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Wacken Open Air 2004 - Wacken

20.09.2004 | 14:11

05.08.2004,

DONNERSTAG, 05.08.2004

TRUE METAL STAGE

ZODIAC MINDWARP
ZODIAC MINDWARP, darauf hatten sich vor allem die älteren Kaliber im Publikum ordentlich gefreut, waren Mark Manning und seine Truppe doch für längere Zeit von der internationalen Bühne verschwunden. Trotzdem sammelte sich vor der Hauptbühne schon eine sehr große Schar Interessierter, die dem Rock-&-Roll-Sound der Briten lauschte und auch mit Applaus nicht geizte. Und es wurden von Minute zu Minute mehr Leute, die sich von den Merchandise- und Bierständen lösen konnten und Manning's Mannschaft einen warmen Empfang schenkten. Leider war ich mit dem Material von ZODIAC MINDWARP bis dato nicht vertraut und hatte im Voraus keine Ahnung, was mich erwarten würde, jedoch konnte auch ich mich sehr schnell für den klassischen Rock begeistern, wobei es mir besonders die ersten paar Songs angetan hatten. Zwischendurch hatten ZODIAC MINDWARP allerdings auch einen kleinen Hänger, der nach dem mäßigen ALICE COOPER-Cover `Feed My Frankenstein´ schnell wieder vergessen gemacht werden konnte.
Am Ende boten die Briten eine knappe Stunde lang bestes Entertainment, zeigten, dass sie über die Jahre hin nichts verlernt hatten und bei weitem noch nicht so hüftsteif agieren wie einige der Kollegen aus der selben Ägide.
Fazit: Ein würdiger Opening-Act!
(Björn Backes)

MOTÖRHEAD
Vor dem Abschiedsgig der BÖHSEN ONKELZ durften dann noch die unverwüstlichen MOTÖRHEAD ran. Musikalisch haben die Jungs zwar mittlerweile jegliche Relevanz verloren, aber die neuen Alben klingen immer wieder nett, und live sind MOTÖRHEAD zumindest immer unterhaltsam. Mikkey Dee trommelt wie ein Kraftwerk, Lemmy ist einfach Lemmy und Phil Campbell ist als Gitarrist für MOTÖRHEAD ganz klar erste Wahl. Mit 'Life's A Bitch' und 'Inferno' gab es zwei neue Songs, die sich perfekt ins Set einfügten, das ansonsten aus den üblichen Verdächtigen ('R.A.M.O.N.E.S.', 'No Class', 'Civil War', 'Killed By Death', 'Ace Of Spades' etc.) bestand. Schade nur, dass es den gesamten Gig hindurch Probleme mit dem Sound gab, die nie wirklich behoben werden konnten, darunter litt die Stimmung doch erheblich. Und ein Drum- und Gitarrensolso ist immer noch nicht wirklich spannend. Trotz der Zugaberufe: Das war eher mal solide. Definitiv kein Gig für die Ewigkeit.
(Herbert Chwalek)

BÖHSE ONKELZ
Angesichts der großen Diskussionen im Vorfeld war ich doch etwas verwundert, wie voll es auf dem Festivalgelände war. Dabei trugen bei weitem nicht alle Anwesenden ONKELZ-Shirts, was mir zeigte, dass es doch mehr ONKELZ-hörende Metalfans gibt, als manchen lieb ist. Anscheinend war es doch nur eine kleine intolerante Randgruppe, die in sämtlichen Foren Stunk machte. Ein kollektives "Wir fahren wegen der ONKELZ und ihrer Fans nicht zum Wacken" gab es jedenfalls definitiv nicht. Ich konnte auch nirgendwo Naziaufmärsche beobachten, und falls doch vereinzelt Idioten gesichtet wurden: Die gibt es ebenso auf anderen Konzerten.
Doch nun zur "Night to remember": Wie es sich für einen Auftritt der ONKELZ gehört, waren die Fans von der ersten Note von 'Hier sind die Onkelz' an voll da und sangen auch bei 'Dunkler Ort' bis in die hintersten Reihen lauthals mit. Derweil wirkte der kräftige Sänger Kevin auf der Bühne etwas müde, Gitarrist Gonzo und Bassist Stefan dafür aber um so agiler. Von der neuen und letzten Platte "Adios" gab es zunächst nur 'Immer auf der Suche' und 'Superstar', dafür schürten 'Finde die Wahrheit', 'Narben' oder die harte Version von 'Ich bin in dir' weiter die Stimmung. Nur am Sound haperte es manchmal. So war Gonzos Akustikgitarre zu Beginn von 'Buch der Erinnerung' überhaupt nicht zu hören. Manchmal patzten die ONKELZ aber auch selber, so wie Kevin, der bei 'Heilige Lieder' eine komplette Textstelle ausließ. "Jetzt wisst ihr, warum wir aufhören. Wir vergessen schon unsere eigenen Texte", scherzte ein sichtbar gutgelaunter Stefan Weidner. Ansagen kamen von ihm nur wenige an diesem Abend, stattdessen jagte ein Klassiker den nächsten. Insgesamt 28 (!) Songs, von 'Stunde des Siegers' über 'Nie wieder' und 'Nur die Besten sterben jung' bis zu 'Kirche'. Beim erstmals live gespielten 'Wie tief willst du noch sinken' zeigte Gonzo in bester Jimmy-Hendrix-Manier, dass die vier Jungs aus Frankfurt sehr wohl ihre Berechtigung auf der True-Metal-Stage haben. Nur selten wurde wie bei 'Nichts ist für die Ewigkeit' sowie 'Für immer' der Fuß vom Gaspedal genommen. "Wollt ihr noch mal pogen?" fragte Stefan, und nach dem folgenden 'Terpentin' sangen die Fans noch minutenlang den Chorus. 'Onkelz vs. Jesus' und 'Die Firma' läuteten die Zugabe ein, in der natürlich auch das wie immer lautstark geforderte und von den Fans bereits a capella gesungene 'Mexico' nicht fehlen durfte. 'Auf gute Freunde' wurde Lemmy und MOTÖRHEAD gewidmet. "Hört in den nächsten Tagen nicht zu viel True Metal", mahnte Stefan augenzwinkernd und kreischte anschließend "Metal!" ins Mikro. Der Gig endete standesgemäß mit 'Erinnerungen', das nun zum ersten Mal eine völlig neue Bedeutung erhielt: Beim Wacken, das dank der Onkelz vor acht Jahren groß wurde, läuteten die wilden Jungs ihren Abschied ein. Mit einem großartigen Gig, der in die Rockgeschichte eingehen wird.
(Carsten Praeg)


Redakteur:
Herbert Chwalek

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