CEMETERY SKYLINE, THE ETERNAL und RED ELEVEN - Jyväskylä

26.03.2025 | 15:21

21.03.2025, Lutakko

Ein düsterer Abend im Zeichen des Gothic Rock im Land der Tausend Seen.

Wenn sich eine Band aus bekannten Gesichtern zusammenfindet, sorgt das nicht selten für ungewollte Luxusprobleme. Im Fall von CEMETERY SKYLINE sind die Mitglieder mit DARK TRANQUILLITY, DIMMU BORGIR und INSOMNIUM beschäftigt, was es äußerst schwer macht, im Tourkalender noch freie Plätze zu finden. Neben ein paar Festivalshows hat es dann nur noch für eine viertätige Tour gereicht. Durch Finnland. Doch das hat mich nicht davon abgehalten, CEMETERY SKYLINE in Jyväskylä anzusehen. Das Lutakko, in direkter Nähe zum Bahnhof gelegen, ist dabei ein äußerst passender Rahmen für einen gepflegten Ritt durch den bittersüßen Gothic-Rock.

 

Was die Show in Jyväskylä von den anderen Shows der Tour unterscheidet: Mit RED ELEVEN steht noch eine weitere Band auf der Bühne, bevor sich dann der Tour-Support THE ETERNAL die Ehre gibt. Genau um 20:45 gehen die Lichter aus und die Lokalmatadoren von RED ELEVEN schicken sich an, den Abend angemessen zu eröffnen. Mir sind die Jungs nicht bekannt und locken mich mit dem Opener 'My Own Space' ein wenig aufs Glatteis. Es wird stimmiger Alternative Rock geboten, der gerade vom Harmoniegesang von Frontmann Tony Kaikkonen und Gitarrist Teemu Liekkala aufgewertet wird. Die darauf folgenden Songs sind jedoch wesentlich moderner und metallischer und ich fühle mich des öfteren an die schwedischen Nachbarn von MESHUGGAH erinnert, ohne das RED ELEVEN die Melodie aus den Augen und Ohren verliert. Das Publikum hat schon hier Spaß und zeigt sich direkt auf Betriebstemperatur, die von eingängigen Songs wie 'Path' noch weiter erhöht werden. Nur damit die Band am Ende mit 'Starry Eyes' erneut einen Stilbruch und eine Brücke zum Beginn des Sets schlägt. Nein, es handelt sich nicht um ein MÖTLEY CRÜE-Cover, sondern um einen recht seichten und melancholischen Song, der sich erneut stark vom Rest der Setlist unterscheidet. RED ELEVEN ist eine angenehme Überraschung, die man auf dem Radar behalten sollte.

Setliste: My Own Space; Before I Fall; Blackbird; Distant Waves; Destination Unknown; Path; I Follow; Starry Eyes

Nach recht kurzer Umbauzeit geht es dann schon mit dem eigentlichen Hauptsupport der Tour weiter. THE ETERNAL um Gründer Mark Kelson (ex-CRYPTAL DARKNESS) stammt ursprünglich aus Australien, doch nach wenigen Songs ergreift er das Mikrofon, um seiner Verwirrung ironisch Ausdruck zu verleihen, dass sie zur Hälfte Australisch und zur Hälfte Finnisch wären. Und wenn man sich die Rhythmusgruppe ansieht, erspäht man das eine oder andere bekannte Gesicht. Nicht nur der ehemalige AMORPHIS-Bassist Niclas Etelävuori ist an Bord. Nein, auch noch AMORPHIS-Schlagzeuger Jan Rechberger sitzt hinter der Schießbude. Die Band steigt mit 'Everlasting' locker flockig in ihr Set ein und animiert direkt zum Mitsingen. Eine Aufforderung, dem das Publikum teilweise auch nachkommt. Auch THE ETERNAL ist mir kein Begriff, doch die Band kann mit melodischem Dark Rock überzeugen, der ab und an in Songs wie 'The Iconoclast' progressive Züge erkennen lässt. Highlights sind das eingängige 'Rise From Agony', das von der angenehm klaren Stimme von Mark Kelson getragen wird, das düstere 'Down' und der Rausschmeißer 'Deathlike Silence', die vom Publikum stellenweise frenetisch abgefeiert werden. Die finnisch-australische Truppe hat sich an dem Abend ohne Zweifel in Herz und Kopf einiger Zuschauer gespielt. Und das zu Recht. Doch den ganzen Abend über wartet das Publikum dann doch nur auf eine Band.

Setliste: Everlasting; Skinwalker; Under The Black; Rise From Agony; Down; Tempation's Door; The Iconoclast; Deathlike Silence


In der Umbaupause spürt man eine ungemeine Vorfreude auf den Headliner der Tour und mir geht es nicht anders. Das stimmungsvolle Backdrop, das rege Treiben auf der Bühne. Etwa, wenn SENTENCED-Legende Vesa Ranta völlig im Tunnel sein Schlagzeug aufbaut und sich von diversen Rufen aus dem Publikum nicht aus der Ruhe bringen lässt. Als dann das Licht ausgeht und das Intro einsetzt, gibt es kein Halten mehr. CEMETERY SKYLINE legt mit Vollgas und 'Behind The Lie' los, was als Opener grandios funktioniert.

Die Band grinst sich von Sekunde Eins einen ab, vor allem Keyboarder Santeri Kallio, bewaffnet mit schwarzer Sonnenbrille, blickt immer wieder mit einem dicken Grinsen zu seinen Mitstreitern und Obersympath Mikael Stanne (ungewohnt im weißen Hemd!), sucht dauerhaft den Kontakt zum Publikum, während Gitarrist Markus Vanhala (ebenfalls stilecht mit Mantel und Sonnenbrille auf der Bühne) und Bassist Victor Brandt jede Gelegenheit nutzen, um ein wenig zu posen. Nach dem stimmungsvollen 'The Darkest Night' wendet sich dann Mikael Stanne erstmals ans Publikum und ist jetzt schon der glücklichste Mensch im ganzen Club. Heute würde es nur Songs vom ersten Album "Nordic Gothic" geben, heute wäre die Band mal oldschool. Wie kann man diesen Mensch nicht mögen?

CEMETERY SKYLINE hält das Tempo hoch und schießt mit 'Anomalie' direkt einen flotteren Song hinterher, bevor es mit dem TYPE O NEGATIVE-Gedächtnisintro von 'The Coldest Heart' ein wenig ruhiger wird. Obwohl hier Profis am Werk sind, merkt man immer wieder, dass diese Musiker bislang kaum zusammen gespielt haben. So steht Mikael Stanne immer wieder mal im Weg, wenn Markus Vanhala und Victor Brandt zusammen posen wollen, mal rennt er fast in Victor Brandt rein oder stellt seinen Mikrofonständer denkbar ungünstig in die Laufbahn seiner Mitmusiker.Aber das trägt nur zur Sympathie der Band bei, dass hier nicht alles klinisch perfekt abläuft und der Spaß im Vordergrund steht. Rock'n Roll! Als Victor Brandt vor Freue das Publikum anschreit und dieses auf gleiche Art und Weise antwortet, quittiert er es mit einem anerkennenden Nicken.

Die Setliste selbst bietet nicht wirklich Überraschungen, präsentiert wird nur das Debüt "Nordic Gothic". Aber das Album bietet doch eine große Bandbreite, egal ob es der SISTERS OF MERCY inspirierte Rocker 'Torn Away' oder die emotionale Ballade 'When Silence Speaks' ist, jeder Song wird vom euphorischen Publikum wie kostbarer Nektar aufgesogen. Wenn es eine kleine Überraschung gibt, dann das gelungene Cover von 'I Drove All Night', was dem einen oder anderen von CYNDI LAUPER.Fan geläufig sein könnte. Das Ende des regulären Sets wird mit dem unfassbar intensiven und nachdenklichen 'Alone Together' beschlossen, bevor sich die Band kurz zurückzieht. Doch im Anschluss von einem Zugabe-Block zu sprechen, wäre übertrieben. Umso größer ist der Jubel, als die Band mit 'Konevitsan Kirkonkellot' von SENTENCED zurückkehrt und geschickt in den letzten Song 'Violent Storm' überleitet, wo nochmal alle Register gezogen wurden, bevor dann nach knapp einer Stunde tatsächlich schon Schluss ist.

Was bleibt am Ende nach dieser großartigen Show zu sagen? Ich habe das bekommen, was ich erwartet habe. Eingängiger Gothic-Rock mit jeder Menge Atmosphäre und Spaß in den Backen. CEMETERY SKYLINE hat so viel Bock auf ihre Musik, was total ansteckt und ich mich öfters gefragt habe, ob das noch Goth ist, schaut man in die grinsenden Gesichter auf der Bühne. "The worlds most happy goth band" sagt hinterher einer im Publikum. Die "Nordic Gothic"-Songs funktionieren live ausgezeichnet und alles schreit danach, wiederholt zu werden. Ich würde mich über eine weitere Tour, losgelöst von den Festivalshows, sehr freuen. Was aber wohl ein Wunschszenario bleiben wird, schaut man sich die Hauptbands der Akteure an. Aber dann hoffentlich auch in hiesigen Gefilden und nicht nur im kalten Norden.

Setliste: Behind The Lie; The Darkest Night; Anomalie; The Coldest Heart; Never Look Back; When Silence Speaks; Torn Away; I Drove All Night; In Darkness; Alone Together; Konevitsan Kirkonkellot; Violent Storm


Text und Fotocredit: Kevin Hunger

Redakteur:
Kevin Hunger

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