BROTHERS OF METAL und MOONLIGHT HAZE - Nürnberg
26.02.2026 | 16:0825.02.2026, Hirsch
Alter Schwede, was für ein Brett!
Nach dem Ausflug am Samstag ins benachbarte Bundesland steht heute für mich ein Heimspiel in Nürnberg in. Leider erreichte mich vor wenigen Tagen eine zumindest kleine Hiobsbotschaft. Das Konzert von BROTHERS OF METAL mit MOONLIGHT HAZE wurde von dem großen Löwensaal in den etwas kleineren Hirsch verlegt. Dies ist insofern schade, da der heutige Headliner auf einer großen Stage einfach besser zur Geltung kommt. Immerhin stehen da sieben Musiker auf der Bühne und ich bin wirklich gespannt, wie kuschelig es für die schwedische Power Metal-Band im Hirsch wird.
Kuschelig wird es auf jeden Fall auch für uns Fotografen im sehr schmalen Graben an diesem Abend. Warum das Konzert verlegt wurde, vermag ich nicht zu beurteilen. Die nun neue Location ist auf jeden Fall ausverkauft. Ich nutze den heutigen Tag, um im Büro mal wieder ein paar Kollegen zu treffen und bin nach Feierabend innerhalb weniger Minuten vor der Halle.
MOONLIGHT HAZE habe ich bisher noch nicht live gesehen, allerdings ist mir Sängerin Chiara Tricarico durchaus ein Begriff. Sowohl mit AVANTASIA, zuletzt vor knapp einem Jahr in Bamberg, als auch mit TEMPERANCE konnte ich sie schon erleben. Ich habe noch dunkel in Erinnerung, dass sie gemeinsam mit Tobi Sammet ein hervorragendes 'Farewell'-Duett abgeliefert hat. Ich bin gespannt, ob mir die italienische Symphonic Metal-Band genau so gut gefällt wie meinem geschätzten Kollegen Maik, welcher dem aktuellen Album "Beyond" eine sehr gute Note gegeben hat. Ich habe zuvor in ein paar neue Songs reingehört. Diese sind mir allerdings etwas zu poppig, zu catchy. Aber vielleicht wird ja live noch 'ne ordentliche Rockschüppe draufgelegt.
Um Punkt 20 Uhr geht das Licht aus und die Musiker kommen unter großem Jubel der Crowd auf die Bühne. Von Rock ist allerdings erst einmal wenig zu spüren. Auf dem Liederzettel steht der gleichnamige Titeltrack des genannten Albums auf Platz eins. Aus dem Off ertönt ein Klavier und Chiara singt die Ballade wirklich gefühlvoll und wirklich gut. Sie ist dabei in stimmungsvolles Licht gehüllt, das passt so schon zusammen. Ich bin mir nur nicht sicher, ob der Track ein guter Einstieg für ein Konzert ist, das Publikum reagiert auch erst einmal relativ verhalten. Doch mit 'Tame The Storm', ebenfalls vom neuen Album bessert sich die Stimmung im bumsvollen Hirsch schlagartig. Hebt sich das Lied schon deutlich von einigen Songs auf dem neuen Album ab, wird hier die erhoffte metallische Schüppe wirklich draufgelegt. Die Keyboard-Spuren kommen zwar leider vom Band, halten sich aber angenehm im Hintergrund.
Auch 'Chase The Storm' ist noch mal deutlich Gitarren-lastiger als auf der mir bekannten Version. Die Band hat sichtlich Spaß und auch das Publikum geht ordentlich mit. Permanent werden die Pommesgabeln in die Luft gestreckt. Die Crowd ist im Gegensatz zu mir sehr textsicher und ich habe das Gefühl, dass viele Besucher in erster Linie wegen der Supportband im Hirsch sind. Leider (er)kenne ich die Herren an den Äxten nicht. Doch der Drummer, welcher sein Instrument recht nah am linken Bühnenrand aufgebaut hat, kommt mir bekannt vor. Meine Kollegin Dany ist nicht nur eine sehr gute Fotografin, sie sagt mir auch wer da den Takt vorgibt. Simone Morettin konnte ich immer wieder mal mit ELVENKING sehen und auch jetzt bei MOONLIGHT HAZE liefert der gute Mann wirklich gut ab.
Ich mag die Stimme von Chiara, welche sich in Nürnberg nicht mit langen Reden aufhält. Der Zeitplan ist eng getaktet und immerhin hat MOONLIGHT HAZE zehn Songs mit nach Mittelfranken gebracht. Neben fünf neuen Tracks gibt es auch ein paar Lieder von den Vorgängeralben. Die Stimmung auf und vor der Stage ist hervorragend und ich bin froh, dass zumindest live Pommesgabel statt Diskokugel angesagt ist. Mit 'We'll Be Free' vom 2022 veröffentlichten Album "Animus" verabschieden sich die italienischen Metalsymphoniker unter tobenden Applaus aus Nürnberg. Jetzt wäre ein Kaltgetränk vonnöten, doch es ist nahezu unmöglich durch die Masse an die Theke zu gelangen.
BROTHERS OF METAL konnte ich schon sehr oft erleben, allerdings immer nur mit verkürzten Sets auf diversen Festivals. Ich mag die Band aus Schweden, sorgt sie doch nicht nur bei mir für gute Laune. Heute dann endlich mal ein Full Set mit hoffentlich vielen Klassikern. Kurz bevor das Licht ausgeht erhasche ich noch einen Blick auf die Setliste. Was zur Hölle??? Warum fehlt 'One'? 20 Stücke, gut durchgemischt, aber "mein" Track fehlt. Die Stimmung wird erstmal auch nicht besser, als die Scheinwerfer die Bühne ausleuchten. "Rot ist des Fotografen Tod" heißt es auch jetzt, als die schwedischen Wikinger auf die Bühne stürmen. Wie erwähnt, habe ich die Band schon oft auf Festivals gesehen. Tagsüber war das Licht bisher immer klasse, auf dem Epic Fest in Roskilde ist die Band 2024 im Nebel jedoch förmlich abgesoffen. Auch heute haben wir Fotografen mit den Einstellungen zu kämpfen.
Probleme, welche die Metalheads vor dem Wellenbrecher nicht haben. Diese sind völlig außer Rand und Band und geben ordentlich Gas. Es ist knalleng im Infield, doch die Leute schaffen es echt zu tanzen, unglaublich! Knalleng ist es wie befürchtet auch auf der anderen Seite des Wellenbrechers. Ein Wunder, dass sich die Musiker nicht ständig auf die Füße treten. Diesen sieht man ihre Spiellaune deutlich an. Das Gesangstrio ist stimmlich bestens drauf. Mats Nilsson führt nonchalant durch den Abend und ext die eine oder andere Hopfenkaltschale. Scheinbar gefallen ihm die "Noch ein Bier"-Rufe aus der Crowd nicht und er möchte lieber ein lautes Skål hören.
Doch natürlich steht bei BROTHERS OF METAL die Musik im Vordergrund. Irgendwie ist es kaum zu glauben, dass die Schweden gerade einmal drei Alben veröffentlicht haben.
Aus diesem gibt es jede Menge, ja ich muss es fast schon so nennen, Ohrwürmer. 'Kaunaz Dagaz' vom 2020 veröffentlichten Album "Emblas Saga" darf ebenso wenig fehlen wie 'Concerning Norns' vom Erstlingswerk "Prophecy Of Ragnarök" aus 2018. Ich habe längst mein Foto-Equipment sicher verstaut und genieße aus einer kleinen Nische bei guter Sicht die tolle Show. Wie die komplette Crowd singe ich jede Note lauthals mit. Bei 'Yggdrasil' ist es dann um mich geschehen. Die wie immer aufkommende Gänsehaut und feuchte Augen. Ich habe keine Ahnung, warum der spezielle Song so viel in mir auslöst. Okay, der Text ist wirklich klasse, gepaart mit dem wunderschönen Gesang, den Harmonien. Da passt einfach alles. Doch es geht nicht nur mir so. Ich blicke in das von Handylichtern erleuchtete Rund und sehe nur glückliche Gesichter.
Wie so oft rennt die Zeit wie im Flug und ich habe kaum Gelegenheit, das soeben Erlebte sacken zu lassen. Zu 'Fire Blood And Steel' wird das Tempo deutlich angezogen. Mit dem 'Mead Song' verabschiedet sich BROTHERS OF METAL erst einmal von der Bühne. Natürlich haben die Metalfans noch nicht genug und fordern lauthals Zugaben. Auch ich denke, das kann noch nicht alles gewesen sein. Lange brauchen wir nicht zu warten, Mit 'Defenders Of Valhalla' geht es in die Zugaben. Mir klebt mein Shirt am Leib, die Luft ist zum Schneiden. Und dann ist es doch noch so weit! Alte Schweden, ihr habt mir mit Eurer Setliste einen gehörigen Schrecken eingejagt! Der letzte Track 'One Two Three Four' entpuppt sich - sehr zur Freude der Fans - schließlich als 'One'! Okay, da habt Ihr so gerade noch die Kurve gekriegt.
Ein sehr gute Konzertabend geht zu Ende. Ein Support, welcher mich überrascht hat, ein Headliner, der sich selbst nicht so ernst nimmt und mit seiner positiven Musik einfach für gute Laune sorgt. Ein absolut gelungener Abend und ich bin glücklich, dabei gewesen zu sein.
Text und Photo Credit: Andre Schnittker
- Redakteur:
- Andre Schnittker





