EQUILIBRIUM: Interview mit René über die aktuelle Bandsituation

25.10.2022 | 11:26

Anfang Oktober ging ein mächtiger Ruck durch das EQUILIBRIUM-Bandlager, als bekannt wurde, dass Frontmann Robse und der Rest der Mannschaft getrennte Wege gehen würden. Wie soll es weitergehen? Welche Lücke hinterlässt Robse und wie gestaltet sich die Suche nach einem neuen Sänger bzw. Sängerin? Diese und einige andere brennende Fragen beantwortet uns René, Gitarrist, Kopf und das einzig verbliebende Gründungsmitglied der Rasselbande aus Bayern.

Hallo René und vielen Dank, dass du in diesen für euch turbulenten Zeiten unsere Fragen beantwortest. Vorab sei gefragt, wie es dir und der übrigen EQUILIBRIUM-Mannschaft geht?
Hallihallo! Uns geht es gut soweit, wir konnten dieses Jahr endlich wieder Bühnenluft schnuppern und blicken aktuell relativ gespannt auf die Zukunft bei EQUILIBRIUM.

Wenn man die jüngsten Ereignisse außen vor lässt, magst du mir ein kurzes Update geben, was seit der "Renegades"-Platte so geschehen ist?
Wir hatten mit dem "Renegades"-Kapitel erst mal haufenweise Konzerte, inklusive einer Europatour im Frühjahr 2020. Als diese vorbei war, fing dann quasi direkt im Anschluss erstmal die Pandemie an. In dieser Zeit haben wir einige Singles und Videos veröffentlicht und nebenbei auch mal eben 20 Jahre Bandbestehen gefeiert.

Vor genau drei Wochen dann der Paukenschlag: Robse und EQUILIBRIUM gehen getrennte Wege. Nun stellt sich natürlich die Frage nach dem "Warum?", die ich dir allerdings nicht stellen möchte, da es unfair gegenüber Robse und seiner Sicht der Dinge wäre. Ihr habt eine kurze Stellungnahme auf Facebook veröffentlicht. Wie haben eure Fans diesen doch markanten Schritt aufgenommen?
Der Grundtenor war natürlich erst einmal wenig Begeisterung, was auch absolut verständlich ist. Wobei wir die Kommentare auch erstmal deaktiviert hatten. Wir waren uns nicht ganz sicher, ob das so besser wäre, in dem Moment hat es sich für uns aber richtig angefühlt. Bei unserem nächsten Post hatten wir sie dann aber auch wieder freigeschaltet. Ich glaube, man neigt heutzutage (gerade während und nach der Pandemie) dazu, den Eindruck zu bekommen, dass sich ein Großteil des Lebens auf Social-Media-Plattformen abspielt. Man darf aber nicht vergessen, dass das eben auch nur einen Bruchteil der gesamten Reaktionen darstellt. Natürlich gab es da auch negative Kommentare. Insgesamt haben wir aber auch viel Verständnis von unseren Hörern für die Situation bekommen, was uns im Nachhinein auch positiv überrascht hat.

Du sagtest in einem Video, dass du mit der Musik EQUILIBRIUMs den Hörern Hoffnung und Zufriedenheit geben wirst. Und dennoch gab es einige Schritte, die für dich wohl nicht ganz so einfach waren. Gehörte dieser jüngste Schritt mit Abstand zu den schwierigsten?
Absolut. Unter anderem auch deswegen, weil wir über diesen Schritt schon sehr lange nachgedacht und auch bereits im Vorfeld einige Male darüber gesprochen hatten. Das war also keine Entscheidung aus heiterem Himmel. Letztlich befanden wir uns so wohl auch ein bisschen in einer Komfortzone, haben auch versucht, wie bisher weiterzumachen. Das klappt auch sicher für eine ganze Weile. Aber irgendwann sind wir dann wieder an den Punkt gekommen, wo es sich nicht mehr richtig anfühlte.

In diesem Video macht es zudem den Anschein, dass die Entscheidung weniger gegen Robse gerichtet war, sondern sich eher der Wunsch nach einem generellen Wandel innerhalb der Band bemerkbar machte?
Natürlich ging es nicht gegen Robse, man darf ja auch nicht vergessen, dass das Ganze mit einer langjährigen Freundschaft verknüpft ist. Das hat die ganze Situation auch erschwert. Unabhängig von dem Split waren wir allerdings schon immer eine Band, die sich weiterentwickelt und verändert hat. Und das passiert natürlich auch mit einem persönlich, gerade über viele Jahre hinweg betrachtet. Ich finde das auch gut und wichtig.

Welche Lücke hinterlässt Robse sowohl in musikalischer als auch persönlicher Hinsicht?
Wir haben unzählige fantastische Momente mit Robse erlebt. Und wir haben viele Länder erstmalig gemeinsam bereist. Jeder, der ein bisschen mit ihm zu tun hat, weiß auch, wie gesellig er ist. Natürlich wird das fehlen. Musikalisch war es bei den letzten Alben eigentlich immer so, dass ich versucht habe, seiner Stimme Raum in den Songs zu geben, da sie ja eher im tieferen Sektor angesiedelt ist. Vorher, bei unserem ersten Sänger Helge, habe ich im Prinzip wild drauflos geschrieben. Seine Stimme war viel höher und ich musste mir keine Gedanken machen, wann und wo Gesang stattfinden wird, das wurde dann erst nach dem Kompositionsprozess entschieden. Beides ist total reizvoll und ich bin auch selber schon sehr gespannt, wie sich der nächste Sänger oder die nächste Sängerin auf die Musik auswirken wird.

Einige Shows und Auftritte sind schon fest gebucht, die ihr mit Gastsängern bestreiten wollt? Lag auch die Idee auf eurem Schreibtisch, euren ehemaligen Shouter Helge nach Hilfe zu fragen?
Natürlich kam auch uns dieser Gedanke in den Sinn. Er war in den vergangenen Jahren auch immer mal wieder für einen Gastauftritt während unseren Touren zu haben. Ich bin mir allerdings nicht wirklich sicher, ob er darauf Lust hätte. Vielleicht sind wir bis dahin aber auch schon wieder vollbesetzt. Wenn nicht, werden wir definitiv mit einem hochkarätigen Gastmusiker auftreten.

Einige Bands, die sich von ihrem Sänger trennten, machten einfach in der bisherigen Besetzung weiter und der Gitarrist oder Bassist übernahm den gesamten Gesang, was bei euch – ihr arbeitet mit Cleanvocals und Growls – etwas schwieriger zu bewerkstelligen ist. Daher war diese Idee schnell vom Tisch?
Nein, sie war sogar auch sehr lange auf dem Tisch, haha. Denn wir haben mit unserem Gitarristen Dom einen fantastischen Shouter und mit unserem Bassisten Skar zusätzlich auch hervorragende Cleanvocals. Beides werden wir auch weiterhin einsetzen. Dennoch wollen wir einen eigenständigen Frontmann/Frontfrau mit freien Händen und der Möglichkeit über die Bühne zu stürmen.

Nun seid ihr über die sozialen Netzwerke auf der Suche nach einem neuen Sänger bzw. Sängerin. Welche Voraussetzungen muss das neue EQUILIBRIUM-Mitglied denn technisch und musikalisch mitbringen?
Zunächst sind natürlich die Vocalskills entscheidend. Im besten Fall verfügt die Person über eine gute Palette an Extremgesang-Klängen - Growls, Screams etc. Falls auch zusätzlich Cleanvocals machbar sind, sagen wir sicher nicht nein. Die Person sollte Lust haben, sich auf der Bühne auszutoben. Da wir in der Band Englisch sprechen, sollte eben auch Alltags-Englisch möglich sein. Ganz wichtig ist natürlich, dass genug Zeit für EQUILIBRIUM vorhanden ist. Insgesamt wäre es schon von Vorteil, wenn die Person einfach schon eine gute Portion Erfahrung mitbringt. Abgesehen von alledem sollte sie auch den Drang haben, der Kunst, die wir gemeinsam erschaffen, eine tiefere Bedeutung zu geben und somit auch der Welt ein kleines Stück positive Energie zu geben. Das ist zumindest auch das, was mich beim Schreiben antreibt.

Und da ihr auch auf Tour sein werdet: Auf welchen Schlag Mensch muss sich das neue Mitglied gefasst machen? Welche persönlichen Voraussetzungen müssen mitgebracht werden?
Wir alle in der Band sind äußerst unterschiedliche Charaktere, was ein Aufeinandertreffen auch immer wieder spannend macht. Meiner Meinung nach mit das Wichtigste ist die Bereitschaft für eine gute Kommunikation und die Fähigkeit, sich auch mal in die anderen Personen hineinzuversetzen. Auf Tour gelangt man neben den eigentlichen Konzerten auch immer wieder in die unterschiedlichsten Situationen, hängt oftmals eng aufeinander. Das klappt nur, wenn man aufeinander schaut, sein Ego runterschraubt und respektvoll miteinander umgeht. In den letzten Jahren hat das bei EQUILIBRIUM auch immer angenehmerweise sehr gut geklappt.

Eine Frage brennt mir schon seit Jahren auf der Seele, weshalb genau habt ihr euer zuvor so tolles und aussagekräftiges Bandlogo geändert?
Viele Leute konnten das vorige Logo nicht so gut lesen, so war es für uns wichtig, endlich mal ein gut lesbares Logo zu haben, haha. Viele Bands, die ich inspirierend finde, hatten neben musikalischen Veränderungen auch immer wieder mal veränderte Logos, ich persönlich habe da nie so ein großes Thema draus gemacht. Ich finde, man sollte erkennen um welche Band es geht, und natürlich sollte es vom Design auch irgendwie zur Musik passen. Mir gefällt allerdings auch unser altes Logo immer noch sehr gut!

Was in den kommenden Monaten folgt, dürfte klar sein. Doch wird sich die Band erst nach der erfolgreichen Sängersuche an die Kreation neuer Songs machen oder habt ihr da schon etwas vorbereitet?
Wir sind schon fleißig dabei, an neuem Material zu arbeiten. Während der Pandemie haben sich viele Ideen, Impulse und Inspirationen angehäuft, und wir können es kaum erwarten, diese auch dann mit wieder voller Besetzung umzusetzen!

René, ich wünsche dir und euch – und auch Robse – für die Zukunft alles erdenklich Gute. Was möchtet ihr unseren Lesern und euren Fans noch mit auf den Weg geben?
Erstmal viele Grüße an alle POWERMETAL.de-Leser, das Magazin begleitet uns ja nun auch schon viele Jahre! Und generell kann ich allen Interessierten versichern: Wir werden unser Bestes geben, zukünftig zauberhafte Musik zu erschaffen und schön viel Metal, Folk, Bombast und was uns sonst noch alles so einfällt, in den Schmelztiegel zu werfen!

Redakteur:
Marcel Rapp

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