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Gruppentherapie SUBSCRIBE- "Bookmarks"

27.11.2012 | 21:17

Wir haben im November zwei Soundcheck-Dritte. Während DESTRUCTION wohl jeder kennt, wundert man sich doch über SUBSCRIBE. Die Gruppentherapie stellt euch das zweite  Album der Ungarn - "Bookmarks" - vor!





Unerwartet flatterte dieses Album ins Haus, und sofort war ich natürlich Feuer und Flamme. Denn mit dem letzten Werk "Stuck Progress To Moon" lieferte mir die Band anno 2007 mein Jahreshighlight mit einer Scheibe, die eine glatte 10 war und ist. Nun also das neue Album. Um es vorweg zu nehmen: Killertracks wie 'Devil Take The Hindmost' oder 'Kiss And Kill Your Boyfriend' sind nicht zu finden. Das liegt aber daran, dass die ungestümen Wirren der Frühzeit einer größeren kompositorischen Klasse gewichen sind (Anm. TB: was die Note dann gleich mal um 1,5 Punkte drückt?). Aus dem wilden Mathcore ist Alterna-Core geworden, aber das steht den Ungarn ausgezeichnet zu Gesicht. Die nachvollziehbaren Melodien machen "Booksmarks" zugänglicher und schaffen Ohrenschmeichler wie 'Bitter Boundary'. Da kann ich ihnen nicht wirklich böse sein, dass sie die wilden Fünf-Minuten-Ritte aller Instrumente simultan durch die Musikgeschichte, die bei mir für offenes Staunen sorgten, offensichtlich der Vergangenheit angehören (Anm. TB: okay, jetzt versteh ich den Frank, bin selber Frickelfreund). Die neuen Songs, so sehr sie eingängiger und melodischer sind, machen verdammt Spaß und zeigen eine neue, nicht weniger interessante Seite der Band. Willkommen zurück, und: Gut gemacht!

Note: 8,5/10
[Frank Jaeger]





Es ist progressiv-modern, es ist massiv, es ist kondensierte Kunst und es kommt aus einem Land, das nicht gerade vor metallischen Exportschlagern strotzt, Ungarn. Und dennoch ist es, nach einer etwas längeren Eingewöhungszeit als üblich, ein in sich stimmiges und rundes Werk, dieses dritte namens "Bookmarks" einer Truppe namens SUBSCRIBE. Mein Vorteil ist, dass ich gänzlich unvoreingenommen an das Unterfangen herangehen kann, weil ich die Band bislang überhaupt nicht kannte.
Aus dem auf den ersten Blick undurchdringbaren Gemisch aus Experimentellem, Progressivem, Post-Metal und Crossover kristallisieren sich mit viel Geduld dann doch einige Perlen wie das postrockige 'Between Heaven And Her' oder 'Ringside Seat' und das ambient gehaltene 'Books For The Dyslexic' heraus. Und auch wenn nicht gänzlich alle Stücke zünden und man sicherlich die eine oder andere Kopfschmerztablette in diesen knapp 49 Minuten einschmeißen muss, so wird "Bookmarks" die Progger unter euch sicherlich in Verzücken versetzen. Mich lassen SUBSCRIBE jedenfalls nicht kalt, weshalb die Note während der Hörperiode des Soundchecks langsam aber sicher gewachsen ist.

Note: 7,5/10
[Marcel Rapp]




Die Ungarn haben auf ihrem zweiten Album eine ziemlich bunte Mischung verschiedenster Einflüsse verbraten, die sich allesamt im Grenzbereich zwischen Hardrock, Alternative und Metalcore befinden, und die durchaus auch Extreme ausloten. Selten gibt es derbe, corelastige Passagen mit wüstem Gebrüll, es sind nurmehr vereinzelter Ausbrüche. Vorwiegend haben wir es mit eingängigen, oft einschmeichelnd und einmal auch ungarisch gesungenen Stücken zu tun, die sich mal dem Stoner Rock nähern, sich mal als Piano-Ballade präsentieren und hier und da eine progressiv-alternative Note anklingen lassen. Dies erinnert zwar vage an aktuelle Genregrößen, ohne diese jedoch zu kopieren. Letztlich bieten SUBSCRIBE absolut professionell gemachte, toll produzierte und kompositorisch absolut griffige und durchdachte Musik, die viele Genrefans ordentlich wachrütteln dürfte. Mein Problem mit "Bookmarks" ist daher auch in erster Linie bei mir zu suchen. Mir ist die stilistische Ausdrucksform einfach zu fremd, um wirklich Begeisterungsstürme auslösen zu können. Außerdem habe ich nach wie vor ein ziemliches Problem damit, wenn sich trippig wabernde Instrumentalpassagen ausbreiten (das dürfen bei mir nur die Herren HAWKWIND und selbst die nur in Maßen). Nun, alles in allem bleibt als Fazit, dass die SUBSCRIBE vermutlich ziemlich toll gemacht ist und ich einfach nicht zur Zielgruppe gehöre. Von daher mögen meine 6 Punkte auch eher als Anerkennung denn als negative Wertung gesehen werden.

Note: 6,0/10
[Rüdiger Stehle]


Alles, was sich -Core nennt, ist bei mir erst einmal einer gehörigen Portion Zweifel ausgesetzt. Viele Scheiben, auf denen dann noch eine Dame in höchsten Tönen vor sich hin jubiliert, landen ziemlich schnell im Giftschrank. Doch bei SUBSCRIBE sieht die Welt ganz anders aus. Hier nervt nicht einmal der Sänger mit Shouts oder cleanen Vocals, nein es gefiel mir von Anfang an. Ich habe eine Weile versucht, zu ergründen, woran das liegen mag. Ein Teil sind ganz sicher die Melodien, die Kollege Frank schon angesprochen hat. Was mir aber noch besser reinläuft, ist die punkige Attitüde und Straightness, die vor allem bei Songs wie 'Ringside Seat' durchschimmert. Dazu gesellt sich ein Spaßfaktor, der sich gewaschen hat. Ein weiteres Highlight für mich: das in ihrer Muttersprache dargebotene 'Álomtégla', das mit seinen proggigen Momenten die Blaupause für SUBSCRIBE im Jahr 2012 ist. Diese Band ist ein perfektes Beispiel, wie man sich im modernen Bereich Aufmerksamkeit verschaffen kann und nicht nur halbtaube Brüllaffen begeistert. Hut ab!

Note: 8,0/10
[Nils Macher]





Es gibt diese Platten, von denen weiß man nach dem ersten Hören, dass sie eine ganze Menge Arbeit erfordern, um gefallen zu können. "Bookmarks" von SUBSCRIBE gehört aus meiner Sicht zu diesen. Einige Umdrehungen später meint man dann abschätzen zu können, was für ein Potenzial ein solches Album hat und wie viele Durchgänge noch notwendig sind, um es "vollständig erfasst" zu haben. Bei "Bookmarks" war ich nach etwa vier Durchläufen der Meinung, dass das alles gut und schön ist, aber insgesamt nicht vollends begeistern kann. Und dann hört man das Teil nochmal (schließlich möchte man an dieser Stelle ja eine halbwegs differenzierte Meinung abliefern) und darf feststellen: Da geht ja noch was! Mittlerweile läuft mir diese mehr als bunte Mischung aus diversen Stilen (Prog, Alternative und Metalcore - um die wichtigsten zu nennen) richtig gut rein. Lustig finde ich dabei, dass mich alle Stellen, die nach Metalcore klingen (vor allem im Vocal-Bereich) am meisten stören - und das obwohl ich zu den größten Genrefreunden der gesamten Redaktion gehöre. Auf mich wirken jene Passagen etwas unnatürlich integriert. Diese sind aber deutlich in der Unterzahl, weshalb der überwiegende Teil einfach Freude bereitet. Man fühlt sich ein bisschen wie im Zirkus: Links in der Manege kann man des Clowns irres Instrumentalgefrickel bestauen, während mich der Löwe im Hintergrund anbrüllt, gleichzeitig zelebriert aber auch noch eine Ballerina den Tanz der konventionellen Schönheit und über all dem thronen die wunderbaren Gesangslinien des Direktors, die immer nachvollziehbar und oftmals sogar mitsingbar sind. In diesem großen Zelt gibt es einfach so unglaublich viel, und das meiste davon in sehr gut. Dem Eintrittsgeld wird kaum jemand hinterhertrauen!

Note: 8,0/10
[Oliver Paßgang]

Redakteur:
Thomas Becker
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