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HELLOWEEN: Interview mit Sänger Michael Kiske

06.07.2021 | 10:56

Mit Spannung wurde das Album "Helloween" der Hamburger Kürbisköpfe HELLOWEEN erwartet. Nachdem wir bereits einen Vorbericht, einen Podcast (auch mit Michael Kiske übrigens) und eine Gruppentherapie zu dem Thema veröffentlicht haben, folgt nun ein Interview, welches wir mit Sänger Michael Kiske führen konnten. Während der Podcast sich ausführlicher mit Informationen rund um die Band an sich beschäftigt, soll hier nun das Album im Vordergrund stehen. Am Rande sei erwähnt, dass besagte Langrille mit enormem Vorsprung den Sieg im aktuellen Soundcheck eingefahren hat.

Hallo Michael. Hoffe, dir geht es soweit gut. Erst einmal Glückwunsch zum Album "Helloween". Ich durfte ja bereits beim Pre-Listening vor ein paar Wochen dabei sein. Mittlerweile konnte ich das Album ausführlich hören und es offenbart immer neue Eindrücke.

Mir ging es so, dass ich auf dieser Listening Session das Album tatsächlich auch das erste Mal am Stück gehört habe. Ich habe im Verlauf des letzten Jahres meine komplette Audioanlage ausgebaut und im Zuge dessen eigentlich nur klassische Musik gehört. Meine Hörerlebnisse waren sozusagen in einer komplett anderen Welt als eine Metalplatte zum Beispiel. Klar habe ich die einzelnen Songs gehört, auch wenn es um diverse Abmischungen ging. Aber an diesem Abend wurde mir erst die hohe Anzahl an Informationen bewusst, die auf dem kompletten Album enthalten sind. Das hat selbst mich dann ziemlich geplättet.

Zunächst einmal zur Produktion und besonders zum Gesang. Bei manchen Passagen wechselt der Gesang zwischen Kiske und Deris, ohne dass man es bewusst wahrnimmt. Das spricht für eine ausgezeichnete Produktion?

Für mich ist immer die Frage wichtig: Wie kommt das Ganze zustande? Muss man sich für eine gute Produktion sehr verbiegen oder geht alles relativ natürlich von der Hand? Klar muss man hart arbeiten, solch ein Album entsteht nicht von allein. Aber in diesem Fall lief tatsächlich vieles fast von allein. Gerade die Zusammenarbeit mit Andi Deris war einfach toll. Dennis Ward war ja quasi der kreative Organizer, was die Produktion angeht. Wir haben ihn gebeten, sich die Songs mal anzuhören und im Vorfeld Ideen zu entwickeln, in welche Richtung das soundtechnisch gehen könnte. Er ist jemand, der diesen "Chaoshaufen" ein wenig in der Spur halten kann. Danach haben wir dann überlegt, welcher Sänger für welchen Part besser passen würde. Manche Sachen, die ich zuerst eingesungen habe, klangen mit Andis Stimme dann besser und umgekehrt war es dann oft genauso. Der Song stand immer im Fokus und nicht unsere Egos. Manche Dinge kann Andi halt besser singen, vor allem wenn es mehr um das Shouten geht, da fühlt er sich auch komplett wohl. Meine Stärken sind ja eher die epischen Passagen. Wir haben immer am selben Strang gezogen, es hat echt Spaß gemacht.

Ihr habt also auch in der Produktionsphase selbst sehr kreativ gearbeitet?

Bei einigen Songs haben wir auch gar nichts mehr ausprobiert. 'Angel' zum Beispiel hat Sascha Gerstner nur auf meine Stimme komponiert. Den Song hatte ich 2019 bereits als Demo eingesungen, daher passte das so, wie es war. Bei einigen Nummern, die Andi komponiert hat, ist es ebenso, die kann halt nur er so singen.

Ein paar Worte noch zum bildgewaltigen Artwork. Es spiegelt ja sozusagen die enorme Bandbreite der Musik wider. Kann man das so sagen?

Wir waren uns ziemlich schnell sicher, in welche Richtung das gehen sollte. Auf keinen Fall sollte es eine Computergrafik sein, sondern ein richtiges, von Hand gemaltes Gemälde. Und wir wollten ein Sammelsurium von allen prägenden Elementen der Bandgeschichte erstellen lassen, wo alles in einem Bild zusammenläuft. Bereits der erste Entwurf hat uns überzeugt, auch wenn hier und dort noch Details eingefügt wurden. Am Ende bin ich der Meinung, dass es das beste Cover ist, was die Band je hatte. Und wir haben uns da einfach durchgesetzt, auch bei der Plattenfirma, die das erst gar nicht so toll fand.

Was war bei dir der zündende Moment, als dir klar war, dass es nicht bei einer Tour inklusive Live-Album bleiben würde? Was war der Moment, als Herr Kiske sagte: Ja, ich hab voll Bock auf eine neue Platte mit HELLOWEEN?

Dieser Punkt war bei uns allen etwa Ende 2017, als wir diese doch sehr schwere Tour beendet hatten. Ich hatte mir zwar zu Beginn der Tour in Südamerika einen Infekt eingefangen und wurde den auch nicht wirklich los. Aber alles andere drum herum waren durchweg positive Erlebnisse. Die Energie und der funktionierende Zusammenhalt auf der Bühne, das hat uns alle überzeugt, dass es klappt. Wir waren uns einig, dass es keinen Sinn macht, nach dieser einen Tour die Geschichte wieder zu beenden. Schritt für Schritt haben wir das gefestigt, 2018 haben wir ja weltweit viele Shows gespielt. Die Idee, mit der Besetzung ein Album zu machen, kam auch zu dieser Zeit auf. Als wir das erste Meeting hatten, bei denen die Songschreiber in der Band ihre Ideen präsentierten, war mir sofort klar: Alter, das wird geil!

Wenn ich mir die Geschichte von HELLOWEEN so anschaue, mit all den Streitigkeiten und daraus resultierenden Besetzungswechseln, so komme ich nun zu dem Schluss, dass alles genau so stattfinden musste, damit ihr zusammen in dieser Besetzung das vorliegende Album machen konntet. Kann man das so stehen lassen?

Das ist genau das, was du im Prinzip nicht steuern kannst. Aber du kannst es ausloten und erfühlen. Auch wenn ich mich schon als Denker bezeichnen möchte, so bin ich doch kein "Kopfmensch", wenn es um persönliche Entscheidungen geht. Da gehe ich doch oft nach meinem Gefühl vor, das sind immer Herzensentscheidungen. Und jetzt im Moment fühle ich genau so positiv wie damals zur "Keeper"-Zeit. Es fühlt sich richtig an, keinesfalls gekünstelt oder erzwungen. Die Band muss jetzt vom Spirit her so bestehen bleiben. Wenn dem so ist, kann da noch einiges kommen, da bin ich mir sicher.

Du hast ja in der Zwischenzeit viele andere Genres ausprobiert. Ich denke da an die Sachen mit Amanda Sommerville und deine Ausflüge in die klassische Musik. Inwiefern konntest du diese Erfahrungen in das neue Album einbringen?

Nun, ich habe ja im Prinzip gar keine Sachen für das Album geschrieben, sondern lediglich meinen Einfluss in Sachen Gesang beigesteuert. Letztendlich sind es Leute wie Sascha Gerstner zum Beispiel, die haben das Songschreiben im Blut. Und ausgerechnet Kai Hansen, dem habe ich mal auf dem Weg zu einer UNISONIC-Probe etwas von Johann Sebastian Bach im Auto vorgespielt und er meinte, das würde sich total nach "Metal" anhören. Ihm war gar nicht klar, dass er die Skalen, die Bach bei seinen Kompositionen verwendet, selbst schon unbewusst bei seinen Songs eingebaut hatte. Wie gesagt, bei den Songs für das neue Album habe ich mich zurückgenommen. Allerdings schreibe ich gerade an einem Akustik-Album und es tut gut, mal wieder kreativ tätig zu sein.

Zum Abschluss des Interviews also noch ein kleiner Ausblick auf deine eigene musikalische Zukunft. Kannst du uns schon etwas über das Projekt sagen?

Es wird sowohl eigene Songs als auch Cover-Versionen enthalten. Von BILLY JOEL, den ich sehr gern mag, zum Beispiel. Ich finde, wenn man als Sänger eine Soloplatte macht, dann kannst du mal komplett aus dem ausbrechen, was du sonst mit deiner Hauptband veröffentlichst. Mir macht das unheimlich viel Spaß und ich freue mich, wenn das Album fertig wird.

Redakteur:
Frank Wilkens

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