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SINPHONIA: Interview mit Henrik

01.01.1970 | 01:00

SINPHONIA aus Dänemark haben mit dem Debüt "When The Tide Breaks" und dem Nachfolger "Divine Disharmony" zwei grandiose, düstere Progressive Metal-Meisterwerke eingespielt, welche in der Öffentlichkeit leider kaum Beachtung fanden. Nachdem sich die Band ursprünglich aufgelöst hatte, plant man nun ein Comeback - aus diesem Grund stand mir Gründungsmitglied, Gitarrist und Bandkopf Henrik für einige Fragen zur Verfügung. Auf das neue Werk darf man gespannt sein, und an alle aufgeschlossenen Progster dieser Welt: Checkt unbedingt diese Band an!

Rouven:
Zunächst einmal, da viele unserer Leser SINPHONIA sicherlich nicht kennen werden, wie kam es denn zu dem Split? Und was waren die Gründe für die Reunion?

Henrik:
Zu dem Split kam es nach einer Reihe von Problemen. Sechs Monate nachdem wir unser zweites Album, "The Divine Disharmony", aufgenommen hatten, warteten wir immer noch darauf, dass seitens unseres Labels etwas passieren würde. Eigentlich hatten wir schon jegliches Vertrauen in die Leute dort verloren, und das führte schließlich zu einigen größeren Diskussionen mit dem Management. Die Aufnahmen und die Produktion des Albums verliefen sehr enttäuschend für uns, und wir hatten auch keinen Keyboarder mehr. So war die Gesamtstimmung dann nicht sonderlich enthusiastisch, und nach einem weiteren Abend, den wir mit einer Diskussion mit unserem Manager verbracht hatten, beschlossen wir, die Band aufzulösen.
Es gab da keine negativen Gefühle zwischen den einzelnen Bandmitgliedern, wir hatten einfach nicht die Lust, in dem Moment noch weiter Musik zu machen.
Der Drang, wieder etwas musikalisch auf die Beine zu stellen kam dann bei uns allen natürlich wieder. Wir haben alle neue Projekte auf die Beine gestellt. Unser Schlagzeuger Dennis ist bei EVIL MASQUERADE eingestiegen, die vor kurzem ihr Debüt veröffentlicht haben. Ich selbst bin nach Italien gezogen, und dort hatte ich nach einiger Zeit einen netten Chat mit unserer Sängerin, Monika. Wir haben erst aus Spaß gesagt, dass wir SINPHONIA jetzt über eine große Entfernung weiter betreiben würden, aber das wurde sehr, sehr schnell zur Realität. Es sieht so aus, als würden gewisse Träume nicht so schnell sterben...

Rouven:
Dann stell' doch mal kurz die neuen Bandmitglieder vor, falls es denn in der Hinsicht Neuerungen gibt.

Henrik:
Eigentlich gibt es noch keine neuen Mitglieder. Die ersten paar neuen Songs sind geschrieben, und bisher sind lediglich Monika und meine Wenigkeit mit an Bord. Dennis, der Drummer, und Thor, unser Bassist, warten noch darauf, die neuen Stücke zu hören. Das liegt daran, dass unsere Musik nun deutlich anders klingt und wir auch in Sachen Songwriting anders vorgehen.
Allerdings suchen wir einen neuen Keyboarder, da habe ich bereits Kontakt zu einigen fähigen Leuten.

Rouven:
Was können wir denn vom neuen Album bzw. dem Demo erwarten? Inwiefern wird sich die Musik denn von dem unterscheiden, was man bisher von SINPHONIA gewöhnt ist?

Henrik:
Die ersten neuen Songs haben ein deutlich dunkleres, mehr "gotisches" Feeling. Aber natürlich finden sich auch die ganzen progressiven Elemente in den Songs wieder, die auf den ersten beiden Alben präsent waren. Grundsätzlich würde ich sagen, dass dies der nächste, natürliche Schritt für die Band ist.
Auf "Divine Disharmony" haben wir ein bisschen mit der düsteren, theatralischen Stimmung experimentiert, und das wird sich auf dem neuen Album auf jeden Fall fortsetzen. Und ich werde, genau wie auf dem Vorgänger, wieder eine Konzept-Story für die Lyrics schreiben. Davon erzähl' ich aber noch nicht mehr (lacht).

Rouven:
Wenn du jetzt ein bisschen in die Vergangenheit schaust, bist du da mit dem, was ihr erreicht habt, zufrieden? Was würdest du ändern wollen?

Henrik:
Ich bin sehr stolz auf die Musik, die wir bisher gemacht haben, und sehr froh darüber, dass wir das alles so gemacht haben, wie wir uns das vorgestellt hatten. Persönlich bin ich auch durchaus auf mein lyrisches Konzept auf "Divine Disharmony" stolz.
Ich würde mal sagen, dass wir es geschafft haben, einen eigenen Sound zu kreieren, was ja heutzutage nicht gerade eine einfache Sache ist.
Ich wünschte mir allerdings, dass ich anders gewählt und mich anders entschieden hätte, wenn es um Sachen geht, die nicht die Musik oder Bandmitglieder betreffen. Dennoch haben uns die schlechten Erfahrungen der letzten Jahre gezeigt, dass man sich manchmal besser auf sich selbst verlässt anstatt anderen Leuten zu trauen.

Rouven:
Progressiver Metal mit einer eigenständigen Atmosphäre und weiblichen Vocals ist nun doch eher selten anzutreffen, und obwohl SINPHONIA meiner Meinung nach einen grandiosen Job abgeliefert haben, hat die Band nicht die Aufmerksamkeit und das Lob bekommen, welches euch eigentlich zustände.
Ist das ein wenig enttäuschend oder demotivierend?

Henrik:
Nein, ich habe das nie als enttäuschend oder gar demotivierend empfunden. Natürlich wäre es toll gewesen, wenn wir etwas mehr Aufmerksamkeit erregt hätten, aber ich denke auch, dass man sich darüber als Metal-Band keine Gedanken machen sollte. Natürlich hätte uns ein besseres Marketing und bessere Promotion doch sehr geholfen. Hoffen wir mal, dass sich das in Zukunft ändern wird.

Rouven:
Welche Bands oder Musiker haben dich bzw. SINPHONIA in der Vergangenheit beeinflusst, und welche tun dies heutzutage?

Henrik:
Das kann ich eigentlich nur für mich beantworten. Früher natürlich, wie bei wahrscheinlich jedem, METALLICA und IRON MAIDEN, das sind Bands, die bei unendlich vielen Leuten der Grund gewesen sein werden, wieso sie Musik machen wollten und das auch heute tun. Für SINPHONIA selbst haben mich insbesondere SYMPHONY X, NEVERMORE, THERION und ein paar andere Bands beeinflusst. Die größte Inspiration kommt immer noch von einem selbst, oder von Riffs von den anderen Bandmitgliedern. Wenn du einen Song schreibst, hast du ja meistens schon mindestens eine Idee, und eine Menge Einflüsse kommen da noch mit rein oder entstehen daraus, ganz egal, ob das auf meiner eigenen Idee oder der Idee eines anderen Musikers basiert.

Rouven:
Welche Ziele hast du mit SINPHONIA bereits verwirklicht, und welche würdest du gerne noch erreichen?

Henrik:
Ein Ziel, welches ich immer verwirklichen möchte, ist, originelle Musik zu schreiben, was wir, finde ich, mit SINPHONIA ganz gut erreicht haben. Des Weiteren haben wir auch einen Plattenvertrag bekommen. Ansonsten eben die "normalen" Ziele, die man als Musiker hat: Auf Tour gehen und etwas Geld mit seiner Musik verdienen. Wir haben immerhin zwei Alben weltweit veröffentlicht, das war ein verdammt großer Traum als Teenager damals.

Rouven:
Die dänischen Bands, mit denen ich bisher gesprochen habe - MANTICORA sowie BEYOND TWILIGHT - meinten stets, dass man es als metallisch ausgerichteter Musiker bzw. Band doch sehr schwer hat in Dänemark. Stimmst du da zu? Wie sieht es mit der "Szene" in Dänemark aus, fühlt ihr euch als Band dort wohl?

Henrik:
Lustig, dass du das jetzt fragst, wo ich schon seit mehr als einem Jahr in Italien lebe (lacht). Die Szene ist in den letzten ein, zwei Jahren doch deutlich gewachsen, das bekomme ich auch von hier aus mit. Durch Bands wie MERCENARY, MNEMIC oder RAUNCHY geht es da ziemlich gut ab, und es gibt jetzt deutlich mehr Konzerte und vor allem Konzert-Locations. Ich denke mal, dass es immer schwierig ist, wenn du in einer Metal-Band spielst, aber wenn dem nicht so wäre, dann wäre es auch nicht Metal, oder? (lacht)

Rouven:
Was hältst du denn von der gesamten Progressive-Szene so?

Henrik:
Ich liebe sie, aber manchmal habe ich so das Gefühl, dass die Szene komplett missverstanden wird. "Progressiv" wird oftmals mit "technisch" gleichgesetzt, während ich finde, dass progressive Bands einfach Bands sind, die ihr eigenes Ding machen, die eigenständig klingen. ARK wäre da ein gutes Beispiel, aber auch SYMPHONY X haben etwas Originelles an sich.

Rouven:
Wenn du die Chance hättest, mit jedem Musiker deiner Wahl zusammenzuarbeiten - welcher oder welche wären das?

Henrik:
Ich würde liebend gerne was mit Michael Romeo (SYMPHONY X-Klampfenhexer - d. Verf.) machen, ihn bewundere ich für die Einzigartigkeit seiner Solo-Arbeit und wegen des grandiosen Riffings. Als Bassist natürlich Stu Hamm, weil niemand so bezaubernd groovt wie er. Und Spike Jones (in den 50ern verstorben) müsste noch dabei sein, um das ganze dann zum Wahnsinn zu treiben.

Rouven:
Wenn eure Band eine Pizza wäre - welcher Belag müsste da drauf?

Henrik:
Nur Peperonis!

Rouven:
Okay, die Gretchenfrage: Online-Zines oder Print-Mags? Was ist dir lieber, und wieso?

Henrik:
Ich mag eigentlich beides sehr gerne. Online-Zines weil du dort alles finden kannst wann immer dir danach ist. Und Print-Mags, weil es einfach cooler ist, etwas Gedrucktes zu lesen.

Rouven:
Was sind denn deine momentanen Top-5-Alben?

Henrik:
NEVERMORE - "Enemies Of Reality"
STRAPPING YOUNG LAD - "SYL"
KING DIAMOND - "The Puppet Master"
CRADLE OF FILTH - "Damnation And A Day"
SANCTUARY - "Into The Mirror Black" (seit dem Kauf 1990 immer in der Liste)

Rouven:
Hast du zum Abschluss noch ein paar Worte an unsere Leser?

Henrik:
Schaut euch mal unsere Homepage an und erkundigt euch über die Band, es gibt immerhin auch ein paar Mp3s. Ich werde die Seite ab jetzt ständig updaten, um euch auf dem Laufenden zu halten!

Redakteur:
Rouven Dorn

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