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FUCK THE COMMERCE-FESTIVAL: Interview mit Matthias Reupricht

06.04.2007 | 11:54

Das Fuck The Commerce-Festival, eines der wichtigsten Festivals der Death- und Grind-Szene in Deutschland, feiert seinen zehnten Geburtstag. Ein Termin mit Bedeutung: Denn in den vergangenen drei Jahren war das Festival in die Kritik geraten, hatten sich die Fans vor allem über den neuen Standort in der Mehrzweckanlage Luckau (bei Cottbus) mokiert, der längst nicht das Flair des früheren Platzes in Neiden bei Torgau hatte - einem coolen Motocross-Gelände mit baufälligen Häusern und viel Wald. Nun soll alles anders werden. Ein neuer Ort ist gefunden. Und auch der Veranstalter hat gewechselt: Der Berliner Metal-Club K17 hat die Organisation der drei Tage übernommen. Geholt haben sie Bands wie SINNERS BLEED, VITAL REMAINS oder MONSTROSITY. Zwei Monate vor dem Festival, dass vom 17. bis 19. Mai stattfindet, sprach Henri Kramer mit Matthias Reupricht, dem neuen Chef des Open Airs.

Henri:
Mal eine blasphemische Frage am Anfang: Das Fuck The Commerce, das war in den vergangenen Jahren vor allem ein Festival im Niedergang. Warum haben du und deine Crew euch das dennoch angetan, es noch einmal zu versuchen?

Matthias:
Das ist ganz einfach: Weil wir selbst immer gern auf dem Festival waren, im Hintergrund auch bereits früher mitgewirkt hatten. Deshalb wollten wir das Fest einfach nicht sterben lassen. Uns ist wohl bewusst, dass wir ein schweres Erbe antreten. Aber wir denken, dass es noch genug alte und neue Fans des Festivals gibt, die wie wir der
Meinung sind, es muss weiter auf dem "Fuck" gebangt werden. Das Festival ist so besonders: Denn wo sonst kann man die geballte Ladung Death und Grind bekommen und neben einigen Headlinerbands vor allem mal wieder was Neues und Seltenes um die Ohren kriegen?!

Henri:
Ihr habt ein neues Gelände aufgetan. Was sind die Vorteile gegenüber dem Gelände in Luckau?

Matthias:
Luckau stand irgendwie nie wirklich zur Debatte. Neiden stand zur Debatte und ein Gelände, auf dem das FTC auch in Zukunft zu Hause sein kann.

Henri:
Und warum hat das frühere FTC-Gelände in Neiden nicht geklappt, das ja bei den FTC-Fans immer noch Kultstatus besitzt?

Matthias:
Neiden hätte ja für dieses Jahr geklappt. Ab nächstes Jahr allerdings schon nicht mehr. Das größte Manko war jedoch, dass es eben nicht mehr das Kultgelände von damals ist. Man könnte das Gelände und vor allem den Zelt- und den Parkplatz nicht mehr so nutzen, wie es früher möglich war. Wie gesagt, wir waren eigentlich auf der Suche nach einer Location für die Zukunft und haben dabei den Flugplatz Altes Lager bei Jüterborg in der Nähe von Berlin gefunden, der viel bessere Bedingungen und eine prima Infrastruktur bietet und ebenfalls ein altes, sehr cooles Militärgelände ist. Und so haben wir uns entschieden, lieber Neiden in guter Erinnerung zu behalten und gleich umzuziehen, als noch ein letztes Jahr Neiden bei Schlammschlacht und ewigen Fußmärschen zwischen Auto, Zelt und Konzertgelände zu machen.

Henri:
Was werdet ihr darüber hinaus tun, um das leicht ramponierte Image des Festivals in diesem Jahr wieder zu kitten?

Matthias:
Wir werden unser Bestes tun, ein geniales Festival zu veranstalten, eine Mischung zwischen dem "guten alten FTC" und einem "Neuanfang mit neuem Veranstalter". Eine Menge Steine werden einem bei der Festivalorga zwar in den Weg gelegt - Auflagen von Ämtern, Kosten und Rechnungen, Absagen hier, Zusagen da, Logistische Planung, Organisation – aber wir geben volle Power, um die Besucher davon am Ende nix spüren zu lassen. Wir haben tolle Bands, eine gute Mischung aus Größen und Underground-Specials der Death- und Grind-Szene. Und dies möchte ich betonen: Wir haben ein prima Gelände gefunden, wo es kurze Wege zwischen Campingplatz, Lagerfeuer- und Food-Bereich und Konzertarea mit Händlermeile geben wird und was in dieser alten Militärsperrzone auch noch richtig was "hermacht" und den Neiden-Anhängern sicher auch gefallen wird. Was ist noch wichtig für ein Festival?! Das Bier wird voraussichtlich das gewohnte sein, die Reudnitzer-Brauerei wird höchstwahrscheinlich wieder dabei sein. Es gibt wie gewohnt Party ohne Ende im Partyzelt mit dem Hellborn-DJ-Team und Metalstorm. Die Lagerfeuerstelle ist auch sehr genial auf dem neuen Gelände...

Henri:
Was denkst du über die früheren Veranstalter des FTC? Was haben sie aus deiner Sicht nicht richtig gemacht? Gibt es noch Kontakte oder Hilfe von ihnen?

Matthias:
Es gab ja nun schon verschiedene Veranstalter und auch die Zeiten haben sich geändert, seit das erste Fuck The Commerce vor zehn Jahren an den Start ging. Dinge aufzuzählen, die man vielleicht anders gemacht hätte und Vermutungen über deren Effekt anzustellen sowie sich von verschiedensten Dingen unterschiedlich stark zu distanzieren, dies würde in diesem Rahmen zu weit führen. Kontakt und Austausch mit den früheren Veranstaltern, also mit den ganz frühen Veranstaltern, aber auch mit unseren Vorgängern, gibt es zu verschiedenen Themen in unterschiedlichem Maße. Ohne dem geht es ja nicht, dann hätten wir ein komplett neues Festival machen müssen. Vor allem das Team vor Ort wird übrigens sowohl aus neuen Leuten, aber auch aus alten FTC-Hasen bestehen.

Henri:
Damit sind zumindest die meisten kritischen Fragen durch. Ganz persönlich gesprochen: Auf welche Bands freust du dich am meisten und warum?

Matthias:
Sowas ist immer so schwierig zu sagen... Ich freue mich über die Zusagen der Headlinerbands, die sich freuen auf dem Fest zu spielen. Aber fast noch mehr freue ich mich auf und mit den Underground- und Newcomerbands, die noch viel heißer darauf sind, auf der FTC-Bühne zu stehen.

Henri:
Was sollten die Fans beachten, die zum ersten Mal kommen? Etwa in Bezug auf Alkohol, Grillzeug oder ähnliches...

Matthias:
Die Lage und Anfahrt nach Altes Lager entnehmt bitte unserer Homepage bzw. dem Routenplaner eures Vertrauens. Man hat uns versichert, dass die Gegend absolut regenarm und meistens wolkenlos sei und darum seinerzeit auch als militärisches Flugplatzgelände ausgewählt wurde. Wir hoffen also, dass Regencapes nicht von Nöten sind. Andererseits wäre eine übermäßige frühjährliche Hitzewelle auch schlecht, denn wenn Waldbrandstufen ausgerufen werden, dann können wir die Grills vergessen... Aber gehen wir nicht vom schlimmsten Fall aus. Offenes Feuer ist auf dem Zeltplatz natürlich untersagt, aber es gibt unser großes Lagerfeuer. Gaskocher und Grills sind, sofern sie für das genutzt werden, wofür sie vorgesehen sind, okay. Für Alkohol gilt dieselbe Regelung wie jedes Jahr: Pro Person gibt's 'ne Palette (12l) Bier bei erstmaliger Anfahrt zum Gelände. Harte Alkoholika sind ganz untersagt. Und dran denken: absolut keine Glasflaschen! Und auch sonst wird es hier keine großartigen Veränderungen zu den anderen Jahren geben.

Henri:
Was wird ein Bier kosten?

Matthias:
Wenn die Brauerei mitspielt und die Kalkulationen so bleiben können, wie derzeit geplant, wird es sich um die zwei Euro bewegen.

Henri:
Wird es wieder Met geben, also Honigwein, wie in den vergangenen Jahren? Und wieder ein solch geniales Cocktail-Zelt?

Matthias:
Cocktails auf jeden Fall. Das Cocktailzelt haben wir ja früher schon betrieben. ;-) Und Met wird auch wieder am Starte sein...

Henri:
Ok, dann der letzte Fragenblock: Wie viel Besucher braucht ihr überhaupt, damit ihr sagt: "Es wird noch ein FTC geben"?

Matthias:
Wir peilen schon eine Zahl an, die ein bisschen über der der letzten Jahre hinaus geht und hoffen, dass die Leute dem Festival die Treue halten bzw. dank der neuen Situation jetzt auch wieder die ganz alten FTC-Fans kommen. Über ganz neue Fans freuen wir uns natürlich erst recht. Besucherzahlen und Image werden sich natürlich nicht sofort ändern, wir brauchen nur genug treue Metalheads, um ein nächstes FTC zu realisieren.

Henri:
Wenn es dieses Jahr klappt: Wie seht ihr die Zukunft des Festivals - mehr Underground oder mehr Death/Grind-Mainstream?

Matthias:
Der Mittelweg zwischen beidem entspricht den Gedanken des Festivals am besten. Er ist sicher nicht immer einfach zu finden, vor allem weil es persönliche Ansichtssache ist, wer nun zu mainstreamig ist oder was eigentlich Underground ist. Die Lästermäuler vertauschen dann immer Newcomer bzw. Underground mit unbekannt und meckern rum...

Henri:
Welche inhaltlichen Ideen habt ihr sonst (ein Stichwort: Bands Battle)?

Matthias:
Nachdem wir uns dieses Jahr natürlich verstärkt um grundsätzliche Dinge wie verschiedenste Zulieferer und Partnerunternehmen kümmern mussten und erstmal die generelle Festivalorganisation zu arrangieren war (wir haben ja mit Festivals noch keine Erfahrung, sondern nur mit dem Clubbetrieb), können wir in den nächsten Jahren viel mehr Wert auf Details und die Umsetzung weiterer Ideen im Festivalumfeld legen. Viele haben wir schon im Kopf, die wir dieses Jahr aus zeitlichen Gründen einfach noch nicht umsetzen konnten.
Und zum Stichwort Bandbattle - tja, diese Idee hat im letzten Jahr in einigen Städten gut funktioniert und hat vor allem Spaß gemacht hat, wenn ich an unser Berliner K17-Bandbattle denke. Aber sie ist ja nun gestorben. Schuld daran waren unter anderem Missverständnisse aber auch die mangelnde Bereitschaft von Clubs in Deutschland, derartige Newcomer-Konzerte zu veranstalten. Sie hatten Angst, es würden nicht genug Leute kommen und die Bands hatten Angst vor der Kartenabnahme (für ihr Battle, nicht fürs Festival!)... Längere Geschichte.

Henri:
Und was wäre für dich eine Traumband, die einmal auf dem FTC spielen sollte?

Matthias:
Ach, da gibt es einige. Nicht mal so sehr die riesengroßen Namen. Ich würde mich freuen, wenn Bands wieder dabei sind, die vor vielen Jahren bereits auf dem Fest waren oder gar ihre allerersten Auftritte auf dem Fuck The Commerce hatten, das würde dem Gedanken des Festivals prima entsprechen.

Henri:
Deine letzten Worte an die Leser dieses Interviews...

Matthias:
Nun ist so viel gesagt und beantwortet worden, mir fällt nix mehr ein außer: Wir freuen uns riesig auf unser erstes eigenes Fuck The Commerce, wir freuen uns auf die Bands und auf alle, die mitbangen...

Internet: http://www.f-t-c.de

Redakteur:
Henri Kramer

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