TEUTONIC SLAUGHTER im Interview
18.02.2026 | 18:17Keine Musik für Disney-Filme.
Am 30.01.26 hat die Gladbecker Band TEUTONIC SLAUGHTER ihr drittes Album "Cheap Food" herausgebracht. Die Veröffentlichung wurde im Rahmen einer Listening-Session im Essener Kultplattenladen "Yeah Records" gefeiert. Zum Erstaunen der Band war die Listening Session auch sehr gut besucht, so haben sich gut 40 Zuschauer, darunter einige Größen der lokalen Szene, eingefunden, um den Ausführungen der Band zum Drittwerk zu lauschen.
Einzig Gitarrist Ivan Almeida konnte nicht anwesend sein, da er bei seiner Verwandtschaft in Brasilien weilte, um dort die Sonne zu genießen. Aber auch so gab es zu jedem Song genug Anekdoten zu erzählen, so dass sich ein recht launiger Abend bei Bier und guter Musik ergab. Im Anschluss gab es auch noch viele weitere interessante Gespräche, bevor der Abend im "Café Nord" ausklingen durfte.
Ein paar Tage später habe ich TEUTONIC SLAUGHTER dann zum Interview in ihrem Proberaum getroffen. Dieser befindet sich innerhalb vom "Dröhnschuppen" in Gladbeck, einem kleinen, aber fast schon legendären Veranstaltungsort, der durch den "Förderverein Rockmusik Gladbeck e.V." wiederbelebt wurde. Seit 2015 finden hier regelmäßig die "Metal in Gladbeck"-Konzerte des Fördervereins statt, bei denen auch schon Bands wie SCREAMER, DARKNESS, WARLORD oder TAILGUNNER auf der Bühne standen.
Für das Interview haben sich Sänger und Gitarrist Philip, Bassist Fabian, Drummer Nico und Leadgitarrist Ivan, der per Videoschalte aus Brasilien teilnahm, die Zeit genommen um mit mir über die Bandgeschichte, das neue Album "Cheap Food" und den kommenden Release-Gig am 21.02.2026 zu sprechen.
Herzlichen Dank, dass ihr euch Zeit genommen habt, hier in eurem musikalischen Wohnzimmer, dem "Dröhnschuppen". Erzählt doch mal kurz, für die Leute, die euch noch nicht kennen, wer ihr denn seid.
Philip: Kurz? Kommt! Wir sind TEUTONIC SLAUGHTER, Oldschool-Thrash-Metal-Band aus Gladbeck, gegründet 2012 und seitdem aktiv. Wir haben jetzt unser drittes Studioalbum rausgebracht, zwischendrin ein paar Veröffentlichungen gehabt und sind seit 2023 im neuen Line-up unterwegs, mit dem Nico und dem Ivan. Der Nico hat an den Drums übernommen, der Ivan an der Leadgitarre. Der Fabian am Bass, und ich an Gitarre und Gesang, sind von Anfang an dabei.
Jetzt haben wir uns ja schon am Freitag auf der Listening Session gesehen und die war sehr gut besucht. Wie war so das erste Feedback zum Album von den Leuten, die "Cheap Food" jetzt zum ersten Mal gehört haben?
Fabian: Richtig gut.
Nico: Boah, hammergut, also tatsächlich deutlich, deutlich besser als selbst mit gerechnet. Klar, wenn man ein Album aufnimmt, produziert und rausbringt, geht man natürlich davon aus, dass man auch wirklich etwas Geiles erschaffen hat. Aber manchmal ist es ja dann doch ein bisschen anders, wie die anderen Leute das so auffassen. Aber wir haben nicht damit gerechnet, dass es durchweg so viel positives Feedback gibt.
Philip: Also ich mein, wir machen das, was wir machen, aus Überzeugung. Und das machen wir ja gerne. Also wir hören die Musik selber gerne, haben aber in der Vergangenheit natürlich auch erlebt, dass die Resonanz immer eine gute war, aber man immer so einen gewissen kleinen, harten Kern hatte, der gesagt hat, "Ey, Oldschool, Thrash Metal, wie cool!" Und ich habe das Gefühl, dass irgendwie das Ganze totale Wellen aufnimmt. Also es ist irre und es macht wahnsinnig viel Spaß mit dem, was man von Herzen gerne macht, auch Leute zu erreichen. Wir haben von der Fachpresse schon Rückmeldung bekommen, du hast ja auch schon geschrieben, aber jetzt auch von den Leuten vor Ort, die wirklich sagen, "Ey, ich hab damit nicht fachlich zu tun, ich hör mir das an, weil ich darauf Bock hab!". Also die Fans, für die wir es machen und die wir selbst auch sind, dass die jetzt sagen, "Ey geil, das hört sich ja super an!", "Ey, das ist ja noch ein Schritt weiter" und "Boah, die knallt ja voll, die Scheibe!" Das ist der Wahnsinn. Das ist das größte Geschenk, was wir bekommen können.
Ja, das glaub ich euch. Was waren denn so die Besonderheiten bei der Produktion? Habt ihr da irgendwas anders gemacht als bei den vorherigen Sachen, außer dass jetzt natürlich ein neues Line-up da war?
Fabian: Es war richtig professionell, wir haben alles professionell gemacht.
Philip: Irgendwas anders gemacht, ist gut, wir haben im Grunde alles anders gemacht. Also die anderen Scheiben sind ohne Klick entstanden, ohne Metronom, sondern einfach nur Oldschool, auf Schlagzeug eingespielt. Das war das erste Mal, dass wir wirklich in ein richtig professionelles Studio gegangen sind, uns wahnsinnig viel Zeit mit den Songs genommen haben. Und wir hatten auch mit dem Markus Lübke jemanden, der sich so mit dem Material auseinandergesetzt hat, dass der uns halt auch im Doing, im Studio noch mal Resonanz gegeben hat und wir bestimmte Kleinigkeiten, noch mal so ein paar Hooks, ändern konnten, um dem Song noch ein bisschen mehr Punch zu geben. Dass in einer Gesangsstrophe oder bei dem Chorus noch mal eine andere Betonung auf die Stimme gelegt wird oder bei den Drums noch mal... "Ey, das Intro, spiel doch mal so oder so!" und das ist für uns nicht nur ein bisschen was anderes gewesen, sondern eine vollkommen andere Erfahrung. Aber das durfte jetzt ja auch sein. Wir sind alle älter geworden, wir wollten, dass dieses dritte Album jetzt auch genauso klingt, wie wir uns das wünschen und das ist echt toll, das Album klingt ohne Kompromisse genauso, wie wir es wollten.
Ich finde auch, dass der Markus da einen sehr guten Mix aus moderner Produktion und wirklich natürlichem Livecharakter drin hat in der Scheibe. Also man hört jedes Instrument, das finde ich wirklich sehr gut abgemischt... Da macht der Ivan sich gerade 'n Bier auf!
Philip: Frechheit!
Fabian: Ja, Frechheit. Wie könnt ihr denn Bier trinken?
Ivan: Ich habe Urlaub, man, ich bin in Brasilien (Prostet in die Kamera, alle lachen.)
Ja, Frechheit und Prost. Wieso habt ihr 'Cheap Food' als Titeltrack ausgewählt für das Album? Ich meine, hättet ihr auch noch ein paar andere Kandidaten nehmen können?
Philip: Ja, gute Frage. Tatsächlich, weil 'Cheap Food', so ehrlich muss man sein, einer der überlebenden Titel aus der Vergangenheit war, die wir natürlich noch mal neu arrangiert haben. Und das Cover-Artwork stand ja schon 2019, 2020 und die Idee für ein drittes Album gab es ja schon im alten Line-up. Dann kam Corona und dann war alles weg. Die Message von 'Cheap Food' ist so aktuell wie, glaub ich, noch nie.
Nico: Aktueller als 2019.
Philip: Also deutlich aktueller als 2019, wenn man überlegt, was wir uns damit wünschen, nämlich 'Cheap Food' als Metapher zu betrachten, dafür, dass wir uns mit Kleinigkeiten abspeisen lassen, mit billigem Scheiß, mit Ramsch aus China, um uns dann alle auch individuell zu pushen, nach dem Motto: "Wir sind alle so toll!" Schön von anderen abgrenzen und die Gemeinsamkeit aus dem Blick zu verlieren. Also deswegen, die Message ist total aktuell. Das passt da immer noch wie die Faust aufs Auge, wie gesagt, sogar besser als vorher. Aber das hat uns damals schon gut gefallen, in dem alten Line-up und deswegen haben wir das Cover-Artwork darauf auch abgestimmt. Es wäre tatsächlich jetzt komisch gewesen, die Scheibe anders zu benennen, also wir sind dem Stil einfach treu geblieben an der Stelle.
Du hattest schon auf der Listening Session so einiges zu dem Album erzählt. Was mir da im Sinn geblieben ist, und als Gladbecker muss ich das auch ansprechen, ihr behandelt ja auch das Gladbecker Geiseldrama auf dem Album. Ich habe es damals selbst noch miterlebt. Also sprich, ich habe die Polizeiwagen an meinem Haus vorbeifahren sehen und sowas alles. Wie alt war ich da? Sechs oder sieben muss ich gewesen sein. Wie siehst du das Geiseldrama heute? Warum war euch das ein Anliegen, das noch mal zu verarbeiten?
Philip: Wir sind hier in Gladbeck, gerade auch musikalisch, aber so grundsätzlich mit so großen Nachbarn, wie wir sie haben, an vielen Stellen sehr, sehr abgehängt und wenig präsent. Wenn man Gladbeck sagt, sagen alle: "Ah, Gladbach!" Dann denken alle, wir kommen hier vom Niederrhein. Oder die sagen: "Ah, hier Butendorf, Stau, Stauschau!" und das nächste, was kommt, ist das Geiseldrama. Und das Geiseldrama ist ja etwas, was gar nicht positiv behaftet ist und das darf es auch nicht sein. Und gleichzeitig ist es immer noch so eine Räubergeschichte. Selbst wenn die Bild-Zeitung zum weiß nicht wievielten Jubiläum dann wieder etwas schreibt, ist es jedes Mal diese Räubergeschichte. Wir als Ur-Gladbecker sind damit groß geworden mit dem ganzen Thema und finden, dass es etwas ist, was in Erinnerung bleiben muss, aber als das, was es war, nämlich als eine Straftat von zwei miesen Verbrechern, die auch noch wie Helden auf einmal aufgeplustert worden sind, weil die Medien keine vernünftige Arbeit geleistet haben und wirklich gefährlich falsch berichtet haben und weil die Polizeiarbeit zu dem Zeitpunkt nicht so weit war, vernünftige Antworten auf solche Menschen zu geben.
Das Ganze hat natürlich 'ne gewisse Lokalidentität, aber auch etwas, wo wir sagen, es ist wichtig, dass man die Aufmerksamkeit darauf aufrechterhält und gar nicht den beiden Verbrechern viel Plattform gibt, sondern vielmehr sagt, die Message muss aktiv bleiben, gerade in der heutigen Zeit, in Zeiten von Desinformation. Der Medienkodex muss eingehalten werden, Pressefreiheit, aber auch Pressegelübde, dass man die Wahrheit vermittelt, Wahrheit verbreitet. Die Polizeiarbeit muss weiterhin sauber geleistet werden, damit man nämlich in unserer Gesellschaft vernünftig miteinander umgehen kann. Das soll behandelt werden und gleichzeitig aus einem Gladbecker Gesichtspunkt, der normalerweise immer ein sehr, sehr zurückhaltender ist. Ich meine, du kennst das selbst, um uns herum passiert wahnsinnig viel. Hier passiert etwas, weil vielleicht der Förderverein Rockmusik gerade was macht, und das war es tatsächlich. Dadurch, dass die evangelische Kirche hier nicht mehr aktiv ist, weil die ja Ressourcen rausnehmen aus diesen ganzen Konzertthemen. Also wir freuen uns, dass der Förderverein da noch bei der evangelischen Kirche das machen darf. Das ist auch eine Kooperation, aber das war ja früher so das Monopol, wenn ich an "Pori", an das Musikfestival und was weiß ich denke, das gibt es ja alles nicht mehr und es gibt niemand anderen, der hier was macht.
Ja, das stimmt. Ich meine, es finden ja hier auch außerhalb vom Förderverein, eigentlich generell in Gladbeck, nicht großartig Konzerte statt, also im Rahmen der Stadthalle. Aber das ist ja auch meistens eher das öffentliche normale Kulturprogramm und jetzt nicht so interessant. Also popkulturell findet hier eigentlich gar nichts statt außer dem, was ihr hier macht oder besser, worin ihr über den Förderverein involviert seid. Jetzt waren wir aber gerade beim Thema Gladbecker Geiseldrama. Ich mein, das kann man ja auch generell sehen, ihr sagt es ja auch, es ist auch eine Kritik an dem Umgang der Medien und ist auch aktueller denn je. Es ist ja heute immer noch brandaktuell und kann durchaus als Metapher verstanden werden. Das ist mir sowieso aufgefallen, dass ihr auf den Alben sehr viele aktuelle Themen habt. Wenn ich das mal durchgucke, auch wenn die Titel an sich schon älter sind, seid ihr da sehr, sehr oft aktuell.
Fabian: Nicht viel passiert in den letzten Jahren. Hat sich nicht viel zum Positiven geändert.
Philip: Die Schraube hat sich halt eigentlich noch mehr gedreht. Und was man sagen darf, also das ist der Vorteil, wenn man einfach auch mehr Standing gewinnt. Nicht mehr der Teenager ist, der irgendwie ein Album aufnimmt. Und, das muss man aber auch ganz klar sagen: Acht Jahre zwischen den Alben bedeuten auch für uns acht Jahre mehr im Leben. Das ist tatsächlich bei uns, die jetzt alle irgendwie Anfang 30, Ende 20 sind, noch mal ein großer Schritt. Wir konnten mit dem Album direkter sein. Wir konnten die Message, die wir haben, die wir auch schon bei "Witches Rock'n'Roll" und bei "Puppeteer Of Death" immer mal wieder mit reinbringen wollten, aber viel klarer transportieren in diesem Album, weil wir einfach erwachsener geworden sind mit den Themen. Die Texte sind teilweise alt, teilweise sind sie aber auch noch mal geschärft. Die Message ist aber tatsächlich bei den alten Sachen dageblieben und wie gesagt, ich glaube nur besser auf den Punkt gebracht.
Ja, das mag dann das Alter mitbringen, die Reife, dass man halt genau das ausdrücken kann, was man ausdrücken möchte.
Nico: Ja, und auch die fehlende Scheu, irgendwas zu sagen, was irgendwem vielleicht ans Bein pissen könnte. Das ist jetzt das dritte Album, die Band gibt es jetzt seit 12, 13 Jahren. Wir sind alle älter geworden...
Fabian: Seit 14 Jahren.
Philip: Bitte, 14 Jahre?
Fabian: 14 Jahre.
Nico: Scheiße, scheiße... Ja, ich mein, es ist uns auch, glaub ich, ein bisschen egal, was dann im Endeffekt darüber gesagt wird. Ich glaub, das hat viel einfach mit Integrität und eigener Authentizität zu tun, diese Themen auch auf der Platte widerzuspiegeln und dann einfach sagen zu können, so meinen wir das und so sagen wir das dann halt auch einfach.
Philip: Also Metal ist immer politisch gewesen, auch da muss man ganz klar Kante zeigen und ich finde diese Aussagen von wegen Metal muss nicht politisch sein und Musik muss man trennen und was weiß ich: Nein! Wir haben eine Plattform, auch wenn wir eine Underground-Band sind, und die gilt es zu nutzen. Fertig. Also da muss man auch für das einstehen, was man für richtig hält.
Das ist mir ja auch aufgefallen, besonders im Thrash Metal, der war ja immer politisch. Also egal welche Bands man gesehen hat, die haben eigentlich durch die Bank weg irgendwo politische Songs gemacht. Und ja, ich finde es auch immer komisch, wenn Leute sagen, dass eine Band keine Meinung haben darf.
Philip: Mir zeigt das immer, ich hab kein Bock mich mit unangenehmen Themen auseinanderzusetzen oder ich will mir doch mein verschrobenes Weltbild nicht von irgendjemandem komisch reden lassen. Ich will mich nicht mit Kritik auseinandersetzen. Doch, da dürfen wir gerne streitbar sein mit dem, was wir da auch nach vorne bringen. Aber lieber streiten und miteinander im Gespräch sein, als keine Meinung zu haben. Weil dann bist du verloren.
Ja, das stimmt. Siehst du das auch so, Ivan?
Ivan: Ich sehe das genauso. Ich finde, wenn man da meint, ich sollte das und das nicht sagen, dann kann man auch Musik für Disney-Filme schreiben.
Ja, das stimmt.
Philip: Oh, das hört sich nach einer Überschrift an!
TEUTONIC SLAUGHTER schreibt Musik für Disney-Filme.
Philip: Keine Musik für Disney-Filme.
Jetzt habe ich ja auch schon mitbekommen, dass Nico sich einbringen durfte ins Songwriting. Das habt ihr auch auf der Listening Session gesagt. So hast du, glaub ich, die Riffs für 'Witches Rock'n'Roll' geschrieben. Ich denk mal, Ivan, du hast auch einiges mit eingebracht?
Witches Rock 'N' Roll
https://www.youtube.com/watch?v=zplGLUsIPkc
Philip: Ja!
Fabian: Talent in die Band.
Ivan: Ja, mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger. Ein bisschen auf die Bremse treten war ganz gut bei mir, aber ja.
Musste man dich bremsen?
Ivan: Ja, manchmal ein bisschen.
Fabian: Manchmal? Also, schon ziemlich stark.
Man merkt dem Album schon an, dass du dich da austoben durftest. Wenn man sagt, du wurdest gebremst, da wäre ich mal gespannt, wie es ungebremst klingen würde.
Nico: Ja, das kann ich dir sagen, das ist ein vier-Minuten-Song und als Gitarrist denkt man dann, ja geil, ich hab vier Minuten Zeit für ein Solo, ne?
Fabian: Das ist ein vier Minuten langes Solo, was zum Song passt.
Philip: Wenn du Glück hast. Aber der Ivan entlastet damit ja auch mich total gut, weil ich dann bei der Gitarrenarbeit auch deutlich roher sein darf, dadurch kommt dann so ein bisschen der Push in dieses Oldschoolige. Aber der Ivan bringt dann noch diese Finesse mit rein und das merkt man auf der Scheibe, das merkt man aber auch live, weil das Ganze sich dann wirklich ergänzt und ich mehr Möglichkeit habe, mich mehr auf das Publikum zu fokussieren. Man merkt einfach, dass der Nico absolut die Essenz von TEUTONIC SLAUGHTER eingesogen hat, schon von vornherein. Gerade auch das, was der Ivan mitbringt, sind andere Ideen, Kreativität, die er noch reinbringt. Wo man sagt, ja, da muss man ihn manchmal bremsen, weil es soll halt immer noch nach Oldschool-Thrash klingen. Irgendwie haben wir alle so ein Gespür dafür, so eine Intuition, das muss auch noch nach TEUTONIC SLAUGHTER klingen. Also es darf jetzt nicht auf einmal MEGADETH sein oder so, auch wenn es Ivans Lieblingsband ist. Es ist genau die Mischung, die es dann macht, ne?
Nico: Es ist aber auch so. Das hört sich jetzt so an, als würden wir Vier bei Proben oder so diskutieren. Es ist trotzdem was sehr Natürliches und Harmonisches, was da stattfindet. Also wenn wir zusammen einen Song schreiben, dann macht da so ein bisschen jeder sein Ding und am Ende ist der Song meistens fertig. Das ist ganz selten, dass man sagt: "Ja okay, aber am Schlagzeug machen wir bitte den Rhythmus doppelt so schnell" oder "Ivan, verzichte dann mal auf ein Solo", "Philip, sing da mal höher, statt tiefer" oder so. Das gibt es eigentlich so gut wie nicht. Das ist eher so, als würde sich alles von alleine ineinander zusammenfügen.
Philip: Sehr intuitiv.
Ich glaube, das ist auch die beste Ausgangslage für ein Bandgefüge.
Philip: Und wir fühlen es dann, also es ist nicht akademisch, und ich glaube, da kommt der Ivan ja her. Ivan kann darüber noch ein bisschen erzählen, der Ivan kommt aus dieser fast akademischen Ecke, wie kriegen wir das jetzt noch wilder, noch schneller, noch stärker. Und dieses Intuitive, "Ey, hat man Bock dabei im Proberaum schon abzugehen und zu headbangen?" - wenn das der Fall ist, ja dann kann der Song gar nicht so scheiße sein.
Ivan: Ja.
Du sagst nur ja, Ivan. Der Philip sagt ja schon, dass du einen anderen musikalischen Background hast, also schon ein deutlich technischeres Gitarrenspiel mitbringst.
Ivan: Ja, ich hab früher in einer Band gespielt, das war schon so Thrash/Death Metal, ich hab aber Gitarre und Gesang gemacht und mein Sologitarrist war so 'n übelst krasser technischer Typ. Der konnte spielen, so werde ich mein Leben lang nicht spielen können. Und unser Spiel war immer so, wenn der eine ein Riff zum Proberaum mitbringt, versucht der andere, das Riff noch schwieriger zu machen. Dann finden wir das zwar auch geil, aber dann muss man nach Hause fahren, das Riff üben. Und die Leute stehen manchmal vor der Bühne und wissen nicht genau, was gerade passiert. Die sagen im Nachhinein, das war geil. Aber während das Ganze geschieht, verstehen die das dann nicht so, weil es vielleicht einfach zu viel ist. Und ich kam mit diesem Drive aus dieser Band heraus damals. Ich habe dann ein bisschen aufgehört mit Musik. Und ich kannte halt nichts anderes. Dann kam ich bei TEUTONIC SLAUGHTER mit dem Drive rein und teilweise hieß es beim Songwriting: "Ja, wir brauchen ein Riff, das so und so klingt." Und dann mache ich eigentlich so einen Scheiß und dann hieß es: "Nee, das ist ein bisschen zu viel." Am Anfang musste ich ein bisschen lernen, damit umzugehen. Aber im Nachhinein habe ich gelernt, das ist viel besser so, man kann mit weniger viel geilere Musik machen. Wenn ich der Meinung bin, ach, das eine Riff, das ist aber so geil und das ist jetzt verschwendet oder so, dann kann ich mir das stattdessen einfach merken und zwei Wochen später schreiben wir einen neuen Song mit diesem Riff. Das ist einfach viel geiler als das, was ich früher gemacht.
Okay, das ist ein Statement. Jetzt stehen ja bei euch noch demnächst einige Live-Sachen auf dem Programm. Möchtet ihr mal über euren Release-Gig erzählen?

Philip: Also der Release-Gig ist sowieso mal besonders, weil wir den hier im "Dröhnschuppen" feiern können. Wir freuen uns, dass der Förderverein das jetzt auch als Förderverein-Veranstaltung macht, was uns die Möglichkeit gibt, hier in Gladbeck zu bleiben. Ne, das ist uns eine Herzensangelegenheit. Und was wir wirklich cool finden, wir haben für den Release-Gig Support Acts am Start, die uns begleitet haben. Und zwar unsere Bandgeschichte lang. Wenn ich überlege, MESSERSCHMITT, da haben der Fabian und ich uns gerade kennengelernt, 2011 oder so. Irgendwie sind wir nach Remscheid gefahren und durften beide noch kein Auto fahren. Also das heißt schon wirklich was. Wir sind nach Remscheid gegurkt, um da deren Release zu sehen von deren Demo und die hatten dann ein Riesenkonzert organisiert mit irgendwie fünf Bands oder so und wir haben einfach MESSERSCHMITT mitbekommen. Wir mussten danach wieder in die Bahn steigen und zurückfahren, weil wir sonst nicht mehr nach Hause gekommen wären nach Gladbeck. Also total wild, haben 'ne halbe Stunde MESSERSCHMITT geguckt, sind dann wieder weg und waren seitdem auch immer mit denen in Kontakt gewesen. Und die Jungs von TÄUFER sind ja auch durch verschiedene Bandbesetzungen gegangen. Zwei von denen waren vorher bei WIFEBEATER und bei LASERPOPE, und mit denen haben wir damals mit die ersten Auftritte gespielt, also bei dem Band-Contest, bei dem wir damals angefangen hatten mit unseren Live-Aktivitäten. Da waren die mit dabei, von daher für uns was Besonderes. Das ist echt eine Freude, zwei wirklich auch befreundete Bands mit am Start zu haben, die gleichzeitig wahnsinnig coole Mucke machen. Was wirklich besonders ist, ist, dass wir da auch noch eine kleine Überraschung haben werden, an dem Tag. Wir werden so ein zweigeteiltes Set spielen und zwischen den Sets wird es noch mal was Besonderes geben, mit musikalischer Untermalung, die auch sehr, sehr auf die Vergangenheit unserer Band anspielt. Bei der wir zum Glück aber genießen dürfen. Mehr darf ich dazu nicht sagen, weil ich sonst Ärger krieg.
Fabian: Aber ja, reicht ja auch, ne, darf man ja mal gespannt sein.
Ja, gut. Was habt ihr denn sonst noch in nächster Zeit für Live-Pläne?
Philip: Tatsächlich finde ich, ist es recht moderat bisher, was aber auch okay ist, wir haben ja das Glück, dass wir nicht spielen müssen, sondern spielen wollen. Und dann auch immer sagen, ey, dann darf das so richtig Punch machen, dann macht es Spaß! Wir werden das "Live Undead"-Festival bzw. die "Live Undead"-Konzertreihe in Bielefeld abschließen mit unserem Gig, der da stattfindet. Die "Live Undead"-Reihe war damals eine der ersten Konzertreihen, wo wir, ich sag mal, aus dem Ruhrgebiet rausgekommen sind und mit dem Veranstalter sind wir echt lange im Kontakt, seitdem wir das erste Mal da gespielt haben. Der hat uns damals auch mit dem Timon Kokott in Kontakt gebracht. Also da kommt so diese Connection nach Ostwestfalen-Lippe her, und die beenden jetzt das "Live Undead" bei der 50. Ausgabe und da dürfen wir halt noch mal auf die Bühne gehen. Da freuen wir uns sehr drüber. Danach steht tatsächlich noch das "Gladbeck Metal Bash-Open Air" an. Das ist natürlich für uns jedes Mal was ganz Besonderes, weil wir ja das Glück haben, in unserer Heimatstadt mit wahnsinnig tollen Bands zu spielen und zwar unabhängig von der Größe. Weil wir echt vom Opener an bis zum Headliner mit RIOT V einfach wahnsinnig coole Acts da auf der Bühne haben und das macht Spaß, ist wirklich was Besonderes und absolut unterstützenswert. Der Förderverein macht das ja auch alles im Ehrenamt, von daher wird da kein Cent irgendwo an jemanden gegeben, der sich damit die Tasche vollmacht, sondern es geht echt um Kulturförderung hier. Und das wollen wir unterstützen und freuen uns, da mit Leuten zu feiern.
Ja, ist ja auch jedes Mal ein richtiges Highlight in der Stadt.
Nico: Ja, definitiv. Also für mich, auch als ich noch nicht bei TEUTONIC SLAUGHTER gespielt habe, immer wirklich so eines der Highlights überhaupt gewesen im Jahr, weil klar, es gibt auch das "Rockhard-Festival" in der Nähe, was natürlich auch mal dazu zählte und ich fahre immer gerne aufs "Freak Valley" und so. Aber das macht es hier noch mal so besonders, dass es halt wirklich so familiär ist, dass die sich für die eigentliche Größe, die das Festivals hat, immer Bombenbands raussuchen und man die ganze Handarbeit und Liebe und so da drin wiederfindet. Also das Festival ist top organisiert, es mangelt niemals an irgendwas, man steht nicht lange am Bierstand an, es gibt genug Toiletten. Das sind ja immer so Kleinigkeiten, wo man merkt: Okay, sind die Leute am Sparen oder geht es hier darum, wirklich eine schöne Veranstaltung zu machen.
Das ist etwas, was mir auch dort aufgefallen ist, als Gast. Also, dass man da wirklich top organisiert, alles super, da kann man sich nicht beschweren. Ja, ihr teilt euch dieses Jahr mit RIOT V die Bühne und VENATOR, BÜTCHER und ENFORCER darf man jetzt auch nicht vergessen.
Philip: BLADECRUSHER aus den Niederlanden finde ich auch unendlich mächtig. Als Opener ist ja MONSTER aus Aurich da, einfach auch wahnsinnig nette Menschen, die mit dem "Kuhzifer e.V." ja auch verbunden sind. Die machen das "Kruzifest" jedes Jahr. Also Granatenband und einfach tolle Leute.
Und ansonsten seid ihr live noch frei verfügbar?
Philip: Ansonsten sind wir live noch frei verfügbar und aktuell auch selbst die Ansprechpersonen. Also bitte direkt an uns, wenn es um Booking geht. Und ja, wie gesagt, da Passionstäter, Überzeugungstäter. Also wir machen das, worauf wir auch Bock haben, weil das ist die Freiheit, die wir uns da rausnehmen dürfen. Aber wir haben Bock, live zu spielen und das neue Album dem Publikum zu präsentieren.
So ein bisschen der Spirit von TANKARD, die auch nie Vollprofi gegangen sind?
Philip: Ja.
Die spielen ihre 30-40 Konzerte im Jahr und ansonsten lassen die es.
Philip: Ja, genau, das müssen wir sehen, ob wir jemals so über 30 Hütten schaffen können. Aber so ein bisschen auch, also klar, das sind alles dicke Namen. Also wenn ich TANKARD hör, dann wird man ja schon rot, weil 'ne gigantische Bandlegende und für uns Vorbilder ohne Ende. Aber auch so Bands wie DESASTER, die ganz klar sagen: Überzeugungstäter, wir machen das, wir haben Bock da drauf und spielen auch die Sachen, auf die wir Bock haben, müssen aber nicht spielen, weil wir halt tatsächlich alle irgendwie mit Freunden, Familie, Partnerin, ja auch gebunden sind. Das ist also, wenn wir irgendwo stehen, dann müssen wir 100% geben. Wenn wir irgendwo auf eine Bühne gehen, kannst du erwarten, gibt's 100% Tritt in den Arsch. Da wird's richtig geil, weil wir aber auch Bock darauf haben.
Da habe ich euch bis jetzt auch noch nicht anders erlebt.
Fabian: Glück gehabt.
Dann würde ich mich bei euch erstmal bedanken für das nette Gespräch und dass ihr mich in euer Wohnzimmer eingeladen habt, quasi die heiligen Hallen. Dann wünsche ich euch erst mal noch eine schöne Probe.
Philip: Herzlichen Dank.
Photo Credit: René Juffernholz
Photo Credit Promofotos: Lisa Maslowski

- Redakteur:
- René Juffernholz





