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Hell On Earth 2010 - Köln

26.09.2010 | 18:33

18.09.2010, Essigfabrik

2010 bietet die Hell-On-Earth-Tour ein unverbrauchtes Programm. Mit TERROR hat man zudem einen mehr als würdigen Headliner am Start.

Eigentlich hätte ich volles Haus erwartet. TERROR haben just ihr neues Album "Keepers Of The Faith" veröffentlicht. EVERY TIME I DIE beehren uns auch nicht gerade alle paar Wochen. THE ACACIA STRAIN, DOWN TO NOTHING und ALL SHALL PERISH ebenso wenig. Mit THICK AS BLOOD und dem Deutschland-Support VERA CRUZ hat man noch zwei Newcomer im Schlepptau. Trotzdem sind in der Kölner Essigfabrik nur gut 500 Leute. Bei der letzten Show von TERROR war die Halle noch um einiges voller.

Nach einem Local-Support dürfen sich VERA CRUZ beweisen. Die Halle ist noch ziemlich leer, dennoch scheint die Band drei, vier Fans zu haben, die munter durch den leeren Raum vor der Bühne rennen und ihre ultrabrutalen Showeinlagen präsentieren. Musikalisch haben die Deutschen aber nicht allzu viel zu bieten. Metalcore, der an das Debüt von DROP DEAD, GORGEOUS erinnert, nur eben nicht derart genial ist wie das amerikanische Vorbild.

THICK AS BLOOD machen das Ganze wesentlich besser. Zwar singt heute der Merch-Mann; dieser erledigt seine Aufgabe allerdings erstaunlich ordentlich. Der Hard/Metalcore der Band strotzt nur so vor Breakdowns der übelsten Sorte und lässt weitere Karate-Kids in den Pit stürmen. Die gelegentlichen Gangshouts werden von den Fans fast schon sehnlich erwartet. Doch irgendwie ist schon nach etwas mehr als fünfzehn Minuten Schluss, und man gibt die Bühne frei für DOWN TO NOTHING. Deren old-schooliger Hardcore kommt erstaunlich frisch daher, vor allem im Rahmen der Hell-On-Earth-Tour. Man ist weniger prollig als TERROR und weniger punkig als SICK OF IT ALL und siedelt sich damit klanglich in der Mitte zwischen den beiden Bands an. DOWN TO NOTHING setzen den Schwerpunkt ihres Sets auf das vorletzte Album "The Most", welches bereits 2007 erschienen ist. Das 2008er Eisen "Unbreakable" kommt genauso wenig zu kurz, und die Fans freut es. Immerhin geht nun schon etwas mehr als bei den beiden Truppen zuvor. Eine volle Halle sieht allerdings anders aus.

Das ändern auch THE ACACIA STRAIN nicht so ganz. Dabei legt die Band den bisher besten Auftritt des Abends hin. Man ist nicht nur von der Körperfülle her fetter als die bisherigen Gruppen, sondern auch musikalisch. Der derbe Mix aus Hardcore, Metalcore und Death Metal hat die meiste Substanz und kommt unheimlich brutal aus den Boxen, gespielt von Musikern, die total in ihrer Musik aufgehen. Leider setzt man mehr auf das aktuelle Album "Wormwood" und dessen Vorgänger "Continent". Dies ist mitnichten etwas Schlechtes, allerdings hätte mehr vom Debüt "3750" nicht geschadet, denn an dessen Klasse kommen THE ACACIA STRAIN nicht mehr heran.

Und mal wieder muss ich ALL SHALL PERISH über mich ergehen lassen. Was alle so toll an der Band finden, habe ich nie verstanden. Ebenso wenig ändert sich meine Meinung heute Abend. Die Jungs spielen wie immer ihren technischen Deathcore ziemlich tight runter, doch fehlt es mir einfach an packenden Momenten, so dass die vierzig Minuten Spielzeit schon mehr als ermüdend sind. Dem Publikum gefällt es, und so werden die ersten Reihen endlich gefüllt.

Warum EVERY TIME I DIE auf dieser Tour sind, bleibt mir ein Rätsel. Zwar sind sie für mich der Hauptgrund, warum ich erscheine, dennoch passt der Southern-Hardcore-Rock der sympathischen Jungs um Sänger Keith Buckley nicht in das mit Breakdowns überladene Line-up der Tour. Vielleicht sind deswegen wieder ein paar Menschen weniger vor der Bühne. EVERY TIME I DIE geben allerdings erneut eine mehr als gute Figur ab. Man liefert eine feine Mischung der letzten vier Alben, bei der zwar 'Kill The Music' und 'Wanderlust' fehlen, aber 'The New Black' das Highlight des gesamten Abends darstellt. 'I've Been Gone A Long Time', 'Apocalypse Now And Then', 'Who Invited The Roman Soldier?' und 'We're Wolf' sollten allerdings nicht unerwähnt bleiben, machen diese doch fast genauso viel Spaß. Nach vierzig Minuten ist dann aber leider schon Schluss mit der Band des Abends.

Bei TERROR ist die Hütte dann endlich voll, und man gibt sich wie immer von seiner besten Seite. Sänger Scott Vogel hat beim überqueren der Bühne anscheinend immer noch zehn epileptische Anfälle pro Sekunde, was sein Gehampel leicht affig aussehen lässt. Dafür ist die Bühnenpräsenz des Mannes nicht zu unterschätzen.

Mittlerweile kann man die Setlist aus einem umfangreichen Backkatalog zusammenstellen und auch einen Hit wie 'Overcome' oder 'One With The Underdogs' zu Beginn einer Show spielen und hat gegen Ende immer noch genug Songs, die die Fans ausrasten lassen, wie das neue 'Stick Tight', 'Keep Your Mouth Shut' oder 'Always The Hard Way. TERROR sind live eine Bank und sicherlich weit vor Kollegen wie HATEBREED, MADBALL oder den allzu gehypten DEEZ NUTS. Ein würdiger Headliner, obwohl EVERY TIME I DIE die bessere Band heute Abend sind. Am Ende hat man sieben Bands gesehen, die alle gut waren.

Redakteur:
Sebastian Berning

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