KATATONIA: Interview mit Jonas Renkse

29.11.2025 | 21:59

Wir haben KATATONIA-Frontmann Jonas Renkse auf der laufenden Tour mit EVERGREY und KLOGR auf den Zahn gefühlt und ihn ein bisschen ausgefragt.

Aktuell läuft eine umfangreiche Tour quer durch Europa und dabei machte KATATONIA auch Halt im "Täubchenthal" zu Leipzig. Sänger Jonas Renkse nahm sich vor der Show Zeit für unsere Fragen und erwies sich als sehr angenehmer Gesprächspartner. Er erzählt von seinem Touralltag, wie das mit der Tour zustande gekommen ist und auch THE CURE ist ein Thema.

 

Hallo Jonas, danke, dass du dir die Zeit hier auf Tour nimmst!

Sehr gerne.

Wie geht es dir und wie läuft die Tour?

Mir geht es soweit gut. Die Tour läuft gut, auch wenn sie erst etwas mehr als eine Woche läuft. Aber alle sind gut gelaunt, die Stimmung unter den Leuten und den Bands ist gut. Die Clubs sind auch alle gut gefüllt. Daher ist das alles sehr angenehm. Wir grooven uns langsam ein.

Als Gäste habt ihr auf der Tour EVERGREY aus Schweden und KLOGR aus Italien dabei. Wie habt ihr diese beiden Bands ausgesucht? Dass EVERGREY dabei ist, hat mich nicht überrascht, bist du mit Tom (Englund, Sänger von EVERGREY) mittlerweile gut befreundet.

Ja, das stimmt, wir sind gute Freunde mittlerweile. Aber auch sonst passt das Package sehr gut zusammen, auch musikalisch. Und KLOGR wurde mir von Tom empfohlen, da EVERGREY letztes Jahr mit ihnen getourt ist. Insgesamt empfinde ich das als ein sehr rundes Package, was gut harmoniert. Sowohl hinter als auch auf der Bühne.

Letztes Jahr hast du beim aktuellen EVERGREY-Album "Theories Of Emptiness" bei dem Song 'Cold Dreams' deinen Gesang beigesteuert. Tom hat dazu gesagt, er hat dich überzeugt, wieder zu growlen, nach vielen Jahren. Du hast damals damit ja aufhören müssen. Was für Zugeständnisse hat er dir da machen müssen?

Ja, das stimmt. Auf dem Demo zu dem Song waren bereits Growls vorhanden. Er wusste allerdings nicht, dass ich die Technik dafür im Laufe der Zeit schlicht vergessen habe und da nicht wirklich vorbereitet war. Er meinte allerdings, dass ich doch einfach mal probieren sollte. Also habe ich es einfach mal versucht. Es ist ja nicht so, dass ich das gar nicht mache. Hin und wieder nutze ich Growls, aber dann nur für eine kurze Zeit.

Auf einer Live-DVD hattet ihr mal den Song 'Brave' (vom zweiten Album "Brave Murder Day") gespielt und der ist ja auch zehn Minuten lang.

Ja, absolut. Hin und wieder geht das, aber sowas mache ich nicht über ein ganzes Set hinweg.

Als ich den Song gehört habe, hatte ich gedacht, das wird dann auch Auswirkungen auf das neue Album haben. Aber wie wir jetzt alle wissen: Das hatte es nicht.

Nein, das war auch nicht der Plan. Zu dem Zeitpunkt, wo ich den Gesang für 'Cold Dreams' aufgenommen habe, standen die Songs für das neue Album bereits und das hatte da keinen weiteren Einfluss.

Du schließt das also nicht kategorisch aus?

Nein, man weiß wie, was passieren wird. Mal sehen, vielleicht irgendwann mal in der Zukunft.

Wenn ihr euch für eine Tour vorbereitet, wie stellt ihr da die Setlist zusammen? Macht ihr das alle gemeinsam oder machst du das ganz alleine.

Oh, das machen wir definitiv gemeinsam in der Band. Natürlich will man ein paar Songs des neuen Albums präsentieren. Aber jeder in der Band hat so seine Favoriten, die er gerne spielen möchte. Und dann schauen wir bei der Probe, ob das funktioniert und entschieden uns dann gemeinsam, nicht doch etwas anderes zu versuchen. Wir haben dann am Ende der Proben ein ziemlich gutes Gefühl und wissen, was funktioniert und was nicht.

Wie hat das Publikum bislang auf die neuen Songs reagiert? Hast du einen Favoriten?

Die Reaktionen bislang sind großartig. Natürlich hören die Leute lieber die Songs, die sie schon länger kennen. Aber doch… ich denke, bislang kommen die neuen Nummern fast genauso gut wie die alten Songs an.

Das Album ist ein gutes Stichwort, mittlerweile ist es ein halbes Jahr alt. Wie sind denn die Reaktionen gewesen und habt ihr auch nach Release noch Feedback bekommen?

Ja, das stimmt! Das Feedback war großartig, die Fans sind sehr zufrieden mit dem Album. Es war auch für mich nochmal eine Gelegenheit, mir das Album in Ruhe zu Gemüte zu führen, da der Entstehungsprozess für mich jetzt schon längere Zeit zurückliegt. Ich bin damit sehr zufrieden. Ich denke, wir haben da ein gutes Album abgeliefert. Alles andere wird dann die Zeit entscheiden.

Wie sieht denn ein typischer Tag für dich auf Tour aus? Wirst du dich jemals an das Warten gewöhnen können?

(lächelt mild) Nicht wirklich, da das Warten einen Großteil des Tages bestimmt. Ein typischer Tag auf Tour… meistens kommen wir gegen Mittag an, bauen alles auf der Bühne auf, machen den Soundcheck… aber ich kann dann hinterher nicht die ganze Zeit im Backstage herumhängen, das funktioniert über eine ganze Tour einfach nicht, da dreht man durch. Also entweder schauen wir uns in der Gegend um, fahren auch mal in die Stadt und schauen uns da ein bisschen was an. Hm, was passiert sonst noch auf einem Tourtag? Nach der Show trinken wir dann alle noch ein wenig. In meinem Fall zwei Gläser Wein. Ich gehe dann auch relativ zeitig ins Bett, da ich gemerkt habe, dass das das Beste für meine Stimme ist, wenn ich nicht zu lange wach bleibe.

Kannst du denn in den Buskojen schlafen? Ich höre da immer Horrorstorys, dass Bands da kaum Schlaf bekommen, durch die Erschütterungen etc.

Ironischerweise kann ich da gerade am besten schlafen, ich brauche das irgendwie. Daher ist das kein Problem. Vor ein paar Tagen waren wir in Warschau und hatten einen Day-off zuvor. Also stand der Bus schon vor dem Club. Und da er komplett still stand, habe ich da bislang am schlechtesten geschlafen. Nein, ich brauche dann das Gerumpel für guten Schlaf (schmunzelt).

Ich habe dich jetzt mit KATATONIA einige Male gesehen und du scheinst mittlerweile auf der Bühne immer mehr aufzutauen. Vor zehn Jahren hast du dich noch sehr an das Mikro geklammert, während du dich mittlerweile viel bewegst. In Berlin vor zwei Jahren hattest du noch vor 'Colossal Shade' ein "Hail Satan" rausgehauen, was dann schon unerwartet kam.

Ja, aber das ist so ein Insider, ein Running Gag in der Band. Und klar, das kommt dann mit der Erfahrung auf der Bühne. Ich habe da anfangs oft nicht gewusst, was ich denn am besten dem Publikum erzählen soll, ohne dass es irgendwie blöd oder komisch herüberkommt. Je älter man wird, umso mehr wird man da entspannter und macht sich da nicht so einen Kopf.

Ich würde jetzt noch gerne mit dir über deine Texte sprechen. Ich beschreibe deine Texte immer als "Dunkle Poesie" gerade für die Leute, die KATATONIA nicht kennen. Wie schreibst du die Texte? Schreibst du diese nur zuhause oder auch auf Tour?

Hm. Ich habe auch schon auf Tour geschrieben. Aber mittlerweile passiert das eher, wenn ich alleine zuhause bin. Und ich schreibe mittlerweile immer die Musik als erstes. Früher habe ich versucht, anhand eines Textes die Musik zu schreiben und das war dann immer ein ziemlicher Krampf, die Musik darüber zu stülpen, das ist unnötig viel Aufwand für ein Ergebnis, mit dem ich nicht zufrieden bin. Ich versuche dann herauszuhören, was der Song musikalisch herüberbringen will und ein gewisses Gefühl dafür zu bekommen. Dann versuche ich, den Text daran zu adaptieren. Wenn ich mir Gesangsmelodien ausdenke, singe ich einfach gerade das was mir einfällt. Meistens sind es dann ein oder zwei Wörter, die mir im Gedächtnis bleiben. Das nutze ich dann als Grundlage und baue die Texte um diese Wörter. Ich denke mir dann immer: Mein Kopf hat sich das zufällig ausgedacht, also muss es einen Grund dafür geben. Dieser Prozess macht sehr viel Spaß. Aber mittlerweile denke ich, Texte zu schreiben ist der… (überlegt) ich würde nicht sagen, das ist der schlimmste Teil.

Aber der, der am wenigsten Spaß macht?

Yeah. Da ich sehr hohe Ansprüche an mich selbst habe. Und ich weiß, dass viele Leute meine Texte sehr ernst nehmen. Daher möchte ich immer die Erwartungen übertreffen. Deswegen ist das immer der Teil, wo ich am meisten Probleme habe. Ich bin da mein eigener härtester Kritiker.

Aber sind die Texte persönlich oder eher fiktiv?

Das ist immer recht gemischt. Es gibt Zeilen, die sehr persönlich sind. Und dann muss ich mir Sachen ausdenken, damit sie im Songkontext funktionieren. Aber es sind dann keine Dinge, die ich durchlebt habe. Aber es gibt Dinge, die du nachempfinden kannst. Da sie ähnlich sind zu dem, was du selbst gedacht oder erlebt hast. Letztlich geht es mir um das Endergebnis. Es muss gut sein, es muss gut aussehen. Ich möchte in der Lage sein, den Text ohne Musik lesen zu können und hinterher zu denken: Das ist ein sehr schönes Stück Text.

Wie gefällt dir eigentlich dieses Venue hier? Ihr habt hier ja mittlerweile schon ein paar Mal gespielt.

Oh, ich mag es. Ich finde es cool. Auch ein sehr cooles Gebäude. Und es hat einen tollen Sound. Daran habe ich mich noch erinnert, als wir das letzte Mal hier gespielt haben. Ich bin vorhin noch mal eine Runde um den Block gelaufen, um mir die Beine zu vertreten. Auch wenn die Gegend hier schon sehr "moody" ist, gerade noch bei dem heutigen Wetter [Das "Täubchenthal" liegt in Leipzig-Plagwitz, was gerade dort einen eher urbanen Charme hat. – KH].

Ok, jetzt zum Ende noch ein paar schnelle Fragen: Bestes Festival in Deutschland? Aus welchen Grund auch immer, deine Entscheidung.

Uff. Ich mag es, in Wacken zu spielen. Es ist sehr groß und die Bewirtung dort ist großartig. Man hat immer viele Leute vor der Bühne. Aber ich mag auch das Summer Breeze-Festival. Da haben wir jetzt länger nicht gespielt. Aber das war immer großartig.

Ich hab euch dort mal gesehen, das muss so 2016 gewesen sein. Es wäre wieder mal Zeit!

Oh ja, definitiv. Ich würde gerne wieder dort spielen. Es ist nicht zu groß, aber auch nicht zu klein. Da hat man von allem ein bisschen was. Aber als Antwort auf die Frage: Wacken.

Ich habe zuverlässige Quellen, dass du ein großer THE CURE-Fan bist. Ich habe da ein Video gesehen, wo du auf einer Hochzeit einen Song von THE CURE singst. Was ist denn dein Lieblingssong von THE CURE?

Oh (überlegt). Das neue Album ("Songs Of A Lost World") war ziemlich cool. Das hat mir sehr gefallen. Aber ich habe allgemein viele Lieblingssongs. Ich mag Sachen vom "Pornography"-Album wie z.B. 'The Figurehead', was ich großartig finde. Auch das "Faith"-Album ist großartig… (überlegt lange) Vom "Disintegration"-Album halte ich 'The Same Deep Water As You' für einen fantastischen Song. Selbst vom "Wish"-Album mag ich viele Songs. Da gibt es einen Song namens 'Apart', den ich sehr toll finde. Da gibt es so einige.

Viele Leute reduzieren die Band auf 'Friday I'm In Love' und vergessen, wie dunkel THE CURE manchmal sein kann. Manche Songs sind dann auch noch sehr lang.

Jep. Wenn man nur die Hits hört, verpasst man eine ganze Menge. Man sollte auch die anderen Songs der Band hören und nicht immer nur 'Friday I'm In Love'.

Aber wir sind jetzt fast am Ende. Daher jetzt noch von dir die letzten Worte an die POWERMETAL.de-Leser!

Danke für den Support. Und hoffentlich kommen alle zu einer Show auf der Tour, wenn sie können. Die Tour geht noch bis kurz vor Weihnachten. Wir grooven uns langsam ein und ich denke, alle Bands bringen ihr A-Game auf die Bühne. Kommt vorbei!

Danke Jonas für deine Zeit!


Photo Credit: Terhi Ylimäinen

Redakteur:
Kevin Hunger

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