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SHADOW GALLERY: Interview mit Brendt Allman & Gary Wehrkamp

17.11.2009 | 21:22

"Digital Ghosts" hat die typische Qualität für SHADOW GALLERY. Was umso erstaunlicher ist nach dem tragischen Verlust von Sänger Mike Baker, der im vergangen Jahr einem Herzinfarkt erlag. Dieser Verlust, der neue Sänger Brian Ashland und die anstehenden Live-Aktivitäten(!) sind nur ein Teil der Themen, denen wir uns mit Brendt Allman und Gary Wehrkamp widmeten.

Nicht nur der zweite Platz in unserem Oktober-Soundcheck zeugt davon, dass "Digital Ghosts" gut angekommen ist. "Es ist immer hart auf die Reaktionen zu warten, aber bisher ist das Feedback sehr positiv" beginnt Gary und Brendt ergänzt, dass "wir den hohen Erwartungen gerecht werden konnten und es von einigen sogar als unser bestes Album bisher wahrgenommen wird." Meine Erwartungen waren aufgrund Mikes Tod mit einer gewissen Skepsis durchzogen, auch weil das neue Werk sehr bald danach in Angriff genommen wurde. "Es ist sehr hart einen Freund wie Mike zu verlieren. Ich denke, dass er es geliebt hätte, auf der Platte zu singen. Er hätte gewollt, dass wir weitermachen und wir haben ihm unseren Tribut vor allem beim Song 'Digital Ghosts' gezollt. Überhaupt wird er und der Einfluss seiner Stimme immer bestehen bleiben. Auch darum müssen wir weitermachen." erzählt Gary. "Davon abgesehen, hat es uns angespornt, noch härter an der Platte und vor allem an den Backingvocals zu arbeiten, um diesen schlimmen Verlust wenigstens ein bisschen auszugleichen." sieht Brendt auch einen direkten Einfluss auf das neue Album. Den schwersten Job hatte dennoch der neue Sänger Brian Ashland. Ein völlig unbeschriebenes Blatt, das eine Legende ersetzen musste. "Wir kennen Brian schon eine ganze Weile, da er bei uns aus der Gegend stammt und doch war es ziemlich schwierig, mit ihm in Kontakt zu treten. Schicksal ist manchmal schon eine komische Sache. Gerade als wir aufhören wollten, nach ihm zu suchen, hat Carl (Cadden-James - PK) ihn gefunden. Quasi direkt um die Ecke." erzählt Brian. "Ja, das war wirklich lustig. Wir haben ihn ewig online gesucht und dann bemerken wir, dass er im selben Haus wie Carl arbeitet." lacht Gary und fügt an, dass "Brian die einzige Wahl war und eine exzellenten Job abliefert."

Das ist wahr. Dennoch gab es einige Gerüchte, dass D.C. Cooper auf einigen Songs zu hören sein würde. "Ja, es gab die Idee ein Duett mit D.C. und Mike zu machen, eine Art Rückkehr zum Song 'New World Order' (von der 98er Großtat "Tyranny" - PK). Als wir das nicht mehr realisieren konnten, wollte D.C. einige Parts für 'With Honor' schreiben und natürlich auch singen. Aber das hat terminlich leider nicht geklappt." erklärt Gary und Brendt fügt an, dass sie versuchen wollen einen Weg zu finden, um vermehrt mit D.C. zu arbeiten. Anstelle von D.C. kann man nun Clay Barton (SUSPYRE) & Ralf Scheepers (PRIMAL FEAR) als Gäste bewundern. "Clays Stimme passt einfach perfekt zum Song 'Venom'. Eigentlich sollte er erst nur die Parts singen, die jetzt Carl singt, aber er war dann so gut, dass wir beschlossen, ihm den Hauptpart zu geben. Und das war eine gute Entscheidung. Und Ralf ist einfach ein Metalgott. Wer würde ihn nicht auf seiner Platte haben wollen? Ich bin immer noch absolut begeistert von seiner Performance." gibt Brendt zu Protokoll. Nicht nur diese Sängerwahl macht deutlich, dass "Digital Ghosts" härter ist als die letzten Alben der Band. "Ja, das hast du richtig erkannt. Wir hatten einen Punkt erreicht, wo wir einfach wieder mehr Gitarren-orientierte Songs schreiben wollten. Es ist ein guter Kontrast zu unserem letzten Album "Room V", das ja schon einige Momente hatten, die weniger aggressiv waren." erzählt Gary. Brendt sieht zudem die Produktion als entscheidenden Faktor. "Es hat sicher eine Menge mit der besseren Ausrüstung zu tun, auch wenn wir natürlich diesen kräftigeren Gittarensound wollten. Ich denke, das haben wir erreicht und der Gitarrensound ist definitiv der beste, den wir je hatten. Der Mix hat eine Menge mit der deutlich aggressiveren Ausrichtung des Sounds und ich liebe das Resultat."


Was die Fans stattdessen lieben würden, wäre die Band auf der Bühne zu sehen. Beim "Keep It True" würden SHADOW GALLERY mit offenen Armen empfangen. "Alles was fehlt, ist ein Reisepass." macht Brendt gleich Hoffnung. "Wir planen diesmal ein paar Festivals zu spielen und ich würde es lieben, Deutschland zu sehen." Und Gary ergänzt, dass man gerade prüft, welche Shows für die Band gut passen würden und ob ihre Kalendar sich in Einklang bringen lassen. Ich werde schon ganz zittrig beim Tippen dieser Meldungen.

Ein erster Gig in Aussicht, da kann man auch gleich noch mal die alten Alben rauskramen. "Ich würde wohl an allen Alben etwas ändern, wenn ich könnte", gibt Gary zu. "Aber das bin ich, der jetzt die Alben hört. Ich war & bin glücklich damit wie sie klangen, zu dem Zeitpunkt als wir sie veröffentlicht haben. Sie mit heutigen Maßstäben in punkto Produktion zu messen, wäre nicht fair. Aber die Songs berühren mich alle noch emotional und das ist für mich das höchste Kriterium, um den Erfolg eines Songs zu messen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich die alten Alben kaum noch höre." Auch Brendt würde einiges ändern wollen. "Vor allem würde ich mir wünschen, dass wir immer genug Zeit gehabt hätten, um die Dinge wirklich zu beenden. Wir waren sehr enthusiastisch damals, hatten aber keine Ahnung, wie man so ein großes Projekt effizient plant. Und am Ende waren wir immer unter Druck, um alles fertig zu bekommen. Das hat dazu geführt, dass wir für manche Details keine Zeit mehr hatten. So würde ich heute an einigen Stellen etwas Fett absaugen und die Songs straffen."

Zum Abschluss wollen sich Gary & Brendt auch noch bei den treuen Fans bedanken. "Die vielen wundervollen und tröstenden Worte, die von überall auf der Welt kamen, haben uns durch eine schwere Zeit geführt. Sie haben unseren Wunsch, das beste Stück Kunst zu kreieren, das wir können, mit Leben und Energie gefüllt."

Redakteur:
Peter Kubaschk

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