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With Full Force IX - Roitzschorja/Leipzig

16.07.2002 | 10:46

05.07.2002,

Samstag, 06.07.2002

[Mainstage...BAZZOOKA]

Tag 2 für das größte Crossover Festival auf deutschem Boden, und gleich die erste Band belegte eindrucksvoll, daß der Begriff Crossover in diesem Fall trifft wie die Faust auf das berühmte Auge. Mit BAZZOOKA stand eine Band aus dem schönen Berlin auf der Bühne und ich wette 10 zu eins, daß mindestens die Hälfte der Anwesenden nicht damit gerechnet hatten, was da nun auf sie zukommen würde.
Speechcore nennen sie selbst ihren Mix aus HipHop und Hardcore mit kleinen Anleihen im Metalbereich. Deutsche Texte, die auch ohne den berühmten Zeigefinger auskommen und doch nicht ins Belanglose abdriften.
Gleich 2 Shouter brachten ihre Message unters Volk, und das eindrucksvoll stimmgewaltig und agil wie zwei Backenhörnchen auf Speed. Dj Gonzales an den Turntables unterlegte das ganze dann schön Old School mit feinen Scratches und Mixes (wetten, daß sich die anwesenden Metaller so was nicht erträumt hatten *g*).
Um es auf den Punkt zu bringen : „BAZZOOKA´s in the house
Wir gehen straight geradeaus"
[Tatjana]

[Mainstage...HEAVEN SHALL BURN]

"Hatte vorher noch nie was von Euch gehört, war eher per Zufall so früh schon vor der Full Force-Bühne... RESPEKT! Selten, daß mich eine mir gänzlich unbekannte Band so mitreißt.
Großartiger Gig, klasse Musik, muß ich mir glatt mal näher anhören."
Soweit ein Eintrag aus dem Gästebuch der Band. Und ich muss sagen, der gute Phil, so nennt sich der Mann, der den Eintrag „ verbrochen“ hat, trifft den Nagel auf den Kopf.
Mit HSB hab ich meine Überraschungsband 2002 vom WFF mit nach Hause genommen.
HEAVEN SHALL BURN stammen aus Thüringen und machen spielerisch eine Gratwanderung zwischen Death Metal, Heavy Metal und Hardcore. Dabei erhält keine der genannten Richtungen den Vorzug, und Sänger Marcus grunzt und kreischt sich die Seele aus dem Leib.
Der gute Mann ist übrigens ein lebender Beweis dafür, daß man auch ohne Fleisch jede Menge Power haben kann. Soweit ich weiß lebt die Band vegan und Straight Edge; wer jetzt nicht genau weiß, was Straight Edge bedeutet, dem empfehle ich, sich doch mal im Internet umzuschauen.
Auch mit ihren politischen Ansichten hielt die Band nicht hinter dem Berg und widmete einen ihrer Songs der „Good Night White Pride“ Bewegung, die sich dafür einsetzt, Nazis und anderes rechtsradikales Gesocks aus der HC Szene herauszuhalten.
Alles in Allem ein sehr erfolgreicher Auftritt; ich wünsche der Band Alles Gute und werde sie ganz sicher im Auge behalten.
[Tatjana]

[Mainstage...HAEMORRHAGE]

Was die Spanier auf dem With Full Force boten, soviel schon mal vorweg, katapultiert sie geradewegs an die Spitze der Grindcore Liga. HAEMORRHAGE haben sich ja kontinuierlich von CD zu CD gesteigert und mit „Morgue Sweet Home“ schon DEN Grindknaller des Jahres 2002 abgeliefert, aber noch besser, sie konnten das auch live bestätigen.
Zu einem netten (hähä) Intro marschierte die Band mit blutbeschmierten Arztkitteln auf die Bühne um dann gleich mit einem Grindinferno loszulegen, dass sich gewaschen hat. Der Sound klang schön roh, dabei aber nie zu clean und auch das Stageacting war obercool. Die Instrumentalabteilung hielt sich bis auf Basser Ramon zwar zurück, das glich Sänger Lugubrious, der blutverschmiert und mit irrem Blick über die Bühne stapfte, aber locker wieder aus.
Der Mann gab gekonnt den Psychopathen, simulierte immer wieder das Aufschlitzen seiner wichtigsten Adern, kam zu einem Song mit Maulkorb und Kette auf die Bühne und animierte die Meute vor der Bühne unablässig mit seinem „Come On, Morticians“, „Come On, Pathologists“ Gebrülle, nur um sich nach dem nächsten Song mit „Thank you very much“ artig zu bedanken, endgeiler spanischer Akzent inklusive. Aber auch musikalisch mähten HAEMORRHAGE alles nieder und wahrten dabei geschickt die Balance zwischen derben Blastgebretter und ultrageilen, groovigen Midtempoparts.
Songs wie „Mortuary Riot“, „Virulent Mass Necropsy“ oder das coole „Midnight Mortician“ kallten ohne Ende genau wie „Anatomized“, das vom Debüt „Emetic Cult“ stammt, von dem überraschend viele Titel gespielt wurden. Mit DER HAEMORRHAGE Grindhymne schlechthin, „I`m A Pathologist“ endete ein sehr gut aufgenommener Auftritt der Überraschung des diesjährigen With Full Force. Hammer!
[Herbert]

Exotenbonus. Für meine Begriffe eher ein Ausdruck der Überheblichkeit, gepaart mit selbstgefälligem Mitleidsgehabe. Und etwas, das die spanische Grindcore-Posse von HAEMORRHAGE partout nicht nötig hat, verfügt die seit Anfang der Neunziger aktive Band doch über reichlich Erfahrung und ein ganzes Leichenschauhaus voller Hobbypathologen-Gassenhauer wie "Mortuary Riot" vom aktuellen "Morgue Sweet Home" Album oder "Decom-Posers", welche die Band dank spielerischer Potenz und einer mehr als unterhaltsamen Bühnenshow auch auf der Hauptbühne eine überzeugende Figur machen liessen. Dies kann man sich so vorstellen, daß da eine Truppe von in neckische Arzt-Couture gewandten Irren mit messerscharfer Präzision illuster betitelte Multi-Akkord-Gemetzel zelebrierte, welche wie eine zugänglichere Version alter CARCASS-Kracher daherkommen. Klingt gut, was?
Dazu witzige Ansagen in köstlichem Iberer-Englisch ("Thanka you, Withhh Fulla Force"), bemerkenswert lockeres Schlagzeugspiel und ein durchgeknallter, beschwerdefrei growlender Frontmann, der nicht nur seinen Astralkörper mit reichlich roter Farbe verziert hatte, sondern dessen Stageacting offensichtlich maßgeblich von langjähriger Beobachtungen des Orang-Utan-Geheges im Madrider Zoo beeinflusst ist. Ganz unverkennbar war der gute Mann, ein Blickfang und Showmaker durch und durch, mit ordentlich Spaß bei der Sache, wobei seine permanenten Selbstverstümmelungsgesten mit dem Mikro und der gelegentliche Einsatz eines Braunbär-tauglichen Maulkorbs nicht darauf ausgelegt waren, von etwaigen musikalischen Qualitätsdefiziten abzulenken.
Summa summarum eine höchst amtliche Darbietung der Südeuropäer, die den guten Eindruck ihrer jüngst absolvierten Tour mit CRYPTOPSY und PROFANITY absolut zu bestätigen vermochten. Caramba!
[Rainer]

[Mainstage...PUNGENT STENCH]

Und weiter gings auf die ganz sicke Tour. Mit dem Unterschied, daß die Österreicher von PUNGENT STENCH im Gegensatz zu HAEMORRHAGE auf der ganzen Linie enttäuschten, so hart das auch klingen mag. Mag sein, daß der Verfasser die Darbietung der Wiener ein wenig überkritisch bewertet, zumal die Vorfreude und somit auch die Erwartungshaltung seinerseits ausgesprochen groß war. Anyway, auch bei neutraler Sichtweise konnte das Trio trotz kultiger Songs wie "Shrunken And Mummified Bitch", "True Life" oder "Klyster Boogie" und ungeachtet sauberen Vortrags nicht überzeugen. Sicher ist es eine Crux, daß die Könige des schlechten Geschmacks viele ihrer betont partykompatiblen alten Lieder nicht live spielen dürfen, der BPS sei es gedankt. Und doch, auch aus den etwas unspektakulären neue(re)n Sachen hätte man mehr herausholen können, ja müssen. Allerdings, ohne jegliche Showelemente -sieht man mal von Sänger Martins Soutane samt darunter befindlichem SM-Outfit incl. verschärften Hot Pants ab- und in trotz des erstaunlichen Andrangs derart unterkühlter Manier konnte die Truppe keinen Blumentopf gewinnen. Die jüngst reunierte Truppe wird sich in Zukunft gehörig steigern müssen, ansonsten wird der von der Plattenfirma angezettelte Hype um die Band schnell zur Einbahnstraße. Schade.
[Rainer]

[Mainstage...GRAVE DIGGER]

Mit GRAVE DIGGER stand eine der ganz wenigen reinen Heavy Metal Bands auf dem Programm und was soll ich sagen? Sie wussten durchaus zu gefallen!
Mit Songs wie „Excalibur“, „Heavy Metal Breakdown“ und „Rebellion“ kann man bei einem Festival Gig nun wirklich nichts falsch machen.
Leider hatten sie anfangs etwas unter schlechtem Sound zu leiden, der sich aber mit zunehmender Spieldauer besserte.
Ein dickes Minus geht aber an den Drummer und den Keyboarder: Jungs! Ab mit euch in die Musikschule und konsequent üben, üben, üben!
Ich glaube ich trete keinem eingefleischten GRAVE DIGGER-Fan zu Nahe, wenn ich die These aufstelle, daß bei Drum- und Keyboard-Arbeit doch eher der einfachere Stil gespielt wird. Sprich, dat Zeug is gez echt net all zu schwer! (Sind wir hier im Ruhrpott, oder was? – Herbert)
Doch der Drummer schaffte es konsequent, hinter seinen Bandkollegen hinter her zu hinken und der Keyboarder, tja... entweder hat sich jemand den bösen Scherz erlaubt und dem guten Mann die Tasten vertauscht oder aber er hat wirklich ziemlich oft hart am Song vorbei gespielt!
Loben möchte ich an dieser Stelle aber die exzellente Gitarrenarbeit von Manni Schmidt und die sehr gute ( für seine Verhältnisse) stimmliche Leistung eines Herrn Bolzenstahl! Der übrigens den Eindruck machte, daß er momentan keiner mir bekannten Droge frönt und wenn doch, dann will ich auch von dem Zeug!
Jedenfalls haben GRAVE DIGGER die Fahne des Heavy Metals hoch gehalten und konnten zufrieden von der Bühne gehen. (Aber wieso kam nur ein Song von der neuen Scheibe?? – Herbert)
[Tatjana]

[Mainstage...SUBWAY TO SALLY]

Hach ja, SUBWAY TO SALLY. Eigentlich könnte ich hier schreiben: gut wie immer, das würde die Sache perfekt treffen und die Show auf den Punkt bringen. Aber ich will dann doch etwas mehr berichten: nach einem Intro und einigen Pyros stiegen SUBWAY TO SALLY mit einer neuen Version von „Sag` Dem Teufel“ in ihren Set ein.
Schon da fielen zwei Dinge auf: Frau Schmitt wirkte richtig erotisch und Erics Frisur sieht immer noch scheiße aus. Das Publikum jedenfalls war von der ersten Sekunde an begeistert und hüpfte im Verlauf des Sets fleißig auf und ab, immer wieder von Eric Fish animiert, der routiniert, genau wie die gesamte Band, den Set abspulte. Die Songs waren jedenfalls SUBWAY TO SALLLY, wie man sie kennt und liebt: „Henkersbraut“, „Kleid Aus Rosen“, „Ohne Liebe“, „Veitstanz“ und „Mephisto“. Dazu kamen dann noch etliche altertümliche Instrumente zum Einsatz, Eric spuckte Feuer und die Fans sangen begeistert mit. Allerdings gab es doch ein paar bemerkenswerte Dinge: unschön war die Tatsache, dass Frau Schmitt während des Sets ein ums andere mal mit ihrer Geige kämpfte, die meistens kaum zu hören war, dafür war der Sound ansonsten ganz gut.
Gitarrist Ingo hingegen blühte richtig auf und bewegte sich manchmal sogar an den Bühnenrand, um seine Riffs zu spielen...habe ich so häufig noch nie gesehen. Und als Schluss war, war Schluss...kein „Julia Und Die Räuber“, keine Sprechchöre. Trotzdem ein gewohnt guter Auftritt der Potsdamer, aber kein Highlight.
[Herbert]

[Mainstage...KREATOR]

Es gibt Bands, die haben für mich eine ganz besondere Bedeutung und KREATOR zählen auf jeden Fall dazu, immerhin war „Coma Of Souls“ eine meiner ersten Heavy Metal Scheiben. Insofern freue ich mich immer wieder auf einen Auftritt der Mannen um Mille, den ich persönlich von allen deutschen Thrash Urgesteinen am meisten schätze.
Und ich wurde nicht enttäuscht. Mit „Violent Revolution“ und „Reconquering The Throne“ erwischten KREATOR einen bombigen Einstieg, so dass bald die ersten Sprechchöre zu hören waren. Und KREATOR legten gleich nach: „Extreme Aggression“, „das gnadenlose „People Of The Lie“, „All Of The Same Blood“, „Phobia“ und „Renewal“. Gerade die letzten beiden Songs, die ja von KREATOR Hardlinern nicht unbedingt gemocht werden, kamen sehr gut rüber und zeigten, dass KREATOR sich für diese Songs keinesfalls zu schämen brauchen.
Aber es ging ja noch weiter: „Pleasure To Kill“ und das schleppende „Servant In Heaven, King In Hell“ machten endgültig klar, dass KREATOR im Thrash Bereich nach wie vor eine Macht sind. Die gesamte Band glänzte mit engagiertem Stageacting, der Sound war trotz der Tatsache, dass die Gitarren am Anfang zu undifferenziert klangen, gut und Mille hatte einige recht intelligente Ansagen am Start. Zum Schluss gab es dann das tödliche Doppelpack, bestehend aus „Flag Of Hate“ und „Tormentor“, an dessen Ende schwarzer Rauch die Bühne vernebelte und KREATOR hatten wieder einmal eindrucksvoll ihre Klasse bewiesen. Hoffentlich bleiben uns Mille und Co. noch lange erhalten!
[Herbert]

[Mainstage...OOMPH!]

Abends halb 9 in Roitzschorja, der Tag neigt sich langsam dem Ende zu und eine große Menge an Menschen versammelt sich vor der Bühne. Sie versammeln sich, um ihrem Meister und seiner Maschinerie zu huldigen, ihrem Meister, dem sie gewillt sind aus der Hand zu fressen und aufs Wort zu folgen.
Seine Mannen gewandt in graues Leinen, er selbst das rote Herz, der Mittelpunkt der Bühne, das Herzstück der Maschine.
Jetzt aber mal mit etwas mehr Ernst und weniger pathetisch frisch ans Werk: OOMPH! wussten zu begeistern und das nicht zu knapp.
Sei es jetzt durch das unheimlich gut eingespielte Team, den unglaublich heftigen Schlagzeugsound oder einen sichtlich gut gelaunten Dero, der ganz ergriffen war von der Hingabe der Massen.
Textsicher wie ein Mann wurde jeder, aber auch wirklich jeder Song mitgegrölt bzw. -gesungen. „Fieber“, „Keine Luft Mehr“, „Das weiße Licht“ u.v.a.m. ließen einen keine Minute zur Ruhe kommen. Es wurde gehüpft, gesungen und geklatscht bis einem fast die Luft weg blieb.
Ein rundum gelungener Gig, der trotz aller Professionalität Nähe zur Band und dem Material zuließ.
[Tatjana]

[Hardbowl...STRIFE]

Es gibt jedes Jahr immer eine Band, die mich zur Hardbowl Bühne zieht. Waren das letztes Jahr STAMPIN` GROUND, so freute ich mich dieses Mal auf STRIFE, deren „One Truth“ CD allerfeinsten Metalcore bietet.
Und auch wenn ich etwas verspätet ankam, so pusteten STRIFE doch von der ersten Sekunde an alles an die Wand. Es ist immer wieder unglaublich, mit welcher Energie Hardcore Bands zu Werke gehen. Kein Bandmitglied stand stumm auf seinem Platz, um seinen Part runterzuspielen, die Instrumentalfraktion sprang wie angestochen über die Bühne, während Sänger Rick Rodney seine Botschaften aggressiv ins Mikro schrie. STRIFE jagten jedenfalls eine Metalcore Granate nach der anderen ins begeisterte Publikum, das sogar einen Circle Pit zustande brachte.
Beim letzten Song „Through And Through“ sprang Sänger Rick dann ins Publikum, während der Rest der Band nochmal alles gab, selbst der Typ am Effektgerät ging ab. Eine supercoole Show, bei der fast zwangsläufig nach einer Zugabe geschrieen wurde, die die Fans in Form von „Angermeans“ auch bekamen. Danach war dann endgültig Schluss, STRIFE hatten aber eindrucksvoll bewiesen, dass sie sich in Sachen Intensität und Aggressivität hinter keiner anderen Band verstecken brauchen. Ein gelungener Ausflug!
[Herbert]

[Mainstage...AGNOSTIC FRONT]

Ach, der Samstag: ein Tag stetiger musikalischer Abwechslung auf der Hauptbühne: von BAZZOOKA zu STS, von HAEMORRHAGE zu GRAVE DIGGER spannte sich der Reigen und zwischen den exaltierten -und einmal mehr grandiosen!- Bombast-Dramatikern von OOMPH! und den Godfathers of Rock`n´Roll, also MOTÖRHEAD, lag es an AGNOSTIC FRONT, die beeindruckende und nach einem langen Festivaltag allmählich ermattende Menschenmenge front stage mit ihren ureigensten Tugenden wieder auf Vordermann zu bringen: simpel, dreckig und fies, ein authentischer Straßenkämpfer-Mischmasch aus Hardcore, Punk und Oi! für die ganz harten Burschen, gewürzt mit schunkelkompatiblen Mitgröl-Smashern für die breite Mehrheit der Sympathisanten oder bloßen Konsumenten.
Klinge ich begeistert? Pure Absicht, Kinners, denn die New Yorker zeigten der im Hintergrund der Bühne reichlich versammelten Konkurrenz einmal mehr, wo der Hammer (alternativ der Baseball-Schläger) hängt. Ungeachtet eines schlechten Sounds rotzten Vinnie Stigma & Co. Granaten wie "Something´s Gotta Give" und "Believe", "Victim In Pain", "Before My Eyes" oder "My Life" mit kaltblütiger Entschlossenheit herunter und verwandelten die ersten Reihen in ein Tollhaus, an dem jedes Unfallkrankenhaus seine helle Freude gehabt hätte.
Zudem konnten die Amis mit "Gotta Go" wie schon auf dem WFF 2000 DEN Mitgrölhit des Festivals für sich verbuchen, wobei der gewohnt locker brüllende Frontrowdy Roger Miret mit je einer East- UND Westcoreband als Background-Plärrern ein eindeutiges und sehr ehrliches Statement für den Zusammenhalt in der HC-Szene abgab. Unmittelbar danach folgte mit "Police State" ein weiteres Publikums-Highlight, wobei der Rudy Giuliani gewidmete Nackenbrecher die wohl lautesten "Fuck You!"-Fangesänge der WFF-Historie für such verbuchen durfte.
Wie üblich eine eindrucksvolle Demonstration wahrer und zugleich fannaher HC-Einstellung und -kompetenz, mit welcher das Quartett seinen Posten als Co-Headliner mühelos rechtfertigte.
[Rainer]

[Mainstage...MOTÖRHEAD]

Frage an Radiö Eriwan: können MOTÖRHEAD einen schlechten Gig spielen?
Antwört: im Prinzip ja, aber es ist sehr, sehr unwahrscheinlich.

Wer kann schön vön sich behaupten, vön den Darbietungen der Herren Kilmister, Campbell und Dee jemals wirklich enttäuscht wörden zu sein? Zu pröfessiönell geht die Truppe zu Werke, zu lang ist die Liste an unkaputtbaren Klassikern, zu größ die Ausstrahlung vön Röck`n´Röll-Messias Lemmy.
Sö kam es denn wie erhöfft und das Triö erwies sich erwartungsgemäß auch im zweiten Jahr ensuite als würdiger Headliner, welcher die schier endlösen Massen vör der Hauptbühne mit einem bunten Reigen neuerer Söngs und alter Knaller verwöhnte, begünstigt durch einen krachenden Söund.
Einmal mehr gab ein gut aufgelegter Lemmy söuverän den charismatischen Zeremönienmeister, zerschrötete Trömmel-Derwisch Mikkey Dee sein Schlagzeug mit besessenem Spiel und brillierte der sträflich unterbewertete Klampfer Phil mit exquisiter Gitarrenarbeit.
Shöwelemente wie der andernörts wieder ausgegrabene Bömber blieben außen vör, stattdessen verliessen sich MOTÖRHEAD auf die Wirkung einer gelungenen Setlist, welche diesmal Bringer wie "We Are Motörhead", "No Class" oder "Bomber", "Civil War", "R.A.M.O.N.E.S" und "Shoot You In The Back" umfasste.
Gegen Ende des regulären Sets gab es dann nebst "Sacrifice" und "Going To Brazil", "Killed By Death" und "Iron Fist" auch nöch eine kurze Sölöeinlage des unermüdlichen Mikkey Dee zu bestaunen, ehe "Ace Of Spades" und "Overkill" den Abschluß eines einmal mehr höchst unterhaltsamen MOTÖRHEAD-Auftrittes bildeten. Klasse!

Frage an Radiö Eriwan, die zweite: gab es wirklich nichts zu kritisieren?
Antwört: im Prinzip nein, aber "Just `Cos You´ve Got The Power" wäre live schön lange mal wieder fällig.
[Rainer]

[Saturday Night Fever...KNORKATOR]

Ganz schön voll hier...lag das am Lokalmatadorenstatus oder ist das KNORKATOR Following tatsächlich so groß? Naja, wie dem auch sei, wer zu einem KNORKATOR Gig geht, den interessieren solche Fragen nur peripher, Hauptsache man hat genügend Spaß!
Und da bekam man einiges geboten, sei es Gitarrist Buzz Dee, der stoisch seine Riffs schrubbt, natürlich bei jedem Song auf einer anderen Gitarre oder sei es Frontmann Stumpen. Der zeigte sich gut aufgelegt, entledigte sich im Set dann seiner drei Overalls, divte von der Bühnentraverse ins Publikum und forderte immer wieder „Applaus“, den er auch bekam. Musikalisch spielten KNORKATOR unter anderem „Ich Lass Mich Klonen“, „Schmutzfink“ und eine coole Coverversion von „All That She Wants“ (na, wer kennt den Originalinterpreten noch, hmm???).
Höhepunkt in meinen Augen war aber die gesungene Matheformel, eine vollkommen abstruse Berechnung, untermalt von noch blöderen Schaubildern. Interessant war nur, dass das Keyboard heute heil blieb und außer einer Staubwedelattacke und einigen Tanzeinlagen keine Zerstörungsorgien ausgesetzt war. Zum Schluss feuerten KNORKATOR dann irgendwelche Gegenstände in die Menge, das Publikum jubelte nochmals und vorbei war der Spuk. Ich fands zwar nicht so witzig, dafür hatte der Rest erkennbar seinen Spaß...
[Herbert]

[Saturday Night Fever...ZIMMERS HOLE]

Also, für manche Bands braucht man wohl eine gewisse Anzahl von Promille im Blut, und da ich nichts trinke, hatte ich ein echtes Problem mit ZIMMER´S HOLE.
Kann natürlich auch einfach sein, daß sich mir der Humor der Band nicht erschlossen hat, weil mir ein gewissen Quäntchen an IQ fehlt *lach*
Allein das Bühnenbild machte mich etwas Schmunzeln: umgedrehte Kreuze, an die menschenähnliche Figuren geschlagen waren. War wohl provokativ gemeint, kam aber eher etwas albern rüber.
Produziert wird die Band im übrigen von niemandem geringeren als DEVIN TOWNSEND; dessen Einfluss war deutlich spürbar, auch wenn die Band nicht den unverwechselbaren Charme eines TOWNSEND mitbrachte.
Für mich wirkte die Band sehr bemüht, auch wenn man ihnen vom Spielerischen großen Respekt zollen muß; aber bei aller Situationskomik wirkte die Band auf mich streckenweise sehr unsicher.
Ich war jedenfalls heilfroh, als die Ansage für den letzten Song erklang und ich wusste, ich hab diesen infernalischen Lärm bald hinter mich gebracht.
In mir hat die Band keinen neuen Fan gefunden, was bei der großen Resonanz aber auch nicht weiter auffallen wird :-)
[Tatjana]

Jaaaaaaaaaaaaaaa...endlich war es soweit, die irren Kanadier waren gekommen, um zu zeigen, wie eine amtliche Achterbahnfahrt durch metallische Gefilde auszusehen hat. So war schon die Bühnendeko eine echte Augenweide und während des Sets explodierten ständig irgendwelche Pyros. Musikalisch war die Band absolut auf der Höhe, der Drummer wechselte mühelos zwischen den verschiedensten Tempi hin und her und auch Sänger Chris „The Heathen“ Valago growlte mal böse drauflos, um im nächsten Moment KING DIAMOND mäßig hoch zu singen.
Nur das Feuerspucken sollte er noch üben, denn beim ersten Mal war noch alles in Ordnung, beim zweiten Mal sah man die Flamme schon zurückkommen und beim dritten Mal standen dann seine Haare und sein Bart in Flammen. Nachdem ein Roadie mit einem Handtuch die Flammen erstickt hatte, machte der Mann aber weiter, als wäre nichts gewesen.
Das war auch gut so, denn Songs wie „The Hole Is The Law“, „Death To The Dodgers Of Soap“, „Evil Robotics“, „1000 Miles Of Cock“ oder „Mushroom Mattress“ kamen verdammt geil und konnten das Publikum ohne weiteres überzeugen. Die beiden Sethighlights waren aber das abgefahrene „White Thrash Momma“ und das allen VoKuHiLas gewidmete NAZARETH Cover „This Flight Tonight“. ZIMMERS HOLE konnten jedenfalls musikalisch voll überzeugen und verbreiteten dabei auch noch jede Menge Spaß, eine astreine Show!
[Herbert]


[Saturday Night Fever...ALEC EMPIRE]

Oha, wenn ich gewusst hätte, was mich zu dieser nachtschlafenen Zeit erwartet, hätte ich mich mit einem heißen Tee in mein Zelt gekuschelt, Schlittenhunde gezüchtet oder mich als Zahnstocherzähler nach Timbuktu verpflichtet! Nein, nicht weil ALEC EMPIRE so schlecht gewesen wären, es ist nur einfach überhaupt nicht mein Stil.
Nun aber mal ins Detail gehen: ALEC EMPIRE, Mastermind der Band ATARI TEENAGE RIOT (einige erinnern sich vielleicht noch an Scheiben wie „The One And Only High And Low“ oder „60 Second Wipeout“). Mit ALEC EMPIRE verlässt der Meister bestimmt nicht die Stilrichtung oder besser gesagt das Genre, das er mit ATR begründet hat, es geht nur durchaus härter und unkommerzieller zu.
Sicher waren ATR schon nicht gerade kommerziell, aber das was der Mann mit seiner Solonummer durchzieht, ist wirklich am Rande des Erträglichen: Soundcollagen, die einen in den Wahnsinn treiben. Das war die Definition von purem LÄRM. Abgemischt und verzerrt durch eine junge Dame am Mischpult, deren Name mir leider entfallen ist.
Ich sag Euch eins, wer das überlebt hat, dem zolle ich meinen Respekt.
Wenn ihr Euch je gefragt habt, was sich Satan als Hintergrundmusik für seine feinsten Folternummern ausgesucht hat, hier habt ihr die Antwort... ALEC EMPIRE!
Der Krach gewordene Abgesang auf jede Melodie und gefühlsduselige Stimmungsmache.
[Tatjana]

[Saturday Night Fever...SMOKE BLOW]

Als letzte Band hatten die Kieler Punkrocker SMOKE BLOW die undankbare Aufgabe, das spärliche Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Kein leichtes Unterfangen, aber wer SMOKE BLOW kennt, weiß, dass die Jungs live ordentlich abgehen und das war auf dem With Full Force nicht anders. Unbeeindruckt von der Kulisse zockten SMOKE BLOW einen dreckigen Punkrocksong nach dem anderen, darunter Kracher wie „Satan`s Highway“ oder „Sweet Water“. Neu ist allerdings, dass SMOKE BLOW zwei Sänger haben, wobei die für die Ansagen weiterhin Aso Jack „Alter“ Letten alleine verantwortlich ist. Am Anfang bedankte er sich jedenfalls recht häufig, nur um dann auf der Bühne in irgendeinen Behälter zu pissen und dann zu Höchstform aufzulaufen. Beschreiben kann man das kaum, den Mann muss man live erlebt haben. In den vordersten Reihen war jedenfalls gut was los, auch als der Band nach einer schweißtreibenden Punkrockshow plötzlich der Saft abgedreht wurde. Sänger Letten nutzte die Gelegenheit, um mal wieder zu pissen, während seine Bandkollegen sich noch etwas feiern ließen. Das unschöne Ende einer verdammt coolen Show.
[Herbert]




Redakteur:
Herbert Chwalek

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