Rock Harz Open Air 2026 Vorbericht
12.02.2026 | 23:55Wenn Anfang Juli wieder die Staubwolken über dem Flugplatz Ballenstedt aufsteigen, ist klar: Das ROCK HARZ OPEN AIR ruft – und 2026 fährt das Festival einmal mehr alles auf, was die Szene zwischen Tradition, Extrem und Feierlaune zu bieten hat. Vom 01.07. bis 04.07.2026 wird der Harz erneut zum Treffpunkt für Metalheads aller Couleur, und das Billing liest sich schon jetzt wie ein liebevoll kuratiertes Plattenregal, nur eben in Überlautstärke und mit flackerndem Scheinwerferlicht statt Wohnzimmerlampe.
Die Speerspitzen: Vier Tage, vier Statements
Der Mittwoch startet mit einem Paukenschlag, wie ihn nur die Hansestadt Hamburg in die Welt gesetzt hat. HELLOWEEN steht wie kaum eine andere Band für die Power-Metal-DNA dieses Festivals. Hymnen, Mitsing-Refrains, Twin-Gitarren in Hochform und Kürbisse im Überfluss, besser kann man ein Festival dieser Größenordnung kaum eröffnen.
Am Donnerstag betritt eine lebende Legende die Bretter, die die Welt bedeuten. Die Ikone ALICE COOPER bringt den Shock Rock nach Ballenstedt. Wer glaubt, der Altmeister sei leise geworden, wird von der Show, die ALICE COOPER 2026 abfeuert, eines Besseren belehrt. Theatralik trifft auf puren Rock ’n’ Roll, Blut, Bühnendeko und große Gesten verschmelzen zu einem generationenübergreifenden Spektakel, das irgendwo zwischen Horrorkabinett, Stadionrock und Metal-Zirkus pendelt.
Wenn der Freitag anbricht, ist endgültig Schluss mit lustig. Das Schlachtschiff KREATOR rollt an und wird den Flugplatz mit deutschem Thrash Metal der Extraklasse fachgerecht zerlegen. KREATOR steht seit Jahrzehnten für unbändige Aggression, politische Schärfe und technische Brillanz. Ein Pflichttermin für jede Person, die den Moshpit ihr Wohnzimmer nennt und Circle Pits eher als Ausdauertraining denn als Freizeitbeschäftigung versteht.
Den finalen Samstag krönt schließlich FEUERSCHWANZ. Was einst als augenzwinkernder Geheimtipp durch die Mittelalter-Tavernen geisterte, ist heute eine vollwertige Headliner-Macht. FEUERSCHWANZ wird mit einer explosiven Mischung aus Folk, Humor und Riff-Breitseiten den Sack endgültig zumachen. Ein Finale, das zwischen Feuerschein, Trinkhörnern und Massenchor zum großen Festival-Kehraus lädt.
Von der Abrissbirne bis zur Mittelalter-Sause
Doch das ROCK HARZ OPEN AIR wäre nicht das, was es ist, ohne den massiven Unterbau unterhalb der Headliner-Zeile, ein Line-up, das auf den Nebenlinien kaum weniger zündet als auf der obersten Billing-Etage.
Hardcore & Thrash-Attacke:
Für die Fraktion der fliegenden Haare und blauen Flecken sorgen die Urgesteine AGNOSTIC FRONT und BIOHAZARD. Hier treffen Jahrzehnte Szene-Historie auf ungebrochene Wut und Groove, die direkt aus den Straßen New Yorks in die Harzer Berglandschaft geprügelt werden. Wenn WALLS OF JERICHO die Bühne entert oder das schwedische Kraftpaket THE HAUNTED loslegt, dürfte kein Stein auf dem anderen bleiben. Moderne Thrash-Gewalt, Hardcore-Kante und ein Abrisskommando, das jeden Circle Pit in eine Staubfontäne verwandelt.
Die dunkle und extreme Seite:
Schwarzmetallische Eleganz verspricht die Legende EMPEROR. Die norwegische Formation bringt jene majestätische Finsternis mit, die ganze Generationen von Black-Metal-Fans geprägt hat. Wer es hingegen technisch versiert und brutal mag, kommt an KATAKLYSM nicht vorbei, während die Walze NECROTTED, die melodisch-deathige Härte von HIRAES und der brasilianische Export-Schlaghammer CRYPTA das Extrem-Metal-Kontingent komplettieren.
Epik und Melodie:
Die skandinavische Fraktion fährt einmal mehr dick auf, ENSIFERUM steuert heroische Schlachtgesänge und Folk-getränkte Melodien bei, während der Troll-Faktor von FINNTROLL für ausgelassene Pagan-Polonaisen und pogende Trolle im Graben sorgen dürfte. Episch wird es bei EX DEO, wo römische Historie in cineastischen Death Metal gegossen wird. Dazu kommen die Power- und Melodic-Hoffnungsträger MAJESTICA, TUNGSTEN, WARMEN und der Newcomer-Geheimtipp TAILGUNNER, die mit Hooks, Hochglanz-Refrains und flitzenden Gitarrenläufen die Herzen aller Melodic-Fans höherschlagen lassen.
Die deutsche Szene und die Exoten
Die heimische Flagge wird 2026 stolz und breit gefächert hochgehalten. Die Queen of Metal DORO gibt sich ebenso die Ehre wie die Institution SUBWAY TO SALLY, die einmal mehr ihren einzigartigen Mix aus Folk, Rock und dunkler Romantik entfesselt. Wer es skurril, tiefgründig und völlig eigenwillig mag, sollte den Auftritt von DIE APOKALYPTISCHEN REITER dick im Timetable markieren.
Mit HÄMATOM, STAHLMANN, dem Newcomer DOMINUM sowie SOULBOUND, RAUHBEIN, SAGENBRINGER, MITTEL ALTA und HAGGEFUGG ist für reichlich Abwechslung in der deutschsprachigen und artverwandten Szene gesorgt. Hier trifft NDH auf Folk, moderne Härte auf Lagerfeuer-Mitsingsongs, Club-Atmosphäre auf Festival-Groove, ein Rundumschlag durch die hiesige Subkultur.
Für den nötigen Rock-Faktor garantieren der australische Wirbelwind AIRBOURNE und die gelebte Coolness von DANKO JONES. Wenn die Riff-Maschine BLACK LABEL SOCIETY auffährt, vibriert der Boden vor der Bühne, während BETONTOD, MOTORJESUS, RODEO 5000, P.O.D. und WATCH ME RISE den Dreck, Schweiß und Alternative-Spirit in den Harz tragen. Hier gibt es Stadionrefrains, Groove-Monster und knackige Rock-Nackenbrecher im Paket.
Wer zwischendurch ein Lächeln braucht, wird ebenfalls bestens bedient, KNORKATOR liefert wie gewohnt Anarcho-Kabarett auf Metal-Basis, STEVE N SEAGULLS verwandelt Klassiker in ländlich-verrückte Akustik-Sause, und HEAVYSAURUS ist Garant dafür, dass auch die jüngsten Metalheads und Junggebliebenen auf ihre Kosten kommen.
Abgerundet wird dieses Mammut-Programm durch Hochkaräter wie die visuelle Macht AVATAR, die moderne Metalcore-Truppe ANNISOKAY, sowie DOGMA, DRONE, FINAL CRY, GOTHMINISTER und HARAKIRI FOR THE SKY. Dazu gesellen sich die Melancholie-Meister PARADISE LOST und SOEN, die mit düsteren, tiefschürfenden Klanglandschaften die nachdenklichere Seite des Festivals beleuchten. Wer dann noch Puste hat, tanzt bei FIDDLER’S GREEN oder DIE HABENICHTSE in den Sonnenuntergang, irgendwo zwischen Folk-Punk-Ekstase und rotziger Straßenpoesie.
ROCKHARZ 2025 - Der Festivalfilm
https://www.youtube.com/watch?v=igUp7zkNx1Q
Das ROCK HARZ OPEN AIR 2026 bleibt sich treu, familiäre Atmosphäre, kurze Wege, faire Preise und ein Line-up, das sowohl Szene-Veteranen als auch neugierige Nachwuchs-Headbanger abholt. Vier Tage, vier starke Headliner und ein Unterbau, der kaum Wünsche offenlässt. Ballenstedt darf sich schon jetzt warm anziehen. Der Sommer 2026 wird laut, staubig, bunt und für viele Fans vermutlich wieder das Highlight des Festivaljahres.
- Redakteur:
- Norman Wernicke





