'Higher Than The Sky'-Chor zu überbrücken versuchte - jedoch nur mit mäßigem Erfolg. RAGE hatten den Schwerpunkt bei der Songauswahl zwar auf die letzten beiden Platten "Welcome To The Other Side" ('Paint The Devil On The Wall', 'Straight To Hell') und "Unity" ('Down', 'Set This World On Fire') gelegt, aber auch ältere Songs wie 'Sent By The Devil' und 'Black In Mind' - dieses Mal ohne den 'Solitary Man' - gab es zu hören. Wie bei RAGE schon üblich, gab es natürlich auch wieder ein Drum- und ein Gitarren-Solo, aber erfreulicherweise hielten sich Mike und Victor auch dieses Mal wieder stark zurück. Mit 'War Of Worlds' hatten Peavy & Co. schließlich auch schon einen Vorgeschmack auf das im Oktober erscheinende Album "Soundchaser" dabei. Danach gab es zum Abschluss noch die Live-Pflicht-Nummern 'From The Cradle To The Grave' und 'Higher Than The Sky', die beide großartig abgefeiert wurden, und vor allem bei letzterem war natürlich noch einmal kräftig mitsingen angesagt, und zwar um einiges begeisterter und lauter als noch zu Beginn des Konzertes. Unter dem Strich also ein weiterer, sehr ordentlicher Auftritt von RAGE - wie eigentlich nicht anders zu erwarten.
[Martin Schaich]


KROKUS

Was musste ich beispielsweise im Vorfeld des Festivals im SUMMER BREEZE-Forum lesen: Wie kann man nur eine Band wie J.B.O. oder KROKUS verpflichten? Diese Bands wären ja nur langweilig und würden doch überhaupt nicht zum SUMMER BREEZE passen... . Naja, Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, doch dass diese beiden Bands wohl mit für die meiste Stimmung gesorgt haben, ist unbestritten. Ich bin mir daher auch ziemlich sicher, dass nicht wenige ihre Vorurteile gegenüber KROKUS nachträglich überdacht haben.
Die Schweizer Hard-Rocker legten mit 'Heatstrokes' vom 1980er-Album "Metal Rendez-Vous" los, und man merkte von Anfang an, dass sie der Meute vor der Bühne zeigen wollten, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Mit 'Mad World' ließen sie sogleich einen Song vom aktuellen Output folgen, ehe sich Sänger Marc Storace erstmal erkundigte, ob denn alle wohlauf seien ("You feel alright?"). Natürlich war das nur eine rein rhetorische Frage, denn die Stimmung war vom ersten bis zum letzten Song hervorragend. Dafür sorgte vor allem natürlich die Band selbst, die sich äußert gut gelaunt präsentierte und auch sehr beweglich war. Es ging mit dem GUESS WHO-Cover 'American Woman' weiter, bevor es Zeit für eine Reihe von KROKUS-Klassikern wurde, wie zum Beispiel 'Bad Boys, Rag Dolls' oder 'Stayed Awake All Night', das mit einem sehr langen, aber ebenso guten Instrumentalteil daherkam. Nach Marcs "goldener Frage", ob Abtsgmünd wohl die Rock-Hauptstadt sei, ging es mit 'Rock City' - klar! - weiter. Bei 'Rock 'n' Roll Tonight' hatte das Publikum dann mal wieder die Gelegenheit, in die Singspielchen einzustimmen, die bei einem Hard-Rock-Konzert einfach nicht wegzudenken sind, und die Leute ließen sich auch nicht lange bitten. Mit 'Screaming In The Night' wurde es kurzfristig etwas ruhiger - eine Ballade ist erlaubt! -, aber danach wurde umso kräftiger gerockt. Der KROKUS-Klassiker schlechthin, 'Easy Rocker', wurde dementsprechend begeistert abgefeiert, und auch der aktuelle Titel-Song 'Rock The Block' kam sehr gut an. Damit wollten es KROKUS dann schon bewenden lassen, doch das wollte sich das Publikum nicht gefallen lassen. Die Schweizer kamen schließlich auch noch einmal zurück auf die Bühne, um mit 'Long Stick Goes Boom' (goil!) und 'Bedside Radio' zwei Zugaben zu spielen. Wenn es nach den Fans gegangen wäre, dann hätten KROKUS noch die eine oder andere Stunde länger spielen können, aber der Zeitplan wollte da nicht mitmachen.. Schade eigentlich, denn der Auftritt von KROKUS war wirklich überragend - Chöre im Publikum wie "Who the hell is Angus Young?" sprechen ja eine deutliche Sprache... .
[Martin Schaich]


SUBWAY TO SALLY

Auch wenn das neue Album "Engelkrieger" seit seiner Veröffentlichung im vergangenen März nicht nur mit freundlichen Kritiken bedacht wurde, konnten sich SUBWAY TO SALLY kaum über mangelndes Publikum beschweren. Im Gegenteil: Richtig eng wurde es, als die Potsdamer zu nächtlicher Stunde die Main Stage betraten und mit 'Der Geist des Kriegers' aus genanntem Neuwerk loslegten. Und die Leute gingen auch gleich von der ersten Minute an mit - Boykott? Aber so was von Fehlanzeige! Lautstarkes Mitsingen hieß die Devise, sowohl bei den weiteren folgenden Neu-Songs 'Unsterblich', 'Narben' und 'Falscher Heiland' als auch den anschließenden Klassikern, zu denen u.A. 'Henkersbraut', 'Ohne Liebe', 'Kleid aus Rosen' und der 'Veitstanz' gehörte. Zugegeben, bei den Stücken älteren Datums kochte die Stimmung ein paar Grade heißer als beim aktuellen Material, aber Alles in Allem konnten sich SUBWAY TO SALLY mal wieder eines grandiosen Zuspruchs erfreuen - Crowdsurfer, ein Meer klatschender Hände, hüpfende Massen und "Der Schrei"-Chöre aus tausenden Kehlen, STS-Feeling pur. Und für diese ganz eigene Stimmung boten die (ehemaligen) Mittelalter-Heroen selbst auch einiges: Neben einer gigantischen Lightshow und allerhand wohlbekannten Pyroeffekten wie Feuerspucken, Flammenwerfer und -fontänen brillierten Jungs und Mädel durch - wie sollte es anders sein - atemberaubendes Spiel an ihren vielfältigen Instrumenten und einfach ihre sympathische Art. Müßig zu erwähnen also, dass der 1 1/2stündige Auftritt der Engelskrieger Party und Spaß en masse bot - trotz Routine nach wie vor eine Macht auf der Bühne.
Die obligatorischen "Blut, Blut..."-Gesänge aus dem Publikum beendeten den Gig schließlich standesgemäß mit 'Julia und die Räuber'. Neben KROKUS hatten SUBWAY TO SALLY definitiv das stimmungsmäßig beste Konzert des Tages - die Band ist einfach eine Live-Größe, auf die man sich verlassen kann.
[Kathy Schütte]


Pain Stage


FINAL BREATH

Mitten in der Nacht (so gegen 14:30 Uhr) hatten FINAL BREATH die Ehre, die Pain Stage auf dem diesjährigen SUMMER BREEZE zu entjungfern. Eine zweifelhafte Ehre, ist ein solcher Platz auf dem Billing doch ein Garant für ein schlecht besuchtes Konzert, verkaterte Zuschauer und allgemein miese Stimmung.
Doch was ist das? Zum Zeitpunkt meiner Ankunft vor der Bühne beim dritten oder vierten Song hatten die sympathischen Thrash-Deather aus dem Fränggischn die Sache bereits klar gemacht: Eine kleine, aber umso enthusiastischere Meute vor der Bühne war bereits dabei, die Truppe um Fronter “Eumel” Jürgen abzufeiern bis zum letzten – und das nicht zu Unrecht!
Tight prügelte sich das Quintett durch sein - kurzes - Set und machte dabei die oben erwähnten Standortnachteile durch Spielfreude und gute Laune wett. Wenn ein Maniac wie Jürgen mit einem Hansen-mässigen Kreisgrinsen über die Bühne rotiert, ist es schwer bis unmöglich, keinen Spaß zu haben.
FINAL BREATH befinden sich meiner Meinung nach steil auf dem Weg nach oben!
[Philipp v. d. Knesebeck]


EDENBRIDGE

EDENBRIDGE hatten relativ gängigen Heavy Metal am Start, der recht einfach strukturiert war. Leider wurde zum Großteil lediglich schon oft Gehörtes geboten, ohne dass eine eigene Note erkenntlich gewesen wäre. Außerdem wirkten einige Songs zu konstruiert und auch der dominante Keyboardsound war mir deutlich zu viel des Guten. Ein Aushängeschild hat man natürlich mit Sängerin Sabine Edelsbacher an Bord, die sehr sympathisch wirkte und über eine gute Stimme verfügt, deren Stageacting allerdings auch nicht gerade in den Bann ziehend war.
Musikalisch konnten mich EDENBRIDGE nicht vom sprichwörtlichen Hocker reißen, was auch für Teile des Publikums galt. Beim letzten Song, ihrem großen "Hit" 'Cheyenne Spirit' (vom Debüt "Sunrise In Eden"), gingen die Zuschauer aber sehr gut mit, was allerdings nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass die meisten restlichen Songs nur gepflegte Langeweile boten.
Somit muss man deutlich festhalten, dass sich EDENBRIDGE musikalisch leider nicht besonders von der breiten Masse abheben. Auch der Pluspunkt Sabine Edelsbacher konnte die Österreicher nicht aus einem gewissen Mittelmaß hervorheben.
[Stephan Voigtländer]


PSYCHOPUNCH

Hola, was ist denn das? PSYCHOPUNCH sind ein Haufen wilder Psychs und waren für mich ganz klar die positive Überraschung dieses SUMMER BREEZE. Vier Typen, die aussehen wie untote Rock'n'Roller, die die Gitarren ultratief eher an die Oberschenkel als in die Beckengegend hängen (die Antithese zu Joey “Bass-unter-der-Achsel” deMaio) und die fett den Rock im Blut haben. Um mir als altem Psych die volle Befriedigung zu geben fehlte da echt nur noch der Kontrabass, ansonsten wurde perfekt dreckiger Rock'n'Roll mit Punkelementen, geilsten Basslines, Mitgröhlrefrains und allem was sonst so dazu gehört geboten. Hammer Hammer Hammer! Zusätzlich gab's noch eine Gedenknummer für Joey und Dee Dee, selbstverfänglich stilecht one-two-three-four angezählt. Was soll ich sagen? Dafür, dass ich von der Band vorher nicht mal wusste, dass sie existiert, hat sie mein Herz im Sturm erobert. Und ich war nicht allein, trotz menschenverachtender Hitze vor der Pain Stage wurde gepogt und gewreckt was das Zeug hergab.
Ein kurzes Probehören auf der Bandpage verriet mir zu guter Letzt auch, dass die Jungs auf Platte mit fast genauso viel Anlauf in den Arsch treten – ich hatte schon Angst, diese Neuentdeckung (für mich zumindest) würde auf Platte eher nach BLINK 182 klingen, aber glücklicherweise wissen PSYCHOPUNCH auch gepresst zu überzeugen.
Leute, schnappt euch n Bier und n paar Freunde, zieht die Lederjacke mit dem Leobesatz an und geht zur Deutschlandtour in den ersten drei Oktoberwochen!
Da ich mir schon beim ersten Song dachte “die passen da hin” möchte ich auch ausdrücklich darauf hinweisen, dass der Sänger der Truppe auf einigen Fotos auf der Bandhomepage ein Shirt meiner Stammkneipe (Wild At Heart, Berlin) trägt!
[Philipp v. d. Knesebeck]


SYMPHORCE

Und wieder setzte die Pilgerreise von der Mainstage zur Painstage ein, denn SYMPHORCE hatten ihr Werk begonnen: Grüne Nebelschwaden umhüllten die Bühne und erhabene mystische Klänge ließen sich vernehmen. Die Anhänger der Truppe harrten ungeduldig aus. Doch plötzlich ging ein Raunen durch die Menge, das bald zu einem Grölen anschwoll: Der erste Recke war aus dem Nebel aufgetaucht und bereitete sich darauf vor, das Trommelfeuer zu eröffnen. Kurz darauf wuchs das Grölen der Meute zu wildem Gebrüll und Gekreische an, denn zwei weitere Krieger tauchten auf und machten eine Menge Lärm und Getöse, indem sie mit Inbrunst an ihren Stahlsaiten rissen. Als nun endlich der Meister der Stimmgewalt alias Andy auf das Schlachtfeld stürmte und anfing zu brüllen und zu singen, brach die Schlacht los: Die fünf Recken schüttelten wild ihr Haupthaar und ihre Anhänger taten es ihnen gleich. Um die Kampfesmoral der tapferen Recken aufrecht zu erhalten wurden Schlachtrufe wie 'Unbroken' , 'Until The Last' und 'Reveal The Secrets' eingesetzt, die alsbald über den ganzen Platz ertönten. Doch trotzdem waren die Herzen der Krieger von Zeit zu Zeit mit Angst erfüllt, denn ihren Augen entging nicht, dass ihr vokaler Anführer - von den Anstrengungen des Kampfes und vor lauter Rührung, dass ihm so viel Gefolge zujubelte - sehr geschwächt war. Doch nachdem er sein Haupt mit erfrischendem Wasser gekühlt hatte, konnte er schon wieder die lärmenden Boxen besteigen und eine total neue Melodie anstimmen, die er noch nie zuvor mit seinen Kumpanen geprobt hatte. Doch die Zeit ging zu Ende, denn SYMPHORCE mussten weiter ziehen. Aber bevor sie das taten, wurden sie noch von ihren Anhängern mit einer Welle aus Händen verabschiedet.
[Ulrike Bopp]


PUNGENT STENCH

PUNGENT STENCH (mit Martin Schirenc von HOLLENTHON am Mikro) servierten ein death'n'rolliges Geknüppel, das ordentlich groovte und Headbangfutter erster Güte war. Die Ösi-Töter gingen ordentlich ab und machten Spaß, indem sie sich ihre Spielfreude deutlich anmerken ließen und viel Energie versprühten. Die Sickos mit den leicht anatomisch angehauchten Texten sind sicherlich nicht die technisch anspruchsvollste DM-Kapelle, aber gerade live bestechen sie durch ihr lockeres und doch sehr aggressives Auftreten.
Die alten Schoten wie 'True Life' und 'Klyster Boogie' (vom 94er Album "Club Mondo Bizarre") kamen beim Publikum genauso hervorragend an wie die Uralt-Schinken der Marke 'Shrunken And Mummified Bitch' oder das Debütalbum-Medley bestehend aus 'For God Your Soul... For Me Your Flesh', 'Blood, Pus And Gastric Juice' und 'Extreme Deformity'. Von der Comeback-Scheibe "Masters Of Moral - Servants Of Sin" (nach fünfjähriger Pause eingeholzt) wurde mit 'Viva Il Vaticano' zwar unverständlicherweise nur ein einziger Song zum Besten gegeben, aber das war im Grunde auch egal. Unumschränktes Highlight war jedoch das Cover des Evergreens 'La Bamba', der auch nach dem Auftritt noch für einige Zeit in meinem Hirn umherkreiste. Mit 'Four F Club' war auch noch ein zweiter Coversong dabei, welcher original von den MENTORS stammt.
Alles in allem boten PUNGENT STENCH eine gute Show, bei der es ordentlich zur Sache ging und darauf kommt es schließlich an.
[Stephan Voigtländer]


PYOGENESIS

Dass sich hinter dem Namen PYOGENESIS keineswegs eine "normale" Metalband verbirgt hatte sich bereits unter den SUMMER BREEZE-Besuchern herumgesprochen. Eine Pop-Rock-Band auf dem SUMMER BREEZE ist ja nicht gerade das, was der Durchschnittsmetaller so erwartet. Aber trotzdem füllte sich der Platz vor der Bühne deutlich, als PYOGENESIS mit ihrer Show begannen. Und die meisten, die gekommen waren, um sich das Spektakel anzusehen, werden es nicht bereut haben. Denn auch die Jungs von PYOGENESIS haben sich offensichtlich im Vorfeld Gedanken gemacht, wie sie denn die Massen auf dem SUMMER BREEZE begeistern sollen - die ja nicht so ganz ihrem derzeitigen Zielpublikum entsprechen. Und so kam es, dass die Band extra für das SUMMER BREEZE nochmal ihre alten rockigeren Stücke, wie zum Beispiel 'Fade Away', 'It's On Me' und 'Those Churning Seas' einstudierten. Aber trotzdem ließen sie es sich nicht nehmen, auch einige ihrer neueren Songs, wie 'Don't You Say Maybe', 'I Feel Sexy' und 'Silver Experience' zu spielen, welche ebenfalls gut ankamen. Die Fans ließen sich jedenfalls von der Musik mittragen und schubsten sich bald nur noch im wilden Pogorausch durch die Gegend.
Aber PYOGENESIS hatten nicht nur an die Ohren, sondern auch an die Augen der SUMMER BREEZE-Gemeinde gedacht: Mit ihrem recht ungewöhnlichen Bühnenoutfit - schwarze Hemden mit dunkelroten Kravatten - und einer hypermodernen Pyrotechnikshow entwickelten sie sich zu einem richtigen Hingucker.
[Ulrike Bopp]


THE KOVENANT

Elektro-Metal mit psychotischer Note als Betthupferl - THE KOVENANT hatten die Ehre, den ersten Tag des SUMMER BREEZE 2003 mit ihrer tanzbaren Gitarrenmucke abzuschließen. Durch entsprechende Light-Show veredelt legten ein deutlich in die Breite gegangener Lex Icon und Co denn auch einen annehmbaren Gig aufs Parkett, dem es an Atmosphäre und Tanzbein-Animierung nicht mangelte. OK, die Songs des neuen Albums "S.E.T.I." sind für meinen Geschmack zwar nicht wirklich prall, aber live verursachten sie zumindest keine derben Kopfschmerz-Anfälle wie die gepressten Versionen - und die Abstecher in "Animatronic"- und "Nexus Polaris"-Zeiten machten den faden Beigeschmack glücklicherweise wieder gehörig wett. Das waren aber auch zwei hammergeile Scheiben, schade, dass THE KOVENANT dieses Niveau leider nicht halten konnten... .
Bis um 1.30 Uhr in der Früh belieferten die Norweger das noch in großer Zahl vor der Bühne mitfeiernde Publikum mit u.A. Songs wie 'Mirror's Paradise' 'Jihad' und 'Mannequin', bis es dann wirklich Zeit wurde, die Segel zu streichen. Lex wird's wohl auch recht gewesen sein, sah er zum Ende mit seiner vom Schwitzen verlaufenen Schminke im Gesicht doch ziemlich fertig aus... .
[Kathy Schütte]

* * *

Spruch des Tages von Saufbruder Henri: (unser Herr Schluckspecht kommt gerade vom KROKUS-Gig zurück an den Stand getorkelt und strahlt übers ganze Gesicht) "Ich habe KAKTUS gesehen!!!"

Redakteur:
Kathy Schütte
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