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FATES WARNING, DIVIDED MULTITUDE - Augsburg

13.10.2013 | 21:03

11.10.2013, Kantine

Die Progdinos mit einigen Schwächen.

Die Spannung ist groß, denn FATES WARNING auf Tour zu sehen, ist ein eher rares Ereignis. Thomas Becker und Frank Jäger sind unterwegs, um diesem Event beizuwohnen.

Das Konzert sollte pünktlich um 19.30 Uhr anfangen, doch die Vorband THE OMEGA EXPERIMENT tritt nicht auf, gerüchtehalber steckt man in massiven Verkehrsstaus. So fungiert DIVIDED MULTITUDE als Opener. Die norwegische Prog-Metal-Band existiert schon seit 1995, ich höre von ihnen aber heute zum ersten Male. Nach anfänglichen Findungsproblemen (Sound, Gesang) agiert die Band sehr tight und eingespielt und erntet mit sauber arrangiertem und vorgetragenem Progressive Metal durchaus Respekt von den Zuschauern. Doch nach einer Dreiviertelstunde guter Unterhaltung wird auch offenbar, dass der Band an entscheidenden Punkten etwas fehlt. Um von einer "Ach-ja-das-war-als-Vorband-nicht-übel"-Band zu einer "Wegen-denen-würde-ich-auf-ein-Konzert-gehen-wollen"-Band zu werden, fehlt den Kompositionen letzten Endes ein wenig der Pfeffer in der Melodieführung, die eine oder andere Kinnladen-Klapp-Passage und Frank hört auch einige Schwächen im Gesang. (Ja, ich finde, der gute Bursche am Mikro klingt einfach zu angestrengt und gepresst. Nicht schlecht, okay, aber die eröffnen natürlich für FATES WARNING, und da legt man die Messlatte naturgemäß etwas höher. Ich will nicht ausschließen, dass ich mit den Norwegern jetzt zu hart ins Gericht gehe, aber es ist wie du schon sagst: Ein bisschen was müßte da noch mehr kommen. FJ)

Setlist: Esperanto, Feed On Your Misery, Scars, Promised Land, The World Is Watching, Enter Paradise, 2 4 7, What I See,

Nun aber zum Headliner. Es ist ja eine Seltenheit, dass der amerikanische Prog-Metal-Saurier auf Tour kommt. Die letzten Gigs in Deutschland gab es zwar 2012, davor war es schon 2007. Und aus Albensicht ist die Ausbeute noch magerer, denn "Darkness In A Different Light" ist seit neun Jahren das das erste studiotechnische Lebenszeichen. Als Tour-Ersatz für den verhinderten Frank Aresti dient Michael Abdow, ein junger, talentierter Shredder mit Background in Jazz und in klassischer Musik. Man darf also gespannt auf den Mann sein.

Die Dinos starten mit 'One Thousand Fires', welches auch das neue Album eröffnet. Der sympathische Ray Alder scheint gut bei Stimme zu sein, doch das sperrige Stück kann die Stimmung noch nicht ganz aufheizen, viele kennen es vermutlich noch gar nicht. Das ändert sich bald bei 'Life In Still Water', auf das ein fulminantes 'One' geschmettert wird, dessen sagenhafter Refrain vom Publikum gefeiert und lauthals mitgesungen wird. In der Folge kommt ein schöner Querschnitt durch die "Alder-Phase", bei der beim Rezensenten besonders die "Perfect Symmetry"-"Hitsingle" 'Through Different Eyes' für besonderes Entzücken sorgt. Dazwischen werden Stücke von "Darkness In A Different Light" gestreut. Das Album hat im Vergleich zu den Vorgängern ja einen deutlichen Härteschub erhalten und diese Philosophie wird nun auch auf den Livesound übertragen. In diesem räumt Bandchef Jim Matheos dem jungen Micheal Abdow eine zentrale Rolle ein, sein Sound ist satt und voluminös, er spielt die meisten Soli, darf viel experimentieren und ist immer gut, ja fast schon zu gut zu hören.

Und damit kommen wir bei aller Freude über ein Livekonzert unserer Helden zu einigen Kritikpunkten. Die äußerst harte, modern-metallische Ausrichtung, in der auch die eher hardrockigen Songs von "Parallels" dargeboten werden, ist ganz klar Geschmackssache. Gar nicht nett findet der Rezensent das Aussparen von "Inside Out"-Stücken, bis auf den Übersong 'Monument' natürlich, der wie immer einen Sonderplatz in der Setlist innehat. Und gerade bei diesem Song wird offenbar, was mich momentan sehr bei FATES WARNING stört. Wie auch schon auf der neuen CD bin ich auch live kein Freund von Drummer Bobby Jarzombek. Er ist technisch brilliant, keine Frage, agiert aber wie eine Maschine ohne Gefühl für die Songs. Ein Tränchen hier für Mark Zonder. (Für solche Feinheiten bin ich wohl zu taub, ich fand den gut. FJ) Doch ich mache der gesamten Band den Vorwurf, kein Gespür für die Feinheiten der Musik mehr zu haben. Alles ist laut, verzerrt und von massivem Sound dominiert. Der akustische, flamencoartige Part bei 'Monument' wurde umarrangiert, Abdow darf da jetzt in Petrucci-Manier drübershreddern. Auch der andere Übersong 'Eleventh Hour', ein zerbrechliches Kleinod, fällt in der ersten Hälfe dem fragwürdgen Zugeständnis an Abdow, hier mal schön seine Effektgeräte durchzutesten, zum Opfer. Von der Spannung, die bis zur Entladung im Hauptriff aufgebaut werden sollte, ist nichts zu spüren und als die Band dann komplett einsetzt, kommt Alder nicht mehr durch die Gitarrenwand durch. Sehr schade. (Das stimmt, darüber war ich gerade bei dem erwähnten 'Eleventh Hour' recht unglücklich. Wo Feingefühl herrschte, dominiert Brachialität, was dem Song gar nicht zu Gesicht steht. Gut ja, aber heute leider nicht brillant. FJ)

Und dann Alder: Seine Stimme hat sich verändert, die Höhen sitzen nicht mehr perfekt, er muss oftmals Passagen tiefer oder gar ganz anders singen (ganz schlimm bei 'Monument' oder 'Down To The Wire'). Seine Stimme ist zwar immer noch toll und prägt die meisten Songs, dennoch kämpft bei mir die ganze Zeit Enthusiasmus gegen Ernüchterung. Bei der Frickelorgie 'A Pleasant Shade Of Gray, Part XI' hat Alder überhaupt keine Chance mehr. Dieser Sänger ist in ruhigen Phasen bei mittlerer Tonlage nach wie vor brilliant, aber er bedarf auch einer Band, die es weiß, sich auch mal zurückzunehmen und Freiheiten zu lassen. Dies hat FATES WARNING verblüffenderweie verlernt (oder es passt nicht ins aktuelle Konzept von Matheos, wer weiß) und es hat derzeit den Anschein, jeder Musiker wolle mit dem Kopf durch die Wand. Das finde ich sehr schade.

Letzter Punkt der Kritik ist die Zugabe. 'Still Remains' ist ein fantastischer Song auf CD. Aber als Rausschmeißer geht er ein wenig über das Ziel hinaus, zumal sämliche Synthies, die dieser Song einfach braucht, fehlen. Zudem trachtet vielen Leuten Publikum der Sinn nach mitsingen, headbangen und feiern, doch dazu eignet sich der progressive Longtrack nur in ganz wenigen Passagen. Selbstverständlich wurde die Band am Schluss gefeiert. Dich man hätte sich sicher noch über einen Knaller am Schluss gefreut.

Setlist: One Thousand Fires, Life in Still Water, One, A Pleasant Shade of Gray Part III, Another Perfect Day, A Pleasant Shade of Gray Part VI, Down To The Wire, Pieces of Me, I Am, The Eleventh Hour, Point of View, Firefly, Through Different Eyes, A Pleasant Shade of Gray Part XI, Monument, Encore: Still Remains

Bleibt unter dem Strich ein immer noch gutes Konzert einer tollen Band, die aber eigentlich viel mehr kann. Wie das in der aktuellen Besetzung in Zukunft sein wird, wird sich zeigen.

Redakteur:
Thomas Becker

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